September 2026
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1995 erkämpften ein Zusammenschluss von vielen Initiativen in einem landesweiten Volksbegehren die Einführung von Bürgerentscheiden in Bayerischen Gemeinden und Kreisen.

Für die Einführung der damals weitreichendsten Regelungen in ganz Deutschland hatten sich binnen 14 Tagen 1,2 Millionen Menschen eingetragen. Maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt waren der OMNIBUS für Direkte Demokratie und Mehr Demokratie e.V..

Dreißig Jahre später steht diese Errungenschaft wieder unter Druck. In vielen Bundesländern, so auch in Bayern, sollen die Hürden bzw. Regelungen, die Bürgerentscheiden und Volksentscheiden vorgeschaltet sind, verschärft werden. Die Möglichkeit von Volksentscheiden auf Bundesebene ist bis heute nicht gegeben. Der Film »Demokratie weiter entwickeln« stellt Menschen vor, die sich, meist schon seit Jahrzehnten, mit direkter Demokratie beschäftigen und stellt die Frage, wie wir wieder aus der Demokratiekrise herausfinden.

Am Baumkreuz bei Ifta, an der hessisch-thüringischen Grenze gelegen, kommen seit 1990 Menschen vom Omnibus, Mehr Demokratie und Bund Naturschutz zusammen, um Bäume zu pflanzen und zu pflegen.

In Anlehnung an das 7000-Eichenprojekt von Joseph Beuys und dessen Forderung nach einer Abschaffung der »Parteiendiktatur« stellt sein Schüler und Mitbegründer des OMNIBUS für Direkte Demokratie Johannes Stüttgen die These auf, dass wir uns auf ein »völlig neues Denken« einlassen müssen, da »die alten Konzepte nicht mehr greifen«.

Ralf-Uwe Beck ist in der ehemaligen DDR, ganz in der Nähe des Baumkreuzes von Ifta aufgewachsen. Heute ist er Bundesvorstandssprecher von „Mehr Demokratie e.V.“ und hat in diesem Jahr das Essay „Der Souverän“ veröffentlicht, in dem er die Nachwendezeit aufarbeitet und für die Stärkung der direkten Demokratie eintritt: »Die real existierende Demokratie ist nicht das eingelöste Versprechen, das uns die Demokratie gibt, nämlich, dass wir an den politischen Entscheidungen, die uns betreffen, auch beteiligt werden müssen.«

Busfahrer Werner Küppers fährt seit vielen Jahren mit dem OMNIBUS für direkte Demokratie durch ost- und westdeutsche Städte. Gemeinsam mit zwei bis drei MitfahrerInnen stellen sie sich auf öffentliche Plätze, um für die direkte Demokratie zu werben. »Wir können doch nicht unsere Stimme als Blanko-Vollmacht aus der Hand geben, auch an Leute, die offensichtlich das gar nicht einhalten, was sie vorher versprechen.« Für ihn zählt das Gespräch von Mensch zu Mensch, unabhängig davon, welche politische Überzeugung das Gegenüber vertritt. Eine Haltung, die in Zeiten wachsender Polarisierung nicht selbstverständlich ist.

Um der wachsenden Spaltung unserer Gesellschaft etwas entgegenzusetzen, hat „Mehr Demokratie e.V.“ das Dialogformat Sprechen & Zuhören entwickelt: »Wir haben alle Streitthemen in der Familie, aber auch gesellschaftlich. Und wir neigen dazu, nicht mehr miteinander zu sprechen und große Gräben zu ziehen. Und dieses Format Sprechen und Zuhören bringt uns wieder zusammen, auch wenn wir inhaltlich ganz weit auseinander sind.«

Auch der Omnibus ist im Bildungsbereich tätig. Beim zweitägigen Schulprojekt wo-hin? geht es den ProjektleiterInnen nicht nur um das Aufzeigen der Möglichkeiten der direkten Demokratie. In spielerischer Form sollen die SchülerInnen auch erfahren, wie sie selbstwirksam werden können: Wo-hin? ist ein Projekt, wo es uns um die junge Generation geht, weil es ganz oft passiert, dass sie eben nicht das Gefühl haben, dass ihnen zugehört wird…
Juli 2026
Ausstrahlung am Sonntag, dem 4. Oktober 2026 um 19:30, 21:30 und 23:30 Uhr auf Franken Fernsehen im Kabel und im Livestream und um 21:45 Uhr auf Franken Plus
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Jahrhundertelang galt Wasser auf den Feldern als Problem. Es wurde über Gräben möglichst schnell abgeleitet, damit Wiesen und Äcker früher bewirtschaftet werden konnten.

