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Medien PRAXIS - Das point Reportage Sendungs-Blog


September 2026

De­mo­kra­tie wei­ter ent­wickeln – Brau­chen wir ein neu­es Den­ken?

Aus­strah­lung am Sonn­tag, dem 20. Sep­tem­ber und Sonn­tag, dem 27. Sep­tem­ber 2026, je­weils um 19:30, 21:30 und 23:30 Uhr auf Fran­ken Fern­se­hen im Ka­bel und im Live­stream und um 21:45 Uhr auf Fran­ken Plus – AB MONTAG, DEM 28.09. AUF UNSEREM YOUTUBE KANAL

Christian König und Aline Koeppen im Berliner Büro von Mehr Demokratie e.V. halten ein Banner mit der Aufschrift »Ja ich will Mehr Demokratie – www.volksentscheid.de« hoch.

1995 er­kämpf­ten ein Zu­sam­men­schluss von vie­len In­itia­ti­ven in ei­nem lan­des­wei­ten Volks­be­geh­ren die Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den in Baye­ri­schen Ge­mein­den und Krei­sen.

Brigitte Krenkers, Mitbegründerin des OMNIBUS für Direkte Demokratie, steht im Inneren des historischen, heute ausgebauten Doppeldecker-Omnibusses, wo alle Unterschriften gesammelt sind.

Für die Ein­füh­rung der da­mals weit­rei­chend­sten Re­ge­lun­gen in ganz Deutsch­land hat­ten sich bin­nen 14 Ta­gen 1,2 Mil­lio­nen Men­schen ein­ge­tra­gen. Maß­geb­lich an die­sem Er­folg be­tei­ligt wa­ren der OMNIBUS für Di­rek­te De­mo­kra­tie und Mehr De­mo­kra­tie e.V..

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein und Staatsminister Florian Herrmann stehen nebeneinander an einem Podium bei der abschließenden Pressekonferenz zum Runden Tisch in der Staatskanzlei in München.

Drei­ßig Jah­re spä­ter steht die­se Er­run­gen­schaft wie­der un­ter Druck. In vie­len Bun­des­län­dern, so auch in Bay­ern, sol­len die Hür­den bzw. Re­ge­lun­gen, die Bür­ger­ent­schei­den und Volks­ent­schei­den vor­ge­schal­tet sind, ver­schärft wer­den. Die Mög­lich­keit von Volks­ent­schei­den auf Bun­des­ebe­ne ist bis heu­te nicht ge­ge­ben. Der Film »De­mo­kra­tie wei­ter ent­wickeln« stellt Men­schen vor, die sich, meist schon seit Jahr­zehn­ten, mit di­rek­ter De­mo­kra­tie be­schäf­ti­gen und stellt die Fra­ge, wie wir wie­der aus der De­mo­kra­tie­kri­se her­aus­fin­den.

Eine Gruppe von Menschen bringt einen jungen Baum zur Pflanzung entlang des alten Grenzzauns am Baumkreuz bei Ifta.

Am Baum­kreuz bei Ifta, an der hes­sisch-thü­rin­gi­schen Gren­ze ge­le­gen, kom­men seit 1990 Men­schen vom Om­ni­bus, Mehr De­mo­kra­tie und Bund Na­tur­schutz zu­sam­men, um Bäu­me zu pflan­zen und zu pfle­gen.

Beuys-Schüler und OMNIBUS Mitbegründer Johannes Stüttgen erklärt eine seiner Tafelzeichnungen, die während seiner Vorträge entstehen.

In An­leh­nung an das 7000-Ei­chen­pro­jekt von Jo­seph Beu­ys und des­sen For­de­rung nach ei­ner Ab­schaf­fung der »Par­tei­en­dik­ta­tur« stellt sein Schü­ler und Mit­be­grün­der des OMNIBUS für Di­rek­te De­mo­kra­tie Jo­han­nes Stütt­gen die The­se auf, dass wir uns auf ein »völ­lig neu­es Den­ken« ein­las­sen müs­sen, da »die al­ten Kon­zep­te nicht mehr grei­fen«.

