Zum Inhalt springen


Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


Juni 2014

Kunst und Kultur »Auf AEG«

Der Bildhauer Sebastian Kuhn war der erste Künstler, der »Auf AEG« sein Atelier einrichtete – in der ehemaligen Staplerwerkstatt.

Als MIB das AEG-Gelände nach der Werksschließung 2007 kaufte, setzte Pro­jekt­ent­wick­ler Bertram Schultze bei dem Versuch, dem Gelände neues Leben einzuhauchen, ganz stark auf die Karte Kunst und Kultur. Schon bald hatten rund 80 Künstler auf dem Gelände eine neue Heimat gefunden und auch die Stadt Nürnberg entschied recht schnell, eine der Hallen zu kaufen, um darin eine 4800 qm große Kultur­werk­statt einzurichten.

Jedes Jahr im September findet »Offen Auf AEG« statt. An einem Wochenende können die Besucher das Gelände und die dort untergebrachten Einrichtungen und Firmen besichtigen. Gleichzeitig wird eine der noch nicht vermieteten Hallen für 14 Tage zur Galerie.

Mit einer im Jahresrhythmus stattfindenden großen Kunstaustellung, die maßgeblich durch Werke der sich »Auf AEG« befindlichen Künstler geprägt ist, gelingt es, Jahr für Jahr bis zu 20.000 Menschen auf das Gelände zu locken.

Während in fast allen Bereichen die Entwicklung positiv verläuft, ist es schwierig, das Gelände dauerhaft zu einem Galeriestandort zu entwickeln. Der Verein Zentrifuge wird im Spätsommer das Gelände verlassen.

Künstlerateliers, dazu kulturelle Veranstaltungen und die Präsentation von Kunst statt der Schaltung teurer Werbeanzeigen – das Konzept geht auf. Heute, sieben Jahre spä­ter, sind große Teile des Geländes vermietet und bald wird der Platz auf dem Gelände knapp.

Julia Frischmann, Fürther Kulturförderpreisträgerin, fasst die Situation der Künstler »Auf AEG« so zusammen: »AEG heißt ja auch: Auf eigene Gefahr.«

Aber was wird aus den Künstlern, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass sich kaum noch jemand an das ehemals schlechte Image des Geländes erinnert? Wird der Erfolg des Entwicklungskonzeptes für die Künstler zu einem Bumerang oder bleibt MIB seiner Idee treu? Wird das AEG-Gelände auch in Zukunft ein Ort sein, an dem sich Kunst, Kultur und mittelständische Unternehmen gegenseitig befruchten und so das Areal auf Dauer zu etwas Besonderem machen?

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 52 Min.

Mai 2014

Neues Leben »Auf AEG«

Die 1892 gegründete AEG entwickelt sich Anfang des 20. Jahrhunderts zum weltweit größten Industriekonzern. Unter dem AEG-Logo werden der Farbfernseher und das Bildtelefon erfunden, die elektronische Fernsehkamera und das Tonband. Das Nürn­berger Werk produziert vor alle »weiße Ware« – Waschmaschinen, Trockner und Kühl­schränke.

Rund 90 Jahre wurden auf dem Gelände der AEG in Nürnberg-Muggenhof Haushaltgeräte produziert. Foto: Deutsches Technikmuseum Berlin

Doch in den 1980er Jahren beginnt eine steile Abwärtsspirale. Im Laufe von zwei Jahrzehnten muss der einstige Weltkonzern einen Vergleich anmelden und wird von Elektrolux aufgekauft. Nach einer kurzen Erholungsphase, in der die Mit­ar­bei­ter neue Hoffnung schöpfen, kommt dann 2007 für die Produktionsstätte in Nürnberg das endgültige Aus. Das Stammwerk wird geschlossen und die Produktion nach Polen und Italien verlagert.

In 2016 eröffnet hier im ehemaligen »Bau 3« die Kulturwerkstatt »Auf AEG« mit einem Kulturladen für den Stadtteil, der Zentrale der Musikschule, dem KinderKunstRaum, der Akademie für Schultheater und Theaterpädagogik sowie Räumen für das Centro Español.

Für viele Nürnberger ist dies ein Schock. Zum einen verlieren die letzen 1.700 Mit­arbeiter ihren Arbeitsplatz, zum anderen droht das 168.000 m² große Grundstück zu einer industriellen Brache zu werden. Dazu ist es nicht gekommen. Noch bevor die letzten Arbeiter das Gelände verlassen haben, findet sich zur Überraschung vieler mit MIB ein Investor, der sich für das Gelände interessiert und es Elektrolux abkauft.

