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Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


Dezember 2016

Im­pres­sio­nen aus dem Für­ther Stadt­park

Szenenfoto

Über 20 Jah­re lang hat­te die Re­dak­ti­on point ih­re Bü­ro­räu­me di­rekt ne­ben dem Für­ther Stadt­park. Da bie­tet es sich an, die »heim­li­che Lie­be der Für­ther« ein­mal ge­nau­er in Au­gen­schein zu neh­men.

Szenenfoto

Be­vor es im kom­men­den Jahr in ei­ner län­ge­ren Re­por­ta­ge um Ge­schich­ten und Ge­schich­te rund um den Stadt­park ge­hen wird, gibt es zu Weih­nach­ten ei­nen klei­nen Vor­ge­schmack: zwei Vi­deo­clips mit Im­pres­sio­nen aus dem Herbst und Win­ter.

Szenenfoto

Die Mu­sik zu den Clips stammt von den Tal­king Strings, ei­nem Duo, be­stehend aus dem Brat­schi­sten Chri­sto­pher Scholz und dem ame­ri­ka­ni­schen Folk-Sän­ger und Lie­der­ma­cher Ge­or­ge Ko­brick, der di­rekt am Stadt­park wohnt und re­gel­mä­ßi­gen Park­be­su­chern be­stimmt schon mit sei­ner Gi­tar­re auf­ge­fal­len ist.

Video auf YouTube anschauen Den Herbst­clip kön­nen Sie auf You­Tube se­hen.
Video auf YouTube anschauen Den Win­ter­clip kön­nen Sie auf You­Tube se­hen.
Dezember 2016

Ur­su­la Kreutz – »Der All­tag ist mein Ate­lier«

»Kunst hat die Fähigkeit, mich im Augenblick zu verankern, also mir eine gewisse Gegenwärtigkeit vor Augen zu führen, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn ich mich auf Kunst einlasse, auch als Rezipient, bin ich gegenwärtig.«

Ur­su­la Kreutz ist ei­ne viel­sei­ti­ge Künst­le­rin. Aus­gangs­punkt ih­rer Ar­beit ist ei­ner­seits die in­ten­si­ve, in­ter­dis­zi­pli­nä­re und ex­pe­ri­men­tel­le Er­for­schung der Mög­lich­kei­ten des Me­di­ums Fo­to­gra­fie, an­de­rer­seits das über­grei­fen­de The­ma der Er­in­ne­rung und da­mit ver­bun­den das Hin­ter­fra­gen von Wahr­neh­mung. Da­bei macht sie sich oft­mals selbst zum Ge­gen­stand der Hin­ter­fra­gung, in­dem sie in ih­ren Ar­bei­ten in Form ei­ner »Selbst­un­ter­su­chung« vi­su­ell und teil­wei­se auch phy­sisch prä­sent ist.

Teilansicht von »metabriss« (c) Ursula Kreutz

Ih­re fo­to­gra­fi­schen Ar­bei­ten sind oft­mals auf fo­to­be­druck­ten trans­pa­ren­ten Stof­fen auf­ge­tra­gen, die ei­nen leich­ten Moi­ré-Ef­fekt so­wie kal­ku­lier­te Un­schär­fe her­vor­ru­fen, und wer­den in Bild­kä­sten oder in von ihr ge­stal­te­ten Räu­men prä­sen­tiert. Durch die Trans­pa­renz des Ma­te­ri­als und ei­ne Ver­dop­pe­lung der Mo­ti­ve ent­ste­hen Über­blen­dun­gen, die zu viel­schich­ti­gen Pro­jek­ti­ons­flä­chen trans­for­miert wer­den und beim Wech­seln des Be­trach­tungs­win­kels im­mer neue Ein­drücke beim Pu­bli­kum her­vor­ru­fen.

