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Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


Juli 2018

»bodies in urban spaces« – die Stadt neu erfahren

Bei den Proben im öffentlichen Raum fühlt sich mancher Passant zum Mitmachen inspiriert

»bodies in urban spaces« ist ein Kunstprojekt der besonderen Art. Menschliche Kör­per werden zu Skulpturen und gehen für wenige Minuten mit Teilen der Stadt­ar­chi­tek­tur eine Symbiose ein.

Um acht Leute gut in einen Türrahmen zu stecken, braucht es viel Probenarbeit

Kurzzeitig springen dem Betrachter ar­chi­tek­to­ni­sche Details ins Auge, die er im Alltag meist übersieht. Aber genau darauf will der in Wien lebende Künstler und Choreograf Willi Dorner die Aufmerksamkeit des Be­trach­ters richten. 2007 wurde die Per­for­mance in Paris uraufgeführt, inzwischen war das Projekt in über 100 Städten zu sehen – im Juni diesen Jahres auch in Fürth.

Esther Steinkogler macht die gewünschte Position noch einmal vor und erklärt, wie die Haltung bequemer wird – das ist wichtig, weil diese mindestens fünf Minuten gehalten werden muss

Anlässlich des Stadtjubiläums wurden 20 Tänzer, Parkour-Läufer und Artisten aus ganz Deutschland gecastet, um unter der An­lei­tung von Willi Dorners cho­re­o­gra­phi­scher Assistentin, Esther Steinkogler, einen etwas anderen Stadtrundgang ein­zu­stu­die­ren.

Manche der menschlichen Skulpturen werden von Einzelpersonen gebildet, andere bestehen aus bis zu zehn Akteuren

Innerhalb weniger Tage entstanden an 30 verschiedenen Plätzen der Stadt Tableaux vivants, die – so das Ziel von Willi Dorner – den Blick der Betrachter weiten und mög­lichst die Phantasie anregen sollen, wie man öffentlichen Raum über dessen all­täg­li­che Funktionen hinaus nutzen kann.

Hier sind die Performer Parcours-Läufer, die das eigentlich gewünschte Bild noch eine Etage weiter nach oben verlegt haben

Entstanden ist eine Reportage, die die Per­for­mer während der Probenwoche bei der für sie nicht alltäglichen Arbeit begleitet und der Frage nachgeht, was Kunst im öf­fent­li­chen Raum bewirken kann.

Finale der Stadtführung am Fürther Stadttheater

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 30 Min.

Juni 2018

»So lange ich zwei gesunde Hände habe« – Pramoens Kampf um Eigenständigkeit

Warten auf Kundschaft – Pramoen gibt die Hoffnung nicht auf

Pramoen Lauterbach betreibt einen Imbiss in der Nürnberger Straße in Fürth. Vor fünf Jahren wagte die gebürtige Thailänderin nach mehreren Jobs im An­ge­stell­ten­ver­hält­nis den Sprung in die Selbstständigkeit.

Als Pramoen ihren Imbiss eröffnete, hatte sie einen Koch, eine Küchenhilfe und eine Bedienung eingestellt. Nach und nach musste sie allen kündigen und macht heute alles alleine

Aufgewachsen ist Pramoen im Norden Thailands in der Provinz Nakhon Sawan. Die El­tern sind arme Reisbauern, das Einkommen reicht meist nur für das Nötigste. Mit 12 Jah­ren verlässt sie die Schule, um die Eltern zu unterstützen. Mit 13 Jahren geht sie ins 280 km entfernte Bangkok und arbeitet in Garküchen als Küchenhilfe und Mädchen für alles.

Pramoen will auf keinen Fall ihre Selbstständigkeit aufgeben. Sie sucht nach Lösungen, wie sie mehr Gäste fürs LaiThai gewinnen kann. Ihr neuester Einfall: Montag und Dienstag Mittag gibt es Buffet. All you can eat für fünf Euro

Durch die Vermittlung einer Freundin lernt sie mit 22 Jahren einen deutschen Mann kennen, dem sie nach Deutschland folgt. Kaum verheiratet, ohne Deutschkenntnisse und gegen den Willen ihres Mannes, sucht sich Pramoen Arbeit. Ihr ist es wichtig, nicht abhängig zu sein: »Du musst nicht bitten oder betteln, sagen, bitte, gib mir Geld, ich will einkaufen gehen oder sonst irgendwas. Oder in meine Heimat oder meinen Eltern schicken. Deswegen ich geh arbeiten, immer Arbeit, Arbeit, Arbeit…«

