Dezember 2025
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Vor 30 Jahren, im Dezember 1995, erhielt Medien PRAXIS e.V. eine Sendelizenz für die Metropolregion Nürnberg. Unsere erste POINT Sendung, damals noch 13:30 Minuten lang, beschäftigte sich mit der Einführung von Bürgerentscheiden auf kommunaler Ebene. Wir begleiteten den Omnibus für direkte Demokratie, der damals im ganz Bayern unterwegs war, um für die Einführung von Bürgerentscheiden zu werben.

Die Kampagne, die von mehr als 50 Bürgerinitiativen, Verbänden und Vereinen unterstützt wurde, hatte Erfolg. Trotz massivem Gegenwind von Seiten der CSU stimmten Bayerns Bürger*innen am 1. Oktober 1995 für die Einführung von Bürgerentscheiden in Bayern. Seitdem wurden in Bayern mehr als 3.700 Bürgerbegehren initiiert, von denen über 2.300 zu einem Bürgerentscheid führten.

Zu den Menschen, die damals die Kampagne unterstützten, gehörten Silvia Gauss und Tim Willy Weber. Tim fand über ein Praktikum beim »OMNIBUS für direkte Demokratie« zum Verein Mehr Demokratie e.V., für den er sich dann viele Jahre auf Bundesebene engagierte. Silvia Gauss, die Kunst studiert hatte, kam über den Künstler Joseph Beuys und seinen Begriff der »sozialen Plastik« zum Omnibus für direkte Demokratie. Auch sie engagierte sich viele Jahre für »Mehr Demokratie e.V.«, unter anderem im Bundesvorstand. Während der gemeinsamen politischen Arbeit haben sich die beiden kennen und lieben gelernt. Heute leben sie in dem Flecken Ottersberg in Niedersachsen. Wir haben die beiden besucht und wollten wissen, wie sie heute zu ihrem damaligen Engagement stehen.

Tim ist seit 2020 Bürgermeister von Ottersberg. Als Chef der kommunalen Verwaltung ist er heute Teil der repräsentativen Demokratie. Bis heute ist er aber auch ein Freund von direktdemokratischen Beteiligungsformen geblieben und sieht diese nicht als Gegenmodell, sondern als ergänzendes Gestaltungsinstrument.

Silvia Gauss hat sich inzwischen aus gesundheitlichen Gründen aus der überregionalen Politik zurückgezogen. Die Idee der Mitbestimmung begleitet sie aber weiterhin. Für sie beginnt Demokratie im direkten Zusammenleben, beispielsweise in ihrer Arbeit als Geschäftsführerin eines Waldorfkindergartens.

Neben der Arbeit im Kindergarten engagiert sich Silvia Gauss im »Raum«, einem offenen Dorftreffpunkt. Hier kommen Menschen zusammen, um zu diskutieren, zu arbeiten, zuzuhören oder einfach nur da zu sein. Ein Ort für gelebte Demokratie im Kleinen.

Der Film greift die Inhalte der ersten POINT-Reportage auf und fragt bei zwei der damaligen Akteur*innen nach, wie sie heute zu ihrem früheren Engagement stehen. Er erzählt von politischem Einsatz, der sich verändert, ohne zu verschwinden – und von Demokratie als Haltung, die über die Jahrzehnte hinweg Teil des politischen Lebens bleibt.

Hier könnt Ihr die Reportage anschauen!
November 2025
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Viele Menschen gehen davon aus, dass ein Friedhof vor allem ein Ort des Abschieds, der Stille, der Trauer ist. Doch wer heute über den Fürther Friedhof geht, merkt schnell, dass hier weit mehr passiert. Er ist Erinnerungsort, öffentlicher Raum, Treffpunkt – und Spiegel einer Stadt, in der Menschen ganz unterschiedlich mit Verlust, Ritualen und dem eigenen Älterwerden umgehen.

In »Vom Leben und Loslassen« gehen wir der Frage nach, was einen Friedhof im 21. Jahrhundert eigentlich ausmacht. Mit der Kamera haben wir uns unter die Besucherinnen und Besucher gemischt – ohne Verabredung, nur mit der offenen Frage »Was führt Sie hierher?«

Aus spontanen Begegnungen entstehen Gespräche über familiäre Prägungen, über Nähe und Distanz, über das Erinnern – und darüber, warum dieser Ort für manche Trost spendet und für andere eher ein Stück Stadtalltag ist.

