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Medien PRAXIS - Das point Reportage Sendungs-Blog


Februar 2026

Ret­tet St. Mi­cha­el! – 50 Jah­re Für­ther Alt­stadt­ver­ein

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Die Für­ther Alt­stadt rund um St. Mi­cha­el gilt heu­te als Aus­hän­ge­schild und ei­nes der schön­sten Vier­tel der Stadt. Dass es die­sen Stadt­teil über­haupt noch gibt, ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Denn vor 50 Jah­ren stand ge­nau die­ses Vier­tel vor dem Aus.

Abrissarbeiten im Gänsbergviertel Anfang der 1960er-Jahre: Ein historisch gewachsener Teil der Fürther Altstadt wird im Zuge der Flächensanierung vollständig abgetragen und markiert einen Wendepunkt in der Fürther Stadtgeschichte – und den Ausgangspunkt für den späteren Widerstand im Viertel rund um St. Michael.

In den Jahr­zehn­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg präg­ten Flä­chen­sa­nie­rung und die Idee der au­to­ge­rech­ten Stadt die Stadt­pla­nung. Auch in Fürth. Ob­wohl die Alt­stadt den Krieg fast un­ver­sehrt über­stan­den hat­te, wur­de 1958 über das be­nach­bar­te Gäns­berg­vier­tel ei­ne Bau­sper­re ver­hängt, 1962 be­gann der Ab­riss. Ein hi­sto­ri­scher Teil der Alt­stadt ver­schwand.

Sanierung des Goldenen Schwans - bei zahlreichen Sanierungen legten Mitglieder des Altstadtvereins selbst Hand an – die Expertise und vor allem Man- und Womanpower im Verein war vorhanden.

Vor die­sem Hin­ter­grund for­mier­te sich Wi­der­stand. 1974 schlos­sen sich en­ga­gier­te Für­the­rin­nen und Für­ther zu­sam­men und grün­de­ten we­nig spä­ter die Bür­ger­ver­ei­ni­gung Alt­stadt­vier­tel St. Mi­cha­el Fürth – den heu­ti­gen Alt­stadt­ver­ein. Ihr Ziel: die Alt­stadt wie­der­zu­be­le­ben und wei­te­ren Ab­riss zu ver­hin­dern.

Erster Fürther Grafflmarkt 1975 auf dem Waagplatz. Was als Flohmarkt beginnt, wird zu einem zentralen Instrument gegen den drohenden Abriss.

Zu­nächst ging es dar­um, über­haupt wie­der Men­schen in das Vier­tel zu brin­gen. Be­reits 1975 or­ga­ni­sier­te der Ver­ein den er­sten »Graf­fl­markt« – ei­ne Ver­an­stal­tung, die sich im Lau­fe der Jah­re fest im Stadt­le­ben ver­an­ker­te.

Auch heute wird der Grafflmarkt von Vereinsmitgliedern vorbereitet – getragen von ehrenamtlichem Engagement und gemeinsamer Organisation.

Nach und nach ge­lang es, Auf­merk­sam­keit für das Vier­tel zu schaf­fen und Haus­be­sit­zer da­von zu über­zeu­gen, in die al­ten Ge­bäu­de zu in­ve­stie­ren. Der Ver­ein un­ter­stütz­te da­bei nicht nur be­ra­tend. Von Be­ginn an war das En­ga­ge­ment stark eh­ren­amt­lich ge­prägt, vie­le Mit­glie­der leg­ten selbst Hand an.

Vereinsmitglieder bereiten die Teilnahme des Vereins am Kirchweihzug vor. Auf dem Kirchweihzug wird Kuchen verteilt – „Bonbons werfen kann ja jeder – wir sind schon was Besonderes.“

Die Ein­nah­men aus dem Es­sens- und Ge­trän­ke­ver­kauf beim Graf­fl­markt und an­de­ren Ver­an­stal­tun­gen, dar­un­ter die seit 1981 statt­fin­den­de Alt­stadt­weih­nacht, flos­sen in die Ver­eins­ar­beit. So konn­te der Alt­stadt­ver­ein auch klei­ne­re fi­nan­zi­el­le Bei­trä­ge zu Sa­nie­run­gen lei­sten. Rund 50 Häu­ser wur­den auf die­se Wei­se im Lau­fe der Jah­re mit Un­ter­stüt­zung des Ver­eins in­stand ge­setzt.

