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Medien PRAXIS - Das point Reportage Sendungs-Blog


September 2026

De­mo­kra­tie wei­ter ent­wickeln – Brau­chen wir ein neu­es Den­ken?

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Christian König und Aline Koeppen im Berliner Büro von Mehr Demokratie e.V. halten ein Banner mit der Aufschrift »Ja ich will Mehr Demokratie – www.volksentscheid.de« hoch.

1995 er­kämpf­ten ein Zu­sam­men­schluss von vie­len In­itia­ti­ven in ei­nem lan­des­wei­ten Volks­be­geh­ren die Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den in Baye­ri­schen Ge­mein­den und Krei­sen.

Brigitte Krenkers, Mitbegründerin des OMNIBUS für Direkte Demokratie, steht im Inneren des historischen, heute ausgebauten Doppeldecker-Omnibusses, wo alle Unterschriften gesammelt sind.

Für die Ein­füh­rung der da­mals weit­rei­chend­sten Re­ge­lun­gen in ganz Deutsch­land hat­ten sich bin­nen 14 Ta­gen 1,2 Mil­lio­nen Men­schen ein­ge­tra­gen. Maß­geb­lich an die­sem Er­folg be­tei­ligt wa­ren der OMNIBUS für Di­rek­te De­mo­kra­tie und Mehr De­mo­kra­tie e.V..

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein und Staatsminister Florian Herrmann stehen nebeneinander an einem Podium bei der abschließenden Pressekonferenz zum Runden Tisch in der Staatskanzlei in München.

Drei­ßig Jah­re spä­ter steht die­se Er­run­gen­schaft wie­der un­ter Druck. In vie­len Bun­des­län­dern, so auch in Bay­ern, sol­len die Hür­den bzw. Re­ge­lun­gen, die Bür­ger­ent­schei­den und Volks­ent­schei­den vor­ge­schal­tet sind, ver­schärft wer­den. Die Mög­lich­keit von Volks­ent­schei­den auf Bun­des­ebe­ne ist bis heu­te nicht ge­ge­ben. Der Film »De­mo­kra­tie wei­ter ent­wickeln« stellt Men­schen vor, die sich, meist schon seit Jahr­zehn­ten, mit di­rek­ter De­mo­kra­tie be­schäf­ti­gen und stellt die Fra­ge, wie wir wie­der aus der De­mo­kra­tie­kri­se her­aus­fin­den.

Eine Gruppe von Menschen bringt einen jungen Baum zur Pflanzung entlang des alten Grenzzauns am Baumkreuz bei Ifta.

Am Baum­kreuz bei Ifta, an der hes­sisch-thü­rin­gi­schen Gren­ze ge­le­gen, kom­men seit 1990 Men­schen vom Om­ni­bus, Mehr De­mo­kra­tie und Bund Na­tur­schutz zu­sam­men, um Bäu­me zu pflan­zen und zu pfle­gen.

Beuys-Schüler und OMNIBUS Mitbegründer Johannes Stüttgen erklärt eine seiner Tafelzeichnungen, die während seiner Vorträge entstehen.

In An­leh­nung an das 7000-Ei­chen­pro­jekt von Jo­seph Beu­ys und des­sen For­de­rung nach ei­ner Ab­schaf­fung der »Par­tei­en­dik­ta­tur« stellt sein Schü­ler und Mit­be­grün­der des OMNIBUS für Di­rek­te De­mo­kra­tie Jo­han­nes Stütt­gen die The­se auf, dass wir uns auf ein »völ­lig neu­es Den­ken« ein­las­sen müs­sen, da »die al­ten Kon­zep­te nicht mehr grei­fen«.

Ralf-Uwe Beck sitzt an einem Bücherverkaufstisch und signiert ein Exemplar seines Buchs »Der Souverän«.

Ralf-Uwe Beck ist in der ehe­ma­li­gen DDR, ganz in der Nä­he des Baum­kreu­zes von Ifta auf­ge­wach­sen. Heu­te ist er Bun­des­vor­stands­spre­cher von „Mehr De­mo­kra­tie e.V.“ und hat in die­sem Jahr das Es­say „Der Sou­ve­rän“ ver­öf­fent­licht, in dem er die Nach­wen­de­zeit auf­ar­bei­tet und für die Stär­kung der di­rek­ten De­mo­kra­tie ein­tritt: »Die re­al exi­stie­ren­de De­mo­kra­tie ist nicht das ein­ge­lö­ste Ver­spre­chen, das uns die De­mo­kra­tie gibt, näm­lich, dass wir an den po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen, die uns be­tref­fen, auch be­tei­ligt wer­den müs­sen.«

Der langjährige OMNIBUS-Fahrer Werner Küppers, in auffälligem rot-gemustertem Mantel und pinker Hose, spricht in einer Fußgängerzone mit zwei Passant*innen. Neben ihm ein Schild: »Rettet den Bürgerentscheid – Volksinitiative Bürgerbegehren in Schleswig-Holstein«.