Ralf-Uwe Beck sitzt an einem Bücherverkaufstisch und signiert ein Exemplar seines Buchs »Der Souverän«.

Ralf-Uwe Beck ist in der ehe­ma­li­gen DDR, ganz in der Nä­he des Baum­kreu­zes von Ifta auf­ge­wach­sen. Heu­te ist er Bun­des­vor­stands­spre­cher von „Mehr De­mo­kra­tie e.V.“ und hat in die­sem Jahr das Es­say „Der Sou­ve­rän“ ver­öf­fent­licht, in dem er die Nach­wen­de­zeit auf­ar­bei­tet und für die Stär­kung der di­rek­ten De­mo­kra­tie ein­tritt: »Die re­al exi­stie­ren­de De­mo­kra­tie ist nicht das ein­ge­lö­ste Ver­spre­chen, das uns die De­mo­kra­tie gibt, näm­lich, dass wir an den po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen, die uns be­tref­fen, auch be­tei­ligt wer­den müs­sen.«

Der langjährige OMNIBUS-Fahrer Werner Küppers, in auffälligem rot-gemustertem Mantel und pinker Hose, spricht in einer Fußgängerzone mit zwei Passant*innen. Neben ihm ein Schild: »Rettet den Bürgerentscheid – Volksinitiative Bürgerbegehren in Schleswig-Holstein«.

Bus­fah­rer Wer­ner Küp­pers fährt seit vie­len Jah­ren mit dem OMNIBUS für di­rek­te De­mo­kra­tie durch ost- und west­deut­sche Städ­te. Ge­mein­sam mit zwei bis drei Mit­fah­re­rIn­nen stel­len sie sich auf öf­fent­li­che Plät­ze, um für die di­rek­te De­mo­kra­tie zu wer­ben. »Wir kön­nen doch nicht un­se­re Stim­me als Blan­ko-Voll­macht aus der Hand ge­ben, auch an Leu­te, die of­fen­sicht­lich das gar nicht ein­hal­ten, was sie vor­her ver­spre­chen.« Für ihn zählt das Ge­spräch von Mensch zu Mensch, un­ab­hän­gig da­von, wel­che po­li­ti­sche Über­zeu­gung das Ge­gen­über ver­tritt. Ei­ne Hal­tung, die in Zei­ten wach­sen­der Po­la­ri­sie­rung nicht selbst­ver­ständ­lich ist.

Mehrere Erwachsene sitzen im Stuhlkreis und unterhalten sich, im Hintergrund eine Projektion mit der Aufschrift »Sprechen & Zuhören« – Szene von einer Sprechen & Zuhören-Fortbildung.

Um der wach­sen­den Spal­tung un­se­rer Ge­sell­schaft et­was ent­ge­gen­zu­set­zen, hat „Mehr De­mo­kra­tie e.V.“ das Dia­log­for­mat Spre­chen & Zu­hö­ren ent­wickelt: »Wir ha­ben al­le Streit­the­men in der Fa­mi­lie, aber auch ge­sell­schaft­lich. Und wir nei­gen da­zu, nicht mehr mit­ein­an­der zu spre­chen und gro­ße Grä­ben zu zie­hen. Und die­ses For­mat Spre­chen und Zu­hö­ren bringt uns wie­der zu­sam­men, auch wenn wir in­halt­lich ganz weit aus­ein­an­der sind.«

Jugendliche stellen in einem Klassenzimmer des Fürther Helene-Lange-Gymnasiums Stühle zu einem Kreis auf, im Hintergrund sitzen weitere Schüler:innen und beobachten die Übung – Szene vom Schulprojekt »wo-hin?«.

Auch der Om­ni­bus ist im Bil­dungs­be­reich tä­tig. Beim zwei­tä­gi­gen Schul­pro­jekt wo-hin? geht es den Pro­jekt­lei­te­rIn­nen nicht nur um das Auf­zei­gen der Mög­lich­kei­ten der di­rek­ten De­mo­kra­tie. In spie­le­ri­scher Form sol­len die Schü­le­rIn­nen auch er­fah­ren, wie sie selbst­wirk­sam wer­den kön­nen: Wo-hin? ist ein Pro­jekt, wo es uns um die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on geht, weil es ganz oft pas­siert, dass sie eben nicht das Ge­fühl ha­ben, dass ih­nen zu­ge­hört wird…

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 50 Min.