Ursula Kreutz zeigt einen ihrer Bilderkästen - hier aus der Serie flussfahrt

In den letz­ten Jah­ren hat sich Ur­su­la Kreutz im­mer öf­ter mit In­stal­la­ti­on und Per­for­mance aus­ein­an­der­ge­setzt. Ar­bei­ten wie exil oder CMX und de­ren Ab­wand­lun­gen bzw. Wei­ter­ent­wick­lun­gen ha­ben ei­nes ge­mein­sam: Die Künst­le­rin ist nicht nur Teil des Wer­kes, sie sieht in den Ar­bei­ten auch ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit sich und ih­rer per­sön­li­chen Ent­wick­lung.

Standbild aus CMX_pro (c) Ursula Kreutz

Vor we­ni­gen Wo­chen wur­de Ur­su­la Kreutz mit dem Kul­tur­för­der­preis der Stadt Fürth aus­ge­zeich­net. point hat sie in ih­rem Ate­lier be­sucht und lässt sie über ih­re Kunst und ih­re Wahr­neh­mung der Welt re­flek­tie­ren.

Ursula Kreutz im Atelier

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
November 2016

»Wir sind bunt« – Ein­blicke in ei­ne »ganz nor­ma­le« Grund- und Mit­tel­schu­le

Das Baye­ri­sche Schul­sy­stem ist bis heu­te drei­ge­glie­dert. Nach ei­ner ge­mein­sa­men vier­jäh­ri­gen Grund­schu­le für al­le Re­gel­schü­ler sieht es nach der vier­ten Klas­se ei­ne Auf­tei­lung in ver­schie­de­ne Schul­ar­ten vor. Ne­ben den so­ge­nann­ten »wei­ter­füh­ren­den Schu­len«, dem Gym­na­si­um und der Re­al­schu­le, gibt es seit 2011 die Mit­tel­schu­le, für, wie es ei­ne Leh­re­rin be­schreibt, »den Rest, der es nicht ge­schafft hat«. An ca. 600 Stand­or­ten in Bay­ern sind an die Grund­schu­le Mit­tel­schu­len an­ge­schlos­sen, so auch an der Für­ther Pe­sta­loz­zi­schu­le.

In den meisten Schulstunden steht auch für Klassen, in denen viele Schüler einen erhöhten Förderbedarf haben, nur eine Lehrkraft zur Verfügung

2011 wur­den die ehe­ma­li­gen Haupt­schu­len in Mit­tel­schu­len um­be­nannt. Im Baye­ri­schen Kul­tus­mi­ni­ste­ri­um ver­sprach man sich da­von ei­ne Auf­wer­tung des Schul­spren­gels. Aber hat die Na­mens­än­de­rung et­was ge­bracht? Die stär­ke­ren Schü­ler ver­las­sen wei­ter nach der vier­ten Klas­se die Grund­schu­le Rich­tung Gym­na­si­um oder Re­al­schu­le.

Die Zusammenarbeit zwischen Förderschülern der Hallemannschule und den Regelschülern funktioniert in der Grundschule gut, wird aber durch den Weggang der sozial starken Schüler auf weiterführende Schulen immer schwieriger

Da­bei sind die An­sprü­che an die Mit­tel­schu­le wei­ter ge­stie­gen. El­tern ha­ben die Mög­lich­keit, frei zu wäh­len, ob sie Kin­der, die ein Han­di­cap ha­ben, an ei­ne För­der­schu­le oder ei­ne Grund- und spä­ter dann Mit­tel­schu­le schicken. Der An­teil der Schü­ler mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund und den da­mit oft­mals ver­bun­de­nen Sprach­schwie­rig­kei­ten ist in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich an­ge­wach­sen, Leh­rer se­hen sich im­mer öf­ter mit Schü­lern kon­fron­tiert, die ver­hal­tens­auf­fäl­lig sind oder Mo­ti­va­ti­ons­pro­ble­me ha­ben.

