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Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


April 2018

In­klu­si­ons­preis 2018 für Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald

Am Don­ners­tag, dem 19. April 2018 wur­de im Für­ther Ca­fé Sa­moc­ca der dies­jäh­ri­ge In­klu­si­ons­preis ver­lie­hen. Mit die­ser Aus­zeich­nung wür­digt die Le­bens­hil­fe Fürth au­ßer­ge­wöhn­li­chen und rich­tungs­wei­sen­den Ein­satz für Men­schen mit Be­hin­de­run­gen. In­klu­si­on ver­folgt das Ziel, dass al­le Men­schen mit und oh­ne Be­hin­de­rung gleich­be­rech­tigt und gleich­ge­stellt in­mit­ten un­se­rer Ge­sell­schaft le­ben kön­nen. Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald ha­ben, so Dr. Tho­mas Jung, Fürths Ober­bür­ger­mei­ster und 1. Vor­sit­zen­der der Le­bens­hil­fe Fürth, in sei­ner Lau­da­tio »die Vor­stands­mit­glie­der durch ih­re ein­fühl­sa­men und prä­zi­sen Do­ku­men­ta­tio­nen zum The­ma In­klu­si­on über­zeugt«.

Verleihungsfeier Inklusionspreis 2018 (Foto: Lebenshilfe Fürth / M. Tatka)

Die bei­den Fil­me­ma­cher ha­ben sich in vie­len Re­por­ta­gen und Do­ku­men­ta­tio­nen mit dem The­ma »Men­schen mit Be­hin­de­rung« aus­ein­an­der­ge­setzt, zu­nächst in zwei Re­por­ta­gen die Ge­schich­te des Um­gangs mit Men­schen mit Han­di­cap auf­ge­ar­bei­tet (Es war nicht im­mer nor­mal, ver­schie­den zu sein und 50 Jah­re Le­bens­hil­fe Fürth – vom Ver­sor­gen zum Be­glei­ten) und sich dann mit der Um­set­zung der 2009 von der Bun­des­re­gie­rung ra­ti­fi­zier­ten UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on be­fasst, die klar­stellt, dass ge­sell­schaft­li­che Teil­ha­be ein Men­schen­recht ist, das oh­ne Ein­schrän­kun­gen auch für be­hin­der­te Men­schen gilt. Zen­tra­ler Leit­ge­dan­ke bei der Um­set­zung der Kon­ven­ti­on ist das Prin­zip der In­klu­si­on, wo­nach Men­schen mit Be­hin­de­run­gen von An­fang an und in al­len Le­bens­be­rei­chen an der Ge­sell­schaft teil­ha­ben sol­len.

Verleihungsfeier Inklusionspreis 2018 (Foto: Lebenshilfe Fürth / M. Tatka)

In wei­te­ren Re­por­ta­gen stel­len Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald zum ei­nen schon gut ge­lin­gen­de In­klu­si­ons­pro­jek­te vor (Un­ter­stüt­zung in­be­grif­fen? – Chan­cen und Gren­zen der In­klu­si­on, Mit­ein­an­der ler­nen, an­ein­an­der wach­sen – In­klu­si­on in ei­ner Part­ner­klas­se), zei­gen in an­de­ren Re­por­ta­gen aber auch, dass der Weg zur In­klu­si­on, ins­be­son­de­re, was den schu­li­schen Be­reich an­geht, noch ein wei­ter ist (»Wir sind bunt« – Ein­blicke in ei­ne »ganz nor­ma­le« Grund- und Mit­tel­schu­le).

Verleihungsfeier Inklusionspreis 2018 (Foto: Lebenshilfe Fürth / M. Tatka)

Den Ort der Preis­ver­lei­hung, das Sa­moc­ca, ein im Fran­chise von der Für­ther Le­bens­hil­fe be­trie­be­nes Ca­fé, das rund 15 Men­schen mit Han­di­cap ei­nen Ar­beits­platz in der Mit­te Fürths bie­tet, ha­ben Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald über vie­le Mo­na­te, von den er­sten Trai­nings bis über die Er­öff­nung hin be­glei­tet. Die Fei­er zur Ver­ga­be des In­klu­si­ons­prei­ses, den sich die bei­den Fil­me­ma­cher mit An­ne Probst tei­len, die seit über 10 Jah­ren Golf­kur­se für Schü­ler mit gei­sti­ger Be­hin­de­rung in­iti­iert, fand al­so in ei­nem zum The­ma sehr pas­sen­den Rah­men statt.

Verleihungsfeier Inklusionspreis 2018 (Foto: Lebenshilfe Fürth / M. Tatka)

Die bei­den Fil­me­ma­cher be­dan­ken sich sehr herz­lich für die­se Aus­zeich­nung. Tho­mas Stei­ger­wald wünsch­te sich in sei­ner Dan­kes­re­de, dass sich die im Be­reich der Men­schen mit Be­hin­de­rung schon ganz gut ge­lin­gen­de In­klu­si­on auf al­le Men­schen aus­dehnt, ins­be­son­de­re auf in Deutsch­land le­ben­de Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. Und Ju­lia Tho­mas freut sich, dem­nächst in ei­nem Ge­mein­schafts­wohn­pro­jekt zu le­ben, in dem es auch ei­ne am­bu­lant be­glei­te­te Wohn­ge­mein­schaft der Für­ther Le­bens­hil­fe ge­ben wird. (Fo­tos: Le­bens­hil­fe Fürth / M. Tat­ka)

Auf­grund der Aus­zeich­nung wer­den wir in den kom­men­den Wo­chen zwei un­se­rer Fil­me zum The­ma auf dem Sen­de­platz von Me­di­en PRAXIS e. V. bei Fran­ken Fern­se­hen wie­der­ho­len.