Seit 2007 ist Bertram Schultze als Projektentwickler »Auf AEG« tätig.

Zunächst wird fast ein Drittel der Gebäude abgerissen, um Raum und Licht zu schaf­fen, anschließend wird mit der Sanierung der Gebäude begonnen. Unter dem Titel »Creating communities« versucht Projektentwickler Bertram Schultze, die Flächen zu vermarkten – mit Erfolg. »Auf AEG« hat sich ein Mix aus mittelständischen Firmen, Künstlern sowie universitären und kulturellen Einrichtungen niedergelassen. Auch wenn noch immer einige Gebäude leer stehen, noch einiges aus- und umgebaut wer­den muss – auf dem AEG-Gelände ist neues Leben eingekehrt.

Anna Bittersohl bereitet ihre Arbeit für »OFFEN auf AEG« vor. Ca. 80 Künstler haben derzeit ihre Ateliers »Auf AEG« und tragen wesentlich zum positiven Image des Geländes bei.

Die Reportage gibt einen Einblick in die Entwicklungen der letzten sieben Jahre.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 28 Min.

Februar 2014

Querungen, oder: »Wie es im Leben laufen kann«

Über das Theater spielen sich wieder selbst spüren

Sie sind Verkäufer des Sozialmagazins Straßenkreuzer, haben durch unglückliche Lebens­umstände ihre Wohnung verloren oder sind durch lange Arbeitslosigkeit in Hartz IV gerutscht – so oder ähnlich lauten die Geschichten der Menschen, die sich im Rahmen der Straßenkreuzer Uni 2011 zu einem Theaterprojekt zusammen gefunden haben.

»Ich lern' da einfach wieder ganz neue Seiten an mir kennen, die so im Alltag einfach unterdrückt sind, weil man das da nicht ausleben kann«

Unter Anleitung der Schauspielerin und Regisseurin Michaela Domes haben sie zwei­ein­halb Jahre ge­probt und gemeinsam ein Theaterstück entwickelt, das den Zu­schauern einen sehr persönlichen Einblick in die Lebenswelt der Akteure ermöglicht. Der Film begleitet die Teilnehmer bis zur öffentlichen Aufführung des Stückes und lässt sie darüber er­zäh­len, warum sie an dieser Veranstaltung der Straßenkreuzer Uni teilgenommen haben, was das Projekt bei ihnen ausgelöst hat und was sie bewogen hat, ihre Situation ein Stück weit öffentlich zu machen. Eine Dokumentation, die zeigt, dass, wie es eine Teil­nehmerin ausdrückt »wir nicht als Obdachlose geboren wurden, sondern dass uns halt etwas passiert ist und dass wir aber intelligente Menschen sind, wo es vielleicht wert ist, sich auch einmal drum zu kümmern, denen was anzubieten.«

Respekt! - ist das, was sich die Teilnehmer des Theaterprojektes der Straßenkreuzer Uni wünschen

Die zweiteilige Dokumentation über das Projekt zeigen wir am Sonntag, dem 23. Fe­bru­ar und Sonntag, dem 2. März jeweils um 19:30, 21:30 und 23:30 Uhr auf unserem Sendeplatz bei FrankenFernsehen. Am Sonntag, dem 9. März können Sie zu den glei­chen Zeiten einen Zusammenschnitt der Aufführung des Stückes sehen.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 52 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Juli 2013

»Schüler fragen – Politiker antworten« – ein Projekt mit der 10c des Johannes-Scharrer-Gymnasiums

Mitte September sind Bundestagswahlen. Ein Thema, das auch in der Schule bear­beitet wird, aber bei Jugendlichen meist wenig Begeisterung auslöst. Grund genug für Medien PRAXIS e.V., das Thema gemeinsam mit Schülern des Nürnberger Johan­nes-Scharrer-Gymnasiums etwas genauer zu betrachten.

Fast 40 Schulstunden lang haben die Schüler recherchiert, diskutiert und Fragen entworfen

In dem Projekt »Schüler fragen – Politiker antworten« mit der Klasse 10c des Johan­nes-Scharrer-Gymnasiums haben Mitarbeiter von Medien PRAXIS e.V. in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Sozialkundelehrer von März bis Mitte Juli die Schüler darauf vor­be­rei­tet, jeweils halbstündige Interviews mit Bundestagsabgeordneten bzw. –kan­di­da­ten der fünf im Bundestag vertretenen Parteien zu führen, die dann auf unserem Sende­platz in fünf point Spezial-Sendungen ausgestrahlt werden.