Zum Jubiläum wird die eigene Geschichte sichtbar gemacht – mit Archivmaterial, Erinnerungen und Bildern aus 50 Jahren Vereinsarbeit.

Der Alt­stadt­ver­ein misch­te sich im­mer ein, wenn un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen im Vier­tel auf­ein­an­der­tra­fen – et­wa bei Fra­gen der Nut­zung, der Ga­stro­no­mie oder der Nah­ver­sor­gung. Be­reits 1979 for­der­te der Ver­ein ei­nen Knei­pen­stopp. Jahr­zehn­te spä­ter wur­de die Gu­stav­stra­ße er­neut zum Ort von Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Lärm und Nut­zung. Da­bei sprach der Alt­stadt­ver­ein nicht im­mer mit ei­ner Stim­me. Als Zu­sam­men­schluss un­ter­schied­li­cher In­ter­es­sen ge­hör­ten kon­tro­ver­se Dis­kus­sio­nen eben­so zur Ver­eins­ge­schich­te wie der Ver­such, sie aus­zu­hal­ten und wei­ter­zu­ar­bei­ten.

Beim Kirchweihzug greift der Altstadtverein auf Motive aus seiner eigenen Geschichte zurück. Alte Plakate und Bilder erinnern daran, dass viele heutige Selbstverständlichkeiten einst umkämpft waren.

Wir ha­ben den Alt­stadt­ver­ein im Ju­bi­lä­ums­jahr be­glei­tet. Der Film er­zählt die Ge­schich­te ei­nes Ver­eins, der seit sei­ner Grün­dung für bür­ger­li­ches En­ga­ge­ment steht – und sich bis heu­te für die Er­hal­tung und Wei­ter­ent­wick­lung der Für­ther Alt­stadt en­ga­giert.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

November 2025

Vom Le­ben und Los­las­sen – Der Für­ther Fried­hof

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Sonntagnachmittag am Friedhofscafé: Ehrenamtliche stellen Kaffee und Kuchen bereit, Besucherinnen sitzen im Schatten und kommen miteinander ins Gespräch.

Vie­le Men­schen ge­hen da­von aus, dass ein Fried­hof vor al­lem ein Ort des Ab­schieds, der Stil­le, der Trau­er ist. Doch wer heu­te über den Für­ther Fried­hof geht, merkt schnell, dass hier weit mehr pas­siert. Er ist Er­in­ne­rungs­ort, öf­fent­li­cher Raum, Treff­punkt – und Spie­gel ei­ner Stadt, in der Men­schen ganz un­ter­schied­lich mit Ver­lust, Ri­tua­len und dem ei­ge­nen Äl­ter­wer­den um­ge­hen.

Eine junge Frau sitzt im muslimischen Grabfeld auf einer Bank, spielt Ukulele und singt ein Mantra – »warum nicht - bei der Vielfalt der Religionen, die hier schon herrscht?«

In »Vom Le­ben und Los­las­sen« ge­hen wir der Fra­ge nach, was ei­nen Fried­hof im 21. Jahr­hun­dert ei­gent­lich aus­macht. Mit der Ka­me­ra ha­ben wir uns un­ter die Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher ge­mischt – oh­ne Ver­ab­re­dung, nur mit der of­fe­nen Fra­ge »Was führt Sie hier­her?«

Eine Frau gießt das Grab ihres Mannes. Für sie als gläubige Christin ist dieser Ort wichtig – »einfach so unter einem Baum wäre nichts für mich«.

Aus spon­ta­nen Be­geg­nun­gen ent­ste­hen Ge­sprä­che über fa­mi­liä­re Prä­gun­gen, über Nä­he und Di­stanz, über das Er­in­nern – und dar­über, war­um die­ser Ort für man­che Trost spen­det und für an­de­re eher ein Stück Stadt­all­tag ist.

Ein 83-jähriger Fürther pflegt das Urnengrab seiner verstorbenen Frau im Kleeblattfeld: »Sie war zwar Nürnbergerin, aber das passt – keine Probleme«.