Am Sonn­tag, dem 29. April um 19.30 Uhr: Un­ter­stüt­zung in­be­grif­fen? Chan­cen und Gren­zen der In­klu­si­on so­wie
am Sonn­tag, dem 6. Mai um 19.30 Uhr: Sa­moc­ca – Fran­chise ein­mal an­ders (Teil 1),
am Sonn­tag, dem 13. Mai um 19.30 Uhr: Sa­moc­ca – Fran­chise ein­mal an­ders (Teil 2)

Ih­re point-Re­dak­ti­on

September 2017

Für im­mer fremd? Vier deut­sche Mus­li­me er­zäh­len über ihr Le­ben in Zei­ten von Ter­ror und wach­sen­der Is­lam­feind­lich­keit

1999 ha­ben wir die Be­geg­nungs­stu­be Me­di­na ken­nen ge­lernt und seit­dem mehr­mals über die Ak­ti­vi­tä­ten des Ver­eins be­rich­tet. Seit 30 Jah­ren be­müht man sich hier um den kul­tu­rel­len und in­ter­re­li­giö­sen Aus­tausch.

Szenenfoto

Die mei­sten Mit­glie­der sind gläu­bi­ge Mus­li­me mit tür­ki­schen Wur­zeln. In un­se­rer neu­esten Re­por­ta­ge ha­ben wir mit vier von ih­nen, al­les deut­sche Staats­bür­ger, ge­spro­chen, über

- Ak­zep­tanz und In­te­gra­ti­on

- die po­li­ti­sche Si­tua­ti­on in der Tür­kei und die Be­richt­erstat­tung in den deut­schen Me­di­en und

- ih­ren Glau­ben und was es be­deu­tet, ihn zu le­ben in Zei­ten von Ter­ror­an­schlä­gen und wach­sen­der Frem­den­feind­lich­keit.

Szenenfoto

Ei­ne, wie wir fin­den, be­rüh­ren­de Si­tua­ti­ons­be­schrei­bung von Men­schen, die hier ge­bo­ren sind oder zu­min­dest seit vie­len Jahr­zehn­ten hier le­ben, die sich für an­de­re Men­schen ein­set­zen und mit of­fe­nem Her­zen auf je­den zu­ge­hen, egal, wel­che Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung er hat. Die uns aber auch auf­zei­gen, dass wir heu­te, in Zei­ten von Ter­ror und wach­sen­der Frem­den­feind­lich­keit, sehr ge­nau hin­hö­ren und hin­schau­en soll­ten, be­vor wir uns ein Bild über Men­schen ma­chen.

Szenenfoto

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 60 Min.

Video auf YouTube anschauen Von die­sem Film gibt es ei­nen Aus­schnitt auf You­Tube.
auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Mai 2017

Selbst­be­stimmt und mit Freu­de ler­nen – Die Lern­werk­statt

Selbst­be­stimmt, von­ein­an­der und mit­ein­an­der ler­nen und da­bei Spaß ha­ben – das ist das Ziel der Lern­werk­statt in der Ems­kir­che­ner Grund­schu­le. Ein­mal pro Schul­jahr kommt je­de Klas­se für drei Wo­chen in die Lern­werk­statt. In spe­zi­ell für die­sen Zweck um­ge­wid­me­ten Räu­men dür­fen die Schü­ler selbst ent­schei­den, was sie er­for­schen wol­len. Vor­ge­ge­ben ist nur ein sehr all­ge­mein for­mu­lier­tes The­ma. Wie sie an die not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen kom­men und wie sie zum Ab­schluss ih­re For­schungs­er­geb­nis­se prä­sen­tie­ren, ist Sa­che der Schü­ler.

Die drei forschen über Nofretete und Cleopatra. Lotte fragt sich: »Frauen waren ja früher nicht so wichtig, und dann wurden die beiden aber Pharaoninnen, das find ich ganz spannend.«

Die Schü­ler ha­ben die Mög­lich­keit, in Klein­grup­pen und in ih­rem ei­ge­nen Tem­po den Din­gen auf den Grund zu ge­hen. Sie su­chen zu ih­rem The­ma In­for­ma­tio­nen aus Bü­chern und dem In­ter­net zu­sam­men und ex­pe­ri­men­tie­ren mit in der Lern­werk­statt vor­han­de­nen Ma­te­ria­li­en. Wenn die Kin­der die In­for­ma­tio­nen zu ih­rem The­ma zu­sam­men­ge­tra­gen und im For­scher­heft fest­ge­hal­ten ha­ben, wer­den die Er­geb­nis­se für die Prä­sen­ta­ti­on vor der Klas­se auf­ge­ar­bei­tet.

Die Kinder schrecken beim selbstständigen Forschen auch nicht vor schwierigen und komplexen Themen zurück.

Die Lern­werk­statt er­for­dert auch von den Leh­rern ei­ne neue In­ter­pre­ta­ti­on ih­rer Rol­le: Sie sind nicht pri­mär, wie im nor­ma­len Un­ter­richt, als Wis­sens­ver­mitt­ler, son­dern viel­mehr als Lern­be­glei­ter ge­for­dert. Die­ses Um­den­ken ist nicht je­dem leicht ge­fal­len. In­zwi­schen sind aber aus den mei­sten Skep­ti­kern Fans der Lern­werk­statt­idee ge­wor­den.

