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Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


« Neue Sendezeit Ein paar Gedanken zum Thema Kommunikations­kultur »

Lebenslust, Lebensfrust – vom spannungsreichen Leben in der Gustavstraße

Mit ihren 18 gastronomischen Betrieben, vielen kleinen Geschäften und schön sanier­ten alten Häusern ist die in der Fürther Altstadt gelegene Gustavstraße ein Ort, der Menschen weit über die Stadtgrenzen hinaus anzieht. Doch während die Besucher den südländisch wirkenden Charme genießen, hat sich die Straße in den letzten Jahren für einige Anwohner zum Albtraum entwickelt.

Das südländische Flair der Gustavstraße zieht vor allem in den Sommermonaten viele Gäste an

Die Ausweitung der Freischankflächen vor den Gaststätten und die steigende Anzahl von Festen mit der Möglichkeit, an den Sommerwochenenden bis 24.00 Uhr im Freien zu sitzen, haben dazu geführt, dass sich im Jahr 2010 etwa 80 Anwohner bei der Stadt über den zunehmenden Lärm in ihrem Wohnumfeld beschweren. Zwischen Wir­ten und Anwohnern werden Vereinbarungen geschlossen, die aber nach Ansicht letz­terer nicht wirklich eingehalten werden. Anwohner sehen ihre Gesundheit be­droht. Wirte hingegen beklagen, dass ihre wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel stehe.

Ein Anwohner beim Messen der Lärm-Emmissionen in der Gustavstraße

Im Sommer 2012 eskaliert die Situation: Ein Anwohner wird als psychisch krank diffa­miert, im Internet werden T-Shirts mit ehrverletzenden Aufdrucken angeboten und die öffentlich gehaltene Rede eines Musikers führt zu sehr emotionalen Äuße­rungen gegen die Beschwerdeführer. Der Rechtsreferent der Stadt Fürth spricht von faschi­stoi­den Methoden, das Klima in der Gustavstrasse scheint endgültig vergiftet. Droht der gastronomischen Vorzeigestraße Fürths das Aus?

Der Grafflmarkt ist das erste und traditionsreichste Fest in der Gustavstraße

Der Film dokumentiert die Entwicklungen der letzten Monate, gibt der Stadt Fürth, Anwohnern, Wirten und Besuchern der Gustavstraße die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzustellen und stellt die Frage, wie man dort wieder zu einem friedlichen Mit­einander finden kann.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: ca. 70 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
preisgekrönter Film Dieser Film hat eine Auszeichnung bekommen.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
  1. Medien PRAXIS e. V.  •  2. Feb. 2013

    Pressespiegel: »Der Gustavstraßen-Streit im Fernsehen« (FN)

    #1 

  2. Eleonore Dittrich  •  3. Feb. 2013

    Ich bin der Meinung, daß der Streit nur dadurch geschlichtet werden kann indem die Stadt Fürth die Sperrzeit für Außenbestuhlung/Bewirtung bei 23:00 Uhr belässt, strickt einhält und auch überwacht.

    Die, wie gezeigt, in den letzten Jahren immer weiter ausgedehnte Zeit für Außen­bestuhlung und Bewirtung diente nur den Gastwirten, deren Profit wuchs und wuchs.

    Es haben aber auch die Anwohner ein Anrecht auf Nachtruhe – oder können Sie sich vor­stellen in der Gustavstaße zu wohnen, tagein und tagaus, wochtags wie am Wochen­ende keine Ruhe zu finden.

    Die Aussage der Wirtin vom Gelben Löwen, daß ein Anwohner ‚krank‘ wäre finde ich unverschämt – hier scheint nur der Profit im Vordergrund zu stehen, auch hat sie durchaus die Möglichkeit auf Ihre Gäste einzuwirken und um Rücksicht auf die Anwohner zu bitten.

    #2 

  3. Gaby Wohlrab  •  4. Feb. 2013

    Grundsätzlich verstehe ich, dass es ärgerlich ist, wenn man ein Haus kauft, es teuer saniert und dann feststellt, dass man sich bezüglich des Umfeldes verschätzt hat.

    Es ist mir allerdings unbegreiflich, wie man auf die Idee kommt, es ließe sich in einer Kneipenstraße vollkommen beschaulich und ruhig wohnen. Das wäre für mich ähnlich absurd, wie wenn jemand neben eine Autobahn zieht und dann überrascht ist, dass dort nachts Autos fahren, ja, dass der Autoverkehr in den letzten Jahren sogar zugenommen hat.

    Ich persönlich empfinde es als Einschränkung, wenn man in den wirklich seltenen warmen Nächten gemütlich vor einer Kneipe sitzt und völlig verfrüht gehen muss, weil einzelne Anwohner nicht bedacht haben, dass in einer Kneipenstraße ein gewisser Publikumsverkehr herrscht und die Besucher nach der Sperrzeit nicht genau auf den Punkt aufspringen und nach Hause schleichen. Gott sei Dank haben wir in Fürth eine schöne Kneipenstraße mit Kneipen, die auch frequentiert werden. Wer das nicht schätzt, sollte besser umziehen. Er erspart sich und anderen damit eine Menge Ärger.