Bus­fah­rer Wer­ner Küp­pers fährt seit vie­len Jah­ren mit dem OMNIBUS für di­rek­te De­mo­kra­tie durch ost- und west­deut­sche Städ­te. Ge­mein­sam mit zwei bis drei Mit­fah­re­rIn­nen stel­len sie sich auf öf­fent­li­che Plät­ze, um für die di­rek­te De­mo­kra­tie zu wer­ben. »Wir kön­nen doch nicht un­se­re Stim­me als Blan­ko-Voll­macht aus der Hand ge­ben, auch an Leu­te, die of­fen­sicht­lich das gar nicht ein­hal­ten, was sie vor­her ver­spre­chen.« Für ihn zählt das Ge­spräch von Mensch zu Mensch, un­ab­hän­gig da­von, wel­che po­li­ti­sche Über­zeu­gung das Ge­gen­über ver­tritt. Ei­ne Hal­tung, die in Zei­ten wach­sen­der Po­la­ri­sie­rung nicht selbst­ver­ständ­lich ist.

Mehrere Erwachsene sitzen im Stuhlkreis und unterhalten sich, im Hintergrund eine Projektion mit der Aufschrift »Sprechen & Zuhören« – Szene von einer Sprechen & Zuhören-Fortbildung.

Um der wach­sen­den Spal­tung un­se­rer Ge­sell­schaft et­was ent­ge­gen­zu­set­zen, hat „Mehr De­mo­kra­tie e.V.“ das Dia­log­for­mat Spre­chen & Zu­hö­ren ent­wickelt: »Wir ha­ben al­le Streit­the­men in der Fa­mi­lie, aber auch ge­sell­schaft­lich. Und wir nei­gen da­zu, nicht mehr mit­ein­an­der zu spre­chen und gro­ße Grä­ben zu zie­hen. Und die­ses For­mat Spre­chen und Zu­hö­ren bringt uns wie­der zu­sam­men, auch wenn wir in­halt­lich ganz weit aus­ein­an­der sind.«

Jugendliche stellen in einem Klassenzimmer des Fürther Helene-Lange-Gymnasiums Stühle zu einem Kreis auf, im Hintergrund sitzen weitere Schüler:innen und beobachten die Übung – Szene vom Schulprojekt »wo-hin?«.

Auch der Om­ni­bus ist im Bil­dungs­be­reich tä­tig. Beim zwei­tä­gi­gen Schul­pro­jekt wo-hin? geht es den Pro­jekt­lei­te­rIn­nen nicht nur um das Auf­zei­gen der Mög­lich­kei­ten der di­rek­ten De­mo­kra­tie. In spie­le­ri­scher Form sol­len die Schü­le­rIn­nen auch er­fah­ren, wie sie selbst­wirk­sam wer­den kön­nen: Wo-hin? ist ein Pro­jekt, wo es uns um die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on geht, weil es ganz oft pas­siert, dass sie eben nicht das Ge­fühl ha­ben, dass ih­nen zu­ge­hört wird…

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 62 Min.

Juli 2026

WÄSSERWIESEN – Al­te Tech­nik für das Kli­ma von mor­gen

Aus­strah­lung am Sonn­tag, dem 4. Ok­to­ber 2026 um 19:30, 21:30 und 23:30 Uhr auf Fran­ken Fern­se­hen im Ka­bel und im Live­stream und um 21:45 Uhr auf Fran­ken Plus

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Das Nadelwehr bei Kirchehrenbach gehört zur historischen Forchheimer Wässerwiesenkulisse.

Jahr­hun­der­te­lang galt Was­ser auf den Fel­dern als Pro­blem. Es wur­de über Grä­ben mög­lichst schnell ab­ge­lei­tet, da­mit Wie­sen und Äcker frü­her be­wirt­schaf­tet wer­den konn­ten.

Die UNESCO hat die traditionelle Bewässerung bei Forchheim in die Liste als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit aufgenommen.

Heu­te hat sich die Per­spek­ti­ve grund­le­gend ver­än­dert: Trocken­heit, Hit­ze­wel­len und sin­ken­de Grund­was­ser­spie­gel ma­chen je­den Trop­fen kost­bar. Vie­ler­orts be­ginnt des­halb die Su­che nach neu­en Lö­sun­gen – und führt über­ra­schend oft zu al­tem Wis­sen.

Im Landkreis Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim untersucht man den Wasserrückhalt im ländlichen Raum wissenschaftlich.

Der Film be­glei­tet Men­schen, die tra­di­tio­nel­le Wäs­ser­wie­sen wie­der­ent­decken und in­no­va­ti­ve Pro­jek­te für mehr Was­ser­rück­halt ent­wickeln. Rund um Forch­heim, im Land­kreis Neu­stadt an der Aisch-Bad Winds­heim und im Le­bens­raum Alt­mühl­tal ent­steht ein neu­es Ver­ständ­nis da­für, wie Was­ser in der Land­schaft ge­hal­ten wer­den kann – zum Nut­zen von Land­wirt­schaft, Na­tur und Trink­was­ser­ver­sor­gung.

Landwirtschaft spielt beim Thema Wasserrückhalt eine wichtige Rolle.

