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Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


« Bodies in urban spaces – mit der Kamera dabei

»So lange ich zwei gesunde Hände habe« – Pramoens Kampf um Eigenständigkeit

Warten auf Kundschaft – Pramoen gibt die Hoffnung nicht auf

Pramoen Lauterbach betreibt einen Imbiss in der Nürnberger Straße in Fürth. Vor fünf Jahren wagte die gebürtige Thailänderin nach mehreren Jobs im An­ge­stell­ten­ver­hält­nis den Sprung in die Selbstständigkeit.

Als Pramoen ihren Imbiss eröffnete, hatte sie einen Koch, eine Küchenhilfe und eine Bedienung eingestellt. Nach und nach musste sie allen kündigen und macht heute alles alleine

Aufgewachsen ist Pramoen im Norden Thailands in der Provinz Nakhon Sawan. Die El­tern sind arme Reisbauern, das Einkommen reicht meist nur für das Nötigste. Mit 12 Jah­ren verlässt sie die Schule, um die Eltern zu unterstützen. Mit 13 Jahren geht sie ins 280 km entfernte Bangkok und arbeitet in Garküchen als Küchenhilfe und Mädchen für alles.

Pramoen will auf keinen Fall ihre Selbstständigkeit aufgeben. Sie sucht nach Lösungen, wie sie mehr Gäste fürs LaiThai gewinnen kann. Ihr neuester Einfall: Montag und Dienstag Mittag gibt es Buffet. All you can eat für fünf Euro

Durch die Vermittlung einer Freundin lernt sie mit 22 Jahren einen deutschen Mann kennen, dem sie nach Deutschland folgt. Kaum verheiratet, ohne Deutschkenntnisse und gegen den Willen ihres Mannes, sucht sich Pramoen Arbeit. Ihr ist es wichtig, nicht abhängig zu sein: »Du musst nicht bitten oder betteln, sagen, bitte, gib mir Geld, ich will einkaufen gehen oder sonst irgendwas. Oder in meine Heimat oder meinen Eltern schicken. Deswegen ich geh arbeiten, immer Arbeit, Arbeit, Arbeit…«

Trotz ihrer Situation versucht Pramoen, zuversichtlich zu bleiben und setzt dabei auch auf  buddhistische Traditionen, die sie aus ihrer alten Heimat nach Deutschland mitgebracht hat

Sie arbeitet als Putzkraft, in einer Reinigung und als Küchenhilfe in einem fränkischen Lokal, bis sie 2013 einen leer stehenden Laden in Fürth entdeckt und beschließt, dort einen Imbiss zu eröffnen. Inzwischen ist Pramoen geschieden. Ihre Tochter Jessica ist vor einigen Jahren in die USA ausgewandert. Seitdem lebt Pramoen ganz alleine hier in Deutschland.

Pramoens Tochter Jessica lebt mittlerweile in den USA – mehrmals die Woche telefonieren sie miteinander

Das LaiThai, in dem Pramoen thailändisch kocht, ist jeden Tag von 11 bis 22 Uhr geöffnet. Da der Imbiss so wenig Umsatz macht, dass sie sich keine Angestellten lei­sten kann, steht Pramoen sieben Tage die Woche in ihrem Geschäft. Trotz aller Pro­ble­me hat Pramoen sich ihr sonniges Gemüt erhalten. Wenn Kundschaft da ist, kann man ihr Singen aus der Küche bis in den Gastraum hören. Für sie steht fest, solange es irgendwie geht, will sie für ihr Einkommen sorgen: »Ich habe gesunde Hände und Füße, ich kann arbeiten. Ich habe immer mit eigenen Händen mein Geld verdient. Darauf bin ich stolz, wirklich stolz.«

Mit 13 Jahren hat Pramoen ihre Familie auf dem Dorf im Norden Thailands verlassen, um in Garküchen in Bangkok Geld zu verdienen

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 65 Min.

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