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Medien PRAXIS - Das point Reportage Sendungs-Blog


Oktober 2026

FRIEDEN – aber wie?

Aus­strah­lung am Sonn­tag, dem 25. Ok­to­ber 2026 um 19:30, 21:30 und 23:30 Uhr auf Fran­ken Fern­se­hen im Ka­bel und im Live­stream und um 21:45 Uhr auf Fran­ken Plus

Im Fe­bru­ar 2022 rief der da­ma­li­ge Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz die »Zei­ten­wen­de« aus und schwor das Land auf ei­ne ver­stärk­te Ver­tei­di­gungs­be­reit­schaft ein. Es wur­den Schrit­te zur Re­ak­ti­vie­rung der Wehr­pflicht ein­ge­lei­tet. In Bay­ern wur­de die Zu­sam­men­ar­beit von Schu­len und Mi­li­tär ge­setz­lich ver­an­kert. Uni­ver­si­tä­ten wur­de es ver­bo­ten, ih­re For­schung auf zi­vi­le Zwecke zu be­schrän­ken. Mil­li­ar­den flos­sen in die Auf­rü­stung. Doch nicht al­le sind mit der zu­neh­men­den Aus­rich­tung der Ge­sell­schaft auf Krieg ein­ver­stan­den. Auch in Fran­ken for­miert sich Pro­test.

In Nürnberg treffen sich Schüler:innen, um gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu demonstrieren

In meh­re­ren De­mos pro­te­stier­ten Schüler:innen ge­gen den neu­en Wehr­dienst und ei­ne dro­hen­de Rück­kehr der Wehr­pflicht. Un­ter­stützt wer­den sie von Ge­werk­schaf­ten und lin­ken Or­ga­ni­sa­tio­nen. Ei­ner ih­rer zen­tra­len Vor­wür­fe ist, dass ei­ne äl­te­re Ge­ne­ra­ti­on, die nicht mehr die­nen wird, die Ju­gend in ei­nen Krieg schicken könn­te, der letzt­lich eher dem Pro­fit von Rü­stungs­fir­men dient, als der Ver­tei­di­gung.

Physiker Wolfgang Nick hält im Nürnberger Friedensmuseum einen Vortrag über die Standorte und Reichweiten von NATO-Raketen

Ähn­li­che An­sich­ten ver­trat auch schon die äl­te­re Ge­ne­ra­ti­on, die sich im Nürn­ber­ger Frie­dens­mu­se­um trifft. In den 1980er Jah­ren pro­te­stier­ten sie ge­gen die Sta­tio­nie­rung von US-Ra­ke­ten in Deutsch­land. Da­bei tra­fen un­ter­schied­li­che Grup­pen auf­ein­an­der: Chri­sten, So­zia­li­sten, aber auch Phy­si­ker, wie Wolf­gang Nick. Er er­in­nert sich an die Wi­der­stän­de, die es da­mals zu über­win­den galt.

Zu Gast bei Friedensaktivist Hans-Günther Schramm. Er zeigt Fotos von Protestaktionen aus den 80er Jahren

Eben­falls seit den 1980ern ak­tiv war Hans-Gün­ther Schramm. Durch sei­ne Schwei­ge­krei­se vor der Lo­renz­kir­che wur­de er zu ei­nem der be­kann­te­sten Ver­tre­ter ei­nes christ­lich mo­ti­vier­ten Pa­zi­fis­mus. Für ihn be­deu­tet das aber nicht nur »die an­de­re Wan­ge« hin­zu­hal­ten, son­dern klug zu pla­nen, wie im Ernst­fall ei­ne Ver­tei­di­gung des Lan­des or­ga­ni­siert wer­den kann, so dass Blut­ver­gie­ßen weit­ge­hend ver­mie­den wird.

Auf der Rüstungs-Messe »Enforce TAC« werden Drohnen, Panzer und Raketenabschuss-Anlagen präsentiert

Schließ­lich be­su­chen wir die Rü­stungs­mes­se »En­force TAC« in Nürn­berg. Auch de­ren Ma­cher und Aus­stel­ler se­hen ih­re Auf­ga­be dar­in, den Frie­den zu be­wah­ren und Men­schen­le­ben zu schüt­zen. Ih­re Me­tho­de ist je­doch ei­ne ganz an­de­re: Sie set­zen auf tech­ni­sche Über­le­gen­heit und auf ei­ne zu­neh­mend au­to­ma­ti­sier­te Kriegs­füh­rung mit Droh­nen und selbst­fah­ren­den Fahr­zeu­gen.

Ostern 2026: Der Nürnberger Kornmarkt ist gefüllt mit den Teilnehmenden der Ostermärsche, die gegen Krieg und Wehrpflicht demonstrieren

Ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on hat da­ge­gen der Oster­marsch, zu dem Frie­dens­be­weg­te in Deutsch­land seit den frü­hen 1960er Jah­ren je­des Jahr auf die Stra­ße ge­hen. Auf dem Nürn­ber­ger Korn­markt tref­fen wir Gün­ter Höcht vom Frie­dens­fo­rum, der un­ter »Frie­dens­tüch­tig­keit« et­was ganz an­de­res ver­steht als die Po­li­tik: die Fä­hig­keit, Kon­flik­te oh­ne Ge­walt zu lö­sen. Und die Mu­sik- und Ak­ti­vi­sten­grup­pe Stree­tOps um An­dre­as Bar­ber wirbt mit Stra­ßen­thea­ter da­für, dass die Frie­dens­be­we­gung wie­der lau­ter wird.