Zusätzlicher Förderunterricht ist erst durch das Profil Inklusion möglich, das die Pestalozzischule seit 2014 hat – für 50 Kinder mit erhöhtem Förderbedarf stehen jedoch nur 24 Wochenstunden zur Verfügung

Was ge­blie­ben ist, ist der Wunsch von Schul­lei­tung und Leh­rern, die Schü­ler mög­lichst gut auf die Ar­beits­welt vor­zu­be­rei­ten, aber ist dies un­ter die­sen Um­stän­den zu schaf­fen? Kann ein ein­zel­ner Leh­rer die An­sprü­che, die an ihn ge­stellt wer­den, über­haupt er­fül­len oder be­darf es da­zu ei­gent­lich ei­ner zwei­ten aus­ge­bil­de­ten Lehr­kraft, zu­min­dest in den Kern­fä­chern? Wie soll man Ein­zel­ne för­dern, wenn sich al­lei­ne an der Mit­tel­schu­le 50 Schü­ler mit be­son­de­rem För­der­be­darf be­fin­den und da­für ge­ra­de ein­mal 24 För­der­stun­den pro Wo­che zur Ver­fü­gung ste­hen? Wel­che Rol­le spielt da­bei das Baye­ri­sche drei­glied­ri­ge Schul­sy­stem, und was be­deu­tet es ins­be­son­de­re im Be­zug auf den In­klu­si­ons­ge­dan­ken?

Ab der siebten Klasse werden die Schüler durch verschiedene Maßnahmen auf den Berufseinstieg vorbereitet – hier bei einem Praktikum in einer Schreinerei

Ei­ne en­ga­gier­te Leh­re­rin aus der Mit­tel­schu­le meint: »So­lan­ge El­tern tag­täg­lich in der Grund­schu­le er­le­ben, wir müs­sen stark sein, das hat ‘nen Wert. Ich will, dass mein Kind aufs Gym­na­si­um geht, die Mit­tel­schu­le, das sind die Idio­ten, ich sags mal so deut­lich, kann ich nicht da­von spre­chen, dass al­le Men­schen ir­gend­wie ei­nen glei­chen Wert ha­ben, und das är­gert mich per­sön­lich.« Sie träumt da­von »dass wir den Kin­dern ei­ne Schu­le an­bie­ten kön­nen mit ei­ner Schul­tü­re und sich die­se Schu­le dann in­ner­halb des Ge­bäu­des ver­zweigt, so dass die Kin­der die Mög­lich­keit ha­ben, ent­spre­chend ih­rer Ver­an­la­gung und Be­ga­bung das ei­ne oder an­de­re zu ab­sol­vie­ren.« Ei­ne Vor­stel­lung, die wohl im­mer ein Traum blei­ben wird?

Projekte, die zur Berufsvorbereitung dienen, wie die Anschaffung und der Ausbau eines Bauwagens für die SMV, wären ohne die Unterstützung von Sponsoren nicht möglich

Me­di­en PRAXIS e.V. hat meh­re­re Jah­re die Si­tua­ti­on an der Für­ther Pe­sta­loz­zi­schu­le ver­folgt. Ent­stan­den ist ei­ne drei­tei­li­ge Re­por­ta­ge mit fol­gen­den Schwer­punk­ten:

  1. Mög­lich­kei­ten und Gren­zen des Mit­ein­an­der und von­ein­an­der Ler­nens im drei­glied­ri­gen Schul­sy­stem

  2. Die Schwie­rig­kei­ten, den Ge­dan­ken der In­klu­si­on an ei­ner Mit­tel­schu­le mit Le­ben zu fül­len

  3. Die Her­aus­for­de­rung, Schü­lern ei­ne ad­äqua­te Be­rufs­vor­be­rei­tung zu­kom­men zu las­sen

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 90 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
November 2016

Mit­ma­chen macht Schu­le – Das »Frei­wil­li­ge So­zia­le Schul­jahr«

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Schü­le­rin­nen und Schü­ler ab der 8. Klas­se von Mit­tel­schu­len, Re­al­schu­len und Gym­na­si­en kön­nen in Zu­sam­men­ar­beit mit ver­schie­de­nen Ein­rich­tun­gen von Kom­mu­nen, Ver­bän­den und Ver­ei­nen ein Frei­wil­li­ges So­zia­les Schul­jahr (FSSJ) ab­lei­sten.