Da­bei zeigt sich, dass Was­ser­ma­nage­ment weit mehr be­deu­tet als Hoch­was­ser­schutz oder Be­wäs­se­rung. Es geht um frucht­ba­re Bö­den, wi­der­stands­fä­hi­ge Land­schaf­ten und die Fra­ge, wie sich Mensch und Na­tur an den Kli­ma­wan­del an­pas­sen kön­nen. Wis­sen­schaft, Kom­mu­nen, Was­ser­wirt­schaft und Land­wir­te ar­bei­ten da­bei an Lö­sun­gen, die oft er­staun­lich ein­fach sind.

Sind die Wehre geöffnet, werden die Wiesen schnell geflutet.

Die Re­por­ta­ge von Nor­bert Gold­ham­mer er­zählt von Men­schen, die Ver­ant­wor­tung über­neh­men, Tra­di­ti­on mit In­no­va­ti­on ver­bin­den und zei­gen, dass nach­hal­ti­ger Was­ser­rück­halt kei­ne Vi­si­on ist, son­dern be­reits heu­te ge­lebt wird. Es ist auch ei­ne Ge­schich­te über den Wert des Was­sers.

Seit Jahrhunderten wird bei Forchheim Dias Flusswasser angestaut um die angrenzenden Felder zu wässern.

Ein Film von Nor­bert Gold­ham­mer  •  Län­ge: 30 Min.

Juni 2026

TSUZAMEN – Das Je­wish Mu­sic To­day Fe­sti­val in Fürth

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Die Musikerin Magi Hikri bringt jüdisch-arabischen Groove aus Tel Aviv nach Fürth

Zwi­schen Fi­dd­le-Klez­mer, Bal­kan-Fu­si­on und mu­si­ka­li­scher Er­in­ne­rung: Das Je­wish Mu­sic To­day Fe­sti­val in Fürth brach­te im März 2026 wie­der Künst­le­rin­nen und Künst­ler aus al­ler Welt zu­sam­men – und zeigt da­durch, wie le­ben­dig, viel­fäl­tig und ge­gen­wär­tig jü­di­sche Mu­sik heu­te klingt.

Christian Dawid leitet den Workshop »Tsuzamen«, bei dem Laien Klezmermusik spielen

Die Do­ku­men­ta­ti­on por­trai­tiert Bands und Mu­si­ker, gibt Ein­blicke in ei­nen Klez­mer-Work­shop und zeigt die ein­zig­ar­ti­ge At­mo­sphä­re ei­ner Ver­an­stal­tung in der frän­ki­schen Klee­blatt­stadt, die der po­li­ti­schen Er­eig­nis­se rund um den Glo­bus trotzt und ein ein­drucks­vol­les Fe­sti­val­pro­gramm auf die Bei­ne ge­stellt hat.

Die legendäre Klezmer-Band Dobranotch macht Klezmer-Zirkus auf der Bühne

Der in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­te Kla­ri­net­tist Chri­sti­an Da­wid trifft in sei­nem Klez­mer-Work­shop auf am­bi­tio­nier­te Lai­en, Tra­di­ti­on auf Im­pro­vi­sa­ti­on und mu­si­ka­li­sche Prä­zi­si­on auf spon­ta­ne Emo­ti­on. Der Work­shop ist auch so et­was wie das Herz­stück des Fe­sti­vals, geht es den Ma­chern doch im­mer um ein of­fe­nes Mit­ein­an­der und den Aus­tausch, ge­tra­gen durch Mu­sik. Die Re­por­ta­ge be­ob­ach­tet, wie ge­mein­sam mu­si­ziert und ex­pe­ri­men­tiert wird – und wie Klez­mer als le­ben­di­ge Kul­tur­form wei­ter­ge­ge­ben wird.

Hauptaustragungsort des Festivals ist das Kulturforum in Fürth

Auch die Mu­si­ker Yuriy Gurz­hy und Ma­gi Hik­ri kom­men zu Wort. Sie er­zäh­len von Iden­ti­tät, Mi­gra­ti­on und den Ein­flüs­sen un­ter­schied­li­cher Kul­tu­ren auf ih­re Mu­sik. Zwi­schen tra­di­tio­nel­len Me­lo­dien, jü­di­scher Folk­lo­re, elek­tro­ni­schen Sounds und mo­der­nen In­ter­pre­ta­tio­nen ent­steht ein Fe­sti­val, das Gren­zen über­schrei­tet und mu­si­ka­li­sche Brücken baut.

Festival-Leiterin Gerti Köhn (rechts) im Gespräch mit Künstlerin Nani Vazana

Die Do­ku­men­ta­ti­on zeigt en­er­gie­ge­la­de­ne Kon­zert­aben­de. Sie ist ein at­mo­sphä­ri­sches Por­trait ei­nes Fe­sti­vals, das jü­di­sche Mu­sik nicht als mu­sea­les Er­be ver­steht, son­dern als le­ben­di­ge, zeit­ge­nös­si­sche Kunst­form – of­fen, in­ter­na­tio­nal und vol­ler über­ra­schen­der Klang­wel­ten.