    #3 

  4. Medien PRAXIS e. V.  •  4. Feb. 2013

    Pressespiegel: »Gericht bremst Gelben Löwen aus« (FN)

    #4 

  5. Günter Reichert  •  4. Feb. 2013

    Liebes Medien PRAXIS – Team,

    ich möchte es nicht versäumen zu dem hervorragenden Filmbeitrag über den Streit in der Gustavstraße zu gratulieren. Solche Beiträge würden wir uns mehr wünschen. Weiter so !

    #5 

  6. Kurt Böhm  •  4. Feb. 2013

    Wenn ein Wirt – hier der Wirt von der »Kaffeebohne« – mit Vorsatz Regelungen und Auflagen der Stadt nicht einhält, so bringt er nicht die Voraussetzungen mit, ein Lokal zu führen. Wenn Bußgelder nicht Abhilfe schaffen, so muss die Lizens entzogen und das Lokal geschlossen werden.

    #6 

  7. Jens Graeser  •  4. Feb. 2013

    Sehr geehrter Herr Böhm,

    wenn es so wäre wie Herr Schwalme behauptet hätte ich bestimmt auch schon Bußgelder bezahlt. Herr Schwalme lügt mit der Behauptung ich würde mich nicht an Auflagen und Regeln halten. Ich informiere Sie gerne persönlich, rufen Sie mich doch an, 0171-4189511.

    #7 

  8. Philipp Neumaier  •  4. Feb. 2013

    die ganze diskussion ist doch absolut provinzieller unsinn. schon mal was von einer sperrstunde auf der Reeperbahn gehoert?! ich glaube nicht. wer in die gustavstraße zieht, muss mit einschraenkungen leben koennen. es ist und bleibt der einzige straßenzug, der derartig frequentiert wird. wem es dort zu laut ist, soll ausziehen. wer sich vor dem kauf einer wohnung in fuerths altstadt nicht richtig informiert hat, dem kann nur eins gesagt werden: dummheit schuetzt vor strafe nicht.

    #8 

  9. Peter Fritsch  •  4. Feb. 2013

    Zunächst einmal alle Hochachtung an die Filmemacher, die sich an das Thema heran­getraut haben. Mit so etwas macht man sich gemeinhin keine Freunde, aber die Art und Weise wie Sie die Parteien im ersten Teil der Reportage zu Wort kommen lassen ohne zu werten, das verdient allen Respekt.

    Was ich nicht so ganz verstehen kann ist die Argumentation der Wirte. In jedem IHK Lehrgang bekommt man erklärt, dass Sperrstunde nicht heißt Ausschankschluss, sondern dass zu diesem Zeitpunkt der Betrieb komplett abgewickelt sein muss. Wenn man Sonderregelungen wie verkürzte Sperrzeiten hat und mit denen so umgeht, dann darf man sich nicht wundern, wenn sich Anwohner beschweren. Viele Kollegen haben da ganz andere Probleme, einige müssen inzwischen Punkt 22.00 Uhr Schluss machen. Die würden die Fürther Verhältnisse nur zu gern übernehmen.

    Ich weiß wovon ich spreche, Ich habe 10 Jahre lang einen Biergarten mit über 200 Plätzen betrieben und hatte keine Möglichkeiten bis 23.30 Uhr oder noch länger zu öffnen. Trotzdem gab es auch bei mir immer wieder Anwohner, denen es zu laut war und die sich beschwert haben. Einer schrie sogar jeden Tag Punkt 22.00 Uhr von seinem Balkon mehrmals hinter einander »A Ruah jetzt ihr Gesindel«.

    Ich habe festgestellt, dass man bei den meisten Menschen etwas erreichen kann, wenn man auf sie zugeht und Ihnen auch mal eine Brotzeit oder ein, zwei Bier ausgibt. Abgesehen davon ist es auch nicht verkehrt sich mal dazu zu setzen und sich derer Nöte anzuhören. Selbst mein ungeliebter Schreihals konnte so und mit Hilfe eines anderen Nachbarn beruhigt werden und hat zwei Jahre später sogar seinen 50ten Geburtstag bei mir gefeiert.

    Ich bin gespannt auf den zweiten Teil – vielleicht hat man ja schon einen Schritt aufeinander zugemacht und die Fürther können im nächsten Sommer wieder das schöne Ambiente genießen.

