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Medien PRAXIS - Das point Reportage Sendungs-Blog


März 2026

Pirck­hei­mer-Preis für die Me­di­en PRAXIS

Ein­mal im Jahr ver­leiht die Aka­de­mie im Nürn­ber­ger Ca­ri­tas-Pirck­hei­mer-Haus (CPH) ei­nen Preis für Men­schen, die sich in be­son­de­rer Wei­se für die Re­gi­on ein­set­zen.

Wir freu­en uns sehr, dass wir dies­mal zu den Preis­trä­gern ge­hö­ren. Das CPH zeich­ne­te da­mit un­se­re lang­jäh­ri­ge Ar­beit als Do­ku­men­tar­fil­mer aus: »Die Ar­beit von Me­di­en PRAXIS er­in­nert uns dar­an, was gu­ter Jour­na­lis­mus lei­sten kann: Men­schen sicht­bar ma­chen, Miss­stän­de be­nen­nen und neue Per­spek­ti­ven er­öff­nen«, sag­te Ju­ry­mit­glied Ma­ri­ca Münch.

Jurymitglied Marica Münch, point-Redaktion Julia Thomas, Peter Romir, Cherima Nasa und Thomas Steigerwald mit CPH-Leiter Dr. Siegfried Grillmeyer bei der Verleihung des Caritas-Pirckheimer-Preises

Die Re­dak­ti­on point Ju­lia Tho­mas, Pe­ter Ro­mir, Cher­i­ma Na­sa, Tho­mas Stei­ger­wald und Nor­bert Gold­ham­mer, der bei der Ver­lei­hung lei­der nicht da­bei sein konn­te, be­dan­ken sich und gra­tu­lie­ren auch ganz herz­lich den an­de­ren Preis­trä­gern: dem So­zi­al­ma­ga­zin Stra­ßen­kreu­zer, den Pau­lus-Schwe­stern am Ja­kobs­platz so­wie Tho­mas Ohl­wer­ter vom Schul­re­fe­rat der Ka­tho­li­schen Stadt­kir­che Nürn­berg. Auch sie tra­gen mit ih­rer Ar­beit we­sent­lich da­zu bei, die Re­gi­on mit »Gu­ten Nach­rich­ten« zu fül­len.

März 2026

Wel­che Aus­wir­kun­gen hat Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) auf die Ge­sell­schaft?

Die­se Fra­ge ha­ben wir uns vor ei­nem Jahr ge­stellt. In der Zwi­schen­zeit ist viel pas­siert. Was vor ei­nem Jahr noch ge­gol­ten hat, ist heu­te be­reits über­holt. Nir­gend­wo sonst geht die Ent­wick­lung so schnell vor­an, wie im Be­reich der künst­li­chen In­tel­li­genz (Ar­ti­fi­cal In­tel­li­gence). Mit wel­chen Fol­gen? Wer­den wir KI da­zu nut­zen un­se­re Welt le­bens­wer­ter zu ma­chen, oder führt sie uns an den Ab­grund, zer­stö­ren wir da­mit viel­leicht so­gar die mensch­li­che Zi­vi­li­sa­ti­on?

Titelbild des Social-Media-Projekts

Wer­den 2050 ge­nau­so vie­le hu­ma­no­ide Ro­bo­ter wie Men­schen die­ses Pla­ne­ten be­völ­kern, wie ein deut­scher Ent­wick­ler von hu­ma­no­iden Ro­bo­tern vor­aus­sagt? Wer­den sie den Men­schen in der Pro­duk­ti­on voll­stän­dig ver­drän­gen?

Xiao­mi hat 2024 ei­ne Fa­brik er­öff­net, die im Jahr 2 Mil­lio­nen High­tech Smart­phones pro­du­ziert, ganz oh­ne mensch­li­che Ein­grif­fe; oh­ne ex­ter­ne Soft­ware­lö­sun­gen über­nimmt die KI Ana­ly­se, Pla­nung und Op­ti­mie­rung. Ein an­de­rer chi­ne­si­scher Her­stel­ler plant ab 2030 ähn­li­ches für die Pro­duk­ti­on von Au­tos.