Aus Kanada angereist: Kleztory mit feinstem klassischen Klezmer

Ein Film von Nor­bert Gold­ham­mer  •  Län­ge: 30 Min.

April 2026

Die KI kommt in die Pfle­ge – ei­ne Re­por­ta­ge aus dem Pfle­ge­all­tag

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Der Telepräsenzroboter Robody auf der Altenpflegemesse: Eine Pflegekraft steuert den Roboter per Datenbrille aus der Ferne und erscheint dabei mit ihrem Gesicht auf dem Display – die Technologie soll Pflegekräfte bei Zweit- und Drittbesuchen entlasten.

Al­le zwei Jah­re tref­fen sich Fach­leu­te aus der Pfle­ge­bran­che in Nürn­berg auf der Al­ten­pfle­ge­mes­se – der Leit­mes­se der Pfle­ge­bran­che. Längst ist dort auch Künst­li­che In­tel­li­genz ein The­ma: So­zi­al­ro­bo­ter und die KI-ge­stütz­te Pfle­ge­do­ku­men­ta­ti­on zei­gen, wie stark sich die Bran­che im Wan­del be­fin­det.

Rafael Hostettler von navelrobotics mit dem Sozialroboter Navel auf der Altenpflegemesse in Nürnberg – der KI-gestützte Gesprächsroboter soll Einsamkeit bei älteren Menschen begegnen und wurde inzwischen an rund 35 Pflegeeinrichtungen verkauft.

Im Se­nio­ren­zen­trum Gott­fried Sei­ler steht man die­sen Ent­wick­lun­gen of­fen ge­gen­über. Seit ca. ei­nem Jahr wird hier ein so­zia­ler Ro­bo­ter na­mens Gott­fried er­probt. Ein­mal pro Wo­che ist er im Ein­satz. In Be­glei­tung ei­ner Mit­ar­bei­te­rin be­sucht er ein­zel­ne Bewohner*innen und führt mit Ih­nen Ge­sprä­che, die sie an­re­gen, ak­ti­vie­ren und der Ein­sam­keit ent­ge­gen­wir­ken sol­len. Doch wie gut funk­tio­niert das in der Pra­xis? Bei un­se­ren Be­su­chen im Se­nio­ren­zen­trum ha­ben wir er­lebt, wie viel Po­ten­zi­al in der Tech­no­lo­gie steckt, aber auch, wo ih­re Gren­zen lie­gen.

Eine Pflegerin und eine ältere Bewohnerin sitzen im Zimmer eines Seniorenheims und schauen den kleinen Sozialroboter Gottfried an – ein orangefarbener Roboter mit Strickmütze, der einmal pro Woche in der Einzelbetreuung eingesetzt wird.

Haupt­ein­satz­ge­biet der künst­li­chen In­tel­li­genz im Se­nio­ren­zen­trum Gott­fried Sei­ler ist aber die KI-ge­stütz­te Pfle­ge­do­ku­men­ta­ti­on. Per Sprach­ein­ga­be er­fas­sen Mit­ar­bei­ten­de ih­re Tä­tig­kei­ten di­rekt im Be­woh­ner­zim­mer. Die KI struk­tu­riert und ver­ar­bei­tet die In­hal­te au­to­ma­tisch. Ei­ne Zeit­er­spar­nis, die dem Pfle­ge­per­so­nal mehr Spiel­raum für das gibt, was kei­ne Ma­schi­ne er­set­zen kann: mensch­li­che Zu­wen­dung.

Zwei Mitarbeitende des Seniorenzentrums Gottfried Seiler besprechen die KI-gestützte Dokumentations-App: Per Spracheingabe ins Smartphone erfassen Pflegekräfte ihre Tätigkeiten direkt am Bewohnerzimmer – das spart bis zu 25 Minuten Dokumentationszeit pro Schicht.

Die Mit­ar­bei­ten­den im Se­nio­ren­zen­trum ste­hen dem tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt of­fen ge­gen­über – zie­hen aber auch kla­re Gren­zen. Grund­pfle­ge, Pal­lia­tiv­ver­sor­gung, der Um­gang mit Ster­ben­den: Das sind Be­rei­che, in de­nen KI aus ih­rer Sicht nichts ver­lo­ren hat. »Do­ku­men­ta­ti­on und Ak­ti­vie­rung ja, aber der Mensch bleibt im Mit­tel­punkt«.

Eine Pflegekraft hält ein Smartphone mit der KI-Dokumentations-App in der Hand – die Spracherkennung wandelt gesprochene Einträge automatisch in strukturierte Pflegedokumentation um und steht sofort allen Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung.

»Die KI kommt in die Pfle­ge« ist ein Blick auf ei­ne Bran­che im Um­bruch. Der Film zeigt, wie Tech­no­lo­gie sinn­voll un­ter­stüt­zen kann – oh­ne die ent­schei­den­de Fra­ge aus dem Blick zu ver­lie­ren: Wie viel Tech­nik wol­len wir zu­las­sen, und wo blei­ben wir be­wusst bei der zwi­schen­mensch­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on?