    #9 

  10. Manfred Jäger  •  5. Feb. 2013

    Hallo,

    ich habe mir den ersten Beitrag zwei mal angesehen. Mir war wichtig zu erfahren, was die betroffenen Nachbarn zu sagen haben. Eins vorweg: Sie haben sich um eine umfassende Dokumentation bemüht, und das ist Ihnen auch hervorragend gelungen. Einige Äußerungen von den Interviewten kann ich nicht glauben, da ich als fast Nachbar (Königstraße 69) sehr viel selbst miterlebt habe. Wenn man nicht in der Gustavstraße wohnt, tut man sich sicher leicht. Mir ist aber auch nicht entgangen, dass einige Beteiligte offensichtlich sehr subjektiv aus ihrer persönlichen Interessens­lage berichten. Mir persönlich gefällt es z. B. auch nicht, dass immer wieder Raucher direkt vor den Eingangstüren der Lokale stehen und mich mit einer Qualmwolke empfangen. Das Rauchverbot hat seinen Preis.

    Leider ist die Situation so verfahren, dass es kaum zu einer dauerhaften Lösung kommen wird. Zu unterschiedlich sind die Standpunkte. Die Stadt Fürth steht mitten in den hitzigen Diskussionen. Es ist sehr traurig, dass erwachsene Menschen nicht in der Lage sind, einen Konsens zu finden. Ich glaube auch nicht, dass irgendwelche Gerichts­entscheidungen für dauerhaften Frieden sorgen werden.

    Ich war Zuhörer, als Herr Ell 2012 seine Rede von der Musikbühne aus hielt. Damals konnte ich nicht applaudieren, weil das nach meiner Meinung unnötiges Öl ins Feuer war. Was danach geschah, zeigt deutlich die Wirkung von hochemotionalen Reden.

    Was auch immer das Verwaltungsgericht in Ansbach entscheiden wird: es wird nach meiner Meinung wieder etwas Neues gefunden, über das man sich aufregen kann. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass Herr Schwalme und Herr Graeser einmal be­freun­det waren und sogar zusammen in Urlaub gefahren sind.

    #10 

  11. Armin Stingl  •  5. Feb. 2013

    Wer die ganze Rede von Helmut Ell kennt, mag vielleicht glauben, er hätte im alten Rom einen hervorragenden Volkstribun abgeben können, ein Demagoge aber ist er mit Sicherheit nicht. Dieser Eindruck entsteht leider, wenn man nur die letzte halbe Minute der Rede sieht. Sie war auch nicht, wie suggeriert wird, Auslöser des Kon­flikts, sondern lediglich ein – leider nicht hilfreicher – Zwischenruf. Ein Zwischen­ruf frei­lich, der der Ver­zweiflung entsprungen ist. Er ist in seiner Spontaneität sympa­thisch, und sogar anrührend.

    Impulsiven Menschen kann man in Zeiten allgegegenwärtig drohender medialer Doku­men­tation nur zur Besonnenheit raten. Sie sollten ihre Gedanken mit kühlem Verstand erst einmal schriftlich formulieren, nochmals darüber schlafen und erst dann – wenn überhaupt – damit an die Öffentlichkeit gehen.

    Genau so präsentieren sich im Film nämlich die Beschwerdeführer. Mit der Sorgfalt und der inneren Ruhe von Philatelisten präsentieren sie dicke Leitz-Ordner und sog. Lärmkalender, nehmen mit beamtischer Akribie Lärmmessungen vor und machen insgesamt einen sehr kultivierten Eindruck. Sie verwalten den Streit. Er ist für sie offen­bar längst zum Hobby geworden. Im Unterschied zum stillen Sammler aber bekommen sie jede Menge Aufmerksamkeit. Jeder, der will oder auch nicht, muß daran Anteil nehmen, wie sie gewissenhaft ihr eigenes Unglück dokumentieren.

    Schade, daß es keine alten Filmaufnahmen von Matthias Bauer gibt. Jahrzehntelang war er Gast in Jens Graesers Kaffeebohne und erfreute mit Mutterwitz und einem Lacher, der nicht von schlechten Eltern ist – oder vielleicht: war (schätzungsweise 8 Dezibel ;-)).

    Immerhin muss man den Klagenden für eines dankbar zu sein: Sie führen uns vor Augen wie schnell eine Zivilgesellschaft kippen und aus einem im großen Ganzen friedlichen Ort im Nu ein Schlachtfeld werden kann. Und helfen uns so womöglich, Konflikte besser zu verstehen, die normalerweise weit entfernt von uns stattfinden (z.B. in Nordirland oder Palästina). Und über die wir sonst ratlos den Kopf schütteln.

    #11 

  12. Marcel Schwalme  •  5. Feb. 2013

    Erstaunlich, was Wirte alles von sich geben dürfen; vor allem Frau Dresel.