Wie be­geg­nen wir deep fakes und fake news, die in­zwi­schen ei­ne Qua­li­tät er­langt ha­ben, dass sie vom Lai­en nicht mehr von der Rea­li­tät, von gut re­cher­chier­ten In­for­ma­tio­nen zu un­ter­schei­den sind?

Hun­der­te nam­haf­ter Per­so­nen aus der Wis­sen­schaft, For­schung und In­du­strie, un­ter an­de­rem auch Ro­bert Alt­mann (Open AI/ Chat GPT) ha­ben ein State­ment un­ter­schrie­ben, in dem es heißt, »KI ist so ge­fähr­lich wie Pan­de­mien und Atom­krieg«. Auch der Spie­gel ver­gleicht in sei­ner Aus­ga­be vom 26. Fe­bru­ar 2026 die Ge­fähr­lich­keit von KI mit der ei­ner Atom­bom­be.

Der Ein­satz von KI bringt kann in vie­len Be­rei­chen, ins­be­son­de­re in der For­schung und Me­di­zin sehr sinn­voll sein, KI kann aber lei­der auch miss­braucht wer­den. Was die Zu­kunft bringt, wis­sen wir nicht. Was al­ler­dings Fakt ist: wir ste­hen vor ei­nem tech­no­lo­gi­schen Um­bruch, wie wir ihn seit der In­du­stria­li­sie­rung nicht mehr er­lebt ha­ben. Von da­her ist es sinn­voll, sich der Si­tua­ti­on zu stel­len und sich zu fra­gen, wo wol­len wir hin? Braucht es Re­ge­lun­gen, wie es im­mer mehr Wissenschaftler*innen und ITler*innen for­dern, oder über­las­sen wir al­les dem frei­en Markt?

Wir ha­ben ei­ni­ge Ge­sichts­punk­te, State­ments, Fra­ge­stel­lun­gen und Ideen für un­se­re So­cial Me­dia Ka­nä­le zu­sam­men ge­tra­gen, die wir ab so­fort ver­öf­fent­li­chen wer­den. Wir wür­den uns freu­en, wenn Ihr dort (oder auch hier) Eu­re Mei­nung zu KI und de­ren mög­li­chen ge­sell­schaft­li­chen Fol­gen hin­ter­lasst.

Tho­mas Stei­ger­wald
Die­ser Text ist oh­ne den Ein­satz von KI er­stellt wor­den.

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Februar 2026

Ret­tet St. Mi­cha­el! – 50 Jah­re Für­ther Alt­stadt­ver­ein

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Die Für­ther Alt­stadt rund um St. Mi­cha­el gilt heu­te als Aus­hän­ge­schild und ei­nes der schön­sten Vier­tel der Stadt. Dass es die­sen Stadt­teil über­haupt noch gibt, ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Denn vor 50 Jah­ren stand ge­nau die­ses Vier­tel vor dem Aus.

Abrissarbeiten im Gänsbergviertel Anfang der 1960er-Jahre: Ein historisch gewachsener Teil der Fürther Altstadt wird im Zuge der Flächensanierung vollständig abgetragen und markiert einen Wendepunkt in der Fürther Stadtgeschichte – und den Ausgangspunkt für den späteren Widerstand im Viertel rund um St. Michael.

In den Jahr­zehn­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg präg­ten Flä­chen­sa­nie­rung und die Idee der au­to­ge­rech­ten Stadt die Stadt­pla­nung. Auch in Fürth. Ob­wohl die Alt­stadt den Krieg fast un­ver­sehrt über­stan­den hat­te, wur­de 1958 über das be­nach­bar­te Gäns­berg­vier­tel ei­ne Bau­sper­re ver­hängt, 1962 be­gann der Ab­riss. Ein hi­sto­ri­scher Teil der Alt­stadt ver­schwand.