Der Film zeigt den Fürther Friedhof als lebendigen sozialen Raum: vom muslimischen Grabfeld über das ehrenamtlich betriebene Friedhofscafé bis hin zu Menschen, die hier feste Rituale pflegen oder einfach nur einen stillen Weg durch die Stadt suchen.

Die Reportage erzählt davon, wie Erinnerung, Alltag und Begegnung heute nebeneinander existieren – und was dieser Ort über die Stadt, ihre Bewohner*innen und ihre Geschichte offenbart.

Oktober 2025
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Zu seiner Eröffnung 1882 lag der Fürther Friedhof noch außerhalb der Stadt – heute ist er eine grüne Oase der Ruhe, ein Ort der Geschichte und Begegnung mitten in der Stadt – und an Spieltagen der »schönste, ruhigste und kürzeste« Weg für Fans der Spielvereinigung in den Sportpark Ronhof. Für viele Fürther*innen gehört der Besuch von verstorbenen Freunden und Familienmitgliedern auf dem Weg zum Fußball dazu.

Harald Bartilla ist hier seit 30 Jahren Friedhofsgärtnermeister und hat viel zu erzählen. Bei einer Tour im Golfcart über den 25h großen Friedhof zeigt er uns die Entwicklung des Geländes und den Wandel der Bestattungskultur. Bartilla erzählt von neuen Formen des Erinnerns, von Biotopen, Urnenfeldern und denkmalgeschützten Gräbern, die zu Gemeinschaftsanlagen umgestaltet werden.

Felix Geismanns Familie gehört eines der über 300 denkmalgeschützten Gräber auf dem Fürther Friedhof. Für ihn ist der Friedhof ein »Buch der Erinnerung«. »Hier, wo die Menschen so wirklich richtig tot sind, sind sie auch eigentlich am einzigen Ort so wirklich lebendig, weil, wo findet man noch die Namen, wo erinnert man sich noch an diese Menschen, die teilweise schon 100, 120 Jahre tot sind?«

Hanne Wiest kommt regelmäßig zum Grab ihrer Eltern. Sie bepflanzt die Fläche selbst – mit Blumen, Bohnen und Nascherdbeeren. Sie wünscht sich, dass auf dem Friedhof künftig auch Obst- und Gemüsepflanzen erlaubt werden und Konzerte und Kultur hier stattfinden. Schon als Kind war sie mit ihrer Großmutter auf dem Friedhof unterwegs, heute kommt sie mit ihren Enkeln. »Die sprechen mit Oma und Opa, gießen, naschen Erdbeeren – so bleibt der Friedhof ein Ort des Lebens.«

Der Film begleitet Menschen, die den Friedhof auf unterschiedliche Weise prägen – als Arbeitsort, Erinnerungsort und Teil ihres Lebens.
August 2025
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Der Main-Donau-Kanal ist unbestritten eine der großen Ingenieursleistungen des 20. Jahrhunderts. Eine Wasserstraße, die den Main mit der Donau und damit auch die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbindet. Doch dreißig Jahre nach seiner Fertigstellung fällt die Bilanz ernüchternd aus.

Am Hafen Nürnberg, einem der größten Güterverkehrszentren Süddeutschlands, zeigt sich, wie tief die Binnenschifffahrt in der Krise steckt. Wo einst Millionen Tonnen an Kohle, Erz oder Dünger umgeschlagen wurden, liegen die Kais heute oft leer. 2023 waren es noch rund 2,5 Millionen Tonnen, im Vergleich zur Schiene ein Bruchteil. Während LKW und Bahn immer schneller und flexibler geworden sind, kämpft das Binnenschiff mit langen Transportzeiten, Wartephasen an den Schleusen und sinkender Nachfrage.

Gleichzeitig verschlingt der Erhalt der Wasserstraße enorme Summen. Brücken müssen abgerissen und neu gebaut werden, Schleusen werden für hunderte Millionen saniert. Kritiker wie der BUND Naturschutz sprechen von einem ökologisch wie ökonomisch gescheiterten Projekt, einem »Millionengrab« mitten in Bayern. Sie verweisen auf die massiven Eingriffe in Natur und Landschaft, auf entwässerte Feuchtgebiete und verlorene Artenvielfalt.