    Zu den Aussagen und Angaben vom 4.2. oben, von Herrn Graeser, hier ein paar Fakten zum Betrieb der Kaffeebohne:

    In 2011 hat es von Anwohnern eine Vielzahl von Beschwerden wegen Sperrzeit­über­tretungen gegeben, 24 wurden von der Stadt am 5.8. und 31.8.11 zur Klärung vom Rechtsamt Fürth behandelt.

    Im Juli 2011 schreibt Herr Graeser an das Ordnungsamt Fürth: »Ebenso waren um 2:25 Uhr die Freischankflächen vor der Bar und Bohne geräumt« und die letzten um 2:40 Uhr auf dem Heimweg. Es ging um den Grafflmarkt – Sperrzeit war um 2:00 Uhr!!!

    Am 3.9.11 schreibt Herr Graeser abermals an die Stadt, dass er die 23:00 Uhr Sperrzeit nicht einhalten wird: »Um 23 Uhr werden die noch verbliebenen Gäste aufgefordert zu gehen, hat in dem Moment ein Gast noch eine rauchende Zigarette oder ein ‚Nagerl‘ im Glas darf er bis 23:05 Uhr sitzen bleiben, ehe er massiv genötigt wird zu gehen.« … dann kommt noch die Abwicklung und das Aufräumen. Sperrzeit war 23:00 Uhr inklusive Aufräumarbeiten. Dies lässt er auch noch mal in einem Leserbrief am 10.9.11 in der FN abdrucken; auch mit seinem Hinweis, dass ihm bekannt ist, dass das Gesetz es anders vorschreibt.

    Alles in dem Jahr des Kompromisses!!! In 2 Gesprächen hat Herr Greaser uns An­woh­ner ebenso über seine Auffassung informiert, weitere Gespräche zur Verständigung wurden von ihm abgelehnt.

    In 2012 gab es ebenso sehr viele Beschwerden: 46 an die Stadt im Bereich der Frei­schank­fläche und Biergarten. Alle wurden dokumentiert und teilweise auch mit Polizei­einsatz begleitet.

    Am 2. Juli 2012 wurden meine Frau und ich auf Unterlassung von Herrn Graeser ver­klagt, diese bezog sich auf Beschwerden an die Stadt. Diese Klage hat Herr Graeser verloren! Eine Berufung steht an – da bin ich gespannt, mit welchen Argumenten jetzt dieses Thema aufgerollt wird.

    Bei diesen Themen geht es um massiven Lärm bis in die späte Nacht. Wer morgens zur Arbeit muss kann nicht bis zum frühen morgen Tag für Tag wach bleiben. Vor dem Haus hat Herr Graeser 83 Sitzplätze, im Hof (Biergarten) nach seinen Angaben 60 Plätze. Die Stadt hat für den Bereich vor dem Haus 30 Plätze berechnet und uns mitgeteilt – reguliert wird dies aber nicht.

    Da hat ein Wirt eine eigene Auslegung von Vereinbarungen und Gesetzen und schreibt dies auch noch in den Medien und wer nicht seiner Meinung ist, lügt auch noch. Dass Herr Graeser für diese Beschwerden mit Zeugen und auch mit Polizei­einsätzen keine Bußgelder bezahlt hat ist für mich nicht nachvollziehbar – woran liegt das nur?

    #12 

  13. Matthias Bauer  •  6. Feb. 2013

    Herrn Graeser kann nicht entfallen sein, dass es während der Kompromissphase ein Treffen bei mir im Geschäft gab.

    Hier waren folgende Personen anwesend: Herr Graeser, Herr Schwalme, Frau Dr. Malkmus Schwalme und Bernd Hausner, Wirt der Bar.

    Wir alle baten Herrn Graeser den Kompromiss nicht zu gefährden, da er wiederholt dadurch aufgefallen war, die Freischankfläche der Kaffeebohne nicht pünktlich um 23 Uhr zu schließen. Da das Odnungsamt leider uns Anwohnern die Kontrolle des Kompro­misses überlassen hat, haben wir diese Verstöße dem Amt mitgeteilt.

    #13 

  14. Werner Guttner  •  6. Feb. 2013

    Manchmal ist es ganz aufschlussreich nach den Verfassern von Artikeln in Google zu suchen. Was findet man beispielsweise, wenn man den Namen Armin Stingl eingibt? Interessanterweise stößt man da auf den Verein »Wir sind Fürth«. Im Impressum des Vereins ist zu lesen: Design und Redaktion Armin Stingl. Wenn man für einen Verein spricht, der mit seinem Schweigemarsch durch die Gustavstraße eindeutig Stellung bezieht, sollte man dies auch durch eine entsprechende Unterschrift unter den Kommentar zu erkennen geben. So etwas schafft Transparenz und das ist etwas was meiner Meinung nach der ganzen Geschichte rund um die Gustavstraße abgeht. Zu versuchen seinen Frust über die wie ich finde unsägliche Selbstdarstellung der Wirte an den Filmemachern ab zu reagieren, halte ich für absolut daneben.