Die Leiterin des Seniorenzentrums Gottfried Seiler im Gespräch mit einer Bewohnerin im Flur – eine alltägliche Szene, die zeigt: Auch dort, wo KI die Arbeit erleichtert, bleibt persönlicher Kontakt und menschliche Zuwendung der Kern der Pflege.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Februar 2026

Ret­tet St. Mi­cha­el! – 50 Jah­re Für­ther Alt­stadt­ver­ein

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Die Für­ther Alt­stadt rund um St. Mi­cha­el gilt heu­te als Aus­hän­ge­schild und ei­nes der schön­sten Vier­tel der Stadt. Dass es die­sen Stadt­teil über­haupt noch gibt, ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Denn vor 50 Jah­ren stand ge­nau die­ses Vier­tel vor dem Aus.

Abrissarbeiten im Gänsbergviertel Anfang der 1960er-Jahre: Ein historisch gewachsener Teil der Fürther Altstadt wird im Zuge der Flächensanierung vollständig abgetragen und markiert einen Wendepunkt in der Fürther Stadtgeschichte – und den Ausgangspunkt für den späteren Widerstand im Viertel rund um St. Michael.

In den Jahr­zehn­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg präg­ten Flä­chen­sa­nie­rung und die Idee der au­to­ge­rech­ten Stadt die Stadt­pla­nung. Auch in Fürth. Ob­wohl die Alt­stadt den Krieg fast un­ver­sehrt über­stan­den hat­te, wur­de 1958 über das be­nach­bar­te Gäns­berg­vier­tel ei­ne Bau­sper­re ver­hängt, 1962 be­gann der Ab­riss. Ein hi­sto­ri­scher Teil der Alt­stadt ver­schwand.

Sanierung des Goldenen Schwans - bei zahlreichen Sanierungen legten Mitglieder des Altstadtvereins selbst Hand an – die Expertise und vor allem Man- und Womanpower im Verein war vorhanden.

Vor die­sem Hin­ter­grund for­mier­te sich Wi­der­stand. 1974 schlos­sen sich en­ga­gier­te Für­the­rin­nen und Für­ther zu­sam­men und grün­de­ten we­nig spä­ter die Bür­ger­ver­ei­ni­gung Alt­stadt­vier­tel St. Mi­cha­el Fürth – den heu­ti­gen Alt­stadt­ver­ein. Ihr Ziel: die Alt­stadt wie­der­zu­be­le­ben und wei­te­ren Ab­riss zu ver­hin­dern.

Erster Fürther Grafflmarkt 1975 auf dem Waagplatz. Was als Flohmarkt beginnt, wird zu einem zentralen Instrument gegen den drohenden Abriss.

Zu­nächst ging es dar­um, über­haupt wie­der Men­schen in das Vier­tel zu brin­gen. Be­reits 1975 or­ga­ni­sier­te der Ver­ein den er­sten »Graf­fl­markt« – ei­ne Ver­an­stal­tung, die sich im Lau­fe der Jah­re fest im Stadt­le­ben ver­an­ker­te.

Auch heute wird der Grafflmarkt von Vereinsmitgliedern vorbereitet – getragen von ehrenamtlichem Engagement und gemeinsamer Organisation.

Nach und nach ge­lang es, Auf­merk­sam­keit für das Vier­tel zu schaf­fen und Haus­be­sit­zer da­von zu über­zeu­gen, in die al­ten Ge­bäu­de zu in­ve­stie­ren. Der Ver­ein un­ter­stütz­te da­bei nicht nur be­ra­tend. Von Be­ginn an war das En­ga­ge­ment stark eh­ren­amt­lich ge­prägt, vie­le Mit­glie­der leg­ten selbst Hand an.

Vereinsmitglieder bereiten die Teilnahme des Vereins am Kirchweihzug vor. Auf dem Kirchweihzug wird Kuchen verteilt – „Bonbons werfen kann ja jeder – wir sind schon was Besonderes.“

Die Ein­nah­men aus dem Es­sens- und Ge­trän­ke­ver­kauf beim Graf­fl­markt und an­de­ren Ver­an­stal­tun­gen, dar­un­ter die seit 1981 statt­fin­den­de Alt­stadt­weih­nacht, flos­sen in die Ver­eins­ar­beit. So konn­te der Alt­stadt­ver­ein auch klei­ne­re fi­nan­zi­el­le Bei­trä­ge zu Sa­nie­run­gen lei­sten. Rund 50 Häu­ser wur­den auf die­se Wei­se im Lau­fe der Jah­re mit Un­ter­stüt­zung des Ver­eins in­stand ge­setzt.

Zum Jubiläum wird die eigene Geschichte sichtbar gemacht – mit Archivmaterial, Erinnerungen und Bildern aus 50 Jahren Vereinsarbeit.

