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Medien PRAXIS - Das point Reportage Sendungs-Blog


September 2026

De­mo­kra­tie wei­ter ent­wickeln – Brau­chen wir ein neu­es Den­ken?

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Christian König und Aline Koeppen im Berliner Büro von Mehr Demokratie e.V. halten ein Banner mit der Aufschrift »Ja ich will Mehr Demokratie – www.volksentscheid.de« hoch.

1995 er­kämpf­ten ein Zu­sam­men­schluss von vie­len In­itia­ti­ven in ei­nem lan­des­wei­ten Volks­be­geh­ren die Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den in Baye­ri­schen Ge­mein­den und Krei­sen.

Brigitte Krenkers, Mitbegründerin des OMNIBUS für Direkte Demokratie, steht im Inneren des historischen, heute ausgebauten Doppeldecker-Omnibusses, wo alle Unterschriften gesammelt sind.

Für die Ein­füh­rung der da­mals weit­rei­chend­sten Re­ge­lun­gen in ganz Deutsch­land hat­ten sich bin­nen 14 Ta­gen 1,2 Mil­lio­nen Men­schen ein­ge­tra­gen. Maß­geb­lich an die­sem Er­folg be­tei­ligt wa­ren der OMNIBUS für Di­rek­te De­mo­kra­tie und Mehr De­mo­kra­tie e.V..

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein und Staatsminister Florian Herrmann stehen nebeneinander an einem Podium bei der abschließenden Pressekonferenz zum Runden Tisch in der Staatskanzlei in München.

Drei­ßig Jah­re spä­ter steht die­se Er­run­gen­schaft wie­der un­ter Druck. In vie­len Bun­des­län­dern, so auch in Bay­ern, sol­len die Hür­den bzw. Re­ge­lun­gen, die Bür­ger­ent­schei­den und Volks­ent­schei­den vor­ge­schal­tet sind, ver­schärft wer­den. Die Mög­lich­keit von Volks­ent­schei­den auf Bun­des­ebe­ne ist bis heu­te nicht ge­ge­ben. Der Film »De­mo­kra­tie wei­ter ent­wickeln« stellt Men­schen vor, die sich, meist schon seit Jahr­zehn­ten, mit di­rek­ter De­mo­kra­tie be­schäf­ti­gen und stellt die Fra­ge, wie wir wie­der aus der De­mo­kra­tie­kri­se her­aus­fin­den.

Eine Gruppe von Menschen bringt einen jungen Baum zur Pflanzung entlang des alten Grenzzauns am Baumkreuz bei Ifta.

Am Baum­kreuz bei Ifta, an der hes­sisch-thü­rin­gi­schen Gren­ze ge­le­gen, kom­men seit 1990 Men­schen vom Om­ni­bus, Mehr De­mo­kra­tie und Bund Na­tur­schutz zu­sam­men, um Bäu­me zu pflan­zen und zu pfle­gen.

Beuys-Schüler und OMNIBUS Mitbegründer Johannes Stüttgen erklärt eine seiner Tafelzeichnungen, die während seiner Vorträge entstehen.

In An­leh­nung an das 7000-Ei­chen­pro­jekt von Jo­seph Beu­ys und des­sen For­de­rung nach ei­ner Ab­schaf­fung der »Par­tei­en­dik­ta­tur« stellt sein Schü­ler und Mit­be­grün­der des OMNIBUS für Di­rek­te De­mo­kra­tie Jo­han­nes Stütt­gen die The­se auf, dass wir uns auf ein »völ­lig neu­es Den­ken« ein­las­sen müs­sen, da »die al­ten Kon­zep­te nicht mehr grei­fen«.

Ralf-Uwe Beck sitzt an einem Bücherverkaufstisch und signiert ein Exemplar seines Buchs »Der Souverän«.

Ralf-Uwe Beck ist in der ehe­ma­li­gen DDR, ganz in der Nä­he des Baum­kreu­zes von Ifta auf­ge­wach­sen. Heu­te ist er Bun­des­vor­stands­spre­cher von „Mehr De­mo­kra­tie e.V.“ und hat in die­sem Jahr das Es­say „Der Sou­ve­rän“ ver­öf­fent­licht, in dem er die Nach­wen­de­zeit auf­ar­bei­tet und für die Stär­kung der di­rek­ten De­mo­kra­tie ein­tritt: »Die re­al exi­stie­ren­de De­mo­kra­tie ist nicht das ein­ge­lö­ste Ver­spre­chen, das uns die De­mo­kra­tie gibt, näm­lich, dass wir an den po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen, die uns be­tref­fen, auch be­tei­ligt wer­den müs­sen.«

Der langjährige OMNIBUS-Fahrer Werner Küppers, in auffälligem rot-gemustertem Mantel und pinker Hose, spricht in einer Fußgängerzone mit zwei Passant*innen. Neben ihm ein Schild: »Rettet den Bürgerentscheid – Volksinitiative Bürgerbegehren in Schleswig-Holstein«.