Der Film zeigt den Für­ther Fried­hof als le­ben­di­gen so­zia­len Raum: vom mus­li­mi­schen Grab­feld über das eh­ren­amt­lich be­trie­be­ne Fried­hofs­ca­fé bis hin zu Men­schen, die hier fe­ste Ri­tua­le pfle­gen oder ein­fach nur ei­nen stil­len Weg durch die Stadt su­chen.

Ein älteres Ehepaar gibt sich auf einer Bank einen Kuss – die beiden erzählen, dass sie seit über fünfzig Jahren zusammen sind und kommen jeden Sonntag ins Café, »wenn das Wetter passt«.

Die Re­por­ta­ge er­zählt da­von, wie Er­in­ne­rung, All­tag und Be­geg­nung heu­te ne­ben­ein­an­der exi­stie­ren – und was die­ser Ort über die Stadt, ih­re Bewohner*innen und ih­re Ge­schich­te of­fen­bart.

Jeden Sonntag kommt er mit seinem Motorrad zum Friedhof, um am Grab seines Vaters eine Kerze hinzustellen. »Damit mein Papa weiß, dass wer an ihn denkt«.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas, Cher­i­ma Na­sa und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Oktober 2025

Zwi­schen Alt­stadt und Ron­hof – Der Für­ther Fried­hof

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Einige Fussballfans auf dem Weg über den Friedhof in den Sportpark Ronhof, im Hintergrund ein großes Kreuz mit Jesusfigur, umgeben von Bäumen und Gräbern.

Zu sei­ner Er­öff­nung 1882 lag der Für­ther Fried­hof noch au­ßer­halb der Stadt – heu­te ist er ei­ne grü­ne Oa­se der Ru­he, ein Ort der Ge­schich­te und Be­geg­nung mit­ten in der Stadt – und an Spiel­ta­gen der »schön­ste, ru­hig­ste und kür­ze­ste« Weg für Fans der Spiel­ver­ei­ni­gung in den Sport­park Ron­hof. Für vie­le Fürther*innen ge­hört der Be­such von ver­stor­be­nen Freun­den und Fa­mi­li­en­mit­glie­dern auf dem Weg zum Fuß­ball da­zu.

Friedhofsgärtner Harald Bartilla sitzt am Steuer eines Fahrzeugs auf dem Fürther Friedhof bei einer Tour über das Gelände.

Ha­rald Bar­til­la ist hier seit 30 Jah­ren Fried­hofs­gärt­ner­mei­ster und hat viel zu er­zäh­len. Bei ei­ner Tour im Golf­cart über den 25h gro­ßen Fried­hof zeigt er uns die Ent­wick­lung des Ge­län­des und den Wan­del der Be­stat­tungs­kul­tur. Bar­til­la er­zählt von neu­en For­men des Er­in­nerns, von Bio­to­pen, Ur­nen­fel­dern und denk­mal­ge­schütz­ten Grä­bern, die zu Ge­mein­schafts­an­la­gen um­ge­stal­tet wer­den.

Felix Geismann steht vor dem denkmalgeschützten Grab seines Ur-Ur-Großvaters und zeigt auf die Grabstatue - eine weibliche Figur mit Palmwedel »Die Trauernde an der Tür zur Ewigkeit« – in der Familie Geismann nur »der Engel« genannt.

Fe­lix Geismanns Fa­mi­lie ge­hört ei­nes der über 300 denk­mal­ge­schütz­ten Grä­ber auf dem Für­ther Fried­hof. Für ihn ist der Fried­hof ein »Buch der Er­in­ne­rung«. »Hier, wo die Men­schen so wirk­lich rich­tig tot sind, sind sie auch ei­gent­lich am ein­zi­gen Ort so wirk­lich le­ben­dig, weil, wo fin­det man noch die Na­men, wo er­in­nert man sich noch an die­se Men­schen, die teil­wei­se schon 100, 120 Jah­re tot sind?«

Hanne Wiest steht mit einer Gießkanne am frisch bepflanzten Grab ihrer Eltern auf dem Fürther Friedhof. Sie berührt eines der Holzkreuze und verabschiedet sich.