»Du kannst lernen, ohne dass Du halt Druck hast, und du kannst Dir aussuchen, über was du forschst oder worüber du jetzt was lernst.« Tyler und Niclas beim Experimentieren am Mikroskop

Für Lern­werk­statt­be­ra­te­rin Tan­ja Schedl geht es in der Lern­werk­statt um mehr als den Er­werb von rei­nem Fak­ten­wis­sen: »Die Be­deu­tung, Wis­sen, Fak­ten ab­ruf­bar pa­rat im Kopf zu ha­ben, zeigt sich in der Ge­sell­schaft kaum noch als not­wen­dig, bei ei­nem nor­ma­len Abend­essen sit­zen Men­schen am Tisch und je­der hat so­fort die Mög­lich­keit, di­gi­tal auf ein Le­xi­kon zu­zu­grei­fen und die­ses Wis­sen pa­rat zu ha­ben, in­so­fern hat die Tech­nik die­se Not­wen­dig­keit, Wis­sen und Fak­ten ab­ruf­bar zu ha­ben, ein­fach über­holt.«

Fast das gesamte Kollegium arbeitet im Lernwerkstatt-Team mit. Gemeinsam bereiten sie das Thema für das kommende Schuljahr vor. Auch wenn hier didaktisches Material ausprobiert wird – zum Einsatz kommt es in Emskirchen kaum. Die Kinder sollen ihre Kreativität möglichst frei entwickeln.

Für sie spie­len das Er­ler­nen von ei­gen­ver­ant­wort­li­chem, selbst­be­stimm­ten Han­deln, die Ent­wick­lung von So­zi­al­kom­pe­tenz und das krea­ti­ve Prä­sen­tie­ren der Er­geb­nis­se ei­ne min­de­stens ge­nau­so gro­ße Rol­le. Sie sieht in der Me­tho­de auch ei­ne Mög­lich­keit, die Kreat­vi­tät von Kin­dern zu för­dern: »In der nor­ma­len Frei­zeit­ge­stal­tung ist bei un­se­ren Kin­dern häu­fig zu be­ob­ach­ten, dass sie be­spielt oder be­spaßt oder ver­spor­tet in ir­gend ei­ner Form im­mer an­ge­lei­tet wer­den, und krea­ti­ve ei­ge­nen Ide­en zu fin­den von den Kin­dern ein­fach we­nig ge­fragt wird.«

Sophie und Jule präsentieren ihren Mitschülern die Mode der 70er und 80er Jahre. »Das lustige ist, da ist eine Hose darunter. Die hat man angezogen, dann ist man so aus dem Haus gegangen, hat sich irgendwo im Busch oder so versteckt und hat die Hose ausgezogen und ist dann so in die Disco gegangen.«

Schu­le kann Spass ma­chen! Das kann man an der Ems­kir­che­ner Grund­schu­le haut­nah er­le­ben.

HERMANN GUTMANN STIFTUNG Die­ser Film wur­de als Ko­ope­ra­ti­ons­pro­jekt im Auf­trag der HERMANN GUTMANN STIFTUNG in jour­na­li­sti­scher Ver­ant­wor­tung von Me­di­en Pra­xis e. V. rea­li­siert.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 3 mal 30 Min.

Video auf YouTube anschauen Von die­sem Film gibt es ei­nen Aus­schnitt auf You­Tube.
auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
November 2016

»Wir sind bunt« – Ein­blicke in ei­ne »ganz nor­ma­le« Grund- und Mit­tel­schu­le

Das Baye­ri­sche Schul­sy­stem ist bis heu­te drei­ge­glie­dert. Nach ei­ner ge­mein­sa­men vier­jäh­ri­gen Grund­schu­le für al­le Re­gel­schü­ler sieht es nach der vier­ten Klas­se ei­ne Auf­tei­lung in ver­schie­de­ne Schul­ar­ten vor. Ne­ben den so­ge­nann­ten »wei­ter­füh­ren­den Schu­len«, dem Gym­na­si­um und der Re­al­schu­le, gibt es seit 2011 die Mit­tel­schu­le, für, wie es ei­ne Leh­re­rin be­schreibt, »den Rest, der es nicht ge­schafft hat«. An ca. 600 Stand­or­ten in Bay­ern sind an die Grund­schu­le Mit­tel­schu­len an­ge­schlos­sen, so auch an der Für­ther Pe­sta­loz­zi­schu­le.

In den meisten Schulstunden steht auch für Klassen, in denen viele Schüler einen erhöhten Förderbedarf haben, nur eine Lehrkraft zur Verfügung

2011 wur­den die ehe­ma­li­gen Haupt­schu­len in Mit­tel­schu­len um­be­nannt. Im Baye­ri­schen Kul­tus­mi­ni­ste­ri­um ver­sprach man sich da­von ei­ne Auf­wer­tung des Schul­spren­gels. Aber hat die Na­mens­än­de­rung et­was ge­bracht? Die stär­ke­ren Schü­ler ver­las­sen wei­ter nach der vier­ten Klas­se die Grund­schu­le Rich­tung Gym­na­si­um oder Re­al­schu­le.

Die Zusammenarbeit zwischen Förderschülern der Hallemannschule und den Regelschülern funktioniert in der Grundschule gut, wird aber durch den Weggang der sozial starken Schüler auf weiterführende Schulen immer schwieriger

Da­bei sind die An­sprü­che an die Mit­tel­schu­le wei­ter ge­stie­gen. El­tern ha­ben die Mög­lich­keit, frei zu wäh­len, ob sie Kin­der, die ein Han­di­cap ha­ben, an ei­ne För­der­schu­le oder ei­ne Grund- und spä­ter dann Mit­tel­schu­le schicken. Der An­teil der Schü­ler mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund und den da­mit oft­mals ver­bun­de­nen Sprach­schwie­rig­kei­ten ist in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich an­ge­wach­sen, Leh­rer se­hen sich im­mer öf­ter mit Schü­lern kon­fron­tiert, die ver­hal­tens­auf­fäl­lig sind oder Mo­ti­va­ti­ons­pro­ble­me ha­ben.