Sanierung des Goldenen Schwans - bei zahlreichen Sanierungen legten Mitglieder des Altstadtvereins selbst Hand an – die Expertise und vor allem Man- und Womanpower im Verein war vorhanden.

Vor die­sem Hin­ter­grund for­mier­te sich Wi­der­stand. 1974 schlos­sen sich en­ga­gier­te Für­the­rin­nen und Für­ther zu­sam­men und grün­de­ten we­nig spä­ter die Bür­ger­ver­ei­ni­gung Alt­stadt­vier­tel St. Mi­cha­el Fürth – den heu­ti­gen Alt­stadt­ver­ein. Ihr Ziel: die Alt­stadt wie­der­zu­be­le­ben und wei­te­ren Ab­riss zu ver­hin­dern.

Erster Fürther Grafflmarkt 1975 auf dem Waagplatz. Was als Flohmarkt beginnt, wird zu einem zentralen Instrument gegen den drohenden Abriss.

Zu­nächst ging es dar­um, über­haupt wie­der Men­schen in das Vier­tel zu brin­gen. Be­reits 1975 or­ga­ni­sier­te der Ver­ein den er­sten »Graf­fl­markt« – ei­ne Ver­an­stal­tung, die sich im Lau­fe der Jah­re fest im Stadt­le­ben ver­an­ker­te.

Auch heute wird der Grafflmarkt von Vereinsmitgliedern vorbereitet – getragen von ehrenamtlichem Engagement und gemeinsamer Organisation.

Nach und nach ge­lang es, Auf­merk­sam­keit für das Vier­tel zu schaf­fen und Haus­be­sit­zer da­von zu über­zeu­gen, in die al­ten Ge­bäu­de zu in­ve­stie­ren. Der Ver­ein un­ter­stütz­te da­bei nicht nur be­ra­tend. Von Be­ginn an war das En­ga­ge­ment stark eh­ren­amt­lich ge­prägt, vie­le Mit­glie­der leg­ten selbst Hand an.

Vereinsmitglieder bereiten die Teilnahme des Vereins am Kirchweihzug vor. Auf dem Kirchweihzug wird Kuchen verteilt – „Bonbons werfen kann ja jeder – wir sind schon was Besonderes.“

Die Ein­nah­men aus dem Es­sens- und Ge­trän­ke­ver­kauf beim Graf­fl­markt und an­de­ren Ver­an­stal­tun­gen, dar­un­ter die seit 1981 statt­fin­den­de Alt­stadt­weih­nacht, flos­sen in die Ver­eins­ar­beit. So konn­te der Alt­stadt­ver­ein auch klei­ne­re fi­nan­zi­el­le Bei­trä­ge zu Sa­nie­run­gen lei­sten. Rund 50 Häu­ser wur­den auf die­se Wei­se im Lau­fe der Jah­re mit Un­ter­stüt­zung des Ver­eins in­stand ge­setzt.

Zum Jubiläum wird die eigene Geschichte sichtbar gemacht – mit Archivmaterial, Erinnerungen und Bildern aus 50 Jahren Vereinsarbeit.

Der Alt­stadt­ver­ein misch­te sich im­mer ein, wenn un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen im Vier­tel auf­ein­an­der­tra­fen – et­wa bei Fra­gen der Nut­zung, der Ga­stro­no­mie oder der Nah­ver­sor­gung. Be­reits 1979 for­der­te der Ver­ein ei­nen Knei­pen­stopp. Jahr­zehn­te spä­ter wur­de die Gu­stav­stra­ße er­neut zum Ort von Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Lärm und Nut­zung. Da­bei sprach der Alt­stadt­ver­ein nicht im­mer mit ei­ner Stim­me. Als Zu­sam­men­schluss un­ter­schied­li­cher In­ter­es­sen ge­hör­ten kon­tro­ver­se Dis­kus­sio­nen eben­so zur Ver­eins­ge­schich­te wie der Ver­such, sie aus­zu­hal­ten und wei­ter­zu­ar­bei­ten.