Trotz ihrer Situation versucht Pramoen, zuversichtlich zu bleiben und setzt dabei auch auf  buddhistische Traditionen, die sie aus ihrer alten Heimat nach Deutschland mitgebracht hat

Sie arbeitet als Putzkraft, in einer Reinigung und als Küchenhilfe in einem fränkischen Lokal, bis sie 2013 einen leer stehenden Laden in Fürth entdeckt und beschließt, dort einen Imbiss zu eröffnen. Inzwischen ist Pramoen geschieden. Ihre Tochter Jessica ist vor einigen Jahren in die USA ausgewandert. Seitdem lebt Pramoen ganz alleine hier in Deutschland.

Pramoens Tochter Jessica lebt mittlerweile in den USA – mehrmals die Woche telefonieren sie miteinander

Das LaiThai, in dem Pramoen thailändisch kocht, ist jeden Tag von 11 bis 22 Uhr geöffnet. Da der Imbiss so wenig Umsatz macht, dass sie sich keine Angestellten lei­sten kann, steht Pramoen sieben Tage die Woche in ihrem Geschäft. Trotz aller Pro­ble­me hat Pramoen sich ihr sonniges Gemüt erhalten. Wenn Kundschaft da ist, kann man ihr Singen aus der Küche bis in den Gastraum hören. Für sie steht fest, solange es irgendwie geht, will sie für ihr Einkommen sorgen: »Ich habe gesunde Hände und Füße, ich kann arbeiten. Ich habe immer mit eigenen Händen mein Geld verdient. Darauf bin ich stolz, wirklich stolz.«

Mit 13 Jahren hat Pramoen ihre Familie auf dem Dorf im Norden Thailands verlassen, um in Garküchen in Bangkok Geld zu verdienen

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 65 Min.

Juni 2018

Bodies in urban spaces – mit der Kamera dabei

»Bodies in urban spaces« ist ein Kunstprojekt des österreichischen Choreographen Willi Dorner. Anlässlich des diesjährigen Fürther Jubiläums 200 Jahre Stadt lud das Fürther Kulturamt in Partnerschaft mit der Tanz­zen­tra­le Region Nürnberg e.V. zu einem Spa­zier­gang durch die Fürther Stadt­land­schaft ein. Wir waren mit der Kamera dabei.

Und wer sich, wie unsere Interviewpartner im Video, auch wundert: »Die Frage ist nicht, wie sie sich stapeln, sondern wie die 10 Meter an der Hauswand hochkommen, wow, und so schnell!«, dem können wir jetzt schon an­kün­di­gen – wir klären auf! Denn wir haben nicht nur die Rundgänge, sondern auch die Proben der 20 TänzerInnen und AkrobatInnen be­glei­tet. Demnächst mehr dazu bei point.

April 2018

Inklusionspreis 2018 für Julia Thomas und Thomas Steigerwald

Am Donnerstag, dem 19. April 2018 wurde im Fürther Café Samocca der diesjährige Inklusionspreis verliehen. Mit dieser Aus­zeich­nung würdigt die Lebenshilfe Fürth außergewöhnlichen und rich­tungs­wei­sen­den Einsatz für Menschen mit Be­hin­de­run­gen. Inklusion verfolgt das Ziel, dass alle Menschen mit und ohne Behinderung gleich­be­rech­tigt und gleichgestellt in­mit­ten unserer Gesellschaft leben können. Julia Thomas und Thomas Steigerwald haben, so Dr. Thomas Jung, Fürths Ober­bür­ger­mei­ster und 1. Vorsitzender der Lebenshilfe Fürth, in seiner Laudatio »die Vor­stands­mit­glie­der durch ihre einfühlsamen und präzisen Dokumentationen zum Thema In­klu­sion überzeugt«.