Der Alt­stadt­ver­ein misch­te sich im­mer ein, wenn un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen im Vier­tel auf­ein­an­der­tra­fen – et­wa bei Fra­gen der Nut­zung, der Ga­stro­no­mie oder der Nah­ver­sor­gung. Be­reits 1979 for­der­te der Ver­ein ei­nen Knei­pen­stopp. Jahr­zehn­te spä­ter wur­de die Gu­stav­stra­ße er­neut zum Ort von Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Lärm und Nut­zung. Da­bei sprach der Alt­stadt­ver­ein nicht im­mer mit ei­ner Stim­me. Als Zu­sam­men­schluss un­ter­schied­li­cher In­ter­es­sen ge­hör­ten kon­tro­ver­se Dis­kus­sio­nen eben­so zur Ver­eins­ge­schich­te wie der Ver­such, sie aus­zu­hal­ten und wei­ter­zu­ar­bei­ten.

Beim Kirchweihzug greift der Altstadtverein auf Motive aus seiner eigenen Geschichte zurück. Alte Plakate und Bilder erinnern daran, dass viele heutige Selbstverständlichkeiten einst umkämpft waren.

Wir ha­ben den Alt­stadt­ver­ein im Ju­bi­lä­ums­jahr be­glei­tet. Der Film er­zählt die Ge­schich­te ei­nes Ver­eins, der seit sei­ner Grün­dung für bür­ger­li­ches En­ga­ge­ment steht – und sich bis heu­te für die Er­hal­tung und Wei­ter­ent­wick­lung der Für­ther Alt­stadt en­ga­giert.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Dezember 2025

De­mo­kra­tie als Le­bens­auf­ga­be – Sil­via Gauss und Tim Wil­ly We­ber

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Vor 30 Jah­ren, im De­zem­ber 1995, er­hielt Me­di­en PRAXIS e.V. ei­ne Sen­de­li­zenz für die Me­tro­pol­re­gi­on Nürn­berg. Un­se­re er­ste POINT Sen­dung, da­mals noch 13:30 Mi­nu­ten lang, be­schäf­tig­te sich mit der Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den auf kom­mu­na­ler Ebe­ne. Wir be­glei­te­ten den Om­ni­bus für di­rek­te De­mo­kra­tie, der da­mals im ganz Bay­ern un­ter­wegs war, um für die Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den zu wer­ben.

Tim Willy Weber und Silvia Gauss sitzen am Tisch und schauen gemeinsam die erste POINT-Reportage von 1995 auf einem Bildschirm.

Die Kam­pa­gne, die von mehr als 50 Bür­ger­initia­ti­ven, Ver­bän­den und Ver­ei­nen un­ter­stützt wur­de, hat­te Er­folg. Trotz mas­si­vem Ge­gen­wind von Sei­ten der CSU stimm­ten Bay­erns Bürger*innen am 1. Ok­to­ber 1995 für die Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den in Bay­ern. Seit­dem wur­den in Bay­ern mehr als 3.700 Bür­ger­be­geh­ren in­iti­iert, von de­nen über 2.300 zu ei­nem Bür­ger­ent­scheid führ­ten.

Archivaufnahme von 1995: Silvia Gauß und Tim Willy Weber sammeln mit dem Omnibus für Direkte Demokratie Unterschriften für ein Volksbegehren.

Zu den Men­schen, die da­mals die Kam­pa­gne un­ter­stütz­ten, ge­hör­ten Sil­via Gauss und Tim Wil­ly We­ber. Tim fand über ein Prak­ti­kum beim »OMNIBUS für di­rek­te De­mo­kra­tie« zum Ver­ein Mehr De­mo­kra­tie e.V., für den er sich dann vie­le Jah­re auf Bun­des­ebe­ne en­ga­gier­te. Sil­via Gauss, die Kunst stu­diert hat­te, kam über den Künst­ler Jo­seph Beu­ys und sei­nen Be­griff der »so­zia­len Pla­stik« zum Om­ni­bus für di­rek­te De­mo­kra­tie. Auch sie en­ga­gier­te sich vie­le Jah­re für »Mehr De­mo­kra­tie e.V.«, un­ter an­de­rem im Bun­des­vor­stand. Wäh­rend der ge­mein­sa­men po­li­ti­schen Ar­beit ha­ben sich die bei­den ken­nen und lie­ben ge­lernt. Heu­te le­ben sie in dem Flecken Ot­ters­berg in Nie­der­sach­sen. Wir ha­ben die bei­den be­sucht und woll­ten wis­sen, wie sie heu­te zu ih­rem da­ma­li­gen En­ga­ge­ment ste­hen.

Tim Willy Weber schüttelt Ferhat Ercan vor dessem neu eröffneten Imbiss »Otters Gemüsekebap« die Hand. Repräsentationstermine wie dieser gehören zum Bürgermeisteralltag.

Tim ist seit 2020 Bür­ger­mei­ster von Ot­ters­berg. Als Chef der kom­mu­na­len Ver­wal­tung ist er heu­te Teil der re­prä­sen­ta­ti­ven De­mo­kra­tie. Bis heu­te ist er aber auch ein Freund von di­rekt­de­mo­kra­ti­schen Be­tei­li­gungs­for­men ge­blie­ben und sieht die­se nicht als Ge­gen­mo­dell, son­dern als er­gän­zen­des Ge­stal­tungs­in­stru­ment.