Beim Kirchweihzug greift der Altstadtverein auf Motive aus seiner eigenen Geschichte zurück. Alte Plakate und Bilder erinnern daran, dass viele heutige Selbstverständlichkeiten einst umkämpft waren.

Wir ha­ben den Alt­stadt­ver­ein im Ju­bi­lä­ums­jahr be­glei­tet. Der Film er­zählt die Ge­schich­te ei­nes Ver­eins, der seit sei­ner Grün­dung für bür­ger­li­ches En­ga­ge­ment steht – und sich bis heu­te für die Er­hal­tung und Wei­ter­ent­wick­lung der Für­ther Alt­stadt en­ga­giert.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Oktober 2025

Zwi­schen Alt­stadt und Ron­hof – Der Für­ther Fried­hof

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Einige Fussballfans auf dem Weg über den Friedhof in den Sportpark Ronhof, im Hintergrund ein großes Kreuz mit Jesusfigur, umgeben von Bäumen und Gräbern.

Zu sei­ner Er­öff­nung 1882 lag der Für­ther Fried­hof noch au­ßer­halb der Stadt – heu­te ist er ei­ne grü­ne Oa­se der Ru­he, ein Ort der Ge­schich­te und Be­geg­nung mit­ten in der Stadt – und an Spiel­ta­gen der »schön­ste, ru­hig­ste und kür­ze­ste« Weg für Fans der Spiel­ver­ei­ni­gung in den Sport­park Ron­hof. Für vie­le Fürther*innen ge­hört der Be­such von ver­stor­be­nen Freun­den und Fa­mi­li­en­mit­glie­dern auf dem Weg zum Fuß­ball da­zu.

Friedhofsgärtner Harald Bartilla sitzt am Steuer eines Fahrzeugs auf dem Fürther Friedhof bei einer Tour über das Gelände.

Ha­rald Bar­til­la ist hier seit 30 Jah­ren Fried­hofs­gärt­ner­mei­ster und hat viel zu er­zäh­len. Bei ei­ner Tour im Golf­cart über den 25h gro­ßen Fried­hof zeigt er uns die Ent­wick­lung des Ge­län­des und den Wan­del der Be­stat­tungs­kul­tur. Bar­til­la er­zählt von neu­en For­men des Er­in­nerns, von Bio­to­pen, Ur­nen­fel­dern und denk­mal­ge­schütz­ten Grä­bern, die zu Ge­mein­schafts­an­la­gen um­ge­stal­tet wer­den.

Felix Geismann steht vor dem denkmalgeschützten Grab seines Ur-Ur-Großvaters und zeigt auf die Grabstatue - eine weibliche Figur mit Palmwedel »Die Trauernde an der Tür zur Ewigkeit« – in der Familie Geismann nur »der Engel« genannt.

Fe­lix Geismanns Fa­mi­lie ge­hört ei­nes der über 300 denk­mal­ge­schütz­ten Grä­ber auf dem Für­ther Fried­hof. Für ihn ist der Fried­hof ein »Buch der Er­in­ne­rung«. »Hier, wo die Men­schen so wirk­lich rich­tig tot sind, sind sie auch ei­gent­lich am ein­zi­gen Ort so wirk­lich le­ben­dig, weil, wo fin­det man noch die Na­men, wo er­in­nert man sich noch an die­se Men­schen, die teil­wei­se schon 100, 120 Jah­re tot sind?«

Hanne Wiest steht mit einer Gießkanne am frisch bepflanzten Grab ihrer Eltern auf dem Fürther Friedhof. Sie berührt eines der Holzkreuze und verabschiedet sich.