Die Do­ku­men­ta­ti­on »Frie­den – aber wie?« ver­sucht, die un­ter­schied­li­chen Be­stre­bun­gen und An­sät­ze deut­lich zu ma­chen. Ge­wid­met ist sie Hans-Gün­ther Schramm, der we­ni­ge Mo­na­te nach den Dreh­ar­bei­ten ver­starb.

»Ei­gent­lich müss­te je­der Christ Pa­zi­fist sein«
(Hans-Gün­ther Schramm 1941 – 2026)

Ein Film von Pe­ter Ro­mir •  Län­ge: 30 Min.

Oktober 2026

De­mo­kra­tie wei­ter ent­wickeln – die Po­di­ums­dis­kus­si­on

Im Rah­men un­se­rer Ak­ti­ons­wo­che „De­mo­kra­tie wei­ter­den­ken“ fand nach der Film­pre­view un­se­rer Re­por­ta­ge „De­mo­kra­tie wei­ter ent­wickeln – Brau­chen wir ein neu­es Den­ken?“ am 25. Ju­ni 2026 im Ca­ri­tas-Pirck­hei­mer-Haus ei­ne Po­di­ums­dis­kus­si­on zum The­ma statt.

In der Dis­kus­si­on geht es, in An­leh­nung an die zu­vor ge­zeig­te Film­pre­view, um den Zu­stand un­se­rer De­mo­kra­tie und um die Fra­ge, war­um po­pu­li­sti­sche Ideen im­mer mehr Zu­lauf be­kom­men. Schwer­punkt der Dis­kus­si­on ist die Fra­ge, ob di­rekt­de­mo­kra­ti­sche Be­tei­li­gungs­mög­lich­kei­ten ei­ne sinn­vol­le und wich­ti­ge Er­gän­zung der par­la­men­ta­ri­schen De­mo­kra­tie sind und ob sie auch auf Bun­des­ebe­ne ein­ge­führt wer­den sol­len.

Auf dem Po­di­um sa­ßen un­ter der Lei­tung von Alex­an­der Jung­kunz, Chef­pu­bli­zist der Nürn­ber­ger Nach­rich­ten:
– Dr. Gün­ther Beck­stein, Baye­ri­scher Mi­ni­ster­prä­si­dent a.D.
– Wer­ner Küp­pers, OMNIBUS für Di­rek­te De­mo­kra­tie,
– Tim Wil­ly We­ber, Bür­ger­mei­ster von Ot­ters­berg,
– Chri­sti­an Kö­nig, Mehr De­mo­kra­tie e.V. und
– Jörg Sieg­mund, Aka­de­mie für Po­li­ti­sche Bil­dung Tutz­ing.

Die Auf­zeich­nung der Po­di­ums­dis­kus­si­on ent­stand mit ei­nem Zu­schuss der Stif­tung „Nürn­berg – Stadt des Frie­dens und der Men­schen­rech­te“.

Ei­ne Pro­duk­ti­on von Me­di­en PRAXIS e.V. • Län­ge: 88 Min.

Die Re­por­ta­ge De­mo­kra­tie wei­ter ent­wickeln – Brau­chen wir ein neu­es Den­ken? ist eben­falls auf un­se­rem You­Tube-Ka­nal zu se­hen.

Juni 2026

De­mo­kra­tie wei­ter­den­ken – ei­ne Ak­ti­ons­wo­che zur Wei­ter­ent­wick­lung der De­mo­kra­tie

Vor 30 Jah­ren be­glei­te­te un­se­re er­ste point-Sen­dung den OMNIBUS für di­rek­te De­mo­kra­tie und den Ver­ein Mehr De­mo­kra­tie – da­mals kämpf­ten sie für kom­mu­na­le Bür­ger­ent­schei­de in Bay­ern. Am 1. Ok­to­ber 1995 stimm­ten 57,8 Pro­zent der Bay­ern da­für. An die­se er­ste Sen­dung wol­len wir nun an­knüp­fen – mit ei­ner Ak­ti­ons­wo­che, die fragt: Wie wol­len wir De­mo­kra­tie wei­ter­ent­wickeln? Seit 1995 pro­du­zie­ren wir als ge­mein­nüt­zi­ger Ver­ein Re­por­ta­gen, Do­ku­men­ta­tio­nen und Por­traits für un­se­re Sen­dung point, die sonn­tags abends auf Fran­ken Fern­se­hen aus­ge­strahlt wird – mit ho­hem eh­ren­amt­li­chen Auf­wand, oh­ne Wer­bung, mit der Frei­heit, die The­men zu wäh­len, die uns wich­tig sind.