Han­ne Wiest kommt re­gel­mä­ßig zum Grab ih­rer El­tern. Sie be­pflanzt die Flä­che selbst – mit Blu­men, Boh­nen und Na­sch­erd­bee­ren. Sie wünscht sich, dass auf dem Fried­hof künf­tig auch Obst- und Ge­mü­se­pflan­zen er­laubt wer­den und Kon­zer­te und Kul­tur hier statt­fin­den. Schon als Kind war sie mit ih­rer Groß­mutter auf dem Fried­hof un­ter­wegs, heu­te kommt sie mit ih­ren En­keln. »Die spre­chen mit Oma und Opa, gie­ßen, na­schen Erd­bee­ren – so bleibt der Fried­hof ein Ort des Le­bens.«

Friedhofsgärtner Harald Bartilla und Redakteurin Julia Thomas von hinten sitzend in einem Golfcart, Blick auf einen von Bartilla und seinem Team gestalteten Teil des Friedhofs – dem Garten der Vielfalt – wo auch extra ein Feld für Fans der Spielvereinigung geschaffen wurde.

Der Film be­glei­tet Men­schen, die den Fried­hof auf un­ter­schied­li­che Wei­se prä­gen – als Ar­beits­ort, Er­in­ne­rungs­ort und Teil ih­res Le­bens.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas, Cher­i­ma Na­sa und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Juli 2025

UNSER AMERIKA – 80 Jah­re Amis in Bay­ern

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Auf dem Army-Stützpunkt Hohenfels im Landkreis Neumarkt wird jedes Jahr ein Volksfest gefeiert – mit eigenem Bierkrug

Am En­de des Zwei­ten Welt­kriegs ka­men die Ame­ri­ka­ner als Be­sat­zer nach Bay­ern. Es war der Be­ginn ei­ner span­nungs­rei­chen Wech­sel­be­zie­hung, bei der sich das Kräf­te­ge­wicht im­mer wie­der ver­schob. In die­sem Film be­ge­ben wir uns auf die Spu­ren­su­che zu 80 Jah­ren Deutsch-Ame­ri­ka­ni­scher Ver­gan­gen­heit – an der Schwel­le zu ei­ner noch un­ge­wis­sen Zu­kunft.

Fürth-Kenner Bernd Jessusek (r.) zeigt Redakteur Peter Romir die Gustavstraße, durch die in den 50er Jahren noch Panzer rollten.

Der Start der Be­zie­hung war durch­aus schwie­rig: In Fürth fie­len die Be­sat­zer vor al­lem als trink- und rauf­freu­di­ge Un­ru­he­stif­ter auf – de­nen schließ­lich so­gar der Zu­gang zur Alt­stadt un­ter­sagt wer­den muss­te.

Er sieht Deutsche und Amis wie eine Familie: Col. Stephen C. Flanagan, Leiter der Militärbasen Hohenfels, Grafenwöhr und Vilseck

Heu­te ist das Ver­hält­nis ent­spann­ter. Im Stütz­punkt Ho­hen­fels fei­ern Deut­sche und Ame­ri­ka­ner je­des Jahr ein ge­mein­sa­mes Volks­fest und schau­en sich ge­gen­sei­tig Tra­di­tio­nen ab.

Stammgast im Fürther Stadtpark: Der Musiker George Kobrick kam nach Deutschland, als die Mauer fiel

Doch seit der zwei­ten Prä­si­dent­schaft von Do­nald Trump wird das Ver­hält­nis wie­der an­ge­spann­ter. Man­che Ame­ri­ka­ner, wie Ge­or­ge Ko­brick, füh­len sich des­halb in­zwi­schen in Deutsch­land mehr zu Hau­se als in Ame­ri­ka.

Jetzt erst recht: Trotz der Politik der aktuellen amerikanischen Regierung bestückte Katy Davis im Amerikahaus ein spezielles LGBTIQ+-Regal

Auch das Deutsch-Ame­ri­ka­ni­sche In­sti­tut im Ame­ri­ka­haus Nürn­berg spürt den Kul­tur­wan­del: Be­schäf­ti­gung mit Di­ver­si­tät oder Min­der­hei­ten ist nicht mehr of­fi­zi­ell er­wünscht – fin­det aber trotz­dem noch statt.

Ein Film von Pe­ter Ro­mir •  Län­ge: 30 Min.