Szenenfoto

Die Ein­satz-Mög­lich­kei­ten rei­chen von Kin­der­gär­ten bis Al­ten­hei­men, von der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr zum Bund Na­tur­schutz, vom Tier­heim zum Sport­ver­ein. Das FSSJ be­inhal­tet über die Dau­er ei­nes Schul­jah­res au­ßer­halb des Un­ter­richts ei­ne zwei­stün­di­ge eh­ren­amt­li­che Tä­tig­keit in der Wo­che.

Szenenfoto

Die­ses Pro­jekt der Ca­ri­tas bie­tet Schü­le­rin­nen und Schü­lern die Chan­ce, sich so­zi­al zu en­ga­gie­ren, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und wich­ti­ge so­zia­le Kom­pe­ten­zen zu trai­nie­ren. Zu­dem gibt es An­re­gun­gen für die be­ruf­li­che Zu­kunft und ein Zeug­nis.

Ein Film von Mo­ni­ka Zur­ha­ke und Jo­chen Vet­ter  •  Län­ge: 27:30 Min.

Mai 2016

Zei­chen set­zen – Nürn­bergs er­ste Ves­per­kir­che

Die ehrenamtlichen Helfer beim Abschlussfest

»Ku­chen, Kar­teln, Ker­zen­schein« – so lau­te­te der Slo­gan, mit dem die Gu­stav-Adolf-Ge­dächt­nis­kir­che in der Nürn­ber­ger Süd­stadt im Win­ter 2016 die Be­völ­ke­rung erst­mals zur Ves­per­kir­che ein­lud. Sechs Wo­chen lang sorg­ten fast 400 eh­ren­amt­li­che Mit­ar­bei­ter da­für, dass man sich im um­ge­stal­te­ten Kir­chen­raum zwang­los tref­fen konn­te und für den sym­bo­li­schen Preis von ei­nem Eu­ro ein war­mes Es­sen er­hielt. Da­hin­ter steht für Pfar­rer Bernd Reu­ther zum ei­nen »ein stark dia­ko­ni­scher Ge­dan­ke«, zum an­de­ren »bie­ten wir aber auch ei­nen Raum, wo Men­schen ver­schie­de­ner Her­kunft, ver­schie­de­ner Ein­kom­mens­struk­tur sich tref­fen und zu­sam­men­sit­zen und die an­de­re Wirk­lich­keit auch wahr­neh­men.«

Bis zu 500 Essen gingen täglich über den Tresen

Das Pro­jekt war in­ner­halb der Ge­mein­de nicht un­um­strit­ten. Kar­ten oder Mensch är­ge­re dich nicht spie­len, sich über pro­fa­ne Din­ge un­ter­hal­ten oder auch ein­fach nur Spaß ha­ben in der Kir­che, dar­in sa­hen ei­ni­ge auch ei­ne Ent­wei­hung des kirch­li­chen Rau­mes. Aber was soll mit den vie­len Kir­chen ge­sche­hen, in ei­ner Zeit, in der die An­zahl der Kir­chen­mit­glie­der stän­dig sinkt? Sol­len wir sie leer ste­hen las­sen, und wer über­nimmt die Ko­sten für die In­stand­hal­tung? Fra­gen, die nicht nur Pfar­rer Bernd Reu­ther be­schäf­ti­gen.