Und doch: Der Main-Donau-Kanal bleibt Teil der europäischen Infrastruktur – und er erlebt einen Wandel. Die Containerisierung hat neue Formen der Logistik hervorgebracht, und im Flusstourismus zeigt sich eine Entwicklung, die niemand übersehen kann. 2024 legten in Nürnberg 750 Kreuzfahrtschiffe mit rund 100.000 Passagieren an. Für die Stadt ein wachsender Wirtschaftsfaktor, für die Gäste aus aller Welt ein erster Eindruck von Nürnbergs Geschichte und Kultur.

Die Reportage wirft einen Blick auf ein Bauwerk voller Widersprüche: zwischen sinkendem Frachtverkehr und boomender Kreuzschifffahrt, zwischen hohen Investitionen und einer unsicheren Zukunft.

Eine filmische Bestandsaufnahme über die Bedeutung des Main-Donau-Kanals heute und die Frage, welche Rolle er morgen noch spielen kann.
April 2025
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Elektronische Musik gibt es seit den 1950er Jahren. Was zunächst in experimentellen Studios entstand und später durch Bands wie Kraftwerk populär wurde, fand mit Künstlern wie Depeche Mode in den 1980er Jahren seinen Weg in die Popkultur. Heute eröffnet Künstliche Intelligenz der elektronischen Musik neue Dimensionen – musikalisch, technisch und ästhetisch.

Seit 2022 wird an der Hochschule für Musik Nürnberg unter der Leitung von Professor Dr. Sebastian Trump am Zusammenspiel von Mensch und Maschine geforscht. Als Inhaber des Lehrstuhls für Künstliche Kreativität und musikalische Interaktion entwickelt Trump mit seinem Team interaktive Systeme, bei denen KI auf musikalische Impulse in Echtzeit reagiert.

Trump, der selbst aus der Jazzimprovisation kommt, arbeitet mit einem KI-gesteuerten Flügel oder einem robotischen Schlagwerk. Von ihm und seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Alexander Lunt entwickelte bzw. weiterentwickelte KI-Module reagieren auf sein Spiel, indem sie musikalische Muster analysieren und daraus eigene Klangideen generieren.

Ein Experiment, das laut Sebastian Trump noch in den Kinderschuhen steckt. Dennoch haben erste Studentinnen im Rahmen von Projekten bereits eigene Erfahrungen mit der KI gesammelt – auch wenn sie das menschliche Gegenüber beim Musizieren bislang bevorzugen.

Hier könnt Ihr die Reportage anschauen!
März 2025
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Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in unseren Alltag – ob beim Schreiben, Recherchieren, Übersetzen oder Musikmachen. Doch was bedeutet dieser technologische Wandel für die Kunst? Wir haben uns an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg umgehört.

Constant Dullaart ist seit 2022 Professor an der AdBK. In seiner Klasse für Vernetzte Materialität geht es dem Konzeptkünstler, der schon lange mit und über KI arbeitet, darum, seinen Studierenden mitzugeben, wie Kunst im digitalen Raum entsteht, verteilt und wahrgenommen wird – zwischen Bildschirmen, Codes, Apps und klassischen Formaten. Für ihn leben wir »in einer ikonoklastischen Zeit, in der sich alles ändert.«

Wir haben Daniel Wessolek, den Leiter des Media Lab der AdBK besucht. Hier können Studierende mit analogen und digitalen Technologien experimentieren. Der Fokus liegt auf technischem Grundlagenwissen, eigenem Programmieren und auf der Frage, wie man als Künstler*in digitale Technologien aktiv mitgestalten kann. Der KI steht er ambivalent gegenüber. »Bisher haben mich die Ergebnisse nicht überzeugt.«

Wir haben den Studenten Robin kennen gelernt, der mit Hilfe von KI ein Musikvideo generiert hat, mit Paul gesprochen, der KI für Experimente mit Klang und Musik nutzt und den frisch gebackenen Absolventen Simon Schalle getroffen, der in seiner Abschlussarbeit den Zusammenhang zwischen KI, Raumfahrt und Ressourcenpolitik thematisiert.