Juli 2024

Die Kof­fer­fa­brik – 30 Jah­re le­ben­di­ge Kul­tur in al­ten Ge­mäu­ern

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Der Eingangsbereich der Kofferfabrik wurde Anfang der 2000er künstlerisch umgestaltet

Im Ju­ni 2024 fei­er­te das Kul­tur­zen­trum Kof­fer­fa­brik 30-jäh­ri­ges Be­stehen. Grund ge­nug, ein­mal zu­rück­zu­schau­en auf die Ge­schich­te ei­nes in die­ser Form in Deutsch­land be­son­de­ren Stücks ge­leb­ter So­zio­kul­tur.

Die Künstler Fredder Wanoth, Erika Simon und Joseph Stephan Wurmer hatten und haben ihre Ateliers auf dem Gelände

Mit dem Ein­zug ei­ni­ger frei­schaf­fen­der Künst­le­rin­nen be­ginnt in den 1980er Jah­ren das künst­le­ri­sche und krea­ti­ve Le­ben auf dem Are­al der ehe­ma­li­gen BERMAS Kof­fer­fa­brik.

Ausstellung in der von Lothar Böhm betriebenen Galerie Brockovski

1994 be­an­tra­gen Lo­thar Böhm und »Mär­tel« Mar­tin Rei­chel ei­ne Aus­schank­li­zenz – die of­fi­zi­el­le Zeit­rech­nung der Kof­fer­fa­brik be­ginnt. Der frei­schaf­fen­de Künst­ler Lo­thar Böhm grün­det das »Fo­rum für Kunst und Be­geg­nung« und spä­ter dann die Ga­le­rie Brock­ov­ski. Sein Ziel: Künst­ler und kunst­in­ter­es­sier­te Men­schen zu­sam­men­zu­brin­gen.

Zum Ensemble der Döring’schen Theaterwerkstatt auf dem Koffergelände gehören sowohl Mitarbeitende als auch Stammgäste der Kofferfabrik

Nach ei­nem kur­zen Zwi­schen­spiel über­nimmt 2007 Udo Mar­tin die Ge­schäfts­füh­rung. Wäh­rend bis da­hin die bil­den­de Kunst im Mit­tel­punkt stand, ver­schiebt sich der Schwer­punkt der Ak­ti­vi­tä­ten zu Mu­sik und Thea­ter.

Al di Meola kam gleich zwei Jahre hintereinander für mehrere Konzerte in die Kofferfabrik

Die Kof­fer­fa­brik ent­wickelt sich in die­sen Jah­ren zu ei­nem ins­be­son­de­re im Mu­sik­be­reich über­re­gio­nal be­ach­te­ten Ver­an­stal­tungs­ort, in dem auch Mu­sik­grö­ßen wie Bri­an Au­ger, Ray Wil­son und Al di Meo­la auf­ge­tre­ten sind.

Beim Jubiläumsbrunch kommen Jung und Alt im Biergarten der Kofferfabrik zusammen

Trotz Pan­de­mie und im­mer wie­der dro­hen­der Kün­di­gung über­lebt das Pro­jekt. Bis heu­te steht die »Kof­fer« für ge­leb­te To­le­ranz zwi­schen al­len Al­ters- und so­zia­len Schich­ten.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 59 Min.

Hier könnt Ihr den Film über Die Kof­fer an­schau­en!

Februar 2024

Kli­ma schüt­zen ist kein Ver­bre­chen – Aktivist*innen im Por­trait

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Seit 2019 gibt es die Ortsgruppe Nürnberg-Fürth-Erlangen. Jeden Mittwoch um 18:30 Uhr treffen sie sich im Plenum.

Seit mehr als ei­nem Jahr be­glei­ten wir die Nürn­berg Für­ther Orts­grup­pe von Extinc­tion Re­bel­li­on, kurz XR.

Extinction Rebellion fordert den sofortigen Ausstieg aus den fossilen Energien

Die Klimaaktivist*innen ver­su­chen, Po­li­tik, Wirt­schaft und Be­völ­ke­rung da­von zu über­zeu­gen, dass un­ser der­zei­ti­ges Han­deln nicht aus­reicht, um die Erd­er­wär­mung, wie von der Welt­ge­mein­schaft be­reits 1997 im so­ge­nann­ten Kyo­to­pro­to­koll be­schlos­sen, auf 1,5 Grad zu be­gren­zen.