Zusätzlicher Förderunterricht ist erst durch das Profil Inklusion möglich, das die Pestalozzischule seit 2014 hat – für 50 Kinder mit erhöhtem Förderbedarf stehen jedoch nur 24 Wochenstunden zur Verfügung

Was ge­blie­ben ist, ist der Wunsch von Schul­lei­tung und Leh­rern, die Schü­ler mög­lichst gut auf die Ar­beits­welt vor­zu­be­rei­ten, aber ist dies un­ter die­sen Um­stän­den zu schaf­fen? Kann ein ein­zel­ner Leh­rer die An­sprü­che, die an ihn ge­stellt wer­den, über­haupt er­fül­len oder be­darf es da­zu ei­gent­lich ei­ner zwei­ten aus­ge­bil­de­ten Lehr­kraft, zu­min­dest in den Kern­fä­chern? Wie soll man Ein­zel­ne för­dern, wenn sich al­lei­ne an der Mit­tel­schu­le 50 Schü­ler mit be­son­de­rem För­der­be­darf be­fin­den und da­für ge­ra­de ein­mal 24 För­der­stun­den pro Wo­che zur Ver­fü­gung ste­hen? Wel­che Rol­le spielt da­bei das Baye­ri­sche drei­glied­ri­ge Schul­sy­stem, und was be­deu­tet es ins­be­son­de­re im Be­zug auf den In­klu­si­ons­ge­dan­ken?

Ab der siebten Klasse werden die Schüler durch verschiedene Maßnahmen auf den Berufseinstieg vorbereitet – hier bei einem Praktikum in einer Schreinerei

Ei­ne en­ga­gier­te Leh­re­rin aus der Mit­tel­schu­le meint: »So­lan­ge El­tern tag­täg­lich in der Grund­schu­le er­le­ben, wir müs­sen stark sein, das hat ‘nen Wert. Ich will, dass mein Kind aufs Gym­na­si­um geht, die Mit­tel­schu­le, das sind die Idio­ten, ich sags mal so deut­lich, kann ich nicht da­von spre­chen, dass al­le Men­schen ir­gend­wie ei­nen glei­chen Wert ha­ben, und das är­gert mich per­sön­lich.« Sie träumt da­von »dass wir den Kin­dern ei­ne Schu­le an­bie­ten kön­nen mit ei­ner Schul­tü­re und sich die­se Schu­le dann in­ner­halb des Ge­bäu­des ver­zweigt, so dass die Kin­der die Mög­lich­keit ha­ben, ent­spre­chend ih­rer Ver­an­la­gung und Be­ga­bung das ei­ne oder an­de­re zu ab­sol­vie­ren.« Ei­ne Vor­stel­lung, die wohl im­mer ein Traum blei­ben wird?

Projekte, die zur Berufsvorbereitung dienen, wie die Anschaffung und der Ausbau eines Bauwagens für die SMV, wären ohne die Unterstützung von Sponsoren nicht möglich

Me­di­en PRAXIS e.V. hat meh­re­re Jah­re die Si­tua­ti­on an der Für­ther Pe­sta­loz­zi­schu­le ver­folgt. Ent­stan­den ist ei­ne drei­tei­li­ge Re­por­ta­ge mit fol­gen­den Schwer­punk­ten:

  1. Mög­lich­kei­ten und Gren­zen des Mit­ein­an­der und von­ein­an­der Ler­nens im drei­glied­ri­gen Schul­sy­stem

  2. Die Schwie­rig­kei­ten, den Ge­dan­ken der In­klu­si­on an ei­ner Mit­tel­schu­le mit Le­ben zu fül­len

  3. Die Her­aus­for­de­rung, Schü­lern ei­ne ad­äqua­te Be­rufs­vor­be­rei­tung zu­kom­men zu las­sen

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 90 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Dezember 2015

Sa­moc­ca – Fran­chise ein­mal an­ders

Rechenunterricht: Im Ernstfall muss die Kasse stimmen

In den letz­ten Jah­ren hat sich die Kaf­fee­h­aus­land­schaft in Deutsch­land stark ver­än­dert: Vie­le von Bäcke­rei­en be­trie­be­ne Ca­fés ha­ben ge­schlos­sen. An ih­re Stel­le sind deutsch­land­weit agie­ren­de Ket­ten ge­tre­ten, die meist im Fran­chise be­trie­ben wer­den. Sa­moc­ca ist ei­nes die­ser Un­ter­neh­men, das sich al­ler­dings in ei­nem wich­ti­gen Punkt von den Mit­be­wer­bern un­ter­schei­det: 80% der Be­schäf­tig­ten sind Men­schen mit Han­di­cap.

Übung macht die Meisterin: Wenn das Balancieren mit dem Tennisball klappt, dann auch mit vollen Kaffeetassen

Im Früh­jahr 2015 wur­de in Fürth das er­ste Sa­moc­ca in Mit­tel­fran­ken er­öff­net. Seit­dem ar­bei­ten hier 15 Be­schäf­tig­te der Le­bens­hil­fe. Nach oft­mals vie­len Jah­ren im ge­schütz­ten Rah­men der Werk­stät­ten ha­ben sie sich ent­schie­den, den Schritt an ei­nen neu­en an­spruchs­vol­len Ar­beits­platz zu wa­gen. Ar­bei­ten in ei­nem Ca­fé, das be­deu­tet Schicht- und Wo­chen­end­dienst, acht Stun­den ste­hen und ge­hen und da­bei die Gä­ste im­mer gleich freund­lich be­han­deln. So et­was geht nicht im­mer oh­ne Stress ab.