In der Nürnberger Fußgängerzone wurden Passanten nach ihrem Wahlverhalten befragt

Auch in der 10c war das Interesse an Politik zunächst eher gering, die Aussagen der Schüler reichten von: »Oftmals verwirrend und kompliziert« bis zu »Für die meisten jungen Menschen echt uninteressant und eigentlich weiß keiner wirklich viel drüber«. Politiker waren »Leute, die versuchen, durch Verdrehung der Ereignisse Sachen für sich besser dastehen zu lassen«, »Leute, die viel reden und irgendwie nicht so viel machen« oder »sie sollten ‘nen echten Doktortitel haben, den sie sich wirklich verdient haben und wenn nicht, dann sollten sie besser lügen können«.

Höhepunkt des Projektes waren die Einzel-Interviews mit Mandatsträgern und Kandidaten für die Bundestagswahl

In Kleingruppen wurde vier Monate und fast 40 Schulstunden lang recherchiert und diskutiert. Eine Schülergruppe befragte Passanten zu deren Politikverständnis und Anfang Juli führten die Schüler die Interviews mit Bundestagskandidaten der fünf im Bundestag vertretenen Parteien.

Nach der einleitenden Reportage am kommenden Sonntag sehen Sie an den folgenden fünf Sonntagen die Interviews mit den Politikern:

Sonntag, den 11. Aug. 2013:   Harald Weinberg, MdB, DIE LINKE
Sonntag, den 18. Aug. 2013:   Tilman Schürer, FDP
Sonntag, den 25. Aug. 2013:   Uwe Kekeritz, MdB, Bündnis 90/Die Grünen
Sonntag, den 01. Sep. 2013:   Gabriela Heinrich, SPD
Sonntag, den 08. Sep. 2013:   Michael Frieser, MdB, CSU

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 18 Min.

Mai 2013

Alina aus der Ukraine -
»Es kann nicht jeder deutsch sein!«

Mit dem Ende der Sowjetunion kommt es in der Ukraine zu großen wirtschaftlichen Problemen: Viele Menschen werden arbeitslos, manchmal fehlt es selbst für das Nötig­ste am Geld. Alina ist 10 Jahre alt, als ihre Mutter und ihr Stiefvater beschließen, deshalb nach Deutschland auszuwandern. Obwohl sie bei der Ankunft außer dem Satz »Hände hoch, Hose runter« kein Wort Deutsch spricht, schafft sie es bereits nach einem Jahr auf das Gymnasium.

Im letzten Jahr hat Alina dieses Kleid noch ausgefüllt

Ihre Freizeit verbringt sie beinahe ausschließlich mit Hiphop-Tanzen. Sie trainiert fast jeden Tag und beginnt, auch andere Kids anzuleiten. Es gibt allerdings ein Pro­blem: seit es der Familie besser geht, nimmt Alina kontinuierlich zu – trotz des vielen Sports. Vor zwei Jahren war es dann soweit: Alina wiegt inzwischen soviel, dass ihr Knie nicht mehr mitmacht. Sie muss aufhören zu tanzen.

Um abzunehmen, hat Alina sich in der Ukraine operieren lassen

Den Grund für die kontinuierliche Gewichtszunahme sieht sie in der Kindheit, als es der Familie zeitweise sogar am Geld für Lebensmittel fehlte: »Wenn man mal nicht genug hat, nutzt man das sehr gerne aus, wenn man was hat, sprich sobald es uns, unserer Familie dann besser ging, hab ich angefangen zuzunehmen.« Da weder Sport noch verschiedene Diätversuche weiterhelfen, sieht sie als einzige Lösung eine Magen­verkleinerung. Sie fährt in ihre alte Heimat und lässt dort eine entsprechende Operation durchführen.