 »Du kommst mit vielen Leuten schnell ins Gespräch, und es ist immer so, dass man Spaß hat beim Reden, auch wenn Schicksale dabei sind, die eigentlich nicht zum Lachen sind.«

Das Pro­jekt wird ein gro­ßer Er­folg: Schon nach we­ni­gen Ta­gen sind vie­le Be­su­cher zu Stamm­gä­sten ge­wor­den, die kul­tu­rel­len An­ge­bo­te wer­den gut an­ge­nom­men und selbst die Got­tes­dien­ste sind gut be­sucht, man­che füh­len sich an die »Ur­kir­che« er­in­nert.

Viele Besucher kommen nicht nur zum Essen in die Vesperkirche

Aber wie ist das Ver­hält­nis der Be­su­cher zur Kir­che im All­ge­mei­nen? Was macht die Men­schen so un­zu­frie­den mit der Kir­che, dass im­mer mehr Chri­sten aus­tre­ten? Wes­halb kom­men die we­nig­sten Ves­per­kir­chen­be­su­cher in den nor­ma­len Got­tes­dienst? Wie kommt es, dass sich Men­schen, die der Kir­che di­stan­ziert ge­gen­über ste­hen, für die Ves­per­kir­che eh­ren­amt­lich en­ga­gie­ren? Wo­hin muss sich Kir­che ent­wickeln, wenn sie nicht wei­ter an ge­sell­schaft­li­cher Be­deu­tung ver­lie­ren will?

Eintritt frei - Spenden erbeten! Die Benefizkonzerte sind ein wichtiger Baustein zur Finanzierung der Vesperkirche.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 55 Min.

Video auf YouTube anschauen Von die­sem Film gibt es ei­nen Aus­schnitt auf You­Tube.
auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
April 2016

40 Jah­re KUNO – Vom Kul­tur­la­den Nord zum Kul­tur­zen­trum Nord

Als der KUNO ein Jahr nach seiner Gründung 1976 die Räumlichkeiten in der Wurzelbauerstraße bekam, mussten viele ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden in den Umbau gesteckt werden.

Das in der Nürn­ber­ger Nord­stadt ge­le­ge­ne Stadt­teil­zen­trum KUNO ist Teil der vor 40 Jah­ren ent­stan­de­nen Idee, in mög­lichst vie­len Stadt­tei­len klei­ne de­zen­tra­le Kul­tur­zen­tren ent­ste­hen zu las­sen. Die vom da­ma­li­gen Kul­tur­re­fe­ren­ten Her­mann Gla­ser ent­wickel­te Vor­stel­lung, nie­der­schwel­li­ge, al­le Be­völ­ke­rungs­grup­pen an­spre­chen­de kul­tu­rel­le An­ge­bo­te zu ma­chen, hat un­ter dem Stich­wort »So­zio­kul­tur« in den 1980er Jah­ren bun­des­wei­te Be­deu­tung er­langt.

Bei den berühmten Montagssitzungen rauchten nicht nur die Köpfe...

Aus der Auf­bruchs­stim­mung der 1968er Ge­nera­ti­on her­aus fan­den sich im »Kul­tur­la­den Nord« Men­schen zu­sam­men, die in der Ge­sell­schaft et­was ver­än­dern woll­ten. In den 1980er Jah­ren gab es im KUNO vie­le In­itia­ti­ven, die sich kul­tu­rell, so­zi­al oder po­li­tisch en­ga­gier­ten. Ne­ben den »Müt­tern ge­gen Atom­kraft« nutz­ten un­ter an­de­rem Green­peace, die So­lar­ener­gie­initia­ti­ve und Ro­bin Wood die Räu­me. Ver­ei­ne, wie die die Schwan­ge­ren­be­ra­tung­stel­le oder Nürn­ber­ger Aids­hil­fe wur­den hier ge­grün­det. Pro­te­ste ge­gen Ein­schnit­te im Kul­tur­etat, ge­gen den zwei­ten Golf­krieg oder der Auf­ruf zum Volks­zäh­lungs­boy­kott wur­den von KU­NO-Mit­glie­dern maß­geb­lich mit­or­ga­ni­siert.