Die-in im Rahmen einer Demonstration zum Thema Artensterben und Erhaltung der Biodiversität

Um auf die Dring­lich­keit der Si­tua­ti­on auf­merk­sam zu ma­chen, or­ga­ni­siert XR phan­ta­sie­vol­le Pro­test­ak­tio­nen und greift da­bei auch auf For­men des Zi­vi­len Un­ge­hor­sams zu­rück.

Blockade am Nürnberger Hauptbahnhof – am Klavier Sarah Kuhn: 'Wie kann man zugucken und nichts tun?'

Zwei Aktivist*innen möch­ten wir in die­sem Por­trait nä­her vor­stel­len: Sa­rah Kuhn ist 26 und hat vor kur­zem ihr Mu­sik­stu­di­um ab­ge­schlos­sen. (Fo­to: Flo­ri­an He­nig)

Ziviler Ungehorsam beim Lobbyverband Zukunft Gas – Achim Scheidl: 'Wir sind nicht die Bösen, fossile Lobby, Zukunft Gas, das sind die Übeltäter, die die Regierung einwickeln.'

Achim Scheidl ist 58, selbst­stän­dig und im Be­reich En­er­gie­tech­nik tä­tig. (Fo­to: Ste­fan Müller/PIC ONE)

Vor gut ei­nem Jahr stan­den die bei­den erst­mals vor Ge­richt. Sie hat­ten an ei­ner Stra­ßen­blocka­de teil­ge­nom­men, um so der For­de­rung nach ei­nem Es­sens­ret­ten­ge­setz Nach­druck zu ver­lei­hen. Das Ge­richt ver­ur­teil­te sie und at­te­stier­te ih­nen in der Ur­teils­be­grün­dung »ver­werf­li­ches Han­deln«. Das woll­ten die bei­den und ih­re Mit­an­ge­klag­ten nicht ak­zep­tie­ren und gin­gen in Be­ru­fung. Sa­rah: »Es ist nicht ver­werf­lich, sich für den Er­halt von Men­schen­le­ben und von der Ar­ten­viel­falt ein­zu­set­zen. Und ge­nau das ha­ben wir ge­tan.« Achim: »Ich will ei­nen Frei­spruch, weil ich nicht als ver­werf­lich han­delnd durchs Le­ben ge­hen möch­te.«

Sarahs Freund*innen - Adrian: 'Der Prozess hat Sarah sehr belastet.' - Isabell: 'Ich mache mir auch große Sorgen um Sarah, dass sie einfach irgendwie nicht genug aufpasst auf sich selbst.'

Wir ha­ben Sa­rah und Achim in der Zeit zwi­schen den bei­den Pro­zes­sen bei ih­ren kli­ma­ak­ti­vi­sti­schen Ak­ti­vi­tä­ten be­glei­tet und mit Freun­den von Sa­rah und Achims Ehe­frau ge­spro­chen.

Achims Frau Katrin: 'Wenn ich jetzt sagen würde, ich finde das doof, was du machst, ich will das nicht… und er würde tatsächlich aufhören, da würde ganz viel kaputt gehen.'

Wir ha­ben zwei Men­schen ken­nen ge­lernt, die aus Ver­zweif­lung über die Ne­gie­rung der Kli­ma­kri­se von Po­li­tik und Be­völ­ke­rung in ih­rem Pro­test be­wusst Ge­set­ze bre­chen, um auf die Dring­lich­keit des Han­delns hin­zu­wei­sen und da­bei ho­he Geld­stra­fen und im Ex­trem­fall so­gar ei­ne Vor­stra­fe oder Ge­fäng­nis ris­kie­ren.

Achim und seine Anwältin vor Gericht

Achim: »Ich wer­de krank da­bei, wenn ich mich ein­fach auf So­fa set­zen wür­de und nichts mehr tue, ich muss da wei­ter­ma­chen.« Sa­rah: »Ich las­se mich jetzt nicht von ei­nem Ur­teil ab­schrecken da­von, Ak­ti­vi­sti zu sein. Das war rich­tig und ich ha­be es aus Über­zeu­gung ge­tan und mei­ne Über­zeu­gun­gen ha­ben sich nicht ge­än­dert.«

Ein Film von Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 90 Min.