    Was wird in dem Film suggeriert? Beide Parteien sprechen für sich selbst und das finde ich sehr erhellend. Wenn man beispielsweise den Kommentar von Herrn Schwalme liest, dann klingt die Äußerung von Herrn Graeser, dass er sich immer an die Sperrzeiten gehalten habe recht unglaubwürdig. Ich habe zwar schon vor zwei Jahren Franken verlassen, aber ich kann mich noch gut daran erinnern, dass schon damals von Herrn Graeser als »Patron der Gustavstraße« die Rede war (ganz zu schweigen von anderen Namensgebungen, die ich hier gar nicht erwähnen will). Bei mir entsteht der Verdacht, dass sich ein paar Anwohner getraut haben gegen die Allmacht der Wirte und deren Anspruch die Gustavstraße nach Ihren Vorstellungen zu »entwickeln« gewehrt haben und jetzt die Wirte mit Unterstützung von »Wir sind Fürth« versuchen mit allen Mitteln dagegen vorzugehen.

    Statt sich mit den nicht akzeptablen Beschimpfungen von Frau Dresel vor Ihren Gästen auseinander zu setzen (die meines Erachtens sogar strafrechtlich relevant sind), wirft der gute Herr Stingl den Anwohnern vor, dass sie sich trauen an die Öffentlichkeit zu gehen. Da muss ich mich schon sehr zurückhalten um nicht meiner­seits etwas zu sagen, was ich eines Tages bereuen würde.

    Und was sagt das Internet zum Herrn Ell? Ah, der ist (oder war?) Mitinhaber des Gelben Löwen. Der Wirtschaft, in der eine Frau Dresel Anwohner als psychisch krank beschimpft und dies auch noch vor laufender Kamera als gut befindet. Wohlgemerkt, sie entschuldigt sich nicht, nein, sie findet Ihr Handeln richtig! Und dann versuchen Sie diesen Herrn Ell, der seit XX Jahren auf der Bühne steht (siehe Internet), der als (Ex?)–Wirt des Gelben Löwen über die Situation genauesten Bescheid weiß, als anrüh­rend und sympathisch darzustellen. Hallo, Herr Stingl wurde bei Ihnen eine Gehirn­wäsche durchgeführt? Man sollte sich überlegen was man sagt, und wenn man einen Fehler macht, sich dafür entschuldigen.

    Ich habe mir die Mühe gemacht einige Beiträge und Kommentare in Internetforen und unter Artikeln der »Fürther Nachrichten« zu lesen. In welch infamer und niveauloser Art und Weise da polemisiert wird ist beschämend. Was allerdings auffällt ist, dass seit der Ausstrahlung des Filmes die Form der Auseinandersetzung sehr viel gemäßigter geworden ist. Allein diese Tatsache zeigt, dass sich die Mühe die sich die/der Filmemacher gemacht hat, gelohnt hat. Die Kultur einer Stadt wird entschei­dend dadurch geprägt, wie man mit Konflikten umgeht. Wenn man wie die Wirte argumentiert, dann befürchte ich bleibt keine andere Lösung, als dass Gerichte diesen Streit entscheiden müssen. Abgesehen davon, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass die Privilegien, die die Gaststätten derzeit noch genießen dann weiter Bestand haben.

    Eines kann das Gericht sicher nicht: für Toleranz in der Gustavstraße sorgen. Man kann nur an alle Beteiligten appellieren: schaltet einen Gang zurück, versucht Euch mal in die Situation des Anderen zu versetzen. Sich zu entschuldigen ist kein Zeichen von Schwäche, auf etwas beharren dagegen schon. Es gibt meines Erachtens keine andere Möglichkeit als sich zusammen zu setzen und nach einer Lösung zu suchen, mit der Alle, Anwohner, wie Gewerbetreibende, Gastwirte und Gäste leben können. Nur so kann die Gustavstraße auf Dauer überleben.

    Ich bin gespannt auf den zweiten Teil der Reportage und noch mal herzlichen Dank, dass Sie den Mut hatten dieses Thema anzugehen.

    #14 

  15. Ralph Stenzel  •  6. Feb. 2013

    Werter Herr Guttner,

    ich antworte Ihnen kurz als 1. Vorstand von Medien PRAXIS e. V.:

    Armin Stingl ist nicht nur für den Verein »Wir sind Fürth« tätig, er zeichnet auch für die Gestaltung unserer DVD-Cover verantwortlich und wird in unserem Impressum als unser Grafiker genannt.

    In einem »Kaff« wie Fürth bleibt es nicht aus, daß man sich mitunter auf verschie­denen Seiten der Debatte wiederfindet, zumal dann, wenn man mehrere Hüte auf hat, diverse Funktionen wahrnimmt und dann vielleicht auch noch langjährige Freunde aus jungen Jahren in schwelende Konflikte involviert sieht. Das kann einen zuweilen in arge Gewissenskonflikte und Erklärungsnöte bringen, und je mehr man von den Hintergründen erfährt, desto schwieriger wird das eigene Tun und Handeln für den, der einen Streit nicht befeuern, sondern schlichten will. Was macht man da am besten, wenn die Front quer durch den eigenen Kopf verläuft?

