Juni 2018
»Bodies in urban spaces« ist ein Kunstprojekt des österreichischen Choreographen Willi Dorner. Anlässlich des diesjährigen Fürther Jubiläums 200 Jahre Stadt lud das Fürther Kulturamt in Partnerschaft mit der Tanzzentrale Region Nürnberg e.V. zu einem Spaziergang durch die Fürther Stadtlandschaft ein. Wir waren mit der Kamera dabei.
Und wer sich, wie unsere Interviewpartner im Video, auch wundert: »Die Frage ist nicht, wie sie sich stapeln, sondern wie die 10 Meter an der Hauswand hochkommen, wow, und so schnell!«, dem können wir jetzt schon ankündigen – wir klären auf! Denn wir haben nicht nur die Rundgänge, sondern auch die Proben der 20 TänzerInnen und AkrobatInnen begleitet. Demnächst mehr dazu bei point.
März 2018

Leonhard F. Seidl ist ein politischer Schriftsteller, der in seinen Romanen reale Ereignisse recherchiert und meist mit einer Kriminalhandlung verknüpft. So auch in seinem neuesten Roman »Fronten«, in dem es um einen Amoklauf geht, der sich vor 30 Jahren in Dorfen, einem kleinen Städtchen in Oberbayern, nur wenige Kilometer von Leos Elternhaus entfernt, zugetragen hat.

Die Filmemacher gehen mit Leo auf eine Reise in seine Jugend. Sie besuchen gemeinsam mit ihm Orte, an denen sein teilweise autobiographischer erster Roman »Mutterkorn« spielt.

Während seine Altersgenossen sich im Fußballverein trafen, entdeckte Leo seine Liebe zum Punk. Durch die fremdenfeindlichen Ereignisse von Solingen, Mölln und Rostock-Lichtenhagen Anfang der 1990er Jahre wurde er politisiert. Recht früh musste er erkennen, dass man mit bunten Haaren und als jemand, der eine andere Meinung vertritt als die konservative Mehrheitsgesellschaft, schnell das eine oder andere Mal Prügel bezieht.

Eine Zeit, die den inzwischen 41- jährigen Schriftsteller geprägt hat und ihn zu einem Menschen werden ließ, der sich bis heute als Aktivist entschieden gegen die Verbreitung rechtsradikalen und fremdenfeindlichen Gedankengutes einsetzt, gleichzeitig aber in seinen Romanen differenziert und feinfühlig nach Gründen sucht, weshalb sich Menschen in die eine oder andere Richtung entwickeln.