Hier könnt Ihr al­le 3 Tei­le in gan­zer Län­ge an­schau­en!

Oktober 2023

Für­thWi­ki – Frei­es Wis­sen für die Stadt

Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung bei der Eröffnungsfeier des FürthWiki-Ladens in der Gustavstraße

Wer schon ein­mal im In­ter­net et­was über die Stadt Fürth oder de­ren Lo­kal­ge­schich­te ge­sucht hat, wird ver­mut­lich auf den Sei­ten des Für­thWi­ki ge­lan­det sein. Seit 2007 gibt es ei­ne ei­ge­ne On­line-En­zy­klo­pä­die über die Klee­blatt­stadt, bei der sich vie­le Eh­ren­amt­li­che mit der Auf­ar­bei­tung der Stadt­ge­schich­te be­schäf­ti­gen und die­ses Wis­sen ko­sten­los im In­ter­net zur Ver­fü­gung stel­len.

Kamran Salimi und Annette von Heissen übergeben einen fotografischen Nachlass nach dessen Digitalisierung an den Leiter des Stadtarchives Dr. Martin Schramm

Die Für­ther Gu­stav­stra­ße, durch die einst mit der B8 ei­ne der wich­tig­sten Bun­des­stra­ßen der Re­gi­on führ­te, hat ei­ne lan­ge und wech­sel­vol­le Ge­schich­te hin­ter sich. So auch das Haus in der Gu­stav­stra­ße 12. Als das gro­ße La­den­lo­kal im Erd­ge­schoss im Jahr 2020 wie­der ein­mal leer stand, mie­te­te sich Für­thWi­ki hier ein.

Hans Anderer digitalisiert jahrzehntealte Ausgaben der Schülerzeitung »Die Pennalen«

Mit dem Für­thWi­ki-La­den hat das On­line-Nach­schla­ge­werk jetzt auch ei­ne ana­lo­ge An­lauf­stel­le. Mög­lich macht dies Wi­ki­me­dia Deutsch­land e. V., der deut­sche Ab­le­ger der Wi­ki­me­dia-Foun­da­ti­on, der das Pro­jekt auf Grund sei­ner Son­der­stel­lung in Deutsch­land för­dert.

Kamran Salimi fotografiert historische Artefakte auf dem großen Fototisch des FürthWiki-Ladens

Trotz ein­ge­schränk­ter Nut­zungs­mög­lich­kei­ten, die die Co­ro­na-Pan­de­mie im er­sten Jahr mit sich brach­te, ha­ben hier in­zwi­schen viel­fäl­ti­ge Ak­ti­vi­tä­ten rund um die Für­ther En­zy­klo­pä­die ei­ne Hei­mat ge­fun­den.

Bernd Jesussek interviewt einen betagten Zeitzeugen, dessen Erzählungen später als Audio-Datei im thematisch passenden FürthWiki-Artikel zum Anhören auf Mausklick verfügbar gemacht werden

Vom Mit­mach-Mitt­woch, an dem sich ak­ti­ve Mitarbeiter*innen zu­sam­men­fin­den und ge­mein­sam an Pro­jek­ten ar­bei­ten, über ei­nen rei­nen Frau­en­tag, bei dem es dar­um geht, Für­ther Frau­en­bio­gra­phien sicht­bar zu ma­chen über ei­ne wö­chent­li­che Sprech­stun­de, zu der Mensch ge­schichts­träch­ti­ge Din­ge vor­bei­brin­gen kann oder auch Fra­gen be­ant­wor­tet be­kommt, bis hin zur Ent­wick­lung von Ko­ope­ra­ti­ons­pro­jek­ten – ist hier al­les mög­lich.

Beim WomenEdit »Frauen sichtbar machen« geht es darum, vermehrt Artikel über Frauen von lokaler Relevanz zu verfassen

Für­thWi­ki nimmt der­zeit ei­ne Son­der­stel­lung un­ter den Re­gio­nal­wi­kis in Deutsch­land ein. Da­mit dies auch so bleibt, macht man sich schon jetzt Ge­dan­ken über die Zu­kunft. So stel­len sich die Ak­ti­ven bei­spiels­wei­se auch die Fra­ge, was die Ver­net­zung von Such­ma­schi­nen mit KI für Aus­wir­kun­gen auf die Auf­find­bar­keit von Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen ei­nes Re­gio­nal­wi­kis ha­ben wird.