Han­ne Wiest kommt re­gel­mä­ßig zum Grab ih­rer El­tern. Sie be­pflanzt die Flä­che selbst – mit Blu­men, Boh­nen und Na­sch­erd­bee­ren. Sie wünscht sich, dass auf dem Fried­hof künf­tig auch Obst- und Ge­mü­se­pflan­zen er­laubt wer­den und Kon­zer­te und Kul­tur hier statt­fin­den. Schon als Kind war sie mit ih­rer Groß­mutter auf dem Fried­hof un­ter­wegs, heu­te kommt sie mit ih­ren En­keln. »Die spre­chen mit Oma und Opa, gie­ßen, na­schen Erd­bee­ren – so bleibt der Fried­hof ein Ort des Le­bens.«

Friedhofsgärtner Harald Bartilla und Redakteurin Julia Thomas von hinten sitzend in einem Golfcart, Blick auf einen von Bartilla und seinem Team gestalteten Teil des Friedhofs – dem Garten der Vielfalt – wo auch extra ein Feld für Fans der Spielvereinigung geschaffen wurde.

Der Film be­glei­tet Men­schen, die den Fried­hof auf un­ter­schied­li­che Wei­se prä­gen – als Ar­beits­ort, Er­in­ne­rungs­ort und Teil ih­res Le­bens.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas, Cher­i­ma Na­sa und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Mai 2025

Hei­di Sill – der Wunsch nach Frei­heit

Die in Fürth ge­bo­re­ne und an der Aka­de­mie der Bil­den­den Kün­ste in Nürn­berg aus­ge­bil­de­te Künst­le­rin Hei­di Sill ist viel­schich­tig un­ter­wegs. Sie ist Zeich­ne­rin, In­stal­la­ti­ons- und Kon­zept­künst­le­rin und en­ga­giert sich seit ih­rer Stu­di­en­zeit für ih­re Künstlerkolleg*innen und Kul­tur­schaf­fen­de.

Heidi Sill beim Wandzeichnen im Kunstverein Zirndorf – beim Aufbau ihrer Ausstellung »Apokalypse« zur Biennale der Zeichnung 2025.

Nach ih­rem Stu­di­um und ei­nem Sti­pen­di­um an dem re­nom­mier­ten In­sti­tut des Hau­tes Etu­des en Arts Pla­sti­ques in Pa­ris, be­schließt sie, nach Ber­lin zu zie­hen. In ih­rer al­ten Hei­mat war ihr »die Kunst­sze­ne zu klein, es fin­det kei­ne Be­we­gung statt….“, wie sie uns in ei­nem er­sten Por­trait vor 23 Jah­ren er­zähl­te.

Heidi Sill im Gespräch mit dem Künstler Andreas Oehlert bei dessen Ausstellung im »Bernsteinzimmer«. Beide verbindet eine langjährige Freundschaft.

Doch der An­fang in der Groß­stadt ist hart. Nie­mand kennt sie. Sie jobbt, um ih­ren Le­bens­un­ter­halt zu ver­die­nen – und ent­wickelt zu­gleich un­be­irrt ih­re Kunst wei­ter. Heu­te lebt Hei­di Sill von ih­rer künst­le­ri­schen Ar­beit. Ge­blie­ben sind die The­men, die sie seit Jahr­zehn­ten um­trei­ben: das Span­nungs­feld von Äs­the­tik und Ge­walt, Kör­per­bil­der jen­seits gän­gi­ger Nor­men, die Rol­le der Frau, Fra­gen von Sicht­bar­keit, Kon­trol­le und Be­frei­ung.

Heidi Sill unter ihrer Kunst-am-Bau-Arbeit »Leiter der Welt« in der PTB Berlin – eine Installation angelehnt an die Tieftemperaturforschung im Haus.

Ne­ben ih­rer frei­en künst­le­ri­schen Ar­beit rea­li­siert sie seit mehr als 10 Jah­ren auch Kunst-am-Bau-Pro­jek­te. Für Hei­di sind das kei­ne rei­nen Auf­trags­ar­bei­ten. Sie sieht dar­in die Mög­lich­keit, ihr künst­le­ri­sches Den­ken zu er­wei­tern und mit ih­rer Kunst neue Ziel­grup­pen zu er­rei­chen – im öf­fent­li­chen Raum, in wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tu­tio­nen, im All­tag. Da­ne­ben en­ga­giert sich Hei­di Sill seit Jahr­zehn­ten kul­tur­po­li­tisch – als lang­jäh­ri­ge Vor­stän­din bzw. Spre­che­rin des BBK Ber­lin, als en­ga­gier­te Strei­te­rin für fai­re Künst­ler­ho­no­ra­re, für mehr Sicht­bar­keit von Künstler*innen.