    Als Dokumentarfilmer sehen sich die Macher unserer Reportagen der Neutralität und Ausgewogenheit verpflichtet, und Sie können versichert sein, daß wir auch ab­seits des öffentlich Publizierten den Dialog suchen. Auch den mit unserem befreun­deten Grafiker Armin Stingl, dessen Recht auf seine freie Meinungsäußerung unter eigenem Namen ich hiermit leidenschaftlich verteidige, selbst wenn ich persönlich hier von ihm vielleicht eine etwas differenziertere Kommentierung unseres Films er­hofft hätte. Daß er eine integre Person ist, steht für mich gleichwohl außer Frage.

    #15 

  16. Markus Seyschab  •  6. Feb. 2013

    Da ich an der Südwesttangente wohne, kann ich nachts auch nicht mit offenem Fenster schlafen. Für rollende Erdölverbrenner gibt es noch keine Sperrstunde. Dauer­dröhnen, 24h/7Tage die Woche sind unahngenehme Realität. Gegen Geräusche von außen gibt es jedoch sehr einfache und wirkungsvolle Maßnahmen.

    1. Schallschutzfenster
    2. dezentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
    3. eventuell Klimagerät für sehr warme Nächte
    4. sound conditioner »white noise«

    Wer sein durch Lärm geschaffenes Leiden beenden möchte, wird diese Maßnahmen schnell umsetzen. Wer sich gerne in medialem Mitleid suhlt, wird es bleiben lassen.

    #16 

  17. Peter Zahn  •  6. Feb. 2013

    Wir haben in unserer geliebten Stadt eine (einzige) gerade mal ca. 200m lange Gastromeile, um die uns das komplette Umland beneidet.

    Bitte bewahrt unsere Lebensfreude in der Gustav!

    Wir brauchen keinen Kleinkrieg, der juristische und polizeiliche Ressourcen blockiert.

    HR. SCHWALME, BITTE SUCHEN SIE SICH EIN ANDERES HOBBY!!!!!

    PS: Ich lebe seit einigen Jahren in Sack, in der Einflugschneise des Nürnberger Flughafens. Jetzt ratet mal, worüber ich mich nicht beschweren kann?

    #17 

  18. Cherima Nasa  •  7. Feb. 2013

    Herzlichen Glückwunsch zu dieser ausgewogenen Berichterstattung!

    In Nürnberg lebend, aber ‚zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust‘ (also auch eine Fürther) verfolge ich den Konflikt in der Gustavstraße mit großem Interesse, aber doch als Außenstehende. Dank der Reportage wird nachvollziehbar wie sich die Fronten so verhärten konnten und – das ist meiner Meinung nach die große Kunst der Filmemacher – werde ich von beiden Seiten vereinnahmt.

    Bin schon sehr gespannt auf den 2. Teil!

    #18 

  19. Esther Paulmann  •  7. Feb. 2013

    Leider kann ich mich dem Lob einiger meiner Vorredner in keinster Weise an­schließen, aus verschiedenen Gründen hat mich der Film unglaublich geärgert:

    Herr Stenzel, Sie schreiben in Ihrem Kommentar, dass »…sich die Macher unserer Reportagen der Neutralität und Ausgewogenheit verpflichtet« sehen. Und so könnte der unbedarfte Zuschauer auch den Film verstehen. Doch genau diesen Ihren eigenen Anspruch haben Sie eben überhaupt nicht erfüllt!

    Als Journalist und Filmemacher sollte Ihnen allen klar sein, dass durch die Auswahl von Ausschnitten, Fokussierung von Teilaspekten und (un-)bewusste Auslassungen die Realität sehr leicht verzerrt dargestellt werden kann. Und genau das ist Ihnen vortrefflich gelungen!

    Für mich stellte sich während des Films die Frage: Was war das Ziel Ihrer Reportage? Gerade wenn Sie spätestens während Ihrer monatelangen Recherche gemerkt haben, wie stark das Thema die Betroffenen mitnimmt, wie hoch die Emotionen bereits gekocht sind und wie verfahren die Situation für alle in der Gustavstraße ist, halte ich viele Darstellungen und Abschnitte des Films für unsensibel und verant­wor­tungs­los. Die vermeintliche Neutralität wirkt auf mich nicht aufklärerisch. Meiner Meinung heizen Sie mit einer derart einseitigen und die Realität verzerrenden Darstellung die Stimmung nur weiter auf – was ja hier in den Kommentaren auch bereits deutlich wird.