Heute hat sich die Perspektive grundlegend verändert: Trockenheit, Hitzewellen und sinkende Grundwasserspiegel machen jeden Tropfen kostbar. Vielerorts beginnt deshalb die Suche nach neuen Lösungen – und führt überraschend oft zu altem Wissen.

Der Film begleitet Menschen, die traditionelle Wässerwiesen wiederentdecken und innovative Projekte für mehr Wasserrückhalt entwickeln. Rund um Forchheim, im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim und im Lebensraum Altmühltal entsteht ein neues Verständnis dafür, wie Wasser in der Landschaft gehalten werden kann – zum Nutzen von Landwirtschaft, Natur und Trinkwasserversorgung.

Dabei zeigt sich, dass Wassermanagement weit mehr bedeutet als Hochwasserschutz oder Bewässerung. Es geht um fruchtbare Böden, widerstandsfähige Landschaften und die Frage, wie sich Mensch und Natur an den Klimawandel anpassen können. Wissenschaft, Kommunen, Wasserwirtschaft und Landwirte arbeiten dabei an Lösungen, die oft erstaunlich einfach sind.

Die Reportage von Norbert Goldhammer erzählt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, Tradition mit Innovation verbinden und zeigen, dass nachhaltiger Wasserrückhalt keine Vision ist, sondern bereits heute gelebt wird. Es ist auch eine Geschichte über den Wert des Wassers.

Juni 2026
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Zwischen Fiddle-Klezmer, Balkan-Fusion und musikalischer Erinnerung: Das Jewish Music Today Festival in Fürth brachte im März 2026 wieder Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt zusammen – und zeigt dadurch, wie lebendig, vielfältig und gegenwärtig jüdische Musik heute klingt.

Die Dokumentation portraitiert Bands und Musiker, gibt Einblicke in einen Klezmer-Workshop und zeigt die einzigartige Atmosphäre einer Veranstaltung in der fränkischen Kleeblattstadt, die der politischen Ereignisse rund um den Globus trotzt und ein eindrucksvolles Festivalprogramm auf die Beine gestellt hat.

Der international renommierte Klarinettist Christian Dawid trifft in seinem Klezmer-Workshop auf ambitionierte Laien, Tradition auf Improvisation und musikalische Präzision auf spontane Emotion. Der Workshop ist auch so etwas wie das Herzstück des Festivals, geht es den Machern doch immer um ein offenes Miteinander und den Austausch, getragen durch Musik. Die Reportage beobachtet, wie gemeinsam musiziert und experimentiert wird – und wie Klezmer als lebendige Kulturform weitergegeben wird.

Auch die Musiker Yuriy Gurzhy und Magi Hikri kommen zu Wort. Sie erzählen von Identität, Migration und den Einflüssen unterschiedlicher Kulturen auf ihre Musik. Zwischen traditionellen Melodien, jüdischer Folklore, elektronischen Sounds und modernen Interpretationen entsteht ein Festival, das Grenzen überschreitet und musikalische Brücken baut.

Die Dokumentation zeigt energiegeladene Konzertabende. Sie ist ein atmosphärisches Portrait eines Festivals, das jüdische Musik nicht als museales Erbe versteht, sondern als lebendige, zeitgenössische Kunstform – offen, international und voller überraschender Klangwelten.

April 2026
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Alle zwei Jahre treffen sich Fachleute aus der Pflegebranche in Nürnberg auf der Altenpflegemesse – der Leitmesse der Pflegebranche. Längst ist dort auch Künstliche Intelligenz ein Thema: Sozialroboter und die KI-gestützte Pflegedokumentation zeigen, wie stark sich die Branche im Wandel befindet.