Heidi Sill mit Stéphane Bauer (Kunstraum Bethanien, Berlin). Sie sprechen über Kürzungen im Kulturbereich und ihre frühere kulturpolitische Zusammenarbeit.

Auch wenn Hei­di sich nicht vor­stel­len kann, nach Nürn­berg zu­rück zu kom­men, die Ver­bun­den­heit zur al­ten Hei­mat ist ge­blie­ben. Sei es, um El­tern und Freun­de zu be­su­chen oder für ei­ne Aus­stel­lung mit ih­ren Ar­bei­ten, wie vor we­ni­gen Wo­chen im Rah­men der Bi­en­na­le der Zeich­nung. Ein Por­trait über ei­ne Künst­le­rin, die et­was zu sa­gen hat, künst­le­risch und ge­sell­schafts­po­li­tisch.

Heidi Sill bei der Vernissage im Kunstverein Zirndorf, flankiert von Kuratorin und Thomas Heyden. Im Hintergrund: ihre Arbeiten zu Dürers Apokalypse.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

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April 2025

WER SPIELT HIER MIT? Zu Be­such im KI-La­bor der Hoch­schu­le für Mu­sik Nürn­berg

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Professor Dr. Sebastian Trump, Inhaber des Lehrstuhls für künstliche Kreativität und musikalische Interaktion an der Hochschule für Musik Nürnberg, experimentiert seit geraumer Zeit mit KI-gesteuerten Instrumenten, hier bei den Spirio Sessions.

Elek­tro­ni­sche Mu­sik gibt es seit den 1950er Jah­ren. Was zu­nächst in ex­pe­ri­men­tel­len Stu­di­os ent­stand und spä­ter durch Bands wie Kraft­werk po­pu­lär wur­de, fand mit Künst­lern wie De­pe­che Mo­de in den 1980er Jah­ren sei­nen Weg in die Pop­kul­tur. Heu­te er­öff­net Künst­li­che In­tel­li­genz der elek­tro­ni­schen Mu­sik neue Di­men­sio­nen – mu­si­ka­lisch, tech­nisch und äs­the­tisch.

Zusammen mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Alexander Lunt probiert Professor Dr. Sebastian Trump ein KI-Modell aus.

Seit 2022 wird an der Hoch­schu­le für Mu­sik Nürn­berg un­ter der Lei­tung von Pro­fes­sor Dr. Se­ba­sti­an Trump am Zu­sam­men­spiel von Mensch und Ma­schi­ne ge­forscht. Als In­ha­ber des Lehr­stuhls für Künst­li­che Krea­ti­vi­tät und mu­si­ka­li­sche In­ter­ak­ti­on ent­wickelt Trump mit sei­nem Team in­ter­ak­ti­ve Sy­ste­me, bei de­nen KI auf mu­si­ka­li­sche Im­pul­se in Echt­zeit re­agiert.

Sina Liebel und Stella Heutling haben gemeinsam mit einer Designerin ein Stück in drei Akten für eine Performance mit der Robo Percussion produziert.

Trump, der selbst aus der Jazz­im­pro­vi­sa­ti­on kommt, ar­bei­tet mit ei­nem KI-ge­steu­er­ten Flü­gel oder ei­nem ro­bo­ti­schen Schlag­werk. Von ihm und sei­nem wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter Alex­an­der Lunt ent­wickel­te bzw. wei­ter­ent­wickel­te KI-Mo­du­le re­agie­ren auf sein Spiel, in­dem sie mu­si­ka­li­sche Mu­ster ana­ly­sie­ren und dar­aus ei­ge­ne Klang­ideen ge­ne­rie­ren.