    Um nur ein paar Punkte zu nennen, die ich für eine verfälschende Darstellung halte (und um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin selbst Anwohnerin der Gustavstraße, bin bewusst hergezogen und lebe hier ausgesprochen gerne.):

    1. Kennt man die Gustavstraße nicht, bekommt man durch Ihren Film den Eindruck, hier wäre jeden Tag so viel los, wie an den Festen. Kaum eine Kameraeinstellung zeigt die Straße mal an einem normalen Tag, an dem es für eine Innenstadtlage ausgesprochen beschaulich und ruhig zugeht.

    Über wie viele Tage reden wir denn eigentlich, an denen es draußen lauter werden kann? Auf das Jahr gesehen sind es nicht viele Tage, an denen draußen wirklich viel los ist.

    2. Die Frage, ob etwas als Lärm empfunden wird, hat meiner Meinung zwei ver­schie­dene Aspekte: Zum einen die Frage, was objektiv messbar ist. Hier kommt es mitten in der Stadt natürlich in bestimmten Situationen (Feste, einzelne Laute Gäste) auch mal zu hohen Werten, aber auch hier wieder die Frage nach der Gesamtbilanz auf das Jahr gesehen. Ein Dauerzustand wie z.B. an großen Straßen, Bahn­linien oder in Ein­flug­schneisen ist das sicher nicht.

    Der andere Aspekt ist die Frage des persönlichen Erlebens: Mir stellt sich die Gustavstraße als eine wunderbare Mischung aus dörflichen, familiären Lebens tags­über und der fröhlichen Kneipenstimmung am Abend dar. Für uns ist es einfach eine fröhliche (eigentlich), gastfreundliche, entspannte und tolerante Straße. Und als positiv, lebendig erlebe ich auch die »Geräusche« der Lokale. Es ist meist ein freundliches Stimmengewirr, das sich für mich weniger in Dezibel ausdrückt als in der Gesamtatmosphäre und die ist in der Regel fröhlich, freundlich, gelassen. Schade, wenn andere diese gleiche Situation anders erleben. Und sollte es mich mal stören, mache ich eben das Fenster zu. Am Schlaf wurde ich persönlich bisher noch nicht gehindert.

    Auch diese Art des Erlebens kommt hier in der Gustavstraße, nicht aber in Ihrem Film vor.

    3. Ein anderes Beispiel ist die Frage, ob der Kompromiss eingehalten wurde oder nicht. Hier wird im Film nur kommentarlos Aussage gegen Aussage dargestellt, ohne dass der Zuschauer die Situation letztlich beurteilen kann. Wir selbst haben als Gäste oft genug das deutliche Bemühen der Wirte, die (leider inzwischen sehr frühe) Sperrzeit von 23.00 Uhr einzuhalten, am eigenen Leib erfahren. Und da finde ich persönlich es eher nebensächlich, ob der letzte Gast einige Minuten früher oder später den Außenplatz verlässt.

    4. Als letztes Beispiel möchte ich – wie Herr Stingl – die Rede von Helmut Ell nennen. Der bei Ihnen gezeigte Ausschnitt hinterlässt natürlich den Eindruck, dass hier die Massen mit einer Hetzrede aufgewiegelt wurden. Doch um sich als Zuschauer selbst ein Urteil über die sehr vielschichtige Rede bilden zu können, hätte man die gesamte Szene zeigen müssen, was wiederum den Rahmen gesprengt hätte. Warum also mussten Sie so einen Ausschnitt auswählen?

    Vielleicht haben Sie sich mit so einem brisanten und vielschichtigen Thema schlicht übernommen. Bleibt nur zu hoffen, dass Sie mit dem Film nicht alles nur noch schlimmer machen.

    #19 

  20. Medien PRAXIS e. V.  •  8. Feb. 2013

    Pressespiegel: »Richter bremsen Ausbau des Fürther Lokals ‚Gelber Löwe‘« (FN)

    #20 

  21. Medien PRAXIS e. V.  •  8. Feb. 2013

    Sehr geehrte Frau Paulmann,

    den Vorwurf, dass wir in unserem Film ein verzerrtes Bild der Realität zeichnen, muss ich inhaltlich wie formal zurückweisen: Wenn Sie sich den Film noch einmal genauer anschauen, werden sie feststellen, dass ein großer Teil der im ersten Teil des Filmes verwendeten Bilder an normalen Sommertagen bzw. -abenden gedreht ist. Abgesehen davon wird auf eingeblendeten Schrifttafeln sehr genau belegt, wie viele Veran­stal­tun­gen im Laufe des Jahres in der Gustavstraße stattfinden und wie sich dies in den letzten Jahren verändert hat. Ein unvoreingenommener Zuschauer kann sich von daher ein Bild machen. Eine leere Straße zu zeigen, während im Kommentar von der Atmosphäre der Straße gesprochen wird, macht wenig Sinn und würde bei den Zu­schau­ern Irritationen oder Unverständnis auslösen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand annimmt, dass sich im Winter oder bei Regen Menschen­massen auf den Freischankflächen aufhalten.