Bus­fah­rer Wer­ner Küp­pers fährt seit vie­len Jah­ren mit dem OMNIBUS für di­rek­te De­mo­kra­tie durch ost- und west­deut­sche Städ­te. Ge­mein­sam mit zwei bis drei Mit­fah­re­rIn­nen stel­len sie sich auf öf­fent­li­che Plät­ze, um für die di­rek­te De­mo­kra­tie zu wer­ben. »Wir kön­nen doch nicht un­se­re Stim­me als Blan­ko-Voll­macht aus der Hand ge­ben, auch an Leu­te, die of­fen­sicht­lich das gar nicht ein­hal­ten, was sie vor­her ver­spre­chen.« Für ihn zählt das Ge­spräch von Mensch zu Mensch, un­ab­hän­gig da­von, wel­che po­li­ti­sche Über­zeu­gung das Ge­gen­über ver­tritt. Ei­ne Hal­tung, die in Zei­ten wach­sen­der Po­la­ri­sie­rung nicht selbst­ver­ständ­lich ist.

Mehrere Erwachsene sitzen im Stuhlkreis und unterhalten sich, im Hintergrund eine Projektion mit der Aufschrift »Sprechen & Zuhören« – Szene von einer Sprechen & Zuhören-Fortbildung.

Um der wach­sen­den Spal­tung un­se­rer Ge­sell­schaft et­was ent­ge­gen­zu­set­zen, hat „Mehr De­mo­kra­tie e.V.“ das Dia­log­for­mat Spre­chen & Zu­hö­ren ent­wickelt: »Wir ha­ben al­le Streit­the­men in der Fa­mi­lie, aber auch ge­sell­schaft­lich. Und wir nei­gen da­zu, nicht mehr mit­ein­an­der zu spre­chen und gro­ße Grä­ben zu zie­hen. Und die­ses For­mat Spre­chen und Zu­hö­ren bringt uns wie­der zu­sam­men, auch wenn wir in­halt­lich ganz weit aus­ein­an­der sind.«

Jugendliche stellen in einem Klassenzimmer des Fürther Helene-Lange-Gymnasiums Stühle zu einem Kreis auf, im Hintergrund sitzen weitere Schüler:innen und beobachten die Übung – Szene vom Schulprojekt »wo-hin?«.

Auch der Om­ni­bus ist im Bil­dungs­be­reich tä­tig. Beim zwei­tä­gi­gen Schul­pro­jekt wo-hin? geht es den Pro­jekt­lei­te­rIn­nen nicht nur um das Auf­zei­gen der Mög­lich­kei­ten der di­rek­ten De­mo­kra­tie. In spie­le­ri­scher Form sol­len die Schü­le­rIn­nen auch er­fah­ren, wie sie selbst­wirk­sam wer­den kön­nen: Wo-hin? ist ein Pro­jekt, wo es uns um die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on geht, weil es ganz oft pas­siert, dass sie eben nicht das Ge­fühl ha­ben, dass ih­nen zu­ge­hört wird…

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 62 Min.

Juli 2026

WÄSSERWIESEN – Al­te Tech­nik für das Kli­ma von mor­gen

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Das Nadelwehr bei Kirchehrenbach gehört zur historischen Forchheimer Wässerwiesenkulisse.

Jahr­hun­der­te­lang galt Was­ser auf den Fel­dern als Pro­blem. Es wur­de über Grä­ben mög­lichst schnell ab­ge­lei­tet, da­mit Wie­sen und Äcker frü­her be­wirt­schaf­tet wer­den konn­ten.

Die UNESCO hat die traditionelle Bewässerung bei Forchheim in die Liste als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit aufgenommen.

Heu­te hat sich die Per­spek­ti­ve grund­le­gend ver­än­dert: Trocken­heit, Hit­ze­wel­len und sin­ken­de Grund­was­ser­spie­gel ma­chen je­den Trop­fen kost­bar. Vie­ler­orts be­ginnt des­halb die Su­che nach neu­en Lö­sun­gen – und führt über­ra­schend oft zu al­tem Wis­sen.

Im Landkreis Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim untersucht man den Wasserrückhalt im ländlichen Raum wissenschaftlich.