Professor Sebastian, Trump und Alexander Lunt bauen im AI Music Lab Instrumente für das RoboPercussion Projekt auf.

Ein Ex­pe­ri­ment, das laut Se­ba­sti­an Trump noch in den Kin­der­schu­hen steckt. Den­noch ha­ben er­ste Stu­den­tin­nen im Rah­men von Pro­jek­ten be­reits ei­ge­ne Er­fah­run­gen mit der KI ge­sam­melt – auch wenn sie das mensch­li­che Ge­gen­über beim Mu­si­zie­ren bis­lang be­vor­zu­gen.

Im KI Musik-Labor arbeiten Stella Heutling und Sina Liebel an ihrem Stück mit der RoboPercussion.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 28 Min.

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Oktober 2024

Hän­de hoch, ihr Toys! Ein Künst­ler zwi­schen Är­ger­nis und Kunst

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Der Deutschen Bahn entstand im Jahr 2023 ein Schaden von rund 12 Millionen Euro durch illegales Graffiti.

Für die ei­nen ist es Kunst. Für die an­de­ren ist es Schmie­re­rei, Van­da­lis­mus, Sach­be­schä­di­gung. Lee­re Flä­chen auf dem Bahn­ge­län­de und an Zü­gen schei­nen Graf­fi­ti-Spray­er ma­gisch an­zu­zie­hen. Die Deut­sche Bahn ver­zeich­ne­te im Jahr 2023 über zwan­zig­tau­send Fäl­le von il­le­ga­lem Graf­fi­ti. Der fi­nan­zi­el­le Scha­den lag laut ei­ge­nen Aus­sa­gen bei rund zwölf Mil­lio­nen Eu­ro.

In Nürnberg versucht die Bundespolizei zusammen mit dem Sicherheitsdienst der Deutschen Bahn die illegalen Schmierereien auf dem Bahngelände einzudämmen.

Für die Bun­des­po­li­zei in Nürn­berg sind die il­le­ga­len Schmie­re­rei­en an Zü­gen und im Be­reich der Gleis­an­la­gen kein Ka­va­liers­de­likt. Zu­mal man sich bei den meist nächt­li­chen Ak­tio­nen in gro­ße Ge­fahr be­gibt. Mehr­mals im Jahr ver­un­glücken Spray­er bei sol­chen Ak­tio­nen auch mit töd­li­chem Aus­gang. Das Be­tre­ten der Gleis­an­la­gen ist le­bens­ge­fähr­lich.

Julian Golkowsky ist Graffiti-Künstler und erkennt viele historische 'Tags' und 'Writings' entlang der S-Bahnstrecke.

Graf­fi­ti-Spray­er wie Ju­li­an Gol­kow­sky se­hen sich trotz­dem nicht als Straf­tä­ter. Er ist seit vie­len Jah­ren in der Com­mu­ni­ty ver­wur­zelt und kennt die Hot­spots mit den in der Sze­ne be­rühm­ten Tags und Wri­tin­gs an den Glei­sen und auf Häu­ser­wän­den in der Stadt. Graf­fi­ti ist für ihn Kunst, Life­style, Le­bens­eli­xier.

Julian studiert Kunst an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg. Auch in seinen Arbeiten an der Hochschule beschäftigt er sich mit Zügen und dem öffentlichen Nahverkehr.

Auch in Ju­li­ans Kunst­stu­di­um an der Aka­de­mie der Bil­den­den Kün­ste in Nürn­berg spielt Graf­fi­ti ei­ne gro­ße Rol­le. Dort macht er im näch­sten Jahr Di­plom. Es gibt sein Le­ben nicht oh­ne Wri­ting.

Der Sprayer möchte jungen Menschen die Graffiti-Kunst näher bringen. Bei einem Workshop an der Georg-Holzbauer-Schule werden Ideen der Schüler umgesetzt.