Im Seniorenzentrum Gottfried Seiler steht man diesen Entwicklungen offen gegenüber. Seit ca. einem Jahr wird hier ein sozialer Roboter namens Gottfried erprobt. Einmal pro Woche ist er im Einsatz. In Begleitung einer Mitarbeiterin besucht er einzelne Bewohner*innen und führt mit Ihnen Gespräche, die sie anregen, aktivieren und der Einsamkeit entgegenwirken sollen. Doch wie gut funktioniert das in der Praxis? Bei unseren Besuchen im Seniorenzentrum haben wir erlebt, wie viel Potenzial in der Technologie steckt, aber auch, wo ihre Grenzen liegen.

Haupteinsatzgebiet der künstlichen Intelligenz im Seniorenzentrum Gottfried Seiler ist aber die KI-gestützte Pflegedokumentation. Per Spracheingabe erfassen Mitarbeitende ihre Tätigkeiten direkt im Bewohnerzimmer. Die KI strukturiert und verarbeitet die Inhalte automatisch. Eine Zeitersparnis, die dem Pflegepersonal mehr Spielraum für das gibt, was keine Maschine ersetzen kann: menschliche Zuwendung.

Die Mitarbeitenden im Seniorenzentrum stehen dem technologischen Fortschritt offen gegenüber – ziehen aber auch klare Grenzen. Grundpflege, Palliativversorgung, der Umgang mit Sterbenden: Das sind Bereiche, in denen KI aus ihrer Sicht nichts verloren hat. »Dokumentation und Aktivierung ja, aber der Mensch bleibt im Mittelpunkt«.

»Die KI kommt in die Pflege« ist ein Blick auf eine Branche im Umbruch. Der Film zeigt, wie Technologie sinnvoll unterstützen kann – ohne die entscheidende Frage aus dem Blick zu verlieren: Wie viel Technik wollen wir zulassen, und wo bleiben wir bewusst bei der zwischenmenschlichen Kommunikation?

Februar 2026
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Die Fürther Altstadt rund um St. Michael gilt heute als Aushängeschild und eines der schönsten Viertel der Stadt. Dass es diesen Stadtteil überhaupt noch gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn vor 50 Jahren stand genau dieses Viertel vor dem Aus.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg prägten Flächensanierung und die Idee der autogerechten Stadt die Stadtplanung. Auch in Fürth. Obwohl die Altstadt den Krieg fast unversehrt überstanden hatte, wurde 1958 über das benachbarte Gänsbergviertel eine Bausperre verhängt, 1962 begann der Abriss. Ein historischer Teil der Altstadt verschwand.

Vor diesem Hintergrund formierte sich Widerstand. 1974 schlossen sich engagierte Fürtherinnen und Fürther zusammen und gründeten wenig später die Bürgervereinigung Altstadtviertel St. Michael Fürth – den heutigen Altstadtverein. Ihr Ziel: die Altstadt wiederzubeleben und weiteren Abriss zu verhindern.

Zunächst ging es darum, überhaupt wieder Menschen in das Viertel zu bringen. Bereits 1975 organisierte der Verein den ersten »Grafflmarkt« – eine Veranstaltung, die sich im Laufe der Jahre fest im Stadtleben verankerte.

Nach und nach gelang es, Aufmerksamkeit für das Viertel zu schaffen und Hausbesitzer davon zu überzeugen, in die alten Gebäude zu investieren. Der Verein unterstützte dabei nicht nur beratend. Von Beginn an war das Engagement stark ehrenamtlich geprägt, viele Mitglieder legten selbst Hand an.

Die Einnahmen aus dem Essens- und Getränkeverkauf beim Grafflmarkt und anderen Veranstaltungen, darunter die seit 1981 stattfindende Altstadtweihnacht, flossen in die Vereinsarbeit. So konnte der Altstadtverein auch kleinere finanzielle Beiträge zu Sanierungen leisten. Rund 50 Häuser wurden auf diese Weise im Laufe der Jahre mit Unterstützung des Vereins instand gesetzt.