Einweisung vor der Eröffnung: Auch wenn anfangs nicht jeder Handgriff sitzen wird, so werden die Prozesse so gut es geht verinnerlicht

Da­mit der ho­he An­spruch an Qua­li­tät und Ser­vice er­füllt wer­den kann, wur­de von den Fran­chise-Ge­bern ein spe­zi­el­les Be­stell­sy­stem ent­wickelt. Das er­mög­licht selbst Men­schen, die we­der le­sen noch schrei­ben kön­nen, im Sa­moc­ca zu ar­bei­ten.

Fertig zum Start: Das Samocca-Team in schicker Dienstkleidung

Fast al­le, die seit nun­mehr neun Mo­na­ten im Ca­fé ar­bei­ten, sind trotz der ho­hen An­for­de­run­gen mit viel En­ga­ge­ment bei der Sa­che und stolz auf das, was sie zu lei­sten ver­mö­gen. Ani­ta Hof­mann fasst es so zu­sam­men: »Mir ge­fällt es sehr gut, dass die Leu­te uns an­schau­en und se­hen, was wir ma­chen. Die den­ken, wir schaf­fen das nicht, weil wir sind be­hin­der­te Men­schen, die das gleich wie­der auf­ge­ben, aber dass wir es schaf­fen, heißt, wir sind ein Team. Und wenn die Leu­te das nicht glau­ben, sol­len sie uns be­su­chen und se­hen, wie wir uns dar­an hal­ten.«

Los geht's: Sowohl vor als auch hinter der Theke ist die Arbeit gleichermaßen anspruchsvoll

Der Film be­glei­tet das Pro­jekt von den er­sten Vor­be­rei­tun­gen, über die mit viel Stress ver­bun­de­ne Er­öff­nungs­pha­se bis hin zum Kaf­fee­haus­be­trieb. Die Be­schäf­tig­ten er­zäh­len von ih­ren Er­war­tun­gen und Äng­sten, von Stress­si­tua­tio­nen und Er­folgs­er­leb­nis­sen und ge­ben so ei­nen be­ein­drucken­den Ein­blick in das, was sie trotz ih­res Han­di­caps zu lei­sten ver­mö­gen.

Mit vollem Tablett zum Gast geschlängelt: Längst nicht jeder »normale« Mensch würde ohne weiteres schaffen, was die behinderten Mitarbeiter(innen) hier täglich leisten

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 62 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Januar 2015

Mit­ein­an­der ler­nen, an­ein­an­der wach­sen – In­klu­si­on in ei­ner Part­ner­klas­se

Eine wichtige Rolle beim gemeinsamen Lernen spielen die Paten

Seit 2002 gibt es an der Für­ther Pe­sta­loz­zi­schu­le ei­ne so­ge­nann­te Part­ner­klas­se. Hier wer­den Re­gel­schü­ler und Kin­der mit be­son­de­rem För­der­be­darf aus der Hal­le­mann­schu­le der Le­bens­hil­fe von ei­ner Grund­schul­leh­re­rin und ei­ner Son­der­schul­leh­re­rin von der er­sten bis zur vier­ten Klas­se ge­mein­sam un­ter­rich­tet.

An der Pestalozzischule gibt es eine offene Ganztagesbetreuung, bei der die Kinder unter vielen Freizeitangeboten wählen können: Dienstags trifft sich die Ruder-AG am Rhein-Main-Donau Kanal

Hin­ter­grund ist ei­ne UN-Re­so­lu­ti­on, die 2009 von der Bun­des­re­gie­rung ra­ti­fi­ziert wur­de. Dort heißt es, dass Men­schen mit Han­di­cap die Teil­nah­me an al­len ge­sell­schaft­li­chen Be­lan­gen zu er­mög­li­chen ist. Dies hat un­ter an­de­rem da­zu ge­führt, dass auch Men­schen mit kör­per­li­chen oder gei­sti­gen Be­hin­de­run­gen an Re­gel­schu­len ein­ge­schult wer­den.

Gegenseitiges Vertrauen ist nicht nur beim Geburtstagsritual wichtig in der Partnerklasse

Die Idee, die In­klu­si­on in Form ei­ner Part­ner­klas­se zu rea­li­sie­ren, wur­de zu­nächst von al­len Sei­ten mit ei­ner ge­wis­sen Skep­sis be­ob­ach­tet: El­tern von För­der­schü­lern hat­ten Be­den­ken, dass ih­re Kin­der zu we­nig Auf­merk­sam­keit be­kä­men, El­tern von Re­gel­schü­lern be­fürch­te­ten, dass ih­re Kin­der nicht ge­nug ler­nen. Doch von den an­fäng­li­chen Be­den­ken ist in der Part­ner­klas­se we­nig ge­blie­ben. Man ist sich in­zwi­schen ei­nig, dass bei­de Sei­ten von­ein­an­der pro­fi­tie­ren. »Es ist nach den vier Jah­ren jetzt für al­le ein Ge­winn, wir ha­ben von den Be­hin­der­ten ge­lernt, und die Be­hin­der­ten eben von den nor­ma­len Kin­dern und das ist ei­gent­lich für al­le ei­ne Si­tua­ti­on, die schön ist, weil kei­ner ir­gend­wo Ver­lier ist, son­dern al­le da­durch ge­won­nen ha­ben«, so die Mut­ter ei­ner Re­gel­schü­le­rin.