Alina fühlt sich verpflichtet, ihr Studium erfolgreich abzuschließen, damit die Emigration ihrer Eltern nicht vergebens war

Das Schicksal meint es mit Alinas Familie nicht gut. Ihr Stiefvater, ein ausgebildeter Ingenieur, findet in Deutschland keine adäquate Arbeit und verstirbt schon nach weni­gen Jahren. Für Alina, die von ihm, seit sie drei Jahre alt ist, aufgezogen wurde, ein harter Schlag, den sie aber gleichzeitig als große Verpflichtung empfindet. Sie macht ihr Abitur und beginnt, Architektur zu studieren: »Er kam hierher, damit ich auch was hab, und dadurch, dass er sich bemüht hat, dass es mir besser geht, hat es mich eigentlich motiviert zu studieren, mein Abi zu machen, das ist einfach nur ein An­reiz, dass aus mir was werden muss, weil sonst hat es sich halt nicht gelohnt, ne.«

Alinas Freundinnen zu Besuch - alle haben einen Migrationshintergrund

Trotz aller Probleme kann sich Alina heute nicht mehr vorstellen, in der Ukraine zu leben. Sie ist in Deutschland angekommen und hat hier Freunde gefunden – aus den verschiedensten Ländern, allerdings kaum Deutsche. Auch wenn Alina Deutschland inzwischen als ihre zweite Heimat sieht, fühlt sie sich nicht deutsch. »Die typisch deutschen Eigenschaften sind einfach die Ordnung, die Pünktlichkeit, das Akkurate – das bin ich einfach nicht. Ich bin weder pünktlich, noch zuverlässig noch ordentlich und vielleicht ergibt sich auch deswegen, dass wir einfach so wenige Deutsche im Freundeskreis haben.«

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 30 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Dezember 2012

Julia Frischmann – »Platz schaffen für Gedanken«

Julia Frischmann bei der Arbeit

Die Malerin, Grafikerin und Objektkünstlerin Julia Frischmann wurde vor wenigen Wochen mit dem Kulturförderpreis der Stadt Fürth ausgezeichnet. Die 27-jährige Absolventin der Nürnberger Kunstakademie hat bereits einige Preise gewonnen. Trotz ihres vergleichsweise jungen Alters hat sie bereits einen dezidiert eigenen Stil entwickelt und wird inzwischen als vielversprechendes Talent gehandelt.

Julia Frischmann im Gespräch mit Philipp Moll

Im point-Portrait stellt sich Julia Frischmann, die ihr Atelier »Auf AEG« hat, den neu­gierigen Fragen des Kabarettisten und »Weltanschauungsbeauftragten« Philipp Moll. In seiner witzigen und gleichzeitig nachdenklichen Art ermöglicht er dem Zu­schauer Einblicke in die Hintergründe des künstlerischen Schaffens von Julia Frisch­mann.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 24 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
August 2012

»Schöner kann man es nicht haben!« – Besuch in der Gartenkolonie Baggerloch

Die zweite Heimat in der Laubenkolonie

»Hier ist es einfach so friedlich!« Die junge Frau ist vom Rundblick über ihren klei­nen Garten sehr angetan: Sie hat es nie bereut, sich vor einem Jahr für das Pachten einer Parzelle in der Schrebergartenanlage Baggerloch entschieden zu haben. Neben den Alteingesessenen, die ihre Gärten hier oft schon von der Elterngeneration über­nommen haben, entdecken auch junge Menschen und Familien mit kleinen Kindern zunehmend die Kolonien als erholsamen Ausgleich zum hektischen Leben in der Stadt.

Mutter und Tochter arbeiten Hand in Hand

Insbesondere Bürger mit Migrationshintergrund sind in der Anlage verhältnismäßig stark vertreten: Eine türkische Familie hat in ihrem Garten die ideale Möglichkeit gefunden, das Beisammensein im Kreis der großen Familie mit dem Aufenthalt in der Natur zu verbinden. Ihre Nachbarn, die den Garten schon in der zweiten Generation bewirtschaften, sind gelassen, auch wenn es nebenan mal turbulenter zugeht. Sie sind Rentner, und da sie aufgrund regelmäßiger Dialyse-Behandlungen keine Reisen mehr unternehmen können, ist ihnen die grüne Oase ihres Gartens zur zweiten Heimat geworden. »Wenn wir den nicht hätten, wo willst denn dann hin?« fassen sie es kurz und bündig zusammen.

Das Pächterdasein beginnt mit Arbeit

Auch der ehemalige Vereinsvorsitzende Herr Kaiser verbringt viel Zeit im Baggerloch – manchmal mehr, als ihm lieb ist. Denn obwohl für frei werdende Gärten immer schnell ein Nachfolger gefunden werden kann, zeigen die neuen Pächter wenig Nei­gung zum Engagement in der Vereinsarbeit. Da sich schon seit Jahren kein Mitglied bereit erklärt, sein Amt zu übernehmen, führt er den Vorsitz kommissarisch weiter – trotz Gehbehinderung und seines hohen Alters von inzwischen fast 80 Jahren.