Aktionswoche Demokratie 2026

Vom 22. bis 26. Ju­ni 2026 ver­an­stal­ten wir ge­mein­sam mit der Aka­de­mie Ca­ri­tas-Pirck­hei­mer-Haus (CPH) in Nürn­berg die Ak­ti­ons­wo­che »De­mo­kra­tie wei­ter den­ken«. Dass die Wo­che zu ei­nem be­son­ders ak­tu­el­len Zeit­punkt statt­fin­det, ist ein in­ter­es­san­ter Zu­fall: Am 28. Ju­ni 2026 fin­det in Nürn­berg der Bür­ger­ent­scheid »Lie­ber zu­rück auf Los« über den Aus­bau des Fran­ken­schnell­wegs statt. Die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger kön­nen selbst ent­schei­den, ob die der­zei­ti­gen Pla­nun­gen und Maß­nah­men für den Aus­bau des Fran­ken­schnell­wegs so­fort ge­stoppt wer­den sol­len – und nut­zen da­bei ge­nau das In­stru­ment, für das der OMNIBUS und Mehr De­mo­kra­tie vor 30 Jah­ren ge­strit­ten ha­ben: den Bür­ger­ent­scheid.

Das Pro­gramm:

Aktionswoche Demokratie 2026

Wäh­rend der ge­sam­ten Wo­che ist der OMNIBUS für Di­rek­te De­mo­kra­tie vor Ort – am 22. Ju­ni am He­le­ne-Lan­ge-Gym­na­si­um in Fürth und am 23. Ju­ni an der Be­ruf­li­chen Schu­le 7 in Nürn­berg für Work­shops mit Schü­le­rin­nen und Schü­lern, vom 24. bis 26. Ju­ni an der Kö­nig­stra­ße (Wet­ter­häus­chen, Lo­renz­kir­che), täg­lich of­fen für Ge­sprä­che mit Bür­ge­rin­nen und Bür­gern.

Aktionswoche Demokratie 2026

Am Diens­tag, 23. Ju­ni um 19 Uhr lädt Jo­han­nes Stütt­gen im S11 des CPH zu ei­nem künst­le­ri­schen Ge­spräch ein un­ter dem Ti­tel »Die Krö­nung der De­mo­kra­tie«. Stütt­gen stu­dier­te an der Düs­sel­dor­fer Kunst­aka­de­mie bei Jo­seph Beu­ys, der ihn 1971 zum Mei­ster­schü­ler er­nann­te. Im sel­ben Jahr grün­de­te er mit Beu­ys die »Or­ga­ni­sa­ti­on für di­rek­te De­mo­kra­tie durch Volks­ab­stim­mung« – den Vor­läu­fer des heu­ti­gen Om­ni­bus. In sei­nem Ge­spräch stellt Stütt­gen die Fra­ge, wie der er­wei­ter­te Kunst­be­griff von Beu­ys – die Idee, dass je­der Mensch ein Künst­ler und da­mit Mit­ge­stal­ter des ge­sell­schaft­li­chen Le­bens ist – mit der For­de­rung nach mehr di­rek­ter De­mo­kra­tie zu­sam­men­hängt. Er mo­ti­viert sei­ne Zu­hö­re­rin­nen und Zu­hö­rer, den Punkt in sich zu fin­den, an dem sie sich selbst als frei­heits­fä­hig und als Mit­ge­stal­ten­de ein­brin­gen kön­nen. Ein­tritt frei.

Aktionswoche Demokratie 2026

Am Don­ners­tag, 25. Ju­ni um 19 Uhr fin­det im Pirck­hei­mer­saal die Pre­mie­re un­se­rer neu­en Re­por­ta­ge »De­mo­kra­tie wei­ter­den­ken« statt. Der Film be­glei­tet Men­schen und In­itia­ti­ven, die sich heu­te für die Wei­ter­ent­wick­lung der De­mo­kra­tie en­ga­gie­ren – und knüpft in­halt­lich an un­se­re al­ler­er­ste Sen­dung von 1995 an, die die Ein­füh­rung der Bür­ger­ent­schei­de in Bay­ern be­glei­te­te.

Im An­schluss Po­di­ums­dis­kus­si­on mit fünf Gä­sten, die di­rek­te De­mo­kra­tie aus ganz un­ter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven ken­nen:

Dr. Gün­ther Beck­stein hat als ehe­ma­li­ger Baye­ri­scher Mi­ni­ster­prä­si­dent und Lei­ter des von Söder ein­ge­setz­ten Run­den Ti­sches zur Wei­ter­ent­wick­lung von Bür­ger­ent­schei­den ei­nen lan­gen Weg zu­rück­ge­legt – von ei­nem Skep­ti­ker di­rek­ter De­mo­kra­tie zu ei­nem ih­rer Be­für­wor­ter.

Jörg Sieg­mund von der Aka­de­mie für Po­li­ti­sche Bil­dung Tutz­ing bringt die wis­sen­schaft­li­che Per­spek­ti­ve ein: Was sa­gen die Da­ten über Po­li­tik­ver­dros­sen­heit, und was wirkt in der po­li­ti­schen Bil­dung wirk­lich?

Tim Wil­ly We­ber, Bür­ger­mei­ster des Fleckens Ot­ters­berg, ist die stärk­ste Ver­bin­dungs­fi­gur: Er fuhr in den 1990er Jah­ren als Prak­ti­kant mit dem Om­ni­bus mit, lei­te­te da­nach vie­le Jah­re Mehr De­mo­kra­tie e. V. als Ge­schäfts­füh­rer – und sitzt heu­te selbst im Rat­haus.