Juni 2026

De­mo­kra­tie wei­ter­den­ken – ei­ne Ak­ti­ons­wo­che zur Wei­ter­ent­wick­lung der De­mo­kra­tie

Vor 30 Jah­ren be­glei­te­te un­se­re er­ste point-Sen­dung den OMNIBUS für di­rek­te De­mo­kra­tie und den Ver­ein Mehr De­mo­kra­tie – da­mals kämpf­ten sie für kom­mu­na­le Bür­ger­ent­schei­de in Bay­ern. Am 1. Ok­to­ber 1995 stimm­ten 57,8 Pro­zent der Bay­ern da­für. An die­se er­ste Sen­dung wol­len wir nun an­knüp­fen – mit ei­ner Ak­ti­ons­wo­che, die fragt: Wie wol­len wir De­mo­kra­tie wei­ter­ent­wickeln? Seit 1995 pro­du­zie­ren wir als ge­mein­nüt­zi­ger Ver­ein Re­por­ta­gen, Do­ku­men­ta­tio­nen und Por­traits für un­se­re Sen­dung point, die sonn­tags abends auf Fran­ken Fern­se­hen aus­ge­strahlt wird – mit ho­hem eh­ren­amt­li­chen Auf­wand, oh­ne Wer­bung, mit der Frei­heit, die The­men zu wäh­len, die uns wich­tig sind.

Aktionswoche Demokratie 2026

Vom 22. bis 26. Ju­ni 2026 ver­an­stal­ten wir ge­mein­sam mit der Aka­de­mie Ca­ri­tas-Pirck­hei­mer-Haus (CPH) in Nürn­berg die Ak­ti­ons­wo­che »De­mo­kra­tie wei­ter den­ken«. Dass die Wo­che zu ei­nem be­son­ders ak­tu­el­len Zeit­punkt statt­fin­det, ist ein in­ter­es­san­ter Zu­fall: Am 28. Ju­ni 2026 fin­det in Nürn­berg der Bür­ger­ent­scheid »Lie­ber zu­rück auf Los« über den Aus­bau des Fran­ken­schnell­wegs statt. Die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger kön­nen selbst ent­schei­den, ob die der­zei­ti­gen Pla­nun­gen und Maß­nah­men für den Aus­bau des Fran­ken­schnell­wegs so­fort ge­stoppt wer­den sol­len – und nut­zen da­bei ge­nau das In­stru­ment, für das der OMNIBUS und Mehr De­mo­kra­tie vor 30 Jah­ren ge­strit­ten ha­ben: den Bür­ger­ent­scheid.

Das Pro­gramm:

Aktionswoche Demokratie 2026

Wäh­rend der ge­sam­ten Wo­che ist der OMNIBUS für Di­rek­te De­mo­kra­tie vor Ort – am 22. Ju­ni am He­le­ne-Lan­ge-Gym­na­si­um in Fürth und am 23. Ju­ni an der Be­ruf­li­chen Schu­le 7 in Nürn­berg für Work­shops mit Schü­le­rin­nen und Schü­lern, vom 24. bis 26. Ju­ni an der Kö­nig­stra­ße (Wet­ter­häus­chen, Lo­renz­kir­che), täg­lich of­fen für Ge­sprä­che mit Bür­ge­rin­nen und Bür­gern.