Verleihungsfeier Inklusionspreis 2018 (Foto: Lebenshilfe Fürth / M. Tatka)

Die beiden Filmemacher haben sich in vielen Reportagen und Dokumentationen mit dem Thema »Menschen mit Be­hin­de­rung« auseinandergesetzt, zunächst in zwei Re­por­ta­gen die Geschichte des Umgangs mit Menschen mit Handicap aufgearbeitet (Es war nicht immer normal, verschieden zu sein und 50 Jahre Le­bens­hil­fe Fürth – vom Versorgen zum Be­glei­ten) und sich dann mit der Um­set­zung der 2009 von der Bun­des­re­gie­rung ra­ti­fi­zier­ten UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­tion befasst, die klar­stellt, dass ge­sell­schaft­li­che Teilhabe ein Men­schen­recht ist, das ohne Ein­schrän­kun­gen auch für be­hin­der­te Menschen gilt. Zentraler Leitgedanke bei der Umsetzung der Kon­ven­tion ist das Prinzip der Inklusion, wonach Menschen mit Behinderungen von Anfang an und in allen Lebensbereichen an der Gesellschaft teilhaben sollen.

Verleihungsfeier Inklusionspreis 2018 (Foto: Lebenshilfe Fürth / M. Tatka)

In weiteren Reportagen stellen Julia Tho­mas und Thomas Steigerwald zum einen schon gut gelingende In­klu­sions­pro­jek­te vor (Unterstützung inbegriffen? – Chancen und Grenzen der Inklusion, Miteinander lernen, aneinander wachsen – Inklusion in einer Partnerklasse), zeigen in anderen Reportagen aber auch, dass der Weg zur In­klu­sion, insbesondere, was den schu­li­schen Bereich angeht, noch ein weiter ist (»Wir sind bunt« – Einblicke in eine »ganz normale« Grund- und Mit­tel­schu­le).

Verleihungsfeier Inklusionspreis 2018 (Foto: Lebenshilfe Fürth / M. Tatka)

Den Ort der Preisverleihung, das Samocca, ein im Franchise von der Fürther Le­bens­hil­fe betriebenes Café, das rund 15 Men­schen mit Handicap einen Arbeitsplatz in der Mitte Fürths bietet, haben Julia Tho­mas und Thomas Steigerwald über viele Monate, von den ersten Trainings bis über die Eröffnung hin begleitet. Die Feier zur Vergabe des Inklusionspreises, den sich die beiden Filmemacher mit Anne Probst teilen, die seit über 10 Jahren Golfkurse für Schüler mit geistiger Behinderung ini­ti­iert, fand also in einem zum Thema sehr pas­sen­den Rahmen statt.

Verleihungsfeier Inklusionspreis 2018 (Foto: Lebenshilfe Fürth / M. Tatka)

Die beiden Filmemacher bedanken sich sehr herzlich für diese Auszeichnung. Thomas Steigerwald wünschte sich in seiner Dankesrede, dass sich die im Bereich der Men­schen mit Behinderung schon ganz gut gelingende Inklusion auf alle Menschen aus­dehnt, insbesondere auf in Deutschland lebende Menschen mit Mi­gra­tions­hin­ter­grund. Und Julia Thomas freut sich, demnächst in einem Ge­mein­schafts­wohn­pro­jekt zu le­ben, in dem es auch eine ambulant begleitete Wohn­ge­mein­schaft der Fürther Le­bens­hilfe geben wird. (Fotos: Lebenshilfe Fürth / M. Tatka)

Aufgrund der Auszeichnung werden wir in den kommenden Wochen zwei unserer Filme zum Thema auf dem Sendeplatz von Medien PRAXIS e. V. bei Franken Fernsehen wiederholen.

Am Sonntag, dem 29. April um 19.30 Uhr: Unterstützung inbegriffen? Chancen und Grenzen der Inklusion sowie
am Sonntag, dem 6. Mai um 19.30 Uhr: Samocca – Franchise einmal anders (Teil 1),
am Sonntag, dem 13. Mai um 19.30 Uhr: Samocca – Franchise einmal anders (Teil 2)

Ihre point-Redaktion

April 2018

DISSONANT – Jazz aus Nürnberg / VOLUME 2

Der zweite Teil der Filmdokumentation über den Jazz in und aus Nürnberg be­leuch­tet wieder die regionale Musik-Szene.