Der Altstadtverein mischte sich immer ein, wenn unterschiedliche Interessen im Viertel aufeinandertrafen – etwa bei Fragen der Nutzung, der Gastronomie oder der Nahversorgung. Bereits 1979 forderte der Verein einen Kneipenstopp. Jahrzehnte später wurde die Gustavstraße erneut zum Ort von Auseinandersetzungen um Lärm und Nutzung. Dabei sprach der Altstadtverein nicht immer mit einer Stimme. Als Zusammenschluss unterschiedlicher Interessen gehörten kontroverse Diskussionen ebenso zur Vereinsgeschichte wie der Versuch, sie auszuhalten und weiterzuarbeiten.

Wir haben den Altstadtverein im Jubiläumsjahr begleitet. Der Film erzählt die Geschichte eines Vereins, der seit seiner Gründung für bürgerliches Engagement steht – und sich bis heute für die Erhaltung und Weiterentwicklung der Fürther Altstadt engagiert.
Dezember 2025
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Vor 30 Jahren, im Dezember 1995, erhielt Medien PRAXIS e.V. eine Sendelizenz für die Metropolregion Nürnberg. Unsere erste POINT Sendung, damals noch 13:30 Minuten lang, beschäftigte sich mit der Einführung von Bürgerentscheiden auf kommunaler Ebene. Wir begleiteten den Omnibus für direkte Demokratie, der damals im ganz Bayern unterwegs war, um für die Einführung von Bürgerentscheiden zu werben.

Die Kampagne, die von mehr als 50 Bürgerinitiativen, Verbänden und Vereinen unterstützt wurde, hatte Erfolg. Trotz massivem Gegenwind von Seiten der CSU stimmten Bayerns Bürger*innen am 1. Oktober 1995 für die Einführung von Bürgerentscheiden in Bayern. Seitdem wurden in Bayern mehr als 3.700 Bürgerbegehren initiiert, von denen über 2.300 zu einem Bürgerentscheid führten.

Zu den Menschen, die damals die Kampagne unterstützten, gehörten Silvia Gauss und Tim Willy Weber. Tim fand über ein Praktikum beim »OMNIBUS für direkte Demokratie« zum Verein Mehr Demokratie e.V., für den er sich dann viele Jahre auf Bundesebene engagierte. Silvia Gauss, die Kunst studiert hatte, kam über den Künstler Joseph Beuys und seinen Begriff der »sozialen Plastik« zum Omnibus für direkte Demokratie. Auch sie engagierte sich viele Jahre für »Mehr Demokratie e.V.«, unter anderem im Bundesvorstand. Während der gemeinsamen politischen Arbeit haben sich die beiden kennen und lieben gelernt. Heute leben sie in dem Flecken Ottersberg in Niedersachsen. Wir haben die beiden besucht und wollten wissen, wie sie heute zu ihrem damaligen Engagement stehen.

Tim ist seit 2020 Bürgermeister von Ottersberg. Als Chef der kommunalen Verwaltung ist er heute Teil der repräsentativen Demokratie. Bis heute ist er aber auch ein Freund von direktdemokratischen Beteiligungsformen geblieben und sieht diese nicht als Gegenmodell, sondern als ergänzendes Gestaltungsinstrument.

Silvia Gauss hat sich inzwischen aus gesundheitlichen Gründen aus der überregionalen Politik zurückgezogen. Die Idee der Mitbestimmung begleitet sie aber weiterhin. Für sie beginnt Demokratie im direkten Zusammenleben, beispielsweise in ihrer Arbeit als Geschäftsführerin eines Waldorfkindergartens.

Neben der Arbeit im Kindergarten engagiert sich Silvia Gauss im »Raum«, einem offenen Dorftreffpunkt. Hier kommen Menschen zusammen, um zu diskutieren, zu arbeiten, zuzuhören oder einfach nur da zu sein. Ein Ort für gelebte Demokratie im Kleinen.