Tim Willy Weber sitzt an seinem Schreibtisch im Rathaus und telefoniert, vor ihm stehen mehrere Bildschirme und Unterlagen.

Sil­via Gauss hat sich in­zwi­schen aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den aus der über­re­gio­na­len Po­li­tik zu­rück­ge­zo­gen. Die Idee der Mit­be­stim­mung be­glei­tet sie aber wei­ter­hin. Für sie be­ginnt De­mo­kra­tie im di­rek­ten Zu­sam­men­le­ben, bei­spiels­wei­se in ih­rer Ar­beit als Ge­schäfts­füh­re­rin ei­nes Wal­dorf­kin­der­gar­tens.

Silvia Gauß beugt sich gemeinsam mit einer Kollegin über ein Beet im Garten des Waldorfkindergartens, in dem sie seit 15 Jahren Geschäftsführerin ist.

Ne­ben der Ar­beit im Kin­der­gar­ten en­ga­giert sich Sil­via Gauss im »Raum«, ei­nem of­fe­nen Dorf­treff­punkt. Hier kom­men Men­schen zu­sam­men, um zu dis­ku­tie­ren, zu ar­bei­ten, zu­zu­hö­ren oder ein­fach nur da zu sein. Ein Ort für ge­leb­te De­mo­kra­tie im Klei­nen.

Mehrere Menschen sitzen in einem Stuhlkreis in einem gemütlichen Raum, auf einem Tisch liegen gestrickte Figuren. Donnerstags treffen sich Frauen zum Handarbeiten.

Der Film greift die In­hal­te der er­sten POINT-Re­por­ta­ge auf und fragt bei zwei der da­ma­li­gen Akteur*innen nach, wie sie heu­te zu ih­rem frü­he­ren En­ga­ge­ment ste­hen. Er er­zählt von po­li­ti­schem Ein­satz, der sich ver­än­dert, oh­ne zu ver­schwin­den – und von De­mo­kra­tie als Hal­tung, die über die Jahr­zehn­te hin­weg Teil des po­li­ti­schen Le­bens bleibt.

Tim Willy Weber fährt mit einem Lastenfahrrad auf einer Straße durch eine ländliche Umgebung, das Gewerbegebiet Ottersberg-Bahnhof.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 29:50 Min.

Hier könnt Ihr die Re­por­ta­ge an­schau­en!

November 2025

Vom Le­ben und Los­las­sen – Der Für­ther Fried­hof

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Sonntagnachmittag am Friedhofscafé: Ehrenamtliche stellen Kaffee und Kuchen bereit, Besucherinnen sitzen im Schatten und kommen miteinander ins Gespräch.

Vie­le Men­schen ge­hen da­von aus, dass ein Fried­hof vor al­lem ein Ort des Ab­schieds, der Stil­le, der Trau­er ist. Doch wer heu­te über den Für­ther Fried­hof geht, merkt schnell, dass hier weit mehr pas­siert. Er ist Er­in­ne­rungs­ort, öf­fent­li­cher Raum, Treff­punkt – und Spie­gel ei­ner Stadt, in der Men­schen ganz un­ter­schied­lich mit Ver­lust, Ri­tua­len und dem ei­ge­nen Äl­ter­wer­den um­ge­hen.

Eine junge Frau sitzt im muslimischen Grabfeld auf einer Bank, spielt Ukulele und singt ein Mantra – »warum nicht - bei der Vielfalt der Religionen, die hier schon herrscht?«

In »Vom Le­ben und Los­las­sen« ge­hen wir der Fra­ge nach, was ei­nen Fried­hof im 21. Jahr­hun­dert ei­gent­lich aus­macht. Mit der Ka­me­ra ha­ben wir uns un­ter die Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher ge­mischt – oh­ne Ver­ab­re­dung, nur mit der of­fe­nen Fra­ge »Was führt Sie hier­her?«

Eine Frau gießt das Grab ihres Mannes. Für sie als gläubige Christin ist dieser Ort wichtig – »einfach so unter einem Baum wäre nichts für mich«.

Aus spon­ta­nen Be­geg­nun­gen ent­ste­hen Ge­sprä­che über fa­mi­liä­re Prä­gun­gen, über Nä­he und Di­stanz, über das Er­in­nern – und dar­über, war­um die­ser Ort für man­che Trost spen­det und für an­de­re eher ein Stück Stadt­all­tag ist.

Ein 83-jähriger Fürther pflegt das Urnengrab seiner verstorbenen Frau im Kleeblattfeld: »Sie war zwar Nürnbergerin, aber das passt – keine Probleme«.

Der Film zeigt den Für­ther Fried­hof als le­ben­di­gen so­zia­len Raum: vom mus­li­mi­schen Grab­feld über das eh­ren­amt­lich be­trie­be­ne Fried­hofs­ca­fé bis hin zu Men­schen, die hier fe­ste Ri­tua­le pfle­gen oder ein­fach nur ei­nen stil­len Weg durch die Stadt su­chen.