Die Band »Der Rote Bereich« ist aktuell mit Christian Weidner am Saxophon und Oliver Steidle am Schlagzeug besetzt

Wir machen diesmal einen Abstecher nach Berlin, zu einem renommierten Musiker mit fränkischen Wurzeln. Frank Möbus gilt als einer der wichtigsten Jazz-Gitarristen Europas. Der Einfluss, den seine Band »Der Rote Bereich« auf den Jazz in Deutsch­land hat, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Der Komponist Werner Heider suchte seit den 50er Jahren immer wieder den Dialog zwischen zeitgenössischer, neuer Musik und dem Jazz

Ähnlich erfolgreich, aber vielleicht noch ein wenig experimentierfreudiger zeigt sich der in Schwabach geborene Komponist Peter Fulda in seinem Projekt »Orpheus has just left the building«, einem Musik­pro­jekt zwischen Barock und Jazz. Im Schwa­ba­cher Stadtmuseum bringt er zusammen mit dem MetropolMusik Verein außerdem Werke des Komponisten Werner Heider zur Aufführung.

»Floating Food« ist bereits die zweite CD, die Rebecca Trescher mit ihrem Ensemble 11 in den Studios des Bayerischen Rundfunks in Nürnberg produziert

Im BR-Studio Franken begleiten wir die Trägerin des Bayerischen Kunst­för­der­prei­ses 2017, Rebecca Trescher, mit ihrem Ensemble 11 bei der CD-Produktion und por­trai­tie­ren unter anderem den Beruf eines Mu­sik­in­stru­men­ten­bau­ers aus der Nürnberger Südstadt.

40 bis 60 Arbeitsstunden stecken in einem handgefertigten Instrument aus der Werkstatt des Instrumentenbauers Harald Dallhammer

Den Abschluss bildet das junge Mu­sik­ta­lent Felix M. Valentin. Er lässt im Rahmen seiner Masterarbeit künstlerisch an­spruchs­voll und tiefgründig den Jahr­tau­sen­de alten europäischen Natur-Spi­ri­tis­mus und Reinkarnations-Glauben in einer au­ßer­ge­wöhn­li­chen Komposition mu­si­ka­lisch erklingen.

Künstlerisch anspruchsvoll und tiefgründig verbindet das Ensemble Vigor des Musikers Felix M. Valentin Wissenschaft, Philosophie und Kunst in einer außergewöhnlichen Komposition

DISSONANT wurde finanziell unterstützt durch das Kulturreferat der Stadt Nürn­berg.

Ein Film von Norbert Goldhammer  •  Länge: 30 Min.

März 2018

Leonhard F. Seidl – »Ich schreibe Romane und keine Flugblätter«

Lesung in Dorfen – hier fand 1988 der Amoklauf statt, der seinem Roman »Fronten« als Basis diente

Leonhard F. Seidl ist ein politischer Schrift­stel­ler, der in seinen Romanen reale Er­eig­nis­se recherchiert und meist mit einer Kri­mi­nal­hand­lung verknüpft. So auch in seinem neuesten Roman »Fronten«, in dem es um einen Amoklauf geht, der sich vor 30 Jah­ren in Dorfen, einem kleinen Städtchen in Oberbayern, nur wenige Kilometer von Leos Elternhaus entfernt, zugetragen hat.

Im Jugendzentrum Dorfen fand Leo als politischer Punker eine Heimat

Die Filmemacher gehen mit Leo auf eine Reise in seine Jugend. Sie besuchen ge­mein­sam mit ihm Orte, an denen sein teilweise autobiographischer erster Roman »Mut­ter­korn« spielt.

Leos Fotoalbum: Mit seinen Eltern, zu denen er eine intensive Beziehung hat, taucht Leo noch einmal in seine Jugend ein

Während seine Altersgenossen sich im Fußballverein trafen, entdeckte Leo seine Lie­be zum Punk. Durch die frem­den­feind­li­chen Ereignisse von Solingen, Mölln und Ros­tock-Lichtenhagen Anfang der 1990er Jahre wurde er politisiert. Recht früh muss­te er erkennen, dass man mit bunten Haaren und als jemand, der eine andere Meinung ver­tritt als die konservative Mehrheitsgesellschaft, schnell das eine oder andere Mal Prügel bezieht.