Ein Film von Cherima Nasa und Julia Thomas  •  Länge: 15 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
April 2012

Bildung für alle – Die Straßenkreuzer Uni

Dr. Thomas Heyden vom Neuen Museum Nürnberg beim Vortrag: Schönheit in der Kunst

Für Menschen, die aufgrund ihrer Biografie oder ihrer sozialen Stellung kaum mit einem universitären Bildungsangebot in Berührung kommen, rief der Verein Straßen­kreuzer e.V. vor zwei Jahren die Straßenkreuzer Uni ins Leben. Das Vorlesungs­angebot ist kostenlos und wendet sich in erster Linie an Frauen und Männer aus Einrichtungen der Obdachlosenhilfe. Der Anspruch der Organisatoren ist es, wissen­schaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln und Interessierte ohne Zugangs­schwelle an spannende Wissensgebiete heranzuführen. Dabei soll niemand ausgeschlossen werden, doch vielen Besuchern der Veranstaltungen fehlt es nicht nur am Geld, andere Bildungsangebote wahrzunehmen, sondern auch am dazu nötigen Selbstbewusstsein: »Es ist einfacher, zu so einer Veranstaltung zu gehen, wenn man weiß, die Leute haben alle eine ähnliche Geschichte wie ich, ich muss mich da nicht irgendwie vorstellen, rechtfertigen, ich werd’ nicht irgendwie komisch angeguckt.«

Zum Semesterabschluss gibt es Urkunden für erfolgreiche Teilnahme

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 25 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Januar 2012

Ein Leben in Moll – Das Orchester der traurigen Musiker

»Warum sollen wir auf der Couch liegen? Wir wollen spielen!« Für Leonid Khenkin war die Sache klar, als er 2007 beim Jobcenter vorsprach: Arbeitslose Musiker aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion sollten sinnvoll tätig werden und beispiels­weise in Kindergärten und Altenheimen auftreten.

Leonid Khenkin in einem der womöglich letzten Konzerte der »Allstars«

Aus der Idee wurde die Musikwerkstatt der gemeinnützigen Beschäftigungsgesell­schaft Noris Arbeit (NoA) geboren. Sie hat zeitweise 80 ausgebildeten Sängern und Instrumentalisten eine Anstellung auf Basis von Ein-Euro-Jobs geboten und organi­siert jährlich rund 2000 Auftritte. Weil nun die Eingliederungsmittel drastisch gekürzt worden sind, droht ihr Ende März 2012 das Aus – dies wäre das Ende für ein unge­wöhnliches Projekt, welches soziale Integration und gesellschaftlichen Auftrag auf vorbildliche Weise verbindet.

Nailia Feyzullayeva träumte von einer großen Karriere in Deutschland

Im Mittelpunkt der Reportage stehen der Orchesterleiter und Klarinettist Leonid Khenkin sowie die Opernsängerin Nailia Feyzullayeva, die mit der Hoffnung auf eine große Bühnenkarriere nach Deutschland kam. Der Film begleitet die beiden Künstler zu Proben und Auftritten und gibt Einblick in die harte Realität des Musikgeschäftes, an der ihre Träume zu scheitern drohen.

Ein Film von Gabi Pfeiffer und Thomas Steigerwald  •  Länge: 18 Min.

Oktober 2011

»Mit sich selbst im Grünen sein« – Das Waldprojekt der Drogenhilfe mudra

Bei der Nürnberger Drogenhilfe mudra stellte man in den 1980er Jahren fest, dass es für Drogenabhängige nach dem Entzug so gut wie keine Arbeitsmöglichkeiten gibt. Die Menschen hatten den Wunsch, neu anzufangen, aber es gab keine Perspektive, so dass viele wieder Kontakt zu ihrem alten Umfeld aufnahmen und rückfällig wurden. Um an dieser Situation etwas zu ändern, gründete man vor 26 Jahren das Arbeits­projekt mudra Wald & Holz.