Wer­ner Küp­pers ist seit mehr als 25 Jah­ren als Bus­fah­rer des Om­ni­bus un­ter­wegs und täg­lich im Ge­spräch mit Men­schen auf Markt­plät­zen und an Schu­len.

Chri­sti­an Kö­nig ko­or­di­niert für Mehr De­mo­kra­tie e. V. die Lan­des­ver­bän­de in Ost­deutsch­land – in Re­gio­nen, in de­nen das Ver­trau­en in die re­prä­sen­ta­ti­ve De­mo­kra­tie be­son­ders un­ter Druck steht und die Fra­ge, wie Bür­ge­rin­nen und Bür­ger stär­ker ein­ge­bun­den wer­den kön­nen, be­son­ders drin­gend ist.

Mo­de­ra­ti­on: Alex­an­der Jung­kunz, Chef­pu­bli­zist Nürn­ber­ger Nach­rich­ten. Abend­mo­de­ra­ti­on: Co­rin­na Miel­ke, Baye­ri­scher Rund­funk. Ein­tritt frei.

Aktionswoche Demokratie 2026

Den Ab­schluss bil­det am Frei­tag, 26. Ju­ni um 18:30 Uhr im Pirck­hei­mer­saal die Dia­log­ver­an­stal­tung »Spre­chen & Zu­hö­ren – Nürn­berg, ei­ne le­bens­wer­te Stadt?«

Zur­zeit wird in Nürn­berg heiß über den Aus­bau des Fran­ken­schnell­wegs dis­ku­tiert. Geg­nern und Be­für­wor­tern geht es um ei­ne le­bens­wer­te Stadt. Aber was macht für Dich ei­ne le­bens­wer­te Stadt aus? Wel­che Rol­le spie­len da­bei In­di­vi­du­al­ver­kehr und ÖPNV? Wie wich­tig ist Dir kul­tu­rel­le Viel­falt und Kli­ma­schutz?

Spre­chen ver­bin­det, Zu­hö­ren ver­än­dert. Das vom Ver­ein Mehr De­mo­kra­tie ent­wickel­te Dia­log­for­mat bringt Men­schen mit un­ter­schied­lich­sten Mei­nun­gen und Über­zeu­gun­gen mit­ein­an­der ins Ge­spräch. Es schafft Raum für Aus­tausch, bei dem nie­mand über­zeugt wer­den muss – ei­nen Ort, um per­sön­li­ches Er­le­ben zu tei­len und Per­spek­ti­ven von an­de­ren zu hö­ren: oh­ne Un­ter­bre­chung, oh­ne Be­wer­tung, da­für mit Neu­gier und Re­spekt. Im An­schluss gibt es Zeit zum frei­en Aus­tausch. Mo­de­ra­ti­on: In­grid Pickel und Chri­sti­na Gänß­bau­er (Mehr De­mo­kra­tie e. V.). Ein­tritt frei.

Die drei Abend­ver­an­stal­tun­gen fin­den im Ca­ri­tas-Pirck­hei­mer-Haus, Kö­nig­stra­ße 64, 90402 Nürn­berg statt.

Den Fly­er zur Ak­ti­ons­wo­che De­mo­kra­tie kön­nen Sie als PDF-Da­tei her­un­ter­la­den.

Die Re­por­ta­ge und die Po­di­ums­dis­kus­si­on vom 25. Ju­ni sind jetzt on­line: zur Re­por­ta­ge · zur Po­di­ums­dis­kus­si­on

März 2026

Pirck­hei­mer-Preis für die Me­di­en PRAXIS

Ein­mal im Jahr ver­leiht die Aka­de­mie im Nürn­ber­ger Ca­ri­tas-Pirck­hei­mer-Haus (CPH) ei­nen Preis für Men­schen, die sich in be­son­de­rer Wei­se für die Re­gi­on ein­set­zen.

Wir freu­en uns sehr, dass wir dies­mal zu den Preis­trä­gern ge­hö­ren. Das CPH zeich­ne­te da­mit un­se­re lang­jäh­ri­ge Ar­beit als Do­ku­men­tar­fil­mer aus: »Die Ar­beit von Me­di­en PRAXIS er­in­nert uns dar­an, was gu­ter Jour­na­lis­mus lei­sten kann: Men­schen sicht­bar ma­chen, Miss­stän­de be­nen­nen und neue Per­spek­ti­ven er­öff­nen«, sag­te Ju­ry­mit­glied Ma­ri­ca Münch.

Jurymitglied Marica Münch, point-Redaktion Julia Thomas, Peter Romir, Cherima Nasa und Thomas Steigerwald mit CPH-Leiter Dr. Siegfried Grillmeyer bei der Verleihung des Caritas-Pirckheimer-Preises

Die Re­dak­ti­on point Ju­lia Tho­mas, Pe­ter Ro­mir, Cher­i­ma Na­sa, Tho­mas Stei­ger­wald und Nor­bert Gold­ham­mer, der bei der Ver­lei­hung lei­der nicht da­bei sein konn­te, be­dan­ken sich und gra­tu­lie­ren auch ganz herz­lich den an­de­ren Preis­trä­gern: dem So­zi­al­ma­ga­zin Stra­ßen­kreu­zer, den Pau­lus-Schwe­stern am Ja­kobs­platz so­wie Tho­mas Ohl­wer­ter vom Schul­re­fe­rat der Ka­tho­li­schen Stadt­kir­che Nürn­berg. Auch sie tra­gen mit ih­rer Ar­beit we­sent­lich da­zu bei, die Re­gi­on mit »Gu­ten Nach­rich­ten« zu fül­len.