Aktionswoche Demokratie 2026

Am Diens­tag, 23. Ju­ni um 19 Uhr lädt Jo­han­nes Stütt­gen im S11 des CPH zu ei­nem künst­le­ri­schen Ge­spräch ein un­ter dem Ti­tel »Die Krö­nung der De­mo­kra­tie«. Stütt­gen stu­dier­te an der Düs­sel­dor­fer Kunst­aka­de­mie bei Jo­seph Beu­ys, der ihn 1971 zum Mei­ster­schü­ler er­nann­te. Im sel­ben Jahr grün­de­te er mit Beu­ys die »Or­ga­ni­sa­ti­on für di­rek­te De­mo­kra­tie durch Volks­ab­stim­mung« – den Vor­läu­fer des heu­ti­gen Om­ni­bus. In sei­nem Ge­spräch stellt Stütt­gen die Fra­ge, wie der er­wei­ter­te Kunst­be­griff von Beu­ys – die Idee, dass je­der Mensch ein Künst­ler und da­mit Mit­ge­stal­ter des ge­sell­schaft­li­chen Le­bens ist – mit der For­de­rung nach mehr di­rek­ter De­mo­kra­tie zu­sam­men­hängt. Er mo­ti­viert sei­ne Zu­hö­re­rin­nen und Zu­hö­rer, den Punkt in sich zu fin­den, an dem sie sich selbst als frei­heits­fä­hig und als Mit­ge­stal­ten­de ein­brin­gen kön­nen. Ein­tritt frei.

Aktionswoche Demokratie 2026

Am Don­ners­tag, 25. Ju­ni um 19 Uhr fin­det im Pirck­hei­mer­saal die Pre­mie­re un­se­rer neu­en Re­por­ta­ge »De­mo­kra­tie wei­ter­den­ken« statt. Der Film be­glei­tet Men­schen und In­itia­ti­ven, die sich heu­te für die Wei­ter­ent­wick­lung der De­mo­kra­tie en­ga­gie­ren – und knüpft in­halt­lich an un­se­re al­ler­er­ste Sen­dung von 1995 an, die die Ein­füh­rung der Bür­ger­ent­schei­de in Bay­ern be­glei­te­te.

Im An­schluss Po­di­ums­dis­kus­si­on mit fünf Gä­sten, die di­rek­te De­mo­kra­tie aus ganz un­ter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven ken­nen:

Dr. Gün­ther Beck­stein hat als ehe­ma­li­ger Baye­ri­scher Mi­ni­ster­prä­si­dent und Lei­ter des von Söder ein­ge­setz­ten Run­den Ti­sches zur Wei­ter­ent­wick­lung von Bür­ger­ent­schei­den ei­nen lan­gen Weg zu­rück­ge­legt – von ei­nem Skep­ti­ker di­rek­ter De­mo­kra­tie zu ei­nem ih­rer Be­für­wor­ter.

Jörg Sieg­mund von der Aka­de­mie für Po­li­ti­sche Bil­dung Tutz­ing bringt die wis­sen­schaft­li­che Per­spek­ti­ve ein: Was sa­gen die Da­ten über Po­li­tik­ver­dros­sen­heit, und was wirkt in der po­li­ti­schen Bil­dung wirk­lich?

Tim Wil­ly We­ber, Bür­ger­mei­ster des Fleckens Ot­ters­berg, ist die stärk­ste Ver­bin­dungs­fi­gur: Er fuhr in den 1990er Jah­ren als Prak­ti­kant mit dem Om­ni­bus mit, lei­te­te da­nach vie­le Jah­re Mehr De­mo­kra­tie e. V. als Ge­schäfts­füh­rer – und sitzt heu­te selbst im Rat­haus.

Wer­ner Küp­pers ist seit mehr als 25 Jah­ren als Bus­fah­rer des Om­ni­bus un­ter­wegs und täg­lich im Ge­spräch mit Men­schen auf Markt­plät­zen und an Schu­len.

Chri­sti­an Kö­nig ko­or­di­niert für Mehr De­mo­kra­tie e. V. die Lan­des­ver­bän­de in Ost­deutsch­land – in Re­gio­nen, in de­nen das Ver­trau­en in die re­prä­sen­ta­ti­ve De­mo­kra­tie be­son­ders un­ter Druck steht und die Fra­ge, wie Bür­ge­rin­nen und Bür­ger stär­ker ein­ge­bun­den wer­den kön­nen, be­son­ders drin­gend ist.

Mo­de­ra­ti­on: Alex­an­der Jung­kunz, Chef­pu­bli­zist Nürn­ber­ger Nach­rich­ten. Abend­mo­de­ra­ti­on: Co­rin­na Miel­ke, Baye­ri­scher Rund­funk. Ein­tritt frei.