Stefan schafft es, mit Hilfe von Methadon und der Arbeit im Waldprojekt zu überleben

Aus der anfänglichen Brennholzproduktion hat sich durch die Qualifizierung der Mit­arbeiter ein breites Leistungsspektrum entwickelt. Inzwischen ist man im Nürnberger Reichswald auch im Bereich Ausforstung und Pflege sowie der Wegesicherung aktiv. Eine körperlich schwere und in manchen Bereichen auch gefährliche Arbeit. Aber die Betroffenen sind froh über die Möglichkeit, hier ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Denn auch wenn hier Leistung gefordert ist, im Gegensatz zum ersten Arbeitsmarkt droht hier nicht gleich die Kündigung, wenn man einmal einen schlechten Tag hat oder rückfällig wird. Von daher steht Stefan, der nach 25 Jahren Heroingebrauchs jetzt seit 10 Jahren im Waldprojekt arbeitet, nicht allein mit seiner Hoffnung, »dass ich bis zu meiner Rente noch hier arbeit’, dass das noch so lang läuft halt, wenn’s geht, schaun mer halt emal.«

In bis zu 25 Meter Höhe ist nicht nur körperliche Fitness, sondern auch ein klarer Kopf gefordert

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 15 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Juli 2011

Paradiesische Zustände? Das generalsanierte Staatsschauspiel Nürnberg nach einer Spielzeit

»Paradiesische Zustände«: Während anderenorts Theater vor Kürzung oder gar Schließung zittern müssen, wurde das Schauspielhaus in Nürnberg zwei Jahre lang aufwendig generalsaniert. Nach einer langen Durststrecke, in der sich Künstler und Publikum mit provisorischen Spielstätten auseinandersetzen mussten, wurde die Sanierung im Herbst letzten Jahres abgeschlossen.

Blick vom Dach des sanierten Schauspielhauses auf die benachbarte Staatsoper

Unter dem Motto »Paradiesische Zustände« zeigte das erst vor wenigen Jahren zum Staatstheater erhobene neue Haus nach dem Umbau zahlreiche Ur- und deutsche Erstaufführungen, aber auch Inszenierungen von Klassikern. Welche Erfahrungen haben Verantwortliche und Künstler in der ersten Spielzeit gemacht? Wie steht es um das Verhältnis von Kunst und Technik? Hat sich der Aufwand gelohnt?

Szenenbild aus »Enron«

Barbara Bogen hat Vorstellungen und Proben beobachtet, hat Regisseure, Schauspie­ler, Dramaturgen sowie den Schauspielchef Klaus Kusenberg befragt: Wie paradie­sisch war sie – die erste Spielzeit?

Ein Film von Barbara Bogen und Thomas Steigerwald  •  Länge: 15 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Juli 2011

Medien PRAXIS erhält BLM-Telly

Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Lokalrundfunktage Nürnberg haben Julia Thomas und Thomas Steigerwald gestern für ihren Film »Eineinhalb Jahre andersWOHNEN« den Lokalfernsehpreis »BLM-Telly« für herausragende Leistungen im lokalen Rundfunk in Bayern in der Kategorie »Spartenprogramm und Sonder­sendung« erhalten.

Die Dokumentation begleitet über einen Zeitraum von anderthalb Jahren das alterna­tive Wohnprojekt »andersWOHNEN«, bei dem im Spätsommer 2009 38 Senioren und 10 Alleinerziehende mit ihren Kindern zusammengezogen sind, um sich in einem soge­nannten Versorgungsverbund gegenseitig zu unterstützen. »Mit viel Fingerspitzen­gefühl», so die Moderatoren der Veranstaltung, zeigt der Film, wie steinig der Weg ist, wenn 74 Menschen mit unterschiedlichsten Lebensvorstellungen zu einer Gemein­schaft zusammen wachsen wollen. Er gibt aber auch Einblicke in die schönen Seiten des Wohnexperiments und zeigt Menschen, die miteinander Spaß haben und gemein­sam neue Erfahrungen machen.

Thomas Steigerwald und Julia Thomas (links) mit zwei 'andersWOHNEN'-Mitgliedern bei der Preisverleihung

Medien PRAXIS e.V. hat das Wohnprojekt von Beginn an begleitet und daraus eine Doku­mentation erstellt, die nicht nach Schuldigen für die aufgetretenen Probleme sucht, sondern vielmehr Menschen zeigt, die mit viel Engagement für eine schöne gemeinsame Zukunft kämpfen. »es gab kein Gut und kein Böse, und ich glaube, dadurch kommt es dem wirklichen Leben ziemlich nahe.«, so Jurymitglied Dr. Rudolf Nagiller.

Wir freuen uns, dass dieser sehr arbeitsintensive Beitrag nicht nur bei den Zu­schauern gut ankam, sondern auch seitens der Jury Anerkennung erfah­ren hat.

Die frisch preisgekrönte, 3-teilige Dokumentation wird ab kommenden Sonntag, dem 10. Juli 2011, auf dem Sendeplatz der Medien PRAXIS e.V. wiederholt.

Nächste Seite »