Bei der letzten gemeinsamen Klassenfahrt auf Burg Trausnitz

Der Film be­glei­tet Schü­ler ei­ner Part­ner­klas­se wäh­rend ih­rer Grund­schul­zeit und zeigt, dass In­klu­si­on mehr sein kann als ei­ne ge­sell­schaft­li­che Rand­no­tiz, wenn der po­li­ti­sche Wil­le da­zu vor­han­den ist.

Wir be­dan­ken uns für die Un­ter­stüt­zung bei:
HERMANN GUTMANN STIFTUNG
Le­bens­hil­fe Fürth e. V.
För­der­ver­ein PESTA e. V.
Re­gie­rung von Mit­tel­fran­ken

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 64 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Dezember 2013

Neue Mit­te Fürth: Denk­mal­schutz oder ein in­te­gra­ti­ves Ca­fé der Für­ther Le­bens­hil­fe?

Nach­dem sich die Wo­gen über den Ab­riss des Park­ho­tels mit dem dar­in be­find­li­chen und un­ter Denk­mal­schutz ste­hen­den Fest­saal et­was ge­legt ha­ben, be­schäf­tigt das Schick­sal des eben­falls für die Ent­wick­lung des Ein­kaufs­schwer­punk­tes »Neue Mit­te« be­nö­tig­ten Ge­bäu­des in der Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße 4 die Für­ther Bür­ger. Sol­len für das von der Le­bens­hil­fe Fürth zu be­trei­ben­de Ca­fé »Sa­moc­ca« be­stehen­de Denk­mal­schutz­auf­la­gen teil­wei­se auf­ge­ho­ben wer­den? Ei­ne aus­führ­li­che Zu­sam­men­fas­sung der Dis­kus­si­on im Für­ther Stadt­rat fin­den Sie hier:

Video auf YouTube anschauen Aus­schnitt aus der Für­ther Stadt­rat­sit­zung vom 18.12.2013
Oktober 2013

»Aben­teu­er für al­le« – Müh­len­kraft e. V.

Bis hier wieder Leben einkehrt, muss noch viel Geld in die Hand genommen werden

2009 kauf­te Müh­len­kraft e. V. in der Hers­brucker Schweiz die Harn­ba­cher Müh­le. Der Ver­ein will das 21 Hekt­ar gro­ße Ge­län­de in den näch­sten Jah­ren so ent­wickeln, dass Men­schen mit Han­di­cap hier nicht nur ei­ne sinn­vol­le Ar­beit fin­den, son­dern ih­nen auch ein mög­lichst frei­er Zu­gang zur Na­tur er­mög­licht wird.

»Abenteuer für alle« auf der Pegnitz

Un­ter dem Ti­tel »Aben­teu­er für al­le« or­ga­ni­siert der Ver­ein be­reits seit ei­ni­gen Jah­ren Frei­zei­ten in der Na­tur. Mit selbst­ge­bau­ten Roll­fietsen wer­den für geh­be­hin­der­te oder ge­lähm­te Men­schen Wald­we­ge zu­gäng­lich, mit ent­spre­chen­den Schlauch­boo­ten kön­nen sie so­gar an ei­ner Boots­fahrt teil­neh­men.

Man muss sich nur zu helfen wissen - mit einfachen Hilfsmitteln ist der Zugang zur Natur für alle möglich

Mit dem Aus­bau des Ge­län­des sol­len in den näch­sten Jah­ren die­se Ak­ti­vi­tä­ten wei­ter ent­wickelt wer­den. Gleich­zei­tig soll die Harn­ba­cher Müh­le zu ei­nem Ort der Be­geg­nung wer­den, der Men­schen mit Han­di­cap in­ter­es­san­te Ar­beits­plät­ze bie­tet. Hier­zu will der Ver­ein ei­ne Schu­le er­rich­ten, ga­stro­no­mi­sche An­ge­bo­te ma­chen und die Wald- und Wie­sen­flä­chen gärt­ne­risch be­wirt­schaf­ten.

Mit den selbstgebauten Rollfietsen auf Erkundungstour

Bis da­hin ist es al­ler­dings noch ein wei­ter Weg: Zu­nächst muss das nö­ti­ge Geld be­sorgt wer­den. Kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be, zu­mal das Ge­län­de auch noch in ei­nem Na­tur­schutz­ge­biet liegt.

Studenten der Permakultur-Akademie diskutieren über eine möglichst naturfreundliche Umsetzung der geplanten Aktivitäten

Die Re­por­ta­ge zeigt zum ei­nen die er­sten Frei­zeit­an­ge­bo­te, die hier für Ju­gend­li­che mit und oh­ne Han­di­cap ge­macht wer­den, zeigt das eh­ren­amt­li­che En­ga­ge­ment des Netz­wer­kes »Un­ter­neh­men Eh­ren­sa­che«, die bei ei­nem Cor­po­ra­te Volun­tee­ring Day den Ver­ein bei Ar­bei­ten auf dem Ge­län­de un­ter­stützt ha­ben und be­glei­te­te ei­ne Grup­pe von an­ge­hen­den Per­ma­kul­tur­de­si­gnern, die sich ei­ne Wo­che da­mit be­schäf­tigt ha­ben, wie man die ge­plan­ten Ak­ti­vi­tä­ten des Ver­ei­nes an der Harn­ba­cher Müh­le so ver­wirk­li­chen kann, dass da­bei mög­lichst we­nig Ein­grif­fe in die Na­tur er­for­der­lich sind.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 27 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
April 2012