Der Film be­glei­tet Men­schen, die tra­di­tio­nel­le Wäs­ser­wie­sen wie­der­ent­decken und in­no­va­ti­ve Pro­jek­te für mehr Was­ser­rück­halt ent­wickeln. Rund um Forch­heim, im Land­kreis Neu­stadt an der Aisch-Bad Winds­heim und im Le­bens­raum Alt­mühl­tal ent­steht ein neu­es Ver­ständ­nis da­für, wie Was­ser in der Land­schaft ge­hal­ten wer­den kann – zum Nut­zen von Land­wirt­schaft, Na­tur und Trink­was­ser­ver­sor­gung.

Landwirtschaft spielt beim Thema Wasserrückhalt eine wichtige Rolle.

Da­bei zeigt sich, dass Was­ser­ma­nage­ment weit mehr be­deu­tet als Hoch­was­ser­schutz oder Be­wäs­se­rung. Es geht um frucht­ba­re Bö­den, wi­der­stands­fä­hi­ge Land­schaf­ten und die Fra­ge, wie sich Mensch und Na­tur an den Kli­ma­wan­del an­pas­sen kön­nen. Wis­sen­schaft, Kom­mu­nen, Was­ser­wirt­schaft und Land­wir­te ar­bei­ten da­bei an Lö­sun­gen, die oft er­staun­lich ein­fach sind.

Sind die Wehre geöffnet, werden die Wiesen schnell geflutet.

Die Re­por­ta­ge von Nor­bert Gold­ham­mer er­zählt von Men­schen, die Ver­ant­wor­tung über­neh­men, Tra­di­ti­on mit In­no­va­ti­on ver­bin­den und zei­gen, dass nach­hal­ti­ger Was­ser­rück­halt kei­ne Vi­si­on ist, son­dern be­reits heu­te ge­lebt wird. Es ist auch ei­ne Ge­schich­te über den Wert des Was­sers.

Seit Jahrhunderten wird bei Forchheim Dias Flusswasser angestaut um die angrenzenden Felder zu wässern.

Ein Film von Nor­bert Gold­ham­mer  •  Län­ge: 30 Min.

Februar 2026

Ret­tet St. Mi­cha­el! – 50 Jah­re Für­ther Alt­stadt­ver­ein

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Die Für­ther Alt­stadt rund um St. Mi­cha­el gilt heu­te als Aus­hän­ge­schild und ei­nes der schön­sten Vier­tel der Stadt. Dass es die­sen Stadt­teil über­haupt noch gibt, ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Denn vor 50 Jah­ren stand ge­nau die­ses Vier­tel vor dem Aus.

Abrissarbeiten im Gänsbergviertel Anfang der 1960er-Jahre: Ein historisch gewachsener Teil der Fürther Altstadt wird im Zuge der Flächensanierung vollständig abgetragen und markiert einen Wendepunkt in der Fürther Stadtgeschichte – und den Ausgangspunkt für den späteren Widerstand im Viertel rund um St. Michael.

In den Jahr­zehn­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg präg­ten Flä­chen­sa­nie­rung und die Idee der au­to­ge­rech­ten Stadt die Stadt­pla­nung. Auch in Fürth. Ob­wohl die Alt­stadt den Krieg fast un­ver­sehrt über­stan­den hat­te, wur­de 1958 über das be­nach­bar­te Gäns­berg­vier­tel ei­ne Bau­sper­re ver­hängt, 1962 be­gann der Ab­riss. Ein hi­sto­ri­scher Teil der Alt­stadt ver­schwand.

Sanierung des Goldenen Schwans - bei zahlreichen Sanierungen legten Mitglieder des Altstadtvereins selbst Hand an – die Expertise und vor allem Man- und Womanpower im Verein war vorhanden.

Vor die­sem Hin­ter­grund for­mier­te sich Wi­der­stand. 1974 schlos­sen sich en­ga­gier­te Für­the­rin­nen und Für­ther zu­sam­men und grün­de­ten we­nig spä­ter die Bür­ger­ver­ei­ni­gung Alt­stadt­vier­tel St. Mi­cha­el Fürth – den heu­ti­gen Alt­stadt­ver­ein. Ihr Ziel: die Alt­stadt wie­der­zu­be­le­ben und wei­te­ren Ab­riss zu ver­hin­dern.

Erster Fürther Grafflmarkt 1975 auf dem Waagplatz. Was als Flohmarkt beginnt, wird zu einem zentralen Instrument gegen den drohenden Abriss.

Zu­nächst ging es dar­um, über­haupt wie­der Men­schen in das Vier­tel zu brin­gen. Be­reits 1975 or­ga­ni­sier­te der Ver­ein den er­sten »Graf­fl­markt« – ei­ne Ver­an­stal­tung, die sich im Lau­fe der Jah­re fest im Stadt­le­ben ver­an­ker­te.

Auch heute wird der Grafflmarkt von Vereinsmitgliedern vorbereitet – getragen von ehrenamtlichem Engagement und gemeinsamer Organisation.

Nach und nach ge­lang es, Auf­merk­sam­keit für das Vier­tel zu schaf­fen und Haus­be­sit­zer da­von zu über­zeu­gen, in die al­ten Ge­bäu­de zu in­ve­stie­ren. Der Ver­ein un­ter­stütz­te da­bei nicht nur be­ra­tend. Von Be­ginn an war das En­ga­ge­ment stark eh­ren­amt­lich ge­prägt, vie­le Mit­glie­der leg­ten selbst Hand an.

Vereinsmitglieder bereiten die Teilnahme des Vereins am Kirchweihzug vor. Auf dem Kirchweihzug wird Kuchen verteilt – „Bonbons werfen kann ja jeder – wir sind schon was Besonderes.“

Die Ein­nah­men aus dem Es­sens- und Ge­trän­ke­ver­kauf beim Graf­fl­markt und an­de­ren Ver­an­stal­tun­gen, dar­un­ter die seit 1981 statt­fin­den­de Alt­stadt­weih­nacht, flos­sen in die Ver­eins­ar­beit. So konn­te der Alt­stadt­ver­ein auch klei­ne­re fi­nan­zi­el­le Bei­trä­ge zu Sa­nie­run­gen lei­sten. Rund 50 Häu­ser wur­den auf die­se Wei­se im Lau­fe der Jah­re mit Un­ter­stüt­zung des Ver­eins in­stand ge­setzt.

Zum Jubiläum wird die eigene Geschichte sichtbar gemacht – mit Archivmaterial, Erinnerungen und Bildern aus 50 Jahren Vereinsarbeit.

Der Alt­stadt­ver­ein misch­te sich im­mer ein, wenn un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen im Vier­tel auf­ein­an­der­tra­fen – et­wa bei Fra­gen der Nut­zung, der Ga­stro­no­mie oder der Nah­ver­sor­gung. Be­reits 1979 for­der­te der Ver­ein ei­nen Knei­pen­stopp. Jahr­zehn­te spä­ter wur­de die Gu­stav­stra­ße er­neut zum Ort von Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Lärm und Nut­zung. Da­bei sprach der Alt­stadt­ver­ein nicht im­mer mit ei­ner Stim­me. Als Zu­sam­men­schluss un­ter­schied­li­cher In­ter­es­sen ge­hör­ten kon­tro­ver­se Dis­kus­sio­nen eben­so zur Ver­eins­ge­schich­te wie der Ver­such, sie aus­zu­hal­ten und wei­ter­zu­ar­bei­ten.

Beim Kirchweihzug greift der Altstadtverein auf Motive aus seiner eigenen Geschichte zurück. Alte Plakate und Bilder erinnern daran, dass viele heutige Selbstverständlichkeiten einst umkämpft waren.

Wir ha­ben den Alt­stadt­ver­ein im Ju­bi­lä­ums­jahr be­glei­tet. Der Film er­zählt die Ge­schich­te ei­nes Ver­eins, der seit sei­ner Grün­dung für bür­ger­li­ches En­ga­ge­ment steht – und sich bis heu­te für die Er­hal­tung und Wei­ter­ent­wick­lung der Für­ther Alt­stadt en­ga­giert.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Oktober 2025

Zwi­schen Alt­stadt und Ron­hof – Der Für­ther Fried­hof

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Einige Fussballfans auf dem Weg über den Friedhof in den Sportpark Ronhof, im Hintergrund ein großes Kreuz mit Jesusfigur, umgeben von Bäumen und Gräbern.

Zu sei­ner Er­öff­nung 1882 lag der Für­ther Fried­hof noch au­ßer­halb der Stadt – heu­te ist er ei­ne grü­ne Oa­se der Ru­he, ein Ort der Ge­schich­te und Be­geg­nung mit­ten in der Stadt – und an Spiel­ta­gen der »schön­ste, ru­hig­ste und kür­ze­ste« Weg für Fans der Spiel­ver­ei­ni­gung in den Sport­park Ron­hof. Für vie­le Fürther*innen ge­hört der Be­such von ver­stor­be­nen Freun­den und Fa­mi­li­en­mit­glie­dern auf dem Weg zum Fuß­ball da­zu.

Friedhofsgärtner Harald Bartilla sitzt am Steuer eines Fahrzeugs auf dem Fürther Friedhof bei einer Tour über das Gelände.

Ha­rald Bar­til­la ist hier seit 30 Jah­ren Fried­hofs­gärt­ner­mei­ster und hat viel zu er­zäh­len. Bei ei­ner Tour im Golf­cart über den 25h gro­ßen Fried­hof zeigt er uns die Ent­wick­lung des Ge­län­des und den Wan­del der Be­stat­tungs­kul­tur. Bar­til­la er­zählt von neu­en For­men des Er­in­nerns, von Bio­to­pen, Ur­nen­fel­dern und denk­mal­ge­schütz­ten Grä­bern, die zu Ge­mein­schafts­an­la­gen um­ge­stal­tet wer­den.

Felix Geismann steht vor dem denkmalgeschützten Grab seines Ur-Ur-Großvaters und zeigt auf die Grabstatue - eine weibliche Figur mit Palmwedel »Die Trauernde an der Tür zur Ewigkeit« – in der Familie Geismann nur »der Engel« genannt.

Fe­lix Geismanns Fa­mi­lie ge­hört ei­nes der über 300 denk­mal­ge­schütz­ten Grä­ber auf dem Für­ther Fried­hof. Für ihn ist der Fried­hof ein »Buch der Er­in­ne­rung«. »Hier, wo die Men­schen so wirk­lich rich­tig tot sind, sind sie auch ei­gent­lich am ein­zi­gen Ort so wirk­lich le­ben­dig, weil, wo fin­det man noch die Na­men, wo er­in­nert man sich noch an die­se Men­schen, die teil­wei­se schon 100, 120 Jah­re tot sind?«

Hanne Wiest steht mit einer Gießkanne am frisch bepflanzten Grab ihrer Eltern auf dem Fürther Friedhof. Sie berührt eines der Holzkreuze und verabschiedet sich.

Han­ne Wiest kommt re­gel­mä­ßig zum Grab ih­rer El­tern. Sie be­pflanzt die Flä­che selbst – mit Blu­men, Boh­nen und Na­sch­erd­bee­ren. Sie wünscht sich, dass auf dem Fried­hof künf­tig auch Obst- und Ge­mü­se­pflan­zen er­laubt wer­den und Kon­zer­te und Kul­tur hier statt­fin­den. Schon als Kind war sie mit ih­rer Groß­mutter auf dem Fried­hof un­ter­wegs, heu­te kommt sie mit ih­ren En­keln. »Die spre­chen mit Oma und Opa, gie­ßen, na­schen Erd­bee­ren – so bleibt der Fried­hof ein Ort des Le­bens.«

Friedhofsgärtner Harald Bartilla und Redakteurin Julia Thomas von hinten sitzend in einem Golfcart, Blick auf einen von Bartilla und seinem Team gestalteten Teil des Friedhofs – dem Garten der Vielfalt – wo auch extra ein Feld für Fans der Spielvereinigung geschaffen wurde.

Der Film be­glei­tet Men­schen, die den Fried­hof auf un­ter­schied­li­che Wei­se prä­gen – als Ar­beits­ort, Er­in­ne­rungs­ort und Teil ih­res Le­bens.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas, Cher­i­ma Na­sa und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

August 2025

Nürn­berg und sein Ka­nal – Mil­lio­nen­grab oder Was­ser­stra­ße mit Zu­kunft?

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Auf dem Kanal sind kaum noch Frachtschiffe zu sehen.

Der Main-Do­nau-Ka­nal ist un­be­strit­ten ei­ne der gro­ßen In­ge­nieurs­lei­stun­gen des 20. Jahr­hun­derts. Ei­ne Was­ser­stra­ße, die den Main mit der Do­nau und da­mit auch die Nord­see mit dem Schwar­zen Meer ver­bin­det. Doch drei­ßig Jah­re nach sei­ner Fer­tig­stel­lung fällt die Bi­lanz er­nüch­ternd aus.

Die über 300 Meter lange Hafenbrücke in Nürnberg wird abgerissen und muss erneuert werden.

Am Ha­fen Nürn­berg, ei­nem der größ­ten Gü­ter­ver­kehrs­zen­tren Süd­deutsch­lands, zeigt sich, wie tief die Bin­nen­schiff­fahrt in der Kri­se steckt. Wo einst Mil­lio­nen Ton­nen an Koh­le, Erz oder Dün­ger um­ge­schla­gen wur­den, lie­gen die Kais heu­te oft leer. 2023 wa­ren es noch rund 2,5 Mil­lio­nen Ton­nen, im Ver­gleich zur Schie­ne ein Bruch­teil. Wäh­rend LKW und Bahn im­mer schnel­ler und fle­xi­bler ge­wor­den sind, kämpft das Bin­nen­schiff mit lan­gen Trans­port­zei­ten, War­te­pha­sen an den Schleu­sen und sin­ken­der Nach­fra­ge.

Der Hafen ist ein trimodales Güterverkehrszentrum und bringt Güter von der Straße auf die Schiene oder das Schiff.

Gleich­zei­tig ver­schlingt der Er­halt der Was­ser­stra­ße enor­me Sum­men. Brücken müs­sen ab­ge­ris­sen und neu ge­baut wer­den, Schleu­sen wer­den für hun­der­te Mil­lio­nen sa­niert. Kri­ti­ker wie der BUND Na­tur­schutz spre­chen von ei­nem öko­lo­gisch wie öko­no­misch ge­schei­ter­ten Pro­jekt, ei­nem »Mil­lio­nen­grab« mit­ten in Bay­ern. Sie ver­wei­sen auf die mas­si­ven Ein­grif­fe in Na­tur und Land­schaft, auf ent­wäs­ser­te Feucht­ge­bie­te und ver­lo­re­ne Ar­ten­viel­falt.

Der Bund Naturschutz war von Anfang an gegen den Bau des Main-Donau-Kanals.

Und doch: Der Main-Do­nau-Ka­nal bleibt Teil der eu­ro­päi­schen In­fra­struk­tur – und er er­lebt ei­nen Wan­del. Die Con­tai­ne­ri­sie­rung hat neue For­men der Lo­gi­stik her­vor­ge­bracht, und im Fluss­tou­ris­mus zeigt sich ei­ne Ent­wick­lung, die nie­mand über­se­hen kann. 2024 leg­ten in Nürn­berg 750 Kreuz­fahrt­schif­fe mit rund 100.000 Pas­sa­gie­ren an. Für die Stadt ein wach­sen­der Wirt­schafts­fak­tor, für die Gä­ste aus al­ler Welt ein er­ster Ein­druck von Nürn­bergs Ge­schich­te und Kul­tur.

Die Flusstouristik boom. Mittlerweile legen in Nürnberg mehr Kreuzfahrtschiffe als Frachtschiffe an.

Die Re­por­ta­ge wirft ei­nen Blick auf ein Bau­werk vol­ler Wi­der­sprü­che: zwi­schen sin­ken­dem Fracht­ver­kehr und boo­men­der Kreuz­schiff­fahrt, zwi­schen ho­hen In­ve­sti­tio­nen und ei­ner un­si­che­ren Zu­kunft.

Die Binnenschifffahrt steht vor großen Herausforderungen und muss sich erneuern um zu überleben.

Ei­ne fil­mi­sche Be­stands­auf­nah­me über die Be­deu­tung des Main-Do­nau-Ka­nals heu­te und die Fra­ge, wel­che Rol­le er mor­gen noch spie­len kann.

Ein Film von Nor­bert Gold­ham­mer  •  Län­ge: 30 Min.

Juli 2025

UNSER AMERIKA – 80 Jah­re Amis in Bay­ern

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Auf dem Army-Stützpunkt Hohenfels im Landkreis Neumarkt wird jedes Jahr ein Volksfest gefeiert – mit eigenem Bierkrug

Am En­de des Zwei­ten Welt­kriegs ka­men die Ame­ri­ka­ner als Be­sat­zer nach Bay­ern. Es war der Be­ginn ei­ner span­nungs­rei­chen Wech­sel­be­zie­hung, bei der sich das Kräf­te­ge­wicht im­mer wie­der ver­schob. In die­sem Film be­ge­ben wir uns auf die Spu­ren­su­che zu 80 Jah­ren Deutsch-Ame­ri­ka­ni­scher Ver­gan­gen­heit – an der Schwel­le zu ei­ner noch un­ge­wis­sen Zu­kunft.

Fürth-Kenner Bernd Jessusek (r.) zeigt Redakteur Peter Romir die Gustavstraße, durch die in den 50er Jahren noch Panzer rollten.

Der Start der Be­zie­hung war durch­aus schwie­rig: In Fürth fie­len die Be­sat­zer vor al­lem als trink- und rauf­freu­di­ge Un­ru­he­stif­ter auf – de­nen schließ­lich so­gar der Zu­gang zur Alt­stadt un­ter­sagt wer­den muss­te.

Er sieht Deutsche und Amis wie eine Familie: Col. Stephen C. Flanagan, Leiter der Militärbasen Hohenfels, Grafenwöhr und Vilseck

Heu­te ist das Ver­hält­nis ent­spann­ter. Im Stütz­punkt Ho­hen­fels fei­ern Deut­sche und Ame­ri­ka­ner je­des Jahr ein ge­mein­sa­mes Volks­fest und schau­en sich ge­gen­sei­tig Tra­di­tio­nen ab.

Stammgast im Fürther Stadtpark: Der Musiker George Kobrick kam nach Deutschland, als die Mauer fiel

Doch seit der zwei­ten Prä­si­dent­schaft von Do­nald Trump wird das Ver­hält­nis wie­der an­ge­spann­ter. Man­che Ame­ri­ka­ner, wie Ge­or­ge Ko­brick, füh­len sich des­halb in­zwi­schen in Deutsch­land mehr zu Hau­se als in Ame­ri­ka.

Jetzt erst recht: Trotz der Politik der aktuellen amerikanischen Regierung bestückte Katy Davis im Amerikahaus ein spezielles LGBTIQ+-Regal

Auch das Deutsch-Ame­ri­ka­ni­sche In­sti­tut im Ame­ri­ka­haus Nürn­berg spürt den Kul­tur­wan­del: Be­schäf­ti­gung mit Di­ver­si­tät oder Min­der­hei­ten ist nicht mehr of­fi­zi­ell er­wünscht – fin­det aber trotz­dem noch statt.

Ein Film von Pe­ter Ro­mir •  Län­ge: 30 Min.

Juni 2025

In ru­hi­gem Fahr­was­ser – Un­ter­wegs mit der Jo­han­nes von Ne­po­muk

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Tobias Zöller, Kapitän der Johannes von Nepomuk (rechts), im Gespräch mit einem der zwei Leichtmatrosen an einem Schleusenaufenthalt.

Er stammt aus ei­ner Fa­mi­lie mit sie­ben Ge­ne­ra­tio­nen Bin­nen­schiff­fahrt, hat Lo­gi­stik stu­diert, ist frisch­ge­backe­ner Va­ter – und lebt für sei­nen Job, der gleich­zei­tig Be­ru­fung ist:

Die 200 Meter lange Johannes von Nepomuk liegt bei Sonnenaufgang an der Schleuse Knetzgau, nordwestlich von Bamberg.

To­bi­as Zöl­ler ist Ka­pi­tän auf dem Schub­ver­band Jo­han­nes von Ne­po­muk, der Tau­sen­de Ton­nen Raps­schrot, So­ja­boh­nen oder Ei­sen­erz zwi­schen Rot­ter­dam, Bam­berg und Osi­jek in Kroa­ti­en be­wegt.

Der Main-Donau-Kanal verbindet die Wasserstraßen von der Nordsee bis zum schwarzen Meer miteinander.

Doch sein Be­ruf ist mehr als ein Trans­port­un­ter­neh­men: Es ist ei­ne Le­bens­art zwi­schen Tech­nik, Na­tur und fa­mi­liä­rer Ver­ant­wor­tung. Die Re­por­ta­ge be­glei­tet To­bi­as durch Schleu­sen, Werft­auf­ent­hal­te und lan­ge Fahr­ta­ge auf dem Main-Do­nau-Ka­nal.

An einer der vielen Schleusen zwischen Bamberg und Kelheim muss das Schiff sicher festgemacht werden.

Sie zeigt, wie aus ei­nem tra­di­tio­nel­len Hand­werk ein hoch­kom­ple­xer Be­ruf ge­wor­den ist, der mit Fach­kräf­te­man­gel, bü­ro­kra­ti­schen Hür­den und In­ve­sti­ti­ons­druck für grü­ne An­trie­be kämpft. Aber auch, wie ent­schleu­nig­ter Trans­port auf dem Was­ser ei­ne nach­hal­ti­ge Ant­wort auf ver­stopf­te Stra­ßen sein kann.

Auch das gehört zur Binnenschifffahrt: Die Nepomuk liegt an der Helling in der Werft in Erlenbach. Sie wird dort wird technisch überholt und wieder fit gemacht.

Der Bin­nen­schif­fer To­bi­as Zöl­ler be­rich­tet vom All­tag an Bord, von Leicht­ma­tro­sen aus der Ukrai­ne, von Re­hen, die durchs Was­ser schwim­men – und von Kind­heits­er­in­ne­run­gen auf dem Schiff, das frü­her für ihn auch Aben­teu­er­spiel­platz war. Er kennt die tech­ni­schen Fein­hei­ten sei­nes Mo­tors eben­so wie die Her­aus­for­de­run­gen ei­ner fa­mi­liä­ren Work-Life-Ba­lan­ce auf dem Was­ser.

Über 2000 Tonnen Rapsschrot werden am Hafen Nürnberg gelöscht.

Ein ein­drück­li­ches Por­trät ei­nes Man­nes zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Zu­kunft. Es zeigt, wie mo­der­ne Bin­nen­schiff­fahrt funk­tio­niert – und war­um das ru­hi­ge Fahr­was­ser zwi­schen hek­ti­schen Stra­ßen und oft ma­ro­den Glei­sen noch ei­ne Zu­kunft ha­ben kann.

Der Verkehr auf dem Main-Donau-Kanal ist eher überschaubar und mit den großen Binnenschifffahrtswegen beispielsweise auf dem Rhein nicht zu vergleichen.

Ein Film von Nor­bert Gold­ham­mer  •  Län­ge: 30 Min.

Hier könnt Ihr die Re­por­ta­ge an­schau­en!

Juli 2024

Die Kof­fer­fa­brik – 30 Jah­re le­ben­di­ge Kul­tur in al­ten Ge­mäu­ern

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Der Eingangsbereich der Kofferfabrik wurde Anfang der 2000er künstlerisch umgestaltet

Im Ju­ni 2024 fei­er­te das Kul­tur­zen­trum Kof­fer­fa­brik 30-jäh­ri­ges Be­stehen. Grund ge­nug, ein­mal zu­rück­zu­schau­en auf die Ge­schich­te ei­nes in die­ser Form in Deutsch­land be­son­de­ren Stücks ge­leb­ter So­zio­kul­tur.

Die Künstler Fredder Wanoth, Erika Simon und Joseph Stephan Wurmer hatten und haben ihre Ateliers auf dem Gelände

Mit dem Ein­zug ei­ni­ger frei­schaf­fen­der Künst­le­rin­nen be­ginnt in den 1980er Jah­ren das künst­le­ri­sche und krea­ti­ve Le­ben auf dem Are­al der ehe­ma­li­gen BERMAS Kof­fer­fa­brik.

Ausstellung in der von Lothar Böhm betriebenen Galerie Brockovski

1994 be­an­tra­gen Lo­thar Böhm und »Mär­tel« Mar­tin Rei­chel ei­ne Aus­schank­li­zenz – die of­fi­zi­el­le Zeit­rech­nung der Kof­fer­fa­brik be­ginnt. Der frei­schaf­fen­de Künst­ler Lo­thar Böhm grün­det das »Fo­rum für Kunst und Be­geg­nung« und spä­ter dann die Ga­le­rie Brock­ov­ski. Sein Ziel: Künst­ler und kunst­in­ter­es­sier­te Men­schen zu­sam­men­zu­brin­gen.

Zum Ensemble der Döring’schen Theaterwerkstatt auf dem Koffergelände gehören sowohl Mitarbeitende als auch Stammgäste der Kofferfabrik

Nach ei­nem kur­zen Zwi­schen­spiel über­nimmt 2007 Udo Mar­tin die Ge­schäfts­füh­rung. Wäh­rend bis da­hin die bil­den­de Kunst im Mit­tel­punkt stand, ver­schiebt sich der Schwer­punkt der Ak­ti­vi­tä­ten zu Mu­sik und Thea­ter.

Al di Meola kam gleich zwei Jahre hintereinander für mehrere Konzerte in die Kofferfabrik

Die Kof­fer­fa­brik ent­wickelt sich in die­sen Jah­ren zu ei­nem ins­be­son­de­re im Mu­sik­be­reich über­re­gio­nal be­ach­te­ten Ver­an­stal­tungs­ort, in dem auch Mu­sik­grö­ßen wie Bri­an Au­ger, Ray Wil­son und Al di Meo­la auf­ge­tre­ten sind.

Beim Jubiläumsbrunch kommen Jung und Alt im Biergarten der Kofferfabrik zusammen

Trotz Pan­de­mie und im­mer wie­der dro­hen­der Kün­di­gung über­lebt das Pro­jekt. Bis heu­te steht die »Kof­fer« für ge­leb­te To­le­ranz zwi­schen al­len Al­ters- und so­zia­len Schich­ten.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 59 Min.

Hier könnt Ihr den Film über Die Kof­fer an­schau­en!

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