Das CPH hat an­läss­lich der Preis­ver­lei­hung ei­nen klei­nen Vor­stel­lungs­film über uns ge­dreht: Die Re­dak­ti­on point stellt sich vor

Februar 2026

Ret­tet St. Mi­cha­el! – 50 Jah­re Für­ther Alt­stadt­ver­ein

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Die Für­ther Alt­stadt rund um St. Mi­cha­el gilt heu­te als Aus­hän­ge­schild und ei­nes der schön­sten Vier­tel der Stadt. Dass es die­sen Stadt­teil über­haupt noch gibt, ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Denn vor 50 Jah­ren stand ge­nau die­ses Vier­tel vor dem Aus.

Abrissarbeiten im Gänsbergviertel Anfang der 1960er-Jahre: Ein historisch gewachsener Teil der Fürther Altstadt wird im Zuge der Flächensanierung vollständig abgetragen und markiert einen Wendepunkt in der Fürther Stadtgeschichte – und den Ausgangspunkt für den späteren Widerstand im Viertel rund um St. Michael.

In den Jahr­zehn­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg präg­ten Flä­chen­sa­nie­rung und die Idee der au­to­ge­rech­ten Stadt die Stadt­pla­nung. Auch in Fürth. Ob­wohl die Alt­stadt den Krieg fast un­ver­sehrt über­stan­den hat­te, wur­de 1958 über das be­nach­bar­te Gäns­berg­vier­tel ei­ne Bau­sper­re ver­hängt, 1962 be­gann der Ab­riss. Ein hi­sto­ri­scher Teil der Alt­stadt ver­schwand.

Sanierung des Goldenen Schwans - bei zahlreichen Sanierungen legten Mitglieder des Altstadtvereins selbst Hand an – die Expertise und vor allem Man- und Womanpower im Verein war vorhanden.

Vor die­sem Hin­ter­grund for­mier­te sich Wi­der­stand. 1974 schlos­sen sich en­ga­gier­te Für­the­rin­nen und Für­ther zu­sam­men und grün­de­ten we­nig spä­ter die Bür­ger­ver­ei­ni­gung Alt­stadt­vier­tel St. Mi­cha­el Fürth – den heu­ti­gen Alt­stadt­ver­ein. Ihr Ziel: die Alt­stadt wie­der­zu­be­le­ben und wei­te­ren Ab­riss zu ver­hin­dern.

Erster Fürther Grafflmarkt 1975 auf dem Waagplatz. Was als Flohmarkt beginnt, wird zu einem zentralen Instrument gegen den drohenden Abriss.

Zu­nächst ging es dar­um, über­haupt wie­der Men­schen in das Vier­tel zu brin­gen. Be­reits 1975 or­ga­ni­sier­te der Ver­ein den er­sten »Graf­fl­markt« – ei­ne Ver­an­stal­tung, die sich im Lau­fe der Jah­re fest im Stadt­le­ben ver­an­ker­te.

Auch heute wird der Grafflmarkt von Vereinsmitgliedern vorbereitet – getragen von ehrenamtlichem Engagement und gemeinsamer Organisation.

Nach und nach ge­lang es, Auf­merk­sam­keit für das Vier­tel zu schaf­fen und Haus­be­sit­zer da­von zu über­zeu­gen, in die al­ten Ge­bäu­de zu in­ve­stie­ren. Der Ver­ein un­ter­stütz­te da­bei nicht nur be­ra­tend. Von Be­ginn an war das En­ga­ge­ment stark eh­ren­amt­lich ge­prägt, vie­le Mit­glie­der leg­ten selbst Hand an.

Vereinsmitglieder bereiten die Teilnahme des Vereins am Kirchweihzug vor. Auf dem Kirchweihzug wird Kuchen verteilt – „Bonbons werfen kann ja jeder – wir sind schon was Besonderes.“

Die Ein­nah­men aus dem Es­sens- und Ge­trän­ke­ver­kauf beim Graf­fl­markt und an­de­ren Ver­an­stal­tun­gen, dar­un­ter die seit 1981 statt­fin­den­de Alt­stadt­weih­nacht, flos­sen in die Ver­eins­ar­beit. So konn­te der Alt­stadt­ver­ein auch klei­ne­re fi­nan­zi­el­le Bei­trä­ge zu Sa­nie­run­gen lei­sten. Rund 50 Häu­ser wur­den auf die­se Wei­se im Lau­fe der Jah­re mit Un­ter­stüt­zung des Ver­eins in­stand ge­setzt.

Zum Jubiläum wird die eigene Geschichte sichtbar gemacht – mit Archivmaterial, Erinnerungen und Bildern aus 50 Jahren Vereinsarbeit.