Äng­ste über­win­den, ein­fach mal ma­chen, nicht nach­den­ken. Ein­stel­lun­gen wie die­se hat Ju­li­an aus dem Spray­en her­aus ge­lernt. Er möch­te die­se Er­fah­run­gen auch wei­ter­ge­ben und bringt in Work­shops an Schu­len und Ju­gend­häu­sern den Kids dort das Graf­fi­ti-Wri­ting nä­her.

In den ersten Jahren seiner Sprayer-Karriere war Sonja eine Mentorin für Julian. Von ihrer Art zu Malen konnte er viel lernen.

Ju­li­ans Kunst muss ih­ren Raum im ur­ba­nen Span­nungs­feld im­mer aufs Neue su­chen. Sie ist im­mer auch Bot­schaft, hat im­mer Aus­drucks­kraft und wird im­mer auch miss­fal­len und an­ecken.

An der Hall of Fame im Stadtteilzentrum DESI gibt es eine legale Wand. Hier haben sich schon viele Generationen von Graffiti-Sprayern verewigt.

Ein Film von Nor­bert Gold­ham­mer  •  Län­ge: 30 Min.

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September 2024

IRFAN TAUFIK – Thea­ter­le­ben

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Der Baum des Lebens - diesen Gummibaum bekam Irfan kurz nach seiner Ankunft in Deutschland geschenkt. Er begleitet ihn seit über 25 Jahren.

Man sagt es so da­hin: Thea­ter – die Bret­ter, die die Welt be­deu­ten. Für Ir­fan Tau­fik trifft es aber zu. Für ihn ist das Thea­ter Be­ruf, Be­ru­fung und der An­ker­punkt in schwie­rig­sten Zei­ten.

Irfan probt mit seiner Partnerin Ulrike Reinhold für Die Brüder der Gerechtigkeit, einem Theaterstück vom thevo zum Thema Radikalisierung

Un­ser Por­trait zeigt ihn bei der Ar­beit mit sei­nen zwei Nürn­ber­ger Thea­ter­grup­pen. Da ist das The­vo (auch be­kannt als Thea­ter von Men­schen für Men­schen). Hier wer­den in­ter­ak­ti­ve Stücke ent­wickelt, die in Schu­len und Ju­gend­treffs auf­ge­führt wer­den. Bei die­sen geht es meist um Kon­flik­te, wie Mob­bing oder Ras­sis­mus – und die Zuschauer*innen ha­ben die Mög­lich­keit, in das Stück ein­zu­grei­fen und die Hand­lung zu ver­än­dern.

Interaktive Stücke, bei denen die Zuschauer*innen selbst in die Handlung eingreifen können sind die Spezialität des Theaters thevo

In sei­ner Frei­zeit lei­tet er zu­sätz­lich das Thea­ter­la­bor in der Kul­tur­werk­statt auf AEG. Hier kom­men be­wusst die un­ter­schied­lich­sten Leu­te zu­sam­men: Men­schen je­den Al­ters, je­der Her­kunft, mit und oh­ne Be­hin­de­rung. Die viel be­schwo­re­ne (und sel­ten er­reich­te) Di­ver­si­tät und Gleich­be­rech­ti­gung – hier scheint sie er­reicht.

Im Theaterlabor bringt Irfan Taufik Menschen aller Art zusammen, um gemeinsam auf der Bühne zu stehen

Der Film ver­sucht zu er­grün­den, wie Ir­fan das ge­lingt und fin­det Ant­wor­ten in Ir­fans ei­ge­ner Ge­schich­te: Ge­bo­ren in ei­ner Thea­ter­fa­mi­lie im Nord­irak, wuchs er prak­tisch auf der Büh­ne auf. Doch Dik­ta­tur, Krieg und Flucht mach­ten der Idyl­le ein En­de – zeig­ten ihm aber auch die hei­len­de Kraft der Kunst.

Der Wert der Kunst: Im Irak mussten 'verbotene Bücher' vor dem Regime versteckt werden.

Ein Film von Pe­ter Ro­mir •  Län­ge: 30 Min.

Hier könnt Ihr das Por­trait von IRFAN TAUFIK an­schau­en!

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