Hier könnt Ihr die Reportage anschauen!
In den Sozialen Medien haben wir uns mit weiteren Aspekten des Themas Kunst und Künstliche Intelligenz beschäftigt:
- Playlist »Kann KI Kunst?« auf unserem YouTube Kanal
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– Medien PRAXIS auf TikTok
Januar 2025
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Im Januar starten die Umbaumaßnahmen in der Breiten Gasse Nürnbergs. Ein Neustart soll gemacht werden. Die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt hat in den letzten Jahren schwer gelitten. Nürnberg ist da nicht alleine. Der Einzelhandel steckt seit längerem in der Krise. Auch andere Städte haben damit zu kämpfen.

Nur, was nützen neue Bänke, mehr Grün und schönere Böden, wenn der Leerstand trotzdem da ist? In der Breiten Gasse ist die Situation besonders schlimm. Nur ganz wenige inhabergeführte Geschäfte sind hier noch übrig. Viel Ramsch und Fastfood macht sich breit.

Zu allem Überfluss stehen auch die großen Areale Kaufhof und CityPoint seit Jahren leer. Den Kaufhof hat nun die Stadt Nürnberg selbst erworben. Der CityPoint hat einen anderen potenten Käufer gefunden.

Nürnberg ist bemüht, den Gebäuden wieder Leben einzuhauchen. Sind solche Konsumtempel doch Anziehungspunkt und Frequenzbringer, die vom Einzelhandel gefordert werden. Aktuell wird das Kaufhof-Areal mit Kunst und Kultur bespielt. Ist das ein Konzept auch für andere Nutzungen?

Innenstädte wie Nürnberg oder Fürth suchen jedenfalls nach neuen Ideen zur Belebung ihrer Cities und Steigerung der Aufenthaltsqualität. Denn das Konsumverhalten hat sich in den letzten Jahren geändert. Onlinehandel und die wirtschaftlich schwierige Lage lässt Konsumenten ausbleiben. Was können Städte also noch dagegen tun?

Hier könnt Ihr die Reportage anschauen!
November 2024
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Seit 1987 organisiert die Initiative Mensch Mobil Motorradausflüge für Menschen mit Handicap. Möglich wurde dies, weil der ehemalige Leiter der Boxdorfer Werkstatt, Werner Kuba, selbst begeisterter Motorradfahrer, die Idee hatte, Menschen mit Handicap ein besonderes Freizeiterlebnis zu ermöglichen. Mit Hilfe der Marie-Hack-Stiftung wurden fünf Motorradgespanne angeschafft. Werner Kuba hat inzwischen aus Altersgründen das Projekt verlassen, aber die Idee lebt weiter.

Inzwischen nehmen einige der ehrenamtlichen Fahrer mit ihren eigenen Fahrzeugen an den Ausfahrten teil, so dass Mensch Mobil inzwischen mit bis zu 12 Gespannen unterwegs ist.

Höhepunkt der einmal im Monat stattfindenden Ausfahrten ist ein Gaststättenbesuch. Dabei steht für Fahrer und Mitfahrende das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund. Für Max, einen der Mitfahrenden sind die Ausfahrten eine willkommene Abwechslung vom Alltag im Wohnheim »Hier ist was geboten, du kannst gut essen und du erlebst hier was.« Für die Fahrer spricht Thomas das aus, was alle denken. »Man spürt die Freude der Mitfahrenden und das überträgt sich auch auf uns.«

Um das Projekt am Leben zu erhalten, sind die ehrenamtlichen Fahrer über die monatliche Ausfahrt hinaus gefordert. Die Streckenführung für jede Tour muss auf ihre Eignung für einen Gespannkonvoi überprüft, Gaststätten danach ausgewählt werden, ob sie für Rollstuhlfahrer*innen geeignet sind.

Die Motorräder müssen vor jeder Ausfahrt gecheckt werden, der notwendige Service an den Maschinen durchgeführt werden. Da die Motorräder inzwischen über 40 Jahre alt sind, stehen auch immer wieder kleinere Reparaturen an.

Damit die Motorräder in absehbarer Zeit erneuert werden können, wird dringend ein Sponsor gesucht, denn der Wunsch, das Projekt weiter zu führen, ist nicht nur bei Wolfram vorhanden: »Ich habe eigentlich noch nie daran gedacht, aufzuhören, nur altersbedingt wird mir irgendwann eine Grenze gesetzt sein.«

Der Film bietet einen Einblick in ein Projekt, das es »gehandicapten und nicht gehandicapten Menschen ermöglicht, ihr Hobby Motorradfahren zusammen zu genießen und Spaß zu haben.«

Hier könnt Ihr die Reportage anschauen!