Margit Mohr, Leiterin des KUNO, hat Gründungsmitglieder des Vereins eingeladen, um sich mit ihnen über die ersten Jahre auszutauschen.

Die po­li­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten wur­den im Lau­fe der Jah­re we­ni­ger, die Zahl de­rer, die sich ak­tiv en­ga­gier­ten, nahm ab und die Haupt­ver­ant­wort­li­chen sa­hen sich mit sin­ken­den Be­su­cher­zah­len kon­fron­tiert. Da­her nahm man im Jah­re 2009 ei­nen Re­launch vor: aus dem Kul­tur­la­den Nord wur­de das Kul­tur­zen­trum Nord.

Künstler haben im Galeriehaus Präsentationsmöglichkeiten, die in kommerziellen Galerien eher selten geboten werden.

Mar­git Mohr, seit 25 Jah­ren Lei­te­rin des noch im­mer selbst­ver­wal­te­ten KUNO hielt ei­nen Neu­start für not­wen­dig: »Der Re­launch dien­te da­zu, dass wir uns auf un­se­re Kern­kom­pe­ten­zen be­sin­nen, und wir ha­ben dann her­aus­ge­fun­den, dass wir mit dem Ga­le­rie­haus die bil­den­de Kunst als den er­sten Kern­be­reich, als wei­te­ren Kern­be­reich die Li­te­ra­tur mit dem jet­zi­gen Li­te­ra­tur­zen­trum Nord ha­ben und der drit­te Kern­be­reich ist der Kul­tur­treff Nord, der sub­su­miert das Ca­fé Zeit­los, das Kurs- und Fort­bil­dungs­pro­gramm, die Rei­he Jazz­früh­stück, und al­le Grup­pen­treffs, die hier statt­fin­den.« Wenn­gleich sich die Schwer­punk­te der Ar­beit im Lau­fe der Jah­re ver­scho­ben ha­ben, fühlt man sich im KUNO dem Gla­ser­schen Ge­dan­ken der So­zio­kul­tur bis heu­te ver­pflich­tet.

Das alle sechs Wochen stattfindende Jazzfrühstück ist meist ausverkauft.

Seit Jahr­zehn­ten un­ver­än­dert fe­ster Be­stand­teil des KU­NO-Pro­gramms ist das 1. Mai-Fest. Hier kommt seit Jah­ren die Nürn­ber­ger Al­ter­na­tiv- und Po­lit­sze­ne zu­sam­men, schwelgt in Er­in­ne­run­gen oder schaut wie der Künst­ler Pe­ter Ham­mer vor­bei, um sich zu in­for­mie­ren: »Man muss doch wis­sen, wer noch am Le­ben ist und wie alt er ge­wor­den ist.«, um dann fest­zu­stel­len, »die sind al­le äl­ter ge­wor­den, wahr­schein­lich so­gar ich.«

Trotz Regen und schlechten Wetters kommen die Besucher am 1. Mai in den KUNO.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 65 Min.

Video auf YouTube anschauen Von die­sem Film gibt es ei­nen Aus­schnitt auf You­Tube.
auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Februar 2016

Ein­ge­schrie­ben in die Haut

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Es ist noch gar nicht so lan­ge her, da as­so­zi­ier­te man Tat­toos mit See­fah­re­rei, Knast und Rot­licht­mi­lieu. In den spä­ten 1980er Jah­ren war ein tä­to­wier­ter Un­ter­arm »noch ‘ne ech­te An­sa­ge«, er­in­nert sich Kal­le, der seit über 35 Jah­ren in Bam­berg als Tä­to­wie­rer ar­bei­tet. Heut­zu­ta­ge fällt man al­ler­dings fast mehr auf, wenn man kein Tat­too trägt. An­geb­lich ist in­zwi­schen je­der vier­te Deut­sche un­ter 35 Jah­ren tä­to­wiert. Da­bei han­delt es sich nicht nur um Künst­ler oder Krea­ti­ve: In­zwi­schen las­sen auch Bank­an­ge­stell­te und Be­am­te ih­ren Kör­per mit Tat­toos ver­schö­nern. Ge­hört es dem­nach heu­te für jun­ge Men­schen ge­nau­so da­zu, tä­to­wiert zu sein, so wie das neu­este iPho­ne zu be­sit­zen? Ist man schlicht­weg out, wenn man sich dem ver­wei­gert?