Als Aktivist engagiert sich Leo seit seiner Jugend gegen die Verbreitung rechtsradikalen und fremdenfeindlichen Gedankengutes

Eine Zeit, die den inzwischen 41- jährigen Schriftsteller geprägt hat und ihn zu einem Men­schen werden ließ, der sich bis heute als Aktivist entschieden gegen die Ver­brei­tung rechtsradikalen und frem­den­feind­li­chen Gedankengutes einsetzt, gleich­zei­tig aber in seinen Romanen differenziert und feinfühlig nach Gründen sucht, weshalb sich Menschen in die eine oder andere Richtung entwickeln.

Vater und Sohn: Leos Vater ist als Bühnenautor ebenfalls literarisch tätig

Ein Portrait eines engagierten Menschen und Schriftstellers, der mit seinen Büchern mehr will als unterhalten.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 65 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Januar 2018

Die Welt­anschau­ungs­beauf­tragten – Die Vorletzte Ölung – Jean Paul und das Bier

Die Weltanschauungsbeauftragten haben sich den Keller des Manns Bräu für ihre Arbeit zu Jean Pauls 250. Geburtstag ausgesucht

Philipp Moll war Poet, Philosoph, Musiker und Künstler. Unter dem Pseudonym »Die Weltanschauungsbeauftragten« forschte er seit 2006 gemeinsam mit Martin Für­brin­ger über »Kultursterbebegleitung, Paranoiaevaluation oder Mut­ter­me­cha­nik«. Die beiden sahen sich als »De­tek­to­ren für Unstimmigkeiten«, die die Kom­mer­zia­li­sie­rung der Kunst kritisieren und sich aufgerufen fühlten zu verhindern, dass die »Kirchen so nen Begriff blockieren, der eigentlich weit über das hinaus geht, was die kirchliche Zuständigkeit ist.«

Beim Ausladen der Materialien für ihre Arbeit richtet Philipp Moll nochmal den Entwurf für den »Isolierschemel für versteinerte Zirbeldrüsen« – »ein schönes Bild, das Jean Paul für pädagogische Konzepte des 19. Jahrhunderts gefunden hat.«

Bei ihren Arbeiten benutzten sie bevorzugt Materialien, die sich leicht verarbeiten lassen, sich dabei aber »schön anfassen«. Wenn sie sich auf ein neues Projekt ein­lie­ßen, gab es oft erst einmal nicht viel mehr als eine grobe Idee. Mit einem Auto, voll­ge­packt mit Pappe, Heißklebepistole, Nägeln, Schraubzwingen und Cut­ter­mes­ser fuhren sie dann los und ließen sich vor Ort von den zur Verfügung stehenden Räum­lich­keiten inspirieren.

Grundlage der Arbeit der Weltanschauungbeauftragten ist Jean Pauls Roman »Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz in Auenthal«

Sie schafften es immer, Emotionen bei den Besuchern auszulösen: »Bei den meisten Leuten ist es das Gefühl der Hilflosigkeit zuallererst, manche werden dann aggressiv und gehen gleich wieder. Die, die bleiben, die kichern oft gern ein bisschen und schauen es sich dann genauer an, und das ist eigentlich das, wo wir hinwollen.«

Besonders begeistert haben sich Philipp Moll und Martin Fürbringer für die vielen Synonyme, die Jean Paul für seine große Liebe, das Bier, gefunden hat

Bei der Entstehung einer ihrer letzten Arbeiten in einem Bierkeller einer alten Brau­e­rei in Bayreuth anlässlich des 250. Geburtstages des Schriftstellers Jean Paul durf­ten wir dabei sein.

Martin Fürbringer: »Uns war immer wichtig, dass ganz viele kopfschüttelnde Leute in unseren Kunstwerken rumstehen, und sich denken, was soll das eigentlich und überhaupt nicht wissen, wofür das gut ist...«

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 35 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Dezember 2017

Der Moll von Lauf links – Nachruf auf einen ganz besonderen Menschen

»Er war Poet, Philosoph, Musiker und Künstler. Er war so durch und durch Künstler, dass er Interpretationen und Erläuterungen über seine Arbeit und sachliche Er­klä­rungs­ver­su­che der menschlichen Existenz, und des Lebens an sich für dummes eitles Geschwätz gehalten hat. Philipp war Menschenfreund, Mokkatrinker, Feinschmecker, wunderbarer Zuhörer und begnadeter Erzähler.«, so lautet die Ankündigung zu einer Veranstaltungsreihe, die Freunde und langjährige Weggefährten im Herbst 2017 aus Anlass des ersten Todestages von Philipp Moll organisiert haben.