Aktionswoche Demokratie 2026

Den Ab­schluss bil­det am Frei­tag, 26. Ju­ni um 18:30 Uhr im Pirck­hei­mer­saal die Dia­log­ver­an­stal­tung »Spre­chen & Zu­hö­ren – Nürn­berg, ei­ne le­bens­wer­te Stadt?«

Zur­zeit wird in Nürn­berg heiß über den Aus­bau des Fran­ken­schnell­wegs dis­ku­tiert. Geg­nern und Be­für­wor­tern geht es um ei­ne le­bens­wer­te Stadt. Aber was macht für Dich ei­ne le­bens­wer­te Stadt aus? Wel­che Rol­le spie­len da­bei In­di­vi­du­al­ver­kehr und ÖPNV? Wie wich­tig ist Dir kul­tu­rel­le Viel­falt und Kli­ma­schutz?

Spre­chen ver­bin­det, Zu­hö­ren ver­än­dert. Das vom Ver­ein Mehr De­mo­kra­tie ent­wickel­te Dia­log­for­mat bringt Men­schen mit un­ter­schied­lich­sten Mei­nun­gen und Über­zeu­gun­gen mit­ein­an­der ins Ge­spräch. Es schafft Raum für Aus­tausch, bei dem nie­mand über­zeugt wer­den muss – ei­nen Ort, um per­sön­li­ches Er­le­ben zu tei­len und Per­spek­ti­ven von an­de­ren zu hö­ren: oh­ne Un­ter­bre­chung, oh­ne Be­wer­tung, da­für mit Neu­gier und Re­spekt. Im An­schluss gibt es Zeit zum frei­en Aus­tausch. Mo­de­ra­ti­on: In­grid Pickel und Chri­sti­na Gänß­bau­er (Mehr De­mo­kra­tie e. V.). Ein­tritt frei.

Die drei Abend­ver­an­stal­tun­gen fin­den im Ca­ri­tas-Pirck­hei­mer-Haus, Kö­nig­stra­ße 64, 90402 Nürn­berg statt.

Den Fly­er zur Ak­ti­ons­wo­che De­mo­kra­tie kön­nen Sie als PDF-Da­tei her­un­ter­la­den.

Dezember 2025

De­mo­kra­tie als Le­bens­auf­ga­be – Sil­via Gauss und Tim Wil­ly We­ber

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Vor 30 Jah­ren, im De­zem­ber 1995, er­hielt Me­di­en PRAXIS e.V. ei­ne Sen­de­li­zenz für die Me­tro­pol­re­gi­on Nürn­berg. Un­se­re er­ste POINT Sen­dung, da­mals noch 13:30 Mi­nu­ten lang, be­schäf­tig­te sich mit der Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den auf kom­mu­na­ler Ebe­ne. Wir be­glei­te­ten den Om­ni­bus für di­rek­te De­mo­kra­tie, der da­mals im ganz Bay­ern un­ter­wegs war, um für die Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den zu wer­ben.

Tim Willy Weber und Silvia Gauss sitzen am Tisch und schauen gemeinsam die erste POINT-Reportage von 1995 auf einem Bildschirm.

Die Kam­pa­gne, die von mehr als 50 Bür­ger­initia­ti­ven, Ver­bän­den und Ver­ei­nen un­ter­stützt wur­de, hat­te Er­folg. Trotz mas­si­vem Ge­gen­wind von Sei­ten der CSU stimm­ten Bay­erns Bürger*innen am 1. Ok­to­ber 1995 für die Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den in Bay­ern. Seit­dem wur­den in Bay­ern mehr als 3.700 Bür­ger­be­geh­ren in­iti­iert, von de­nen über 2.300 zu ei­nem Bür­ger­ent­scheid führ­ten.

Archivaufnahme von 1995: Silvia Gauß und Tim Willy Weber sammeln mit dem Omnibus für Direkte Demokratie Unterschriften für ein Volksbegehren.