Der Alt­stadt­ver­ein misch­te sich im­mer ein, wenn un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen im Vier­tel auf­ein­an­der­tra­fen – et­wa bei Fra­gen der Nut­zung, der Ga­stro­no­mie oder der Nah­ver­sor­gung. Be­reits 1979 for­der­te der Ver­ein ei­nen Knei­pen­stopp. Jahr­zehn­te spä­ter wur­de die Gu­stav­stra­ße er­neut zum Ort von Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Lärm und Nut­zung. Da­bei sprach der Alt­stadt­ver­ein nicht im­mer mit ei­ner Stim­me. Als Zu­sam­men­schluss un­ter­schied­li­cher In­ter­es­sen ge­hör­ten kon­tro­ver­se Dis­kus­sio­nen eben­so zur Ver­eins­ge­schich­te wie der Ver­such, sie aus­zu­hal­ten und wei­ter­zu­ar­bei­ten.

Beim Kirchweihzug greift der Altstadtverein auf Motive aus seiner eigenen Geschichte zurück. Alte Plakate und Bilder erinnern daran, dass viele heutige Selbstverständlichkeiten einst umkämpft waren.

Wir ha­ben den Alt­stadt­ver­ein im Ju­bi­lä­ums­jahr be­glei­tet. Der Film er­zählt die Ge­schich­te ei­nes Ver­eins, der seit sei­ner Grün­dung für bür­ger­li­ches En­ga­ge­ment steht – und sich bis heu­te für die Er­hal­tung und Wei­ter­ent­wick­lung der Für­ther Alt­stadt en­ga­giert.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Dezember 2025

De­mo­kra­tie als Le­bens­auf­ga­be – Sil­via Gauss und Tim Wil­ly We­ber

Vor 30 Jah­ren, im De­zem­ber 1995, er­hielt Me­di­en PRAXIS e.V. ei­ne Sen­de­li­zenz für die Me­tro­pol­re­gi­on Nürn­berg. Un­se­re er­ste POINT Sen­dung, da­mals noch 13:30 Mi­nu­ten lang, be­schäf­tig­te sich mit der Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den auf kom­mu­na­ler Ebe­ne. Wir be­glei­te­ten den Om­ni­bus für di­rek­te De­mo­kra­tie, der da­mals im ganz Bay­ern un­ter­wegs war, um für die Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den zu wer­ben.

Tim Willy Weber und Silvia Gauss sitzen am Tisch und schauen gemeinsam die erste POINT-Reportage von 1995 auf einem Bildschirm.

Die Kam­pa­gne, die von mehr als 50 Bür­ger­initia­ti­ven, Ver­bän­den und Ver­ei­nen un­ter­stützt wur­de, hat­te Er­folg. Trotz mas­si­vem Ge­gen­wind von Sei­ten der CSU stimm­ten Bay­erns Bürger*innen am 1. Ok­to­ber 1995 für die Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den in Bay­ern. Seit­dem wur­den in Bay­ern mehr als 3.700 Bür­ger­be­geh­ren in­iti­iert, von de­nen über 2.300 zu ei­nem Bür­ger­ent­scheid führ­ten.

Archivaufnahme von 1995: Silvia Gauß und Tim Willy Weber sammeln mit dem Omnibus für Direkte Demokratie Unterschriften für ein Volksbegehren.

Zu den Men­schen, die da­mals die Kam­pa­gne un­ter­stütz­ten, ge­hör­ten Sil­via Gauss und Tim Wil­ly We­ber. Tim fand über ein Prak­ti­kum beim »OMNIBUS für di­rek­te De­mo­kra­tie« zum Ver­ein Mehr De­mo­kra­tie e.V., für den er sich dann vie­le Jah­re auf Bun­des­ebe­ne en­ga­gier­te. Sil­via Gauss, die Kunst stu­diert hat­te, kam über den Künst­ler Jo­seph Beu­ys und sei­nen Be­griff der »so­zia­len Pla­stik« zum Om­ni­bus für di­rek­te De­mo­kra­tie. Auch sie en­ga­gier­te sich vie­le Jah­re für »Mehr De­mo­kra­tie e.V.«, un­ter an­de­rem im Bun­des­vor­stand. Wäh­rend der ge­mein­sa­men po­li­ti­schen Ar­beit ha­ben sich die bei­den ken­nen und lie­ben ge­lernt. Heu­te le­ben sie in dem Flecken Ot­ters­berg in Nie­der­sach­sen. Wir ha­ben die bei­den be­sucht und woll­ten wis­sen, wie sie heu­te zu ih­rem da­ma­li­gen En­ga­ge­ment ste­hen.

Tim Willy Weber schüttelt Ferhat Ercan vor dessem neu eröffneten Imbiss »Otters Gemüsekebap« die Hand. Repräsentationstermine wie dieser gehören zum Bürgermeisteralltag.

Tim ist seit 2020 Bür­ger­mei­ster von Ot­ters­berg. Als Chef der kom­mu­na­len Ver­wal­tung ist er heu­te Teil der re­prä­sen­ta­ti­ven De­mo­kra­tie. Bis heu­te ist er aber auch ein Freund von di­rekt­de­mo­kra­ti­schen Be­tei­li­gungs­for­men ge­blie­ben und sieht die­se nicht als Ge­gen­mo­dell, son­dern als er­gän­zen­des Ge­stal­tungs­in­stru­ment.