Philipp Moll starb im Herbst 2016 im Alter von 46 Jahren

Als wir Philipp Moll 2012 im Rahmen eines Filmes über die Fürther Künstlerin Julia Frischmann kennenlernten, entstand schnell der Wunsch, Philipp filmisch zu por­trai­tie­ren. Als er im letzten Jahr verstarb, war schon vieles gedreht. Mit der Un­ter­stüt­zung von Philipps Freunden ist es gelungen, den Film fertigzustellen. Entstanden ist ein Portrait und gleichzeitig ein Nachruf auf einen besonderen Künstler und Men­schen.

Mit der Band »Fast zu Fürth« stand Philipp bereits seit den 1990er Jahren auf der Bühne

Philipp Moll stammte aus Lauf, absolvierte eine Schreinerlehre und studierte zunächst evangelische Theologie, bevor er an die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg wechselte und dort sein Kunststudium abschloss. Schon während der Schulzeit lernte er seinen langjährigen Freund Matthias Egersdörfer kennen. Beide stellten schnell fest, dass sie den gleichen Humor haben und so begann bereits am Gymnasium eine kreative Zusammenarbeit. In den 1990er Jahren lebte Philipp mit Freunden auf einem alten Bauernhof im fränkischen Winterstein. Sie gründeten den Kulturverein Winter­stein und nutzten den ehemaligen Kuhstall für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte. In dieser Zeit entstand auch die Band Fast zu Fürth, in der Philipp Moll bis zuletzt das Waschbrett und allerlei andere kleine Instrumente bediente.

Lesung aus Philipp Molls Buch »Blumen und Wurst«

Mit dem Bauernhaus in Winterstein hatte es 1996 ein Ende. Zur Freude von Philipp ergab sich 2004 in der Nürnberger Südstadt erneut die Möglichkeit, Wohnen und künst­le­­ri­sche Aktivitäten zu verbinden. Im Kunst- und Kurhaus Katana e.V. brauchte Philipp nur eine Treppe hinunterzugehen, um sich auf der Bühne in seiner mo­nat­li­chen Veranstaltungsreihe »Molls bunter Trichter« mit seinen Gästen zu treffen oder seine literarischen Arbeiten wie Briefe an sich selbst, Zeitunsgskolumnen oder sein 2013 erschienenes Buch »Blumen und Wurst« dem Publikum zu präsentieren.

Die Weltanschauungsbeauftragten bei der Arbeit zu einem Beitrag anlässlich des 250. Geburtstages von Jean Paul

Im Bereich der Bildenden Kunst arbeitete Philipp ab 2006 unter dem Label Die Welt­an­schau­ungs­be­auf­trag­ten mit Martin Fürbringer zusammen. Mit ihren Arbeiten sahen sie sich als Gegenpol zu einer sich immer stärker kommerzialisierenden Kunstwelt und beschlossen, gemeinsam im Bereich der »Kultursterbebegleitung, Paranoiaevaluation oder Muttermechanik« zu forschen.

El Mago Masin zu Gast in »Molls bunter Trichter«

Mit Philipp Moll hat die Region einen Menschen verloren, der in seiner menschlichen und künstlerischen Einzigartigkeit bei denen, die das Glück hatten, ihn kennen zu dürfen, noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 47 Min.

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auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
November 2017

Fürth benennt eine Straße nach Bella Rosenkranz

Die Fürther Jüdin Bella Rosenkranz liebte ihre Stadt, obwohl sie gerade einmal 17 Jahre alt war, als sie 1938 von der Gestapo nach Polen deportiert wurde: Bei Kriegs­be­ginn musste Bella in die Sowjetunion weiterflüchten, wo sie der Spionage ver­däch­tigt und in ein Arbeitslager verbracht wurde. Ohne Papiere irrte sie nach dem Krieg viele Jahre durch die Sowjetunion, bis sie 1961 wieder nach Fürth zurückkehren konn­te: Hier engagierte sie sich etliche Jahre in der und für die jüdische Gemeinde. Am 11. April 2017 verstarb Bella Rosenkranz. Im November 2017 beschloss der Fürther Stadtrat, eine Straße nach ihr zu benennen.