    Wenn Sie versuchen, mit einer gewissen Objektivität an die Sache heranzugehen, werden Sie feststellen, dass im kompletten ersten Teil des Filmes kein einziges Bild gezeigt wird, das ein schlechtes Licht auf die Gustavstraße wirft, was wiederum von nicht genannt werden wollenden Anwohnern als verharmlosend bemängelt wird.

    Sie unterstellen uns, dass wir unsensibel und verantwortungslos handeln und damit die Stimmung weiter aufheizen. Es gibt im Film tatsächlich Äußerungen, auf die meines Erachtens Ihre Vorwürfe zutreffen könnten, nur stammen diese nicht von uns, sondern werden in Interviews geäußert.

    Der Rechtsreferent der Stadt Fürth spricht im Film davon, dass die Aus­ein­ander­setzung inzwischen faschistoide Züge angenommen hat. Ich gehe davon aus, dass auch Ihnen klar ist, dass damit nicht wir, die Filmemacher, gemeint sind. Dinge zu verschweigen, die ehrverletzend sind, zudem wiederholt öffentlich geäußert oder via Internet in die Öffentlichkeit gebracht werden und dadurch großen Einfluss auf die Meinungsbildung haben, das wäre aus journalistischen Gründen unredlich.

    Ich gebe Ihnen recht, dass es von vielen Komponenten abhängt, was man als stö­ren­den Lärm empfindet und kann Sie nur dazu beglückwünschen, dass Sie mit der Gustavstraße als Wohnort einen Platz gefunden haben, an dem Sie sich rundum wohlfühlen. Sie haben den ersten Teil des Filmes gesehen. Von daher ist Ihnen bekannt, dass es auch Menschen gibt, denen es anders geht. 2010 haben sich ca. 80 Menschen an das Ordnungsamt gewandt und sich über die Lärmimmissionen be­schwert. Was ich daran bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass sie darauf bestanden haben, anonym zu bleiben, weil sie schon damals Repressionen be­fürch­te­ten. Bei unseren Dreharbeiten mussten wir feststellen, dass sich daran bis heute nicht viel geändert hat. Ich habe noch kein Filmprojekt erlebt, bei dem so viele Menschen aus Furcht vor negativen Reaktionen oder Mobbing keine Aussage machen wollten, gleichzeitig aber so viele Personen im Schutz der Anonymität des Internets Gehässigkeiten verbreitet haben. Die Frage muss erlaubt sein, wie konnte es in dem liberalen, weltoffenen Fürth dazu kommen?

    Sie finden es nebensächlich, ob ein Wirt die Sperrstunde einhält oder nicht. Das finde ich zwar nicht, aber ich würde Ihnen in soweit zustimmen, dass es einem gut­nach­bar­schaft­li­chen Verhältnis sehr zuträglich ist, Toleranz zu zeigen. Es gibt sicher im gastronomischen Leben Situationen, die nicht unbedingt planbar sind und in deren Folge es auch hin und wieder zu Überschreitungen der Sperrzeit kommt. Da kann man (siehe Kommentar #9 von Herrn Peter Fritsch) sich entschuldigen, im besten Fall die betroffenen Nachbarn als kleine Entschädigung auf ein Bier einladen und »gut ist« (wie wir wissen, passiert dies auch in Teilbereichen der Gustavstraße). Nun gibt es aber leider auch Wirte und Anwohner, zwischen denen das gut nachbarschaftliche Verhältnis getrübt ist. Ob es dann hilfreich ist, sich stur zu stellen?

    Kurz zur Rede von Helmut Ell. Auch in diesem Fall kann ich Ihnen in einem Punkt zustimmen: Die komplette Rede in den Film aufzunehmen, das hätte den Rahmen tatsächlich gesprengt. Deshalb darauf zu verzichten, halte ich allerdings auch für schwierig. Auch wenn der Ruf »Wir sind Fürther und Ihr nicht« schon vor vielen Jahren und in einem ganz anderen Zusammenhang entstanden ist, die Situation während des Fürth Festivals hat – gewollt oder ungewollt – dazu geführt, dass eine der in den Konflikt involvierten Person damit immer wieder konfrontiert wird. Viele Menschen, die mit uns gesprochen haben und die die komplette Rede von Herrn Ell gesehen haben, sei es live oder im Internet, teilen die Meinung von Herrn Jäger, der im Kommentar #10 schreibt: »Ich war Zuhörer, als Herr Ell 2012 seine Rede von der Musikbühne aus hielt. Damals konnte ich nicht applaudieren, weil das nach meiner Meinung unnötiges Öl ins Feuer war.« Was nach der Rede geschah, zeigt deