Oktober 2026
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Im Februar 2022 rief der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz die »Zeitenwende« aus und schwor das Land auf eine verstärkte Verteidigungsbereitschaft ein. Es wurden Schritte zur Reaktivierung der Wehrpflicht eingeleitet. In Bayern wurde die Zusammenarbeit von Schulen und Militär gesetzlich verankert. Universitäten wurde es verboten, ihre Forschung auf zivile Zwecke zu beschränken. Milliarden flossen in die Aufrüstung. Doch nicht alle sind mit der zunehmenden Ausrichtung der Gesellschaft auf Krieg einverstanden. Auch in Franken formiert sich Protest.

In mehreren Demos protestierten Schüler:innen gegen den neuen Wehrdienst und eine drohende Rückkehr der Wehrpflicht. Unterstützt werden sie von Gewerkschaften und linken Organisationen. Einer ihrer zentralen Vorwürfe ist, dass eine ältere Generation, die nicht mehr dienen wird, die Jugend in einen Krieg schicken könnte, der letztlich eher dem Profit von Rüstungsfirmen dient als der Verteidigung.

Ähnliche Ansichten vertrat auch schon die ältere Generation, die sich im Nürnberger Friedensmuseum trifft. In den 1980er Jahren protestierten sie gegen die Stationierung von US-Raketen in Deutschland. Dabei trafen unterschiedliche Gruppen aufeinander: Christen, Sozialisten, aber auch Physiker, wie Wolfgang Nick. Er erinnert sich an die Widerstände, die es damals zu überwinden galt.

Ebenfalls seit den 1980ern aktiv war Hans-Günther Schramm. Durch seine Schweigekreise vor der Lorenzkirche wurde er zu einem der bekanntesten Vertreter eines christlich motivierten Pazifismus. Für ihn bedeutet das aber nicht nur »die andere Wange« hinzuhalten, sondern klug zu planen, wie im Ernstfall eine Verteidigung des Landes organisiert werden kann, so dass Blutvergießen weitgehend vermieden wird.

Schließlich besuchen wir die Rüstungsmesse »Enforce TAC« in Nürnberg. Auch deren Macher und Aussteller sehen ihre Aufgabe darin, den Frieden zu bewahren und Menschenleben zu schützen. Ihre Methode ist jedoch eine ganz andere: Sie setzen auf technische Überlegenheit und auf eine zunehmend automatisierte Kriegsführung mit Drohnen und selbstfahrenden Fahrzeugen.

Eine lange Tradition hat dagegen der Ostermarsch, zu dem Friedensbewegte in Deutschland seit den frühen 1960er Jahren jedes Jahr auf die Straße gehen. Auf dem Nürnberger Kornmarkt treffen wir Günter Höcht vom Friedensforum, der unter »Friedenstüchtigkeit« etwas ganz anderes versteht als die Politik: die Fähigkeit, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Und die Musik- und Aktivistengruppe StreetOps um Andreas Barber wirbt mit Straßentheater dafür, dass die Friedensbewegung wieder lauter wird.
Die Dokumentation »Frieden – aber wie?« versucht, die unterschiedlichen Bestrebungen und Ansätze deutlich zu machen. Gewidmet ist sie Hans-Günther Schramm, der wenige Monate nach den Dreharbeiten verstarb.
»Eigentlich müsste jeder Christ Pazifist sein«
(Hans-Günther Schramm 1941 – 2026)
Oktober 2026
Im Rahmen unserer Aktionswoche „Demokratie weiterdenken“ fand nach der Filmpreview unserer Reportage „Demokratie weiter entwickeln – Brauchen wir ein neues Denken?“ am 25. Juni 2026 im Caritas-Pirckheimer-Haus eine Podiumsdiskussion zum Thema statt.
In der Diskussion geht es, in Anlehnung an die zuvor gezeigte Filmpreview, um den Zustand unserer Demokratie und um die Frage, warum populistische Ideen immer mehr Zulauf bekommen. Schwerpunkt der Diskussion ist die Frage, ob direktdemokratische Beteiligungsmöglichkeiten eine sinnvolle und wichtige Ergänzung der parlamentarischen Demokratie sind und ob sie auch auf Bundesebene eingeführt werden sollen.
Auf dem Podium saßen unter der Leitung von Alexander Jungkunz, Chefpublizist der Nürnberger Nachrichten:
– Dr. Günther Beckstein, Bayerischer Ministerpräsident a.D.
– Werner Küppers, OMNIBUS für Direkte Demokratie,
– Tim Willy Weber, Bürgermeister von Ottersberg,
– Christian König, Mehr Demokratie e.V. und
– Jörg Siegmund, Akademie für Politische Bildung Tutzing.
Die Aufzeichnung der Podiumsdiskussion entstand mit einem Zuschuss der Stiftung „Nürnberg – Stadt des Friedens und der Menschenrechte“.
Eine Produktion von Medien PRAXIS e.V. • Länge: 88 Min.
Die Reportage Demokratie weiter entwickeln – Brauchen wir ein neues Denken? ist ebenfalls auf unserem YouTube-Kanal zu sehen.
Juni 2026
Vor 30 Jahren begleitete unsere erste point-Sendung den OMNIBUS für direkte Demokratie und den Verein Mehr Demokratie – damals kämpften sie für kommunale Bürgerentscheide in Bayern. Am 1. Oktober 1995 stimmten 57,8 Prozent der Bayern dafür. An diese erste Sendung wollen wir nun anknüpfen – mit einer Aktionswoche, die fragt: Wie wollen wir Demokratie weiterentwickeln? Seit 1995 produzieren wir als gemeinnütziger Verein Reportagen, Dokumentationen und Portraits für unsere Sendung point, die sonntags abends auf Franken Fernsehen ausgestrahlt wird – mit hohem ehrenamtlichen Aufwand, ohne Werbung, mit der Freiheit, die Themen zu wählen, die uns wichtig sind.

Vom 22. bis 26. Juni 2026 veranstalten wir gemeinsam mit der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) in Nürnberg die Aktionswoche »Demokratie weiter denken«. Dass die Woche zu einem besonders aktuellen Zeitpunkt stattfindet, ist ein interessanter Zufall: Am 28. Juni 2026 findet in Nürnberg der Bürgerentscheid »Lieber zurück auf Los« über den Ausbau des Frankenschnellwegs statt. Die Bürgerinnen und Bürger können selbst entscheiden, ob die derzeitigen Planungen und Maßnahmen für den Ausbau des Frankenschnellwegs sofort gestoppt werden sollen – und nutzen dabei genau das Instrument, für das der OMNIBUS und Mehr Demokratie vor 30 Jahren gestritten haben: den Bürgerentscheid.
Das Programm:

Während der gesamten Woche ist der OMNIBUS für Direkte Demokratie vor Ort – am 22. Juni am Helene-Lange-Gymnasium in Fürth und am 23. Juni an der Beruflichen Schule 7 in Nürnberg für Workshops mit Schülerinnen und Schülern, vom 24. bis 26. Juni an der Königstraße (Wetterhäuschen, Lorenzkirche), täglich offen für Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern.

Am Dienstag, 23. Juni um 19 Uhr lädt Johannes Stüttgen im S11 des CPH zu einem künstlerischen Gespräch ein unter dem Titel »Die Krönung der Demokratie«. Stüttgen studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Joseph Beuys, der ihn 1971 zum Meisterschüler ernannte. Im selben Jahr gründete er mit Beuys die »Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung« – den Vorläufer des heutigen Omnibus. In seinem Gespräch stellt Stüttgen die Frage, wie der erweiterte Kunstbegriff von Beuys – die Idee, dass jeder Mensch ein Künstler und damit Mitgestalter des gesellschaftlichen Lebens ist – mit der Forderung nach mehr direkter Demokratie zusammenhängt. Er motiviert seine Zuhörerinnen und Zuhörer, den Punkt in sich zu finden, an dem sie sich selbst als freiheitsfähig und als Mitgestaltende einbringen können. Eintritt frei.

Am Donnerstag, 25. Juni um 19 Uhr findet im Pirckheimersaal die Premiere unserer neuen Reportage »Demokratie weiterdenken« statt. Der Film begleitet Menschen und Initiativen, die sich heute für die Weiterentwicklung der Demokratie engagieren – und knüpft inhaltlich an unsere allererste Sendung von 1995 an, die die Einführung der Bürgerentscheide in Bayern begleitete.
Im Anschluss Podiumsdiskussion mit fünf Gästen, die direkte Demokratie aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennen:
Dr. Günther Beckstein hat als ehemaliger Bayerischer Ministerpräsident und Leiter des von Söder eingesetzten Runden Tisches zur Weiterentwicklung von Bürgerentscheiden einen langen Weg zurückgelegt – von einem Skeptiker direkter Demokratie zu einem ihrer Befürworter.
Jörg Siegmund von der Akademie für Politische Bildung Tutzing bringt die wissenschaftliche Perspektive ein: Was sagen die Daten über Politikverdrossenheit, und was wirkt in der politischen Bildung wirklich?
Tim Willy Weber, Bürgermeister des Fleckens Ottersberg, ist die stärkste Verbindungsfigur: Er fuhr in den 1990er Jahren als Praktikant mit dem Omnibus mit, leitete danach viele Jahre Mehr Demokratie e. V. als Geschäftsführer – und sitzt heute selbst im Rathaus.
Werner Küppers ist seit mehr als 25 Jahren als Busfahrer des Omnibus unterwegs und täglich im Gespräch mit Menschen auf Marktplätzen und an Schulen.
Christian König koordiniert für Mehr Demokratie e. V. die Landesverbände in Ostdeutschland – in Regionen, in denen das Vertrauen in die repräsentative Demokratie besonders unter Druck steht und die Frage, wie Bürgerinnen und Bürger stärker eingebunden werden können, besonders dringend ist.
Moderation: Alexander Jungkunz, Chefpublizist Nürnberger Nachrichten. Abendmoderation: Corinna Mielke, Bayerischer Rundfunk. Eintritt frei.

Den Abschluss bildet am Freitag, 26. Juni um 18:30 Uhr im Pirckheimersaal die Dialogveranstaltung »Sprechen & Zuhören – Nürnberg, eine lebenswerte Stadt?«
Zurzeit wird in Nürnberg heiß über den Ausbau des Frankenschnellwegs diskutiert. Gegnern und Befürwortern geht es um eine lebenswerte Stadt. Aber was macht für Dich eine lebenswerte Stadt aus? Welche Rolle spielen dabei Individualverkehr und ÖPNV? Wie wichtig ist Dir kulturelle Vielfalt und Klimaschutz?
Sprechen verbindet, Zuhören verändert. Das vom Verein Mehr Demokratie entwickelte Dialogformat bringt Menschen mit unterschiedlichsten Meinungen und Überzeugungen miteinander ins Gespräch. Es schafft Raum für Austausch, bei dem niemand überzeugt werden muss – einen Ort, um persönliches Erleben zu teilen und Perspektiven von anderen zu hören: ohne Unterbrechung, ohne Bewertung, dafür mit Neugier und Respekt. Im Anschluss gibt es Zeit zum freien Austausch. Moderation: Ingrid Pickel und Christina Gänßbauer (Mehr Demokratie e. V.). Eintritt frei.
Die drei Abendveranstaltungen finden im Caritas-Pirckheimer-Haus, Königstraße 64, 90402 Nürnberg statt.
Den Flyer zur Aktionswoche Demokratie können Sie als PDF-Datei herunterladen.
Die Reportage und die Podiumsdiskussion vom 25. Juni sind jetzt online: zur Reportage · zur Podiumsdiskussion
März 2026
Einmal im Jahr verleiht die Akademie im Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) einen Preis für Menschen, die sich in besonderer Weise für die Region einsetzen.
Wir freuen uns sehr, dass wir diesmal zu den Preisträgern gehören. Das CPH zeichnete damit unsere langjährige Arbeit als Dokumentarfilmer aus: »Die Arbeit von Medien PRAXIS erinnert uns daran, was guter Journalismus leisten kann: Menschen sichtbar machen, Missstände benennen und neue Perspektiven eröffnen«, sagte Jurymitglied Marica Münch.

Die Redaktion point Julia Thomas, Peter Romir, Cherima Nasa, Thomas Steigerwald und Norbert Goldhammer, der bei der Verleihung leider nicht dabei sein konnte, bedanken sich und gratulieren auch ganz herzlich den anderen Preisträgern: dem Sozialmagazin Straßenkreuzer, den Paulus-Schwestern am Jakobsplatz sowie Thomas Ohlwerter vom Schulreferat der Katholischen Stadtkirche Nürnberg. Auch sie tragen mit ihrer Arbeit wesentlich dazu bei, die Region mit »Guten Nachrichten« zu füllen.
Das CPH hat anlässlich der Preisverleihung einen kleinen Vorstellungsfilm über uns gedreht: Die Redaktion point stellt sich vor
Februar 2026
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Mitten im Herzen der Südstadt klafft seit Jahren ein Loch. Der Aufseßplatz ist ein Ort in der Warteschleife. Einen Sommer lang richtet der neue Dokumentarfilm von Cherima Nasa den Blick auf die Menschen, die den Platz täglich nutzen.

Die Baugrube markiert den Stillstand. Gleich daneben organisieren sich die Routinen des Alltags. Männergruppen treffen sich regelmäßig, viele mit Migrationserfahrung. Kinder radeln über das Pflaster, springen übermütig in die Brunnen am Platz. Aktivisten vom Solidaritätsnetzwerk fordern den raschen Bau von günstigem Wohnraum.

Für Menschen ohne festen Wohnsitz ist der Aufseßplatz ein Stück Zuhause. Was in der öffentlichen Debatte oft pauschal und abwertend etikettiert wird, bedeutet für sie eine verlässliche Gemeinschaft im öffentlichen Raum.

Es gibt auch diejenigen, die den Platz mit Wehmut betrachten, wie Rosie, die jahrzehntelang Verkäuferin im längst abgerissenen Kaufhaus war und jetzt vor einer »Wasserpfitschen« steht.

Die Freunde Daniel und Marco treffen sich regelmäßig am Platz und freuen sich, dass „hier immer was los ist“ und „man sich nicht verstellen muss“.

Der Film verschweigt die Spannungen nicht. Er zeigt das Nebeneinander von Familien und Obdachlosen, von alteingesessenen Anwohnerinnen und Neuankömmlingen. Er zeigt Misstrauen und Vorurteile. Doch er beobachtet auch, wie das Zusammenleben – oft leise und unspektakulär – täglich ausgehandelt wird.

August 2025
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Der Main-Donau-Kanal ist unbestritten eine der großen Ingenieursleistungen des 20. Jahrhunderts. Eine Wasserstraße, die den Main mit der Donau und damit auch die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbindet. Doch dreißig Jahre nach seiner Fertigstellung fällt die Bilanz ernüchternd aus.

Am Hafen Nürnberg, einem der größten Güterverkehrszentren Süddeutschlands, zeigt sich, wie tief die Binnenschifffahrt in der Krise steckt. Wo einst Millionen Tonnen an Kohle, Erz oder Dünger umgeschlagen wurden, liegen die Kais heute oft leer. 2023 waren es noch rund 2,5 Millionen Tonnen, im Vergleich zur Schiene ein Bruchteil. Während LKW und Bahn immer schneller und flexibler geworden sind, kämpft das Binnenschiff mit langen Transportzeiten, Wartephasen an den Schleusen und sinkender Nachfrage.

Gleichzeitig verschlingt der Erhalt der Wasserstraße enorme Summen. Brücken müssen abgerissen und neu gebaut werden, Schleusen werden für hunderte Millionen saniert. Kritiker wie der BUND Naturschutz sprechen von einem ökologisch wie ökonomisch gescheiterten Projekt, einem »Millionengrab« mitten in Bayern. Sie verweisen auf die massiven Eingriffe in Natur und Landschaft, auf entwässerte Feuchtgebiete und verlorene Artenvielfalt.

Und doch: Der Main-Donau-Kanal bleibt Teil der europäischen Infrastruktur – und er erlebt einen Wandel. Die Containerisierung hat neue Formen der Logistik hervorgebracht, und im Flusstourismus zeigt sich eine Entwicklung, die niemand übersehen kann. 2024 legten in Nürnberg 750 Kreuzfahrtschiffe mit rund 100.000 Passagieren an. Für die Stadt ein wachsender Wirtschaftsfaktor, für die Gäste aus aller Welt ein erster Eindruck von Nürnbergs Geschichte und Kultur.

Die Reportage wirft einen Blick auf ein Bauwerk voller Widersprüche: zwischen sinkendem Frachtverkehr und boomender Kreuzschifffahrt, zwischen hohen Investitionen und einer unsicheren Zukunft.

Eine filmische Bestandsaufnahme über die Bedeutung des Main-Donau-Kanals heute und die Frage, welche Rolle er morgen noch spielen kann.
Juli 2025
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Am Ende des Zweiten Weltkriegs kamen die Amerikaner als Besatzer nach Bayern. Es war der Beginn einer spannungsreichen Wechselbeziehung, bei der sich das Kräftegewicht immer wieder verschob. In diesem Film begeben wir uns auf die Spurensuche zu 80 Jahren Deutsch-Amerikanischer Vergangenheit – an der Schwelle zu einer noch ungewissen Zukunft.

Der Start der Beziehung war durchaus schwierig: In Fürth fielen die Besatzer vor allem als trink- und rauffreudige Unruhestifter auf – denen schließlich sogar der Zugang zur Altstadt untersagt werden musste.

Heute ist das Verhältnis entspannter. Im Stützpunkt Hohenfels feiern Deutsche und Amerikaner jedes Jahr ein gemeinsames Volksfest und schauen sich gegenseitig Traditionen ab.

Doch seit der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump wird das Verhältnis wieder angespannter. Manche Amerikaner, wie George Kobrick, fühlen sich deshalb inzwischen in Deutschland mehr zu Hause als in Amerika.

Auch das Deutsch-Amerikanische Institut im Amerikahaus Nürnberg spürt den Kulturwandel: Beschäftigung mit Diversität oder Minderheiten ist nicht mehr offiziell erwünscht – findet aber trotzdem noch statt.
Mai 2025
Die in Fürth geborene und an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg ausgebildete Künstlerin Heidi Sill ist vielschichtig unterwegs. Sie ist Zeichnerin, Installations- und Konzeptkünstlerin und engagiert sich seit ihrer Studienzeit für ihre Künstlerkolleg*innen und Kulturschaffende.

Nach ihrem Studium und einem Stipendium an dem renommierten Institut des Hautes Etudes en Arts Plastiques in Paris, beschließt sie, nach Berlin zu ziehen. In ihrer alten Heimat war ihr »die Kunstszene zu klein, es findet keine Bewegung statt….“, wie sie uns in einem ersten Portrait vor 23 Jahren erzählte.

Doch der Anfang in der Großstadt ist hart. Niemand kennt sie. Sie jobbt, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen – und entwickelt zugleich unbeirrt ihre Kunst weiter. Heute lebt Heidi Sill von ihrer künstlerischen Arbeit. Geblieben sind die Themen, die sie seit Jahrzehnten umtreiben: das Spannungsfeld von Ästhetik und Gewalt, Körperbilder jenseits gängiger Normen, die Rolle der Frau, Fragen von Sichtbarkeit, Kontrolle und Befreiung.

Neben ihrer freien künstlerischen Arbeit realisiert sie seit mehr als 10 Jahren auch Kunst-am-Bau-Projekte. Für Heidi sind das keine reinen Auftragsarbeiten. Sie sieht darin die Möglichkeit, ihr künstlerisches Denken zu erweitern und mit ihrer Kunst neue Zielgruppen zu erreichen – im öffentlichen Raum, in wissenschaftlichen Institutionen, im Alltag. Daneben engagiert sich Heidi Sill seit Jahrzehnten kulturpolitisch – als langjährige Vorständin bzw. Sprecherin des BBK Berlin, als engagierte Streiterin für faire Künstlerhonorare, für mehr Sichtbarkeit von Künstler*innen.

Auch wenn Heidi sich nicht vorstellen kann, nach Nürnberg zurück zu kommen, die Verbundenheit zur alten Heimat ist geblieben. Sei es, um Eltern und Freunde zu besuchen oder für eine Ausstellung mit ihren Arbeiten, wie vor wenigen Wochen im Rahmen der Biennale der Zeichnung. Ein Portrait über eine Künstlerin, die etwas zu sagen hat, künstlerisch und gesellschaftspolitisch.

Hier könnt Ihr die Reportage anschauen!