Aus diesem Grund wiederholen wir am Sonntag, den 3. Dezember 2017 das preis­ge­krön­te Portrait: »Ich bin die Einzige, die übrig geblieben ist« – Die Odyssee der Bella Rosenkranz

Mehr zu Bella Rosenkranz können Sie im FürthWiki nachlesen.

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Oktober 2017

Fest im Sattel – Erwachsene lernen Radfahren

In den ersten Stunden sind die TrainerInnen des ADFC schwer beschäftigt

Fahrrad fahren – das lernt man als Kind, das kann man einfach! So geht es den mei­sten Menschen. Für sie ist das Fahrrad ein Alltagsgegenstand, den sie nach Lust und Laune ganz selbstverständlich nutzen.

Blaue Flecken gehören dazu...

Es gibt allerdings auch Menschen, die das Fahrrad fahren nie gelernt haben oder sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr auf das Fahrrad trauen. Menschen wie die 75-jährige Linde, die sich nach einem Sturz nicht mehr aufs Rad gewagt hat, oder Heinz, dem die Ärzte nach einem Schlaganfall gesagt haben, dass er wohl nie mehr Fahrrad fahren kann, oder Susuana, die in ihrer ehemaligen Heimat das Fahrrad fahren nie gelernt hat, jetzt aber gerne mit ihrem Enkel gemeinsam etwas un­ter­neh­men möchte. Für sie bietet der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. in Nürn­berg, kurz ADFC, seit einigen Jahren Fahrradkurse für Erwachsene an.

Wichtig ist die richtige Technik beim Anfahren

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 30 Min.

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auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
September 2017

Für immer fremd? Vier deutsche Muslime erzählen über ihr Leben in Zeiten von Terror und wach­sen­der Islamfeindlichkeit

1999 haben wir die Begegnungsstube Medina kennen gelernt und seitdem mehrmals über die Aktivitäten des Vereins berichtet. Seit 30 Jahren bemüht man sich hier um den kulturellen und interreligiösen Austausch.

Szenenfoto

Die meisten Mitglieder sind gläubige Muslime mit türkischen Wurzeln. In unserer neue­sten Reportage haben wir mit vier von ihnen, alles deutsche Staatsbürger, ge­spro­chen, über

– Akzeptanz und Integration

– die politische Situation in der Türkei und die Berichterstattung in den deutschen Medien und

– ihren Glauben und was es bedeutet, ihn zu leben in Zeiten von Terroranschlägen und wachsender Fremdenfeindlichkeit.

Szenenfoto

Eine, wie wir finden, berührende Situationsbeschreibung von Menschen, die hier ge­bo­ren sind oder zumindest seit vielen Jahrzehnten hier leben, die sich für andere Men­schen einsetzen und mit offenem Herzen auf jeden zugehen, egal, welche Re­li­gi­on oder Weltanschauung er hat. Die uns aber auch aufzeigen, dass wir heute, in Zeiten von Terror und wachsender Fremdenfeindlichkeit, sehr genau hinhören und hin­schau­en sollten, bevor wir uns ein Bild über Menschen machen.

Szenenfoto

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 60 Min.

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auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
August 2017

Der Herr der Dinge

Szenenfoto

Die Welt ist voller Dinge. Manche von ihnen verwandeln sich im Lauf ihres Lebens in Sammlerstücke und halten sich auf ihrer Reise von Mensch zu Mensch eine Weile bei Mustafa Cevik auf. Schon von früher Jugend an hat er sich in Museen, Auk­tions­häu­sern und auf Flohmärkten zum Fachmann für Kunst und Nippes, Schmuck und Spiel­zeug, Postkarten und Bücher ausgebildet – bis er zu einem wahrhaften Herrn der Dinge wurde. Der Film wirft einen Blick in sein faszinierendes Trödelladenreich, in dem (fast) jeder Suchende fündig wird – mehr oder minder beeinflusst von Herrn Ceviks fränkischer und türkischer Eloquenz.

Szenenfoto

Ein Film von Cherima Nasa  •  Länge: 30 Min.

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