Bil­dung für al­le – Die Stra­ßen­kreu­zer Uni

Dr. Thomas Heyden vom Neuen Museum Nürnberg beim Vortrag: Schönheit in der Kunst

Für Men­schen, die auf­grund ih­rer Bio­gra­fie oder ih­rer so­zia­len Stel­lung kaum mit ei­nem uni­ver­si­tä­ren Bil­dungs­an­ge­bot in Be­rüh­rung kom­men, rief der Ver­ein Stra­ßen­kreu­zer e. V. vor zwei Jah­ren die Stra­ßen­kreu­zer Uni ins Le­ben. Das Vor­le­sungs­an­ge­bot ist ko­sten­los und wen­det sich in er­ster Li­nie an Frau­en und Män­ner aus Ein­rich­tun­gen der Ob­dach­lo­sen­hil­fe. Der An­spruch der Or­ga­ni­sa­to­ren ist es, wis­sen­schaft­li­che Zu­sam­men­hän­ge ver­ständ­lich zu ver­mit­teln und In­ter­es­sier­te oh­ne Zu­gangs­schwel­le an span­nen­de Wis­sens­ge­bie­te her­an­zu­füh­ren. Da­bei soll nie­mand aus­ge­schlos­sen wer­den, doch vie­len Be­su­chern der Ver­an­stal­tun­gen fehlt es nicht nur am Geld, an­de­re Bil­dungs­an­ge­bo­te wahr­zu­neh­men, son­dern auch am da­zu nö­ti­gen Selbst­be­wusst­sein: »Es ist ein­fa­cher, zu so ei­ner Ver­an­stal­tung zu ge­hen, wenn man weiß, die Leu­te ha­ben al­le ei­ne ähn­li­che Ge­schich­te wie ich, ich muss mich da nicht ir­gend­wie vor­stel­len, recht­fer­ti­gen, ich werd’ nicht ir­gend­wie ko­misch an­ge­guckt.«

Zum Semesterabschluss gibt es Urkunden für erfolgreiche Teilnahme

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 25 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Februar 2012

Un­ter­stüt­zung in­be­grif­fen? – Chan­cen und Gren­zen der In­klu­si­on

Noch ist es die gro­ße Aus­nah­me, dass Men­schen mit gei­sti­ger Be­hin­de­rung die Grund­schu­le be­su­chen, in der frei­en Wirt­schaft ar­bei­ten oder mit­ten im Stadt­teil in ei­ner Wohn­ge­mein­schaft le­ben. Was vor we­ni­gen Jah­ren noch un­denk­bar war, soll, wenn es nach den Vor­ga­ben ei­ner von der Bun­des­re­gie­rung ra­ti­fi­zier­ten UN-Re­so­lu­ti­on geht, zum Nor­mal­fall wer­den. Ziel der In­klu­si­on ist es, Men­schen mit Han­di­cap an al­len ge­sell­schaft­li­chen Be­lan­gen gleich­be­rech­tigt teil­ha­ben zu las­sen.

Seit 2002 gibt es an der Für­ther Pe­sta­loz­zi­schu­le ei­ne in­klu­si­ve Part­ner­klas­se. Vom er­sten bis zum vier­ten Schul­jahr wer­den hier Kin­der mit be­son­de­rem För­der­be­darf im Be­reich »gei­sti­ge Ent­wick­lung« ge­mein­sam mit Grund­schul­kin­dern un­ter­rich­tet.

Gegenseitige Unterstützung ist in der inklusiven Partnerklasse mittlerweile selbstverständlich

Die Viel­falt der Be­ga­bun­gen stellt ho­he An­sprü­che an die Leh­rer und er­for­dert zu­sätz­li­ches Per­so­nal, um auch den schwä­che­ren Schü­lern ein ih­ren Fä­hig­kei­ten ad­äqua­tes Ler­nen zu er­mög­li­chen. Ein Auf­wand, der sich aus Sicht der Leh­re­rin Ga­bi Wil­le lohnt: »Ich fin­de es ei­ne ganz wun­der­ba­re Art des Mit­ein­an­ders, die­se Freu­de, ein Buch in die Hand zu neh­men, beim ei­nen Kind zu be­ob­ach­ten, wäh­rend ein an­de­res jetzt schon mit Zah­len um­ge­hen kann, aber nicht spre­chen kann, und die­ses Er­leb­nis ist je­den Tag ein Ge­schenk, aber je­der Tag ist un­plan­bar.«

Martin Truckenbrodt gefällt sein Außenarbeitsplatz

Seit Herbst 2010 bie­tet die Le­bens­hil­fe Fürth Mit­ar­bei­tern der Werk­stät­ten die Mög­lich­keit, auf ei­nen Ar­beits­platz in der frei­en Wirt­schaft zu wech­seln. Mit Un­ter­stüt­zung ei­nes In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­ten ha­ben bis­her acht Mit­ar­bei­ter die­sen Schritt ge­wagt. Mar­tin Trucken­brodt ist ei­ner von ih­nen: Er ar­bei­tet im Wa­ren­la­ger ei­ner Wer­be­mit­tel­fir­ma und sieht die Mehr­be­la­stung, die die neue Ar­beits­stel­le mit sich bringt, po­si­tiv: »In den Werk­stät­ten war ich dicker, da nehm ich we­nig­stens ab, weil ich so­viel Be­we­gung hab«. Fir­men­chef Ro­land Brom­ba­cher ist mit Mar­tin mehr als zu­frie­den: »Der hat ei­nen wahn­sin­ni­gen An­trieb, der Kerl hat ei­ne to­tal gu­te See­le. Das kann man sich gar nicht vor­stel­len.«

Die ambulant begleitete Wohngemeinschaft bespricht den Speiseplan für die nächste Woche

Seit dem Früh­jahr 2010 gibt es in Fürth für Men­schen mit gei­sti­ger Be­hin­de­rung ei­ne Al­ter­na­ti­ve zum Wohn­heim. Die Le­bens­hil­fe hat in der Für­ther Süd­stadt ei­ne Woh­nung an­ge­mie­tet, in der jun­ge Er­wach­se­ne die Mög­lich­keit ha­ben, zu­sam­men zu le­ben. Li­sa, To­bi­as, Flo­ri­an und Ste­fan ha­ben sich be­wusst für das am­bu­lant be­glei­te­te Woh­nen in ei­ner Wohn­ge­mein­schaft ent­schie­den, »weil wir halt sel­ber al­les ler­nen, es­sen, put­zen, ein­kau­fen...« Seit dem Ein­zug ha­ben die WG-Be­woh­ner gro­ße Fort­schrit­te ge­macht und viel­leicht wird ihr gro­ßer Traum, ganz oh­ne Be­treu­ung le­ben zu kön­nen, ei­nes Ta­ges Wirk­lich­keit.