Ein Portrait eines engagierten Menschen und Schriftstellers, der mit seinen Büchern mehr will als unterhalten.
November 2017
Die Fürther Jüdin Bella Rosenkranz liebte ihre Stadt, obwohl sie gerade einmal 17 Jahre alt war, als sie 1938 von der Gestapo nach Polen deportiert wurde: Bei Kriegsbeginn musste Bella in die Sowjetunion weiterflüchten, wo sie der Spionage verdächtigt und in ein Arbeitslager verbracht wurde. Ohne Papiere irrte sie nach dem Krieg viele Jahre durch die Sowjetunion, bis sie 1961 wieder nach Fürth zurückkehren konnte: Hier engagierte sie sich etliche Jahre in der und für die jüdische Gemeinde. Am 11. April 2017 verstarb Bella Rosenkranz. Im November 2017 beschloss der Fürther Stadtrat, eine Straße nach ihr zu benennen.
Aus diesem Grund wiederholen wir am Sonntag, den 3. Dezember 2017 das preisgekrönte Portrait: »Ich bin die Einzige, die übrig geblieben ist« – Die Odyssee der Bella Rosenkranz
Mehr zu Bella Rosenkranz können Sie im FürthWiki nachlesen.
Dezember 2016
Über 20 Jahre lang hatte die Redaktion point ihre Büroräume direkt neben dem Fürther Stadtpark. Da bietet es sich an, die »heimliche Liebe der Fürther« einmal genauer in Augenschein zu nehmen.
Bevor es im kommenden Jahr in einer längeren Reportage um Geschichten und Geschichte rund um den Stadtpark gehen wird, gibt es zu Weihnachten einen kleinen Vorgeschmack: zwei Videoclips mit Impressionen aus dem Herbst und Winter.
Die Musik zu den Clips stammt von den Talking Strings, einem Duo, bestehend aus dem Bratschisten Christopher Scholz und dem amerikanischen Folk-Sänger und Liedermacher George Kobrick, der direkt am Stadtpark wohnt und regelmäßigen Parkbesuchern bestimmt schon mit seiner Gitarre aufgefallen ist.
Dezember 2016
Ursula Kreutz ist eine der Künstler*innen, deren Arbeiten man derzeit auf dem Nürnberger Johannisfriedhof in dem Kunstprojekt »Unendlich still...« sehen kann. Wir haben Ursula Kreutz vor einigen Jahren filmisch portraitiert.
Ursula Kreutz ist eine vielseitige Künstlerin. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist einerseits die intensive, interdisziplinäre und experimentelle Erforschung der Möglichkeiten des Mediums Fotografie, andererseits das übergreifende Thema der Erinnerung und damit verbunden das Hinterfragen von Wahrnehmung. Dabei macht sie sich oftmals selbst zum Gegenstand der Hinterfragung, indem sie in ihren Arbeiten in Form einer »Selbstuntersuchung« visuell und teilweise auch physisch präsent ist.
Ihre fotografischen Arbeiten sind oftmals auf fotobedruckten transparenten Stoffen aufgetragen, die einen leichten Moiré-Effekt sowie kalkulierte Unschärfe hervorrufen, und werden in Bildkästen oder in von ihr gestalteten Räumen präsentiert. Durch die Transparenz des Materials und eine Verdoppelung der Motive entstehen Überblendungen, die zu vielschichtigen Projektionsflächen transformiert werden und beim Wechseln des Betrachtungswinkels immer neue Eindrücke beim Publikum hervorrufen.
In den letzten Jahren hat sich Ursula Kreutz immer öfter mit Installation und Performance auseinandergesetzt. Arbeiten wie exil oder CMX und deren Abwandlungen bzw. Weiterentwicklungen haben eines gemeinsam: Die Künstlerin ist nicht nur Teil des Werkes, sie sieht in den Arbeiten auch eine Auseinandersetzung mit sich und ihrer persönlichen Entwicklung.
Vor wenigen Wochen wurde Ursula Kreutz mit dem Kulturförderpreis der Stadt Fürth ausgezeichnet. point hat sie in ihrem Atelier besucht und lässt sie über ihre Kunst und ihre Wahrnehmung der Welt reflektieren.
November 2016
Das Bayerische Schulsystem ist bis heute dreigegliedert. Nach einer gemeinsamen vierjährigen Grundschule für alle Regelschüler sieht es nach der vierten Klasse eine Aufteilung in verschiedene Schularten vor. Neben den sogenannten »weiterführenden Schulen«, dem Gymnasium und der Realschule, gibt es seit 2011 die Mittelschule, für, wie es eine Lehrerin beschreibt, »den Rest, der es nicht geschafft hat«. An ca. 600 Standorten in Bayern sind an die Grundschule Mittelschulen angeschlossen, so auch an der Fürther Pestalozzischule.
2011 wurden die ehemaligen Hauptschulen in Mittelschulen umbenannt. Im Bayerischen Kultusministerium versprach man sich davon eine Aufwertung des Schulsprengels. Aber hat die Namensänderung etwas gebracht? Die stärkeren Schüler verlassen weiter nach der vierten Klasse die Grundschule Richtung Gymnasium oder Realschule.
Dabei sind die Ansprüche an die Mittelschule weiter gestiegen. Eltern haben die Möglichkeit, frei zu wählen, ob sie Kinder, die ein Handicap haben, an eine Förderschule oder eine Grund- und später dann Mittelschule schicken. Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund und den damit oftmals verbundenen Sprachschwierigkeiten ist in den letzten Jahren kontinuierlich angewachsen, Lehrer sehen sich immer öfter mit Schülern konfrontiert, die verhaltensauffällig sind oder Motivationsprobleme haben.
Was geblieben ist, ist der Wunsch von Schulleitung und Lehrern, die Schüler möglichst gut auf die Arbeitswelt vorzubereiten, aber ist dies unter diesen Umständen zu schaffen? Kann ein einzelner Lehrer die Ansprüche, die an ihn gestellt werden, überhaupt erfüllen oder bedarf es dazu eigentlich einer zweiten ausgebildeten Lehrkraft, zumindest in den Kernfächern? Wie soll man Einzelne fördern, wenn sich alleine an der Mittelschule 50 Schüler mit besonderem Förderbedarf befinden und dafür gerade einmal 24 Förderstunden pro Woche zur Verfügung stehen? Welche Rolle spielt dabei das Bayerische dreigliedrige Schulsystem, und was bedeutet es insbesondere im Bezug auf den Inklusionsgedanken?