Ein älteres Ehepaar gibt sich auf einer Bank einen Kuss – die beiden erzählen, dass sie seit über fünfzig Jahren zusammen sind und kommen jeden Sonntag ins Café, »wenn das Wetter passt«.

Die Re­por­ta­ge er­zählt da­von, wie Er­in­ne­rung, All­tag und Be­geg­nung heu­te ne­ben­ein­an­der exi­stie­ren – und was die­ser Ort über die Stadt, ih­re Bewohner*innen und ih­re Ge­schich­te of­fen­bart.

Jeden Sonntag kommt er mit seinem Motorrad zum Friedhof, um am Grab seines Vaters eine Kerze hinzustellen. »Damit mein Papa weiß, dass wer an ihn denkt«.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas, Cher­i­ma Na­sa und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Oktober 2025

Zwi­schen Alt­stadt und Ron­hof – Der Für­ther Fried­hof

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Einige Fussballfans auf dem Weg über den Friedhof in den Sportpark Ronhof, im Hintergrund ein großes Kreuz mit Jesusfigur, umgeben von Bäumen und Gräbern.

Zu sei­ner Er­öff­nung 1882 lag der Für­ther Fried­hof noch au­ßer­halb der Stadt – heu­te ist er ei­ne grü­ne Oa­se der Ru­he, ein Ort der Ge­schich­te und Be­geg­nung mit­ten in der Stadt – und an Spiel­ta­gen der »schön­ste, ru­hig­ste und kür­ze­ste« Weg für Fans der Spiel­ver­ei­ni­gung in den Sport­park Ron­hof. Für vie­le Fürther*innen ge­hört der Be­such von ver­stor­be­nen Freun­den und Fa­mi­li­en­mit­glie­dern auf dem Weg zum Fuß­ball da­zu.

Friedhofsgärtner Harald Bartilla sitzt am Steuer eines Fahrzeugs auf dem Fürther Friedhof bei einer Tour über das Gelände.

Ha­rald Bar­til­la ist hier seit 30 Jah­ren Fried­hofs­gärt­ner­mei­ster und hat viel zu er­zäh­len. Bei ei­ner Tour im Golf­cart über den 25h gro­ßen Fried­hof zeigt er uns die Ent­wick­lung des Ge­län­des und den Wan­del der Be­stat­tungs­kul­tur. Bar­til­la er­zählt von neu­en For­men des Er­in­nerns, von Bio­to­pen, Ur­nen­fel­dern und denk­mal­ge­schütz­ten Grä­bern, die zu Ge­mein­schafts­an­la­gen um­ge­stal­tet wer­den.

Felix Geismann steht vor dem denkmalgeschützten Grab seines Ur-Ur-Großvaters und zeigt auf die Grabstatue - eine weibliche Figur mit Palmwedel »Die Trauernde an der Tür zur Ewigkeit« – in der Familie Geismann nur »der Engel« genannt.

Fe­lix Geismanns Fa­mi­lie ge­hört ei­nes der über 300 denk­mal­ge­schütz­ten Grä­ber auf dem Für­ther Fried­hof. Für ihn ist der Fried­hof ein »Buch der Er­in­ne­rung«. »Hier, wo die Men­schen so wirk­lich rich­tig tot sind, sind sie auch ei­gent­lich am ein­zi­gen Ort so wirk­lich le­ben­dig, weil, wo fin­det man noch die Na­men, wo er­in­nert man sich noch an die­se Men­schen, die teil­wei­se schon 100, 120 Jah­re tot sind?«

Hanne Wiest steht mit einer Gießkanne am frisch bepflanzten Grab ihrer Eltern auf dem Fürther Friedhof. Sie berührt eines der Holzkreuze und verabschiedet sich.

Han­ne Wiest kommt re­gel­mä­ßig zum Grab ih­rer El­tern. Sie be­pflanzt die Flä­che selbst – mit Blu­men, Boh­nen und Na­sch­erd­bee­ren. Sie wünscht sich, dass auf dem Fried­hof künf­tig auch Obst- und Ge­mü­se­pflan­zen er­laubt wer­den und Kon­zer­te und Kul­tur hier statt­fin­den. Schon als Kind war sie mit ih­rer Groß­mutter auf dem Fried­hof un­ter­wegs, heu­te kommt sie mit ih­ren En­keln. »Die spre­chen mit Oma und Opa, gie­ßen, na­schen Erd­bee­ren – so bleibt der Fried­hof ein Ort des Le­bens.«

Friedhofsgärtner Harald Bartilla und Redakteurin Julia Thomas von hinten sitzend in einem Golfcart, Blick auf einen von Bartilla und seinem Team gestalteten Teil des Friedhofs – dem Garten der Vielfalt – wo auch extra ein Feld für Fans der Spielvereinigung geschaffen wurde.

Der Film be­glei­tet Men­schen, die den Fried­hof auf un­ter­schied­li­che Wei­se prä­gen – als Ar­beits­ort, Er­in­ne­rungs­ort und Teil ih­res Le­bens.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas, Cher­i­ma Na­sa und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

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