Drei er­mu­ti­gen­de Bei­spie­le, aber die be­trof­fe­nen Leh­rer und Päd­ago­gen war­nen da­vor, aus sol­chen Bei­spie­len zu schlie­ßen, dass dies die Lö­sung für al­le Men­schen mit Han­di­cap sein kann.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 28 Min.

Video auf YouTube anschauen Von die­sem Film gibt es ei­nen Aus­schnitt auf You­Tube.
auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Dezember 2011

50 Jah­re Le­bens­hil­fe Fürth – vom Ver­sor­gen zum Be­glei­ten

Betreuung in der Lebenshilfe heisst Begleiten und Unterstützen

Le­bens­hil­fen gibt es heu­te in fast je­der deut­schen Stadt. Von be­trof­fe­nen El­tern vor 50 Jah­ren ge­grün­det, gibt es heu­te über 500 ei­gen­stän­di­ge Ver­ei­ne, die 170.000 Men­schen mit Han­di­cap be­treu­en.

Die Förderstätte versucht, auch Menschen mit Mehrfachbehinderungen eine sinnvolle Beschäftigung anzubieten

Die An­ge­bo­te sind in­zwi­schen sehr viel­sei­tig und an den Be­dürf­nis­sen der Men­schen ori­en­tiert. Sie sol­len ein weit­ge­hend selbst­or­ga­ni­sier­tes und selbst­be­stimm­tes Le­ben er­mög­li­chen. Die Be­treu­er ver­ste­hen sich da­bei als As­si­sten­ten und Be­glei­ter, die un­ter­stüt­zen, aber nicht be­vor­mun­den. In den An­fän­gen, wäh­rend der 1960er und 1970er Jah­re, war die Si­tua­ti­on noch ei­ne ganz an­de­re.

Die integrative Disco - eines der beliebtesten Angebote der Offenen Hilfen

Am Bei­spiel der Le­bens­hil­fe Fürth zeigt die Re­por­ta­ge auf, was sich in den letz­ten Jahr­zehn­ten ver­än­dert hat: The­ma­ti­siert wird un­ter an­de­rem das ge­gen vie­le Wi­der­stän­de er­kämpf­te Recht auf ei­ne selbst­be­stimm­te Se­xua­li­tät, die Stär­kung der Per­sön­lich­keits­rech­te – die durch die 1992 er­folg­te Ab­schaf­fung des Vor­mund­schafts­rechts er­folg­te und zu ei­nem voll­stän­dig ver­än­der­ten Selbst­ver­ständ­nis im Um­gang mit Men­schen mit gei­sti­ger Be­hin­de­rung führ­te – und die bis heu­te an­dau­ern­den Ver­su­che ei­ner In­te­gra­ti­on in un­se­re Ge­sell­schaft.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 15 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Dezember 2011

Es war nicht im­mer nor­mal, ver­schie­den zu sein

Wil­helm Lö­he grün­de­te 1854 die Dia­ko­nis­sen­an­stalt Neu­en­det­tel­sau und nahm dort ne­ben Al­ten und Kran­ken, erst­mals in Bay­ern, auch Men­schen mit gei­sti­ger Be­hin­de­rung auf. Lö­he ging da­von aus, dass gei­stig be­hin­der­te Men­schen bil­dungs­fä­hig sind. Von da­her liess er sie un­ter­rich­ten und sorg­te für Be­schäf­ti­gung.

Abtransport von Bewohnern aus einem Heim der Diakonissenanstalt Neuendettelsau, Frühjahr 1941

Doch die von Charles Dar­wins Evo­lu­ti­ons­theo­rie aus­ge­lö­ste Dis­kus­si­on über die so­ge­nann­te Ras­sen­hy­gie­ne führ­te be­reits in den 1920er Jah­ren zu er­sten Ir­ri­ta­tio­nen. Wis­sen­schaft­ler und Ärz­te dis­ku­tier­ten, ob man »un­wer­tes Le­ben«, und da­zu zähl­ten auch gei­stig be­hin­der­te Men­schen, aus­mer­zen müs­se. Wo­zu dies im Drit­ten Reich führ­te, ist be­kannt. Doch auch nach En­de des Zwei­ten Welt­krie­ges wur­den Men­schen mit gei­sti­ger Be­hin­de­rung wei­ter dis­kri­mi­niert. Erst durch die von be­trof­fe­nen El­tern über­all in Deutsch­land ge­grün­de­ten »Le­bens­hil­fen« ver­bes­ser­te sich lang­sam die Si­tua­ti­on.

Jochen Kiener arbeitet seit 26 Jahren mit großer Begeisterung in den Dambacher Werkstätten der Lebenshilfe Fürth

Der Film zeigt, wie sich der Um­gang mit Men­schen mit gei­sti­ger Be­hin­de­rung seit der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts bis heu­te ver­än­dert hat.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 18 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
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