Eine engagierte Lehrerin aus der Mittelschule meint: »Solange Eltern tagtäglich in der Grundschule erleben, wir müssen stark sein, das hat ’nen Wert. Ich will, dass mein Kind aufs Gymnasium geht, die Mittelschule, das sind die Idioten, ich sags mal so deutlich, kann ich nicht davon sprechen, dass alle Menschen irgendwie einen gleichen Wert haben, und das ärgert mich persönlich.« Sie träumt davon »dass wir den Kindern eine Schule anbieten können mit einer Schultüre und sich diese Schule dann innerhalb des Gebäudes verzweigt, so dass die Kinder die Möglichkeit haben, entsprechend ihrer Veranlagung und Begabung das eine oder andere zu absolvieren.« Eine Vorstellung, die wohl immer ein Traum bleiben wird?
Medien PRAXIS e.V. hat mehrere Jahre die Situation an der Fürther Pestalozzischule verfolgt. Entstanden ist eine dreiteilige Reportage mit folgenden Schwerpunkten:
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Möglichkeiten und Grenzen des Miteinander und voneinander Lernens im dreigliedrigen Schulsystem
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Die Schwierigkeiten, den Gedanken der Inklusion an einer Mittelschule mit Leben zu füllen
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Die Herausforderung, Schülern eine adäquate Berufsvorbereitung zukommen zu lassen
Dezember 2015
In den letzten Jahren hat sich die Kaffeehauslandschaft in Deutschland stark verändert: Viele von Bäckereien betriebene Cafés haben geschlossen. An ihre Stelle sind deutschlandweit agierende Ketten getreten, die meist im Franchise betrieben werden. Samocca ist eines dieser Unternehmen, das sich allerdings in einem wichtigen Punkt von den Mitbewerbern unterscheidet: 80% der Beschäftigten sind Menschen mit Handicap.
Im Frühjahr 2015 wurde in Fürth das erste Samocca in Mittelfranken eröffnet. Seitdem arbeiten hier 15 Beschäftigte der Lebenshilfe. Nach oftmals vielen Jahren im geschützten Rahmen der Werkstätten haben sie sich entschieden, den Schritt an einen neuen anspruchsvollen Arbeitsplatz zu wagen. Arbeiten in einem Café, das bedeutet Schicht- und Wochenenddienst, acht Stunden stehen und gehen und dabei die Gäste immer gleich freundlich behandeln. So etwas geht nicht immer ohne Stress ab.
Damit der hohe Anspruch an Qualität und Service erfüllt werden kann, wurde von den Franchise-Gebern ein spezielles Bestellsystem entwickelt. Das ermöglicht selbst Menschen, die weder lesen noch schreiben können, im Samocca zu arbeiten.
Fast alle, die seit nunmehr neun Monaten im Café arbeiten, sind trotz der hohen Anforderungen mit viel Engagement bei der Sache und stolz auf das, was sie zu leisten vermögen. Anita Hofmann fasst es so zusammen: »Mir gefällt es sehr gut, dass die Leute uns anschauen und sehen, was wir machen. Die denken, wir schaffen das nicht, weil wir sind behinderte Menschen, die das gleich wieder aufgeben, aber dass wir es schaffen, heißt, wir sind ein Team. Und wenn die Leute das nicht glauben, sollen sie uns besuchen und sehen, wie wir uns daran halten.«
Der Film begleitet das Projekt von den ersten Vorbereitungen, über die mit viel Stress verbundene Eröffnungsphase bis hin zum Kaffeehausbetrieb. Die Beschäftigten erzählen von ihren Erwartungen und Ängsten, von Stresssituationen und Erfolgserlebnissen und geben so einen beeindruckenden Einblick in das, was sie trotz ihres Handicaps zu leisten vermögen.
Dezember 2015
Über sechs Monate begleitete Medien PRAXIS e. V. filmisch den Aufbau des Fürther »Café Samocca«, eines von mittlerweile 17 integrativen Unternehmen, die unter einem besonderen Franchise-Konzept betrieben werden: In Küche und Service arbeiten hier überwiegend behinderte Menschen, für die der Umgang mit Gästen und die facettenreiche Arbeit eine besondere Herausforderung darstellt, an deren Bewältigung sie wachsen und an Selbstsicherheit gewinnen.
Zum gestrigen Premierenabend war das mit Kinobestuhlung aufgerüstete Café in der Breitscheidstraße rappelvoll gefüllt mit den »Filmstars«, ihren Angehörigen und zahlreichen interessierten Fürtherinnen und Fürthern.
Rolf Bidner, Leiter der integrativen Werkstätten der Fürther Lebenshilfe fasste in seinem Rückblick nochmals all die Stolpersteine und Widrigkeiten zusammen, die bis zur Eröffnung des Cafés zu überwinden waren: Buchstäblich bis unmittelbar vor der Eröffnung waren Handwerker zugange, so dass der eigentlich geplante Probebetrieb nicht stattfinden und sofort mit »richtigen« Gästen gearbeitet werden musste... Dass dies neben den anderen Aspekten ebenfalls im Film dargestellt sei, freue ihn, sagte er anschließend. »Hinterher hat uns ja niemand geglaubt, dass das Café noch einen Tag vor Eröffnung wie eine Baustelle ausgesehen hat.«
Die Vorführung war von großer Anteilnahme der darin Portraitierten begleitet, die den filmischen Rückblick auf das Werden des Projektes und ihr eigenes Engagement natürlich mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgten. Julia Thomas und Thomas Steigerwald, die beiden Macher des Films, bedankten sich herzlich bei allen Beteiligten für ihr Vertrauen und die Offenheit und Herzlichkeit bei den Dreharbeiten.
Die fleißigen »Samoccaner« saßen hinterher noch bestens gelaunt zusammen:
Der Film »Samocca – Franchise einmal anders« wird in zwei Teilen am Sonntag, dem 20. (1. Teil), und am Sonntag, dem 27. Dezember (2. Teil) auf unserem Sendeplatz bei Franken Fernsehen (19.30 Uhr, 21.30 Uhr und 23.30 Uhr) ausgestrahlt. Ein eigener Blogbeitrag zum Film erscheint in der kommenden Woche.