Tim Willy Weber sitzt an seinem Schreibtisch im Rathaus und telefoniert, vor ihm stehen mehrere Bildschirme und Unterlagen.

Sil­via Gauss hat sich in­zwi­schen aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den aus der über­re­gio­na­len Po­li­tik zu­rück­ge­zo­gen. Die Idee der Mit­be­stim­mung be­glei­tet sie aber wei­ter­hin. Für sie be­ginnt De­mo­kra­tie im di­rek­ten Zu­sam­men­le­ben, bei­spiels­wei­se in ih­rer Ar­beit als Ge­schäfts­füh­re­rin ei­nes Wal­dorf­kin­der­gar­tens.

Silvia Gauß beugt sich gemeinsam mit einer Kollegin über ein Beet im Garten des Waldorfkindergartens, in dem sie seit 15 Jahren Geschäftsführerin ist.

Ne­ben der Ar­beit im Kin­der­gar­ten en­ga­giert sich Sil­via Gauss im »Raum«, ei­nem of­fe­nen Dorf­treff­punkt. Hier kom­men Men­schen zu­sam­men, um zu dis­ku­tie­ren, zu ar­bei­ten, zu­zu­hö­ren oder ein­fach nur da zu sein. Ein Ort für ge­leb­te De­mo­kra­tie im Klei­nen.

Mehrere Menschen sitzen in einem Stuhlkreis in einem gemütlichen Raum, auf einem Tisch liegen gestrickte Figuren. Donnerstags treffen sich Frauen zum Handarbeiten.

Der Film greift die In­hal­te der er­sten POINT-Re­por­ta­ge auf und fragt bei zwei der da­ma­li­gen Akteur*innen nach, wie sie heu­te zu ih­rem frü­he­ren En­ga­ge­ment ste­hen. Er er­zählt von po­li­ti­schem Ein­satz, der sich ver­än­dert, oh­ne zu ver­schwin­den – und von De­mo­kra­tie als Hal­tung, die über die Jahr­zehn­te hin­weg Teil des po­li­ti­schen Le­bens bleibt.

Tim Willy Weber fährt mit einem Lastenfahrrad auf einer Straße durch eine ländliche Umgebung, das Gewerbegebiet Ottersberg-Bahnhof.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 29:50 Min.

November 2025

Vom Le­ben und Los­las­sen – Der Für­ther Fried­hof

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Sonntagnachmittag am Friedhofscafé: Ehrenamtliche stellen Kaffee und Kuchen bereit, Besucherinnen sitzen im Schatten und kommen miteinander ins Gespräch.

Vie­le Men­schen ge­hen da­von aus, dass ein Fried­hof vor al­lem ein Ort des Ab­schieds, der Stil­le, der Trau­er ist. Doch wer heu­te über den Für­ther Fried­hof geht, merkt schnell, dass hier weit mehr pas­siert. Er ist Er­in­ne­rungs­ort, öf­fent­li­cher Raum, Treff­punkt – und Spie­gel ei­ner Stadt, in der Men­schen ganz un­ter­schied­lich mit Ver­lust, Ri­tua­len und dem ei­ge­nen Äl­ter­wer­den um­ge­hen.

Eine junge Frau sitzt im muslimischen Grabfeld auf einer Bank, spielt Ukulele und singt ein Mantra – »warum nicht - bei der Vielfalt der Religionen, die hier schon herrscht?«

In »Vom Le­ben und Los­las­sen« ge­hen wir der Fra­ge nach, was ei­nen Fried­hof im 21. Jahr­hun­dert ei­gent­lich aus­macht. Mit der Ka­me­ra ha­ben wir uns un­ter die Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher ge­mischt – oh­ne Ver­ab­re­dung, nur mit der of­fe­nen Fra­ge »Was führt Sie hier­her?«

Eine Frau gießt das Grab ihres Mannes. Für sie als gläubige Christin ist dieser Ort wichtig – »einfach so unter einem Baum wäre nichts für mich«.

Aus spon­ta­nen Be­geg­nun­gen ent­ste­hen Ge­sprä­che über fa­mi­liä­re Prä­gun­gen, über Nä­he und Di­stanz, über das Er­in­nern – und dar­über, war­um die­ser Ort für man­che Trost spen­det und für an­de­re eher ein Stück Stadt­all­tag ist.

Ein 83-jähriger Fürther pflegt das Urnengrab seiner verstorbenen Frau im Kleeblattfeld: »Sie war zwar Nürnbergerin, aber das passt – keine Probleme«.

Der Film zeigt den Für­ther Fried­hof als le­ben­di­gen so­zia­len Raum: vom mus­li­mi­schen Grab­feld über das eh­ren­amt­lich be­trie­be­ne Fried­hofs­ca­fé bis hin zu Men­schen, die hier fe­ste Ri­tua­le pfle­gen oder ein­fach nur ei­nen stil­len Weg durch die Stadt su­chen.