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Wenn man frü­her zei­gen woll­te, dass man ein har­ter Hund ist und ei­ni­ges auf dem Kerb­holz hat, dann ließ man sich ei­ne »Knast­trä­ne« tä­to­wie­ren. Aber was ver­bin­den Men­schen heu­te mit ih­rem Kör­per­schmuck? Wol­len Men­schen mit ih­ren Tat­toos et­was aus­sa­gen, sie als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­stru­ment ein­set­zen, oder geht es nur dar­um, mit­re­den zu kön­nen bzw. Teil ei­nes Trends zu sein?

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Auch Tat­toos un­ter­lie­gen Mo­den. Kla­mot­ten, die man heu­te trägt, kann man mor­gen in den Alt­klei­der­con­tai­ner wer­fen, aber was macht man mit ei­nem Arsch­ge­weih, das man sich vor 20 Jah­ren auf den un­te­ren Rücken hat tä­to­wie­ren las­sen?

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Nach wel­chen Kri­te­ri­en wählt man sei­nen Kör­per­schmuck aus? Lässt man es bei ein paar Stern­chen oder ei­ner klei­nen Ro­se, be­schränkt sich auf Stel­len, die man leicht be­decken kann, oder macht man es wie Jo­han­nes Stahl und lässt sich den Spruch »Shit ne­ver goes wrong« in kra­ke­li­ger Schrift auf den Hals tä­to­wie­ren? Lässt man sich von Ma­thes Kri­vy ein Ganz­kör­per­kon­zept tä­to­wie­ren, das an po­ly­ne­si­sche ri­tu­el­le Tat­toos er­in­nert, da­mit aber ei­gent­lich nichts zu tun hat, oder ist ein asia­ti­scher Bo­dysuit von dem Forch­hei­mer Snü­den die rich­ti­ge Ent­schei­dung, wenn man sei­nen Kör­per ver­schö­nern las­sen will? Wenn der Tä­to­wie­rer kei­ne pas­sen­de Vor­la­ge hat – im In­ter­net fin­det sich für je­den Ge­schmack das pas­sen­de.

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Selbst in Klein­städ­ten gibt es heu­te meist meh­re­re Tat­too­stu­di­os. Die An­zahl der Tä­to­wie­rer hat in den letz­ten Jah­ren sprung­haft zu­ge­nom­men, dar­un­ter sind im­mer mehr Ab­sol­ven­ten von Kunst­aka­de­mi­en und De­si­gner wie Ca­li­na Hain. Sind Tat­toos, wenn sie von Künst­lern er­stellt sind, Kunst bzw. wann sind Tat­toos Kunst? Was bringt Men­schen da­zu, ih­rem Tä­to­wie­rer freie Hand bei der Mo­di­fi­zie­rung ih­res Kör­pers zu ge­ben? Tä­to­wie­rer und Tä­to­wier­te er­zäh­len von ih­rem Ver­hält­nis zu der Ge­stal­tung des mensch­li­chen Kör­pers.

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Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 55 Min.

Aus­schnit­te aus die­sem Film wa­ren im Ok­to­ber letz­ten Jah­res in der Aus­stel­lung »Skin Sto­ries. Tat­too & Kunst« in der kunst ga­le­rie fürth im Rah­men des Fe­sti­vals »net:works« zu se­hen – hier ein Teaser da­zu.