Der Film greift die Inhalte der ersten POINT-Reportage auf und fragt bei zwei der damaligen Akteur*innen nach, wie sie heute zu ihrem früheren Engagement stehen. Er erzählt von politischem Einsatz, der sich verändert, ohne zu verschwinden – und von Demokratie als Haltung, die über die Jahrzehnte hinweg Teil des politischen Lebens bleibt.

Hier könnt Ihr die Reportage anschauen!
November 2025
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Viele Menschen gehen davon aus, dass ein Friedhof vor allem ein Ort des Abschieds, der Stille, der Trauer ist. Doch wer heute über den Fürther Friedhof geht, merkt schnell, dass hier weit mehr passiert. Er ist Erinnerungsort, öffentlicher Raum, Treffpunkt – und Spiegel einer Stadt, in der Menschen ganz unterschiedlich mit Verlust, Ritualen und dem eigenen Älterwerden umgehen.

In »Vom Leben und Loslassen« gehen wir der Frage nach, was einen Friedhof im 21. Jahrhundert eigentlich ausmacht. Mit der Kamera haben wir uns unter die Besucherinnen und Besucher gemischt – ohne Verabredung, nur mit der offenen Frage »Was führt Sie hierher?«

Aus spontanen Begegnungen entstehen Gespräche über familiäre Prägungen, über Nähe und Distanz, über das Erinnern – und darüber, warum dieser Ort für manche Trost spendet und für andere eher ein Stück Stadtalltag ist.

Der Film zeigt den Fürther Friedhof als lebendigen sozialen Raum: vom muslimischen Grabfeld über das ehrenamtlich betriebene Friedhofscafé bis hin zu Menschen, die hier feste Rituale pflegen oder einfach nur einen stillen Weg durch die Stadt suchen.

Die Reportage erzählt davon, wie Erinnerung, Alltag und Begegnung heute nebeneinander existieren – und was dieser Ort über die Stadt, ihre Bewohner*innen und ihre Geschichte offenbart.

Oktober 2025
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Zu seiner Eröffnung 1882 lag der Fürther Friedhof noch außerhalb der Stadt – heute ist er eine grüne Oase der Ruhe, ein Ort der Geschichte und Begegnung mitten in der Stadt – und an Spieltagen der »schönste, ruhigste und kürzeste« Weg für Fans der Spielvereinigung in den Sportpark Ronhof. Für viele Fürther*innen gehört der Besuch von verstorbenen Freunden und Familienmitgliedern auf dem Weg zum Fußball dazu.

Harald Bartilla ist hier seit 30 Jahren Friedhofsgärtnermeister und hat viel zu erzählen. Bei einer Tour im Golfcart über den 25h großen Friedhof zeigt er uns die Entwicklung des Geländes und den Wandel der Bestattungskultur. Bartilla erzählt von neuen Formen des Erinnerns, von Biotopen, Urnenfeldern und denkmalgeschützten Gräbern, die zu Gemeinschaftsanlagen umgestaltet werden.

Felix Geismanns Familie gehört eines der über 300 denkmalgeschützten Gräber auf dem Fürther Friedhof. Für ihn ist der Friedhof ein »Buch der Erinnerung«. »Hier, wo die Menschen so wirklich richtig tot sind, sind sie auch eigentlich am einzigen Ort so wirklich lebendig, weil, wo findet man noch die Namen, wo erinnert man sich noch an diese Menschen, die teilweise schon 100, 120 Jahre tot sind?«

Hanne Wiest kommt regelmäßig zum Grab ihrer Eltern. Sie bepflanzt die Fläche selbst – mit Blumen, Bohnen und Nascherdbeeren. Sie wünscht sich, dass auf dem Friedhof künftig auch Obst- und Gemüsepflanzen erlaubt werden und Konzerte und Kultur hier stattfinden. Schon als Kind war sie mit ihrer Großmutter auf dem Friedhof unterwegs, heute kommt sie mit ihren Enkeln. »Die sprechen mit Oma und Opa, gießen, naschen Erdbeeren – so bleibt der Friedhof ein Ort des Lebens.«

Der Film begleitet Menschen, die den Friedhof auf unterschiedliche Weise prägen – als Arbeitsort, Erinnerungsort und Teil ihres Lebens.