Ein älteres Ehepaar gibt sich auf einer Bank einen Kuss – die beiden erzählen, dass sie seit über fünfzig Jahren zusammen sind und kommen jeden Sonntag ins Café, »wenn das Wetter passt«.

Die Re­por­ta­ge er­zählt da­von, wie Er­in­ne­rung, All­tag und Be­geg­nung heu­te ne­ben­ein­an­der exi­stie­ren – und was die­ser Ort über die Stadt, ih­re Bewohner*innen und ih­re Ge­schich­te of­fen­bart.

Jeden Sonntag kommt er mit seinem Motorrad zum Friedhof, um am Grab seines Vaters eine Kerze hinzustellen. »Damit mein Papa weiß, dass wer an ihn denkt«.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas, Cher­i­ma Na­sa und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Mai 2025

Hei­di Sill – der Wunsch nach Frei­heit

Die in Fürth ge­bo­re­ne und an der Aka­de­mie der Bil­den­den Kün­ste in Nürn­berg aus­ge­bil­de­te Künst­le­rin Hei­di Sill ist viel­schich­tig un­ter­wegs. Sie ist Zeich­ne­rin, In­stal­la­ti­ons- und Kon­zept­künst­le­rin und en­ga­giert sich seit ih­rer Stu­di­en­zeit für ih­re Künstlerkolleg*innen und Kul­tur­schaf­fen­de.

Heidi Sill beim Wandzeichnen im Kunstverein Zirndorf – beim Aufbau ihrer Ausstellung »Apokalypse« zur Biennale der Zeichnung 2025.

Nach ih­rem Stu­di­um und ei­nem Sti­pen­di­um an dem re­nom­mier­ten In­sti­tut des Hau­tes Etu­des en Arts Pla­sti­ques in Pa­ris, be­schließt sie, nach Ber­lin zu zie­hen. In ih­rer al­ten Hei­mat war ihr »die Kunst­sze­ne zu klein, es fin­det kei­ne Be­we­gung statt….“, wie sie uns in ei­nem er­sten Por­trait vor 23 Jah­ren er­zähl­te.

Heidi Sill im Gespräch mit dem Künstler Andreas Oehlert bei dessen Ausstellung im »Bernsteinzimmer«. Beide verbindet eine langjährige Freundschaft.

Doch der An­fang in der Groß­stadt ist hart. Nie­mand kennt sie. Sie jobbt, um ih­ren Le­bens­un­ter­halt zu ver­die­nen – und ent­wickelt zu­gleich un­be­irrt ih­re Kunst wei­ter. Heu­te lebt Hei­di Sill von ih­rer künst­le­ri­schen Ar­beit. Ge­blie­ben sind die The­men, die sie seit Jahr­zehn­ten um­trei­ben: das Span­nungs­feld von Äs­the­tik und Ge­walt, Kör­per­bil­der jen­seits gän­gi­ger Nor­men, die Rol­le der Frau, Fra­gen von Sicht­bar­keit, Kon­trol­le und Be­frei­ung.

Heidi Sill unter ihrer Kunst-am-Bau-Arbeit »Leiter der Welt« in der PTB Berlin – eine Installation angelehnt an die Tieftemperaturforschung im Haus.

Ne­ben ih­rer frei­en künst­le­ri­schen Ar­beit rea­li­siert sie seit mehr als 10 Jah­ren auch Kunst-am-Bau-Pro­jek­te. Für Hei­di sind das kei­ne rei­nen Auf­trags­ar­bei­ten. Sie sieht dar­in die Mög­lich­keit, ihr künst­le­ri­sches Den­ken zu er­wei­tern und mit ih­rer Kunst neue Ziel­grup­pen zu er­rei­chen – im öf­fent­li­chen Raum, in wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tu­tio­nen, im All­tag. Da­ne­ben en­ga­giert sich Hei­di Sill seit Jahr­zehn­ten kul­tur­po­li­tisch – als lang­jäh­ri­ge Vor­stän­din bzw. Spre­che­rin des BBK Ber­lin, als en­ga­gier­te Strei­te­rin für fai­re Künst­ler­ho­no­ra­re, für mehr Sicht­bar­keit von Künstler*innen.

Heidi Sill mit Stéphane Bauer (Kunstraum Bethanien, Berlin). Sie sprechen über Kürzungen im Kulturbereich und ihre frühere kulturpolitische Zusammenarbeit.

Auch wenn Hei­di sich nicht vor­stel­len kann, nach Nürn­berg zu­rück zu kom­men, die Ver­bun­den­heit zur al­ten Hei­mat ist ge­blie­ben. Sei es, um El­tern und Freun­de zu be­su­chen oder für ei­ne Aus­stel­lung mit ih­ren Ar­bei­ten, wie vor we­ni­gen Wo­chen im Rah­men der Bi­en­na­le der Zeich­nung. Ein Por­trait über ei­ne Künst­le­rin, die et­was zu sa­gen hat, künst­le­risch und ge­sell­schafts­po­li­tisch.

Heidi Sill bei der Vernissage im Kunstverein Zirndorf, flankiert von Kuratorin und Thomas Heyden. Im Hintergrund: ihre Arbeiten zu Dürers Apokalypse.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Hier könnt Ihr die Re­por­ta­ge an­schau­en!

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