Ein Besucher der wöchentlichen offenen Sprechstunde zeigt Ralph Stenzel eine historische Druckplatte

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 60 Min.

Hier in vol­ler Län­ge an­zu­se­hen:

Die­se Re­por­ta­ge ist un­ter frei­er Li­zenz CC BY-SA 4.0 ver­öf­fent­licht.

Mai 2023

Ge­mein­sam Ak­tiv – Die Früh­lings­re­bel­li­on von Extinc­tion Re­bel­li­on

An rund 30 Orten wie etwa bei den Unternehmen Shell, Bayer und Vattenfall in Berlin machten die Aktivistinnen auf die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen aufmerksam.

Vom 12. bis 17. April 2023 lud Extinc­tion Re­bel­li­on Kli­ma­ak­ti­vi­sti zur Früh­lings­re­bel­li­on in Ber­lin ein. Auch über 20 Men­schen aus Nürn­berg und Fürth rei­sten an, um ge­gen den Um­gang der Po­li­tik mit der Kli­ma­kri­se zu pro­te­stie­ren und sich für den Schutz der Bio­di­ver­si­tät ein­zu­set­zen.

Am Ende der satirischen Demo der Superreichen haben Aktivisti ein großes Banner vom Hotel Adlon gedropt

Auf dem Ge­län­de des In­va­li­den­parks wur­de ein Kli­ma­camp er­rich­tet, von dem aus ver­schie­de­ne Ak­tio­nen rund um den Pots­da­mer Platz und das Re­gie­rungs­vier­tel ge­plant wur­den.

Am Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fand ein symbolischer Die-In statt, um auf das Artensterben aufmerksam zu machen

Ei­ne Wo­che lang setz­te Extinc­tion Re­bel­li­on mit krea­ti­ven und phan­ta­sie­vol­len Ak­tio­nen ein Zei­chen, um Be­völ­ke­rung und Po­li­tik für die Dring­lich­keit der Er­rei­chung der selbst­ge­steck­ten Kli­ma­zie­le zu sen­si­bi­li­sie­ren.

In der satirischen Demo der Superreichen: An­zug­trä­ge­r*in­nen in Dino-Gummimasken und mit gelben Aktenkoffern in den Händen – Vertreter der fossilen Lobby

Die Ak­ti­vi­sti or­ga­ni­sier­ten Die-Ins und Flash­mobs so­wie Ak­tio­nen des Zi­vi­len Un­ge­hor­sams, bei de­nen sie kli­ma­schäd­li­che Ak­ti­vi­tä­ten von Kon­zer­nen und Lob­by­ver­ei­nen ins Zen­trum ih­rer Kri­tik rück­ten.

Ausgangspunkt der 5-tägigen Proteste war ein Klimacamp im Invalidenpark

Zu­dem gab es ei­ne »De­mo der Su­per­rei­chen«, in der sie auf sar­ka­sti­sche Wei­se de­ren Le­bens­stil an­pran­ger­ten. »Wir kön­nen es uns nicht mehr lei­sten, dass 1% der Welt­be­völ­ke­rung über 50% des Ver­mö­gens ver­fügt.«

Gerade bei nicht angemeldeten Aktionen ist Polizeikontakt nicht ausgeschlossen - hier stehen zwei Nürnberger Aktivisti in einem Polizeikessel wegen des Aufklebens von drei Stickern

Wir ha­ben die Nürn­berg-Für­ther Orts­grup­pe wäh­rend die­ser fünf Ta­ge mit der Ka­me­ra be­glei­tet und er­lebt, mit wie viel Herz­blut und Em­pa­thie sie für ih­re Über­zeu­gung kämp­fen.

An der Gehmeditation zur Biodiversitätskrise vom Brandenburger Tor zum Reichstag nahm auch Thomas Zeitler, Pfarrer in St. Egidien und Mitglied der Nürrnberger Ortsgruppe teil.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Hier könnt Ihr den Film in gan­zer Län­ge an­schau­en!

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