Zu den Men­schen, die da­mals die Kam­pa­gne un­ter­stütz­ten, ge­hör­ten Sil­via Gauss und Tim Wil­ly We­ber. Tim fand über ein Prak­ti­kum beim »OMNIBUS für di­rek­te De­mo­kra­tie« zum Ver­ein Mehr De­mo­kra­tie e.V., für den er sich dann vie­le Jah­re auf Bun­des­ebe­ne en­ga­gier­te. Sil­via Gauss, die Kunst stu­diert hat­te, kam über den Künst­ler Jo­seph Beu­ys und sei­nen Be­griff der »so­zia­len Pla­stik« zum Om­ni­bus für di­rek­te De­mo­kra­tie. Auch sie en­ga­gier­te sich vie­le Jah­re für »Mehr De­mo­kra­tie e.V.«, un­ter an­de­rem im Bun­des­vor­stand. Wäh­rend der ge­mein­sa­men po­li­ti­schen Ar­beit ha­ben sich die bei­den ken­nen und lie­ben ge­lernt. Heu­te le­ben sie in dem Flecken Ot­ters­berg in Nie­der­sach­sen. Wir ha­ben die bei­den be­sucht und woll­ten wis­sen, wie sie heu­te zu ih­rem da­ma­li­gen En­ga­ge­ment ste­hen.

Tim Willy Weber schüttelt Ferhat Ercan vor dessem neu eröffneten Imbiss »Otters Gemüsekebap« die Hand. Repräsentationstermine wie dieser gehören zum Bürgermeisteralltag.

Tim ist seit 2020 Bür­ger­mei­ster von Ot­ters­berg. Als Chef der kom­mu­na­len Ver­wal­tung ist er heu­te Teil der re­prä­sen­ta­ti­ven De­mo­kra­tie. Bis heu­te ist er aber auch ein Freund von di­rekt­de­mo­kra­ti­schen Be­tei­li­gungs­for­men ge­blie­ben und sieht die­se nicht als Ge­gen­mo­dell, son­dern als er­gän­zen­des Ge­stal­tungs­in­stru­ment.

Tim Willy Weber sitzt an seinem Schreibtisch im Rathaus und telefoniert, vor ihm stehen mehrere Bildschirme und Unterlagen.

Sil­via Gauss hat sich in­zwi­schen aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den aus der über­re­gio­na­len Po­li­tik zu­rück­ge­zo­gen. Die Idee der Mit­be­stim­mung be­glei­tet sie aber wei­ter­hin. Für sie be­ginnt De­mo­kra­tie im di­rek­ten Zu­sam­men­le­ben, bei­spiels­wei­se in ih­rer Ar­beit als Ge­schäfts­füh­re­rin ei­nes Wal­dorf­kin­der­gar­tens.

Silvia Gauß beugt sich gemeinsam mit einer Kollegin über ein Beet im Garten des Waldorfkindergartens, in dem sie seit 15 Jahren Geschäftsführerin ist.

Ne­ben der Ar­beit im Kin­der­gar­ten en­ga­giert sich Sil­via Gauss im »Raum«, ei­nem of­fe­nen Dorf­treff­punkt. Hier kom­men Men­schen zu­sam­men, um zu dis­ku­tie­ren, zu ar­bei­ten, zu­zu­hö­ren oder ein­fach nur da zu sein. Ein Ort für ge­leb­te De­mo­kra­tie im Klei­nen.

Mehrere Menschen sitzen in einem Stuhlkreis in einem gemütlichen Raum, auf einem Tisch liegen gestrickte Figuren. Donnerstags treffen sich Frauen zum Handarbeiten.

Der Film greift die In­hal­te der er­sten POINT-Re­por­ta­ge auf und fragt bei zwei der da­ma­li­gen Akteur*innen nach, wie sie heu­te zu ih­rem frü­he­ren En­ga­ge­ment ste­hen. Er er­zählt von po­li­ti­schem Ein­satz, der sich ver­än­dert, oh­ne zu ver­schwin­den – und von De­mo­kra­tie als Hal­tung, die über die Jahr­zehn­te hin­weg Teil des po­li­ti­schen Le­bens bleibt.

Tim Willy Weber fährt mit einem Lastenfahrrad auf einer Straße durch eine ländliche Umgebung, das Gewerbegebiet Ottersberg-Bahnhof.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 29:50 Min.

Hier könnt Ihr die Re­por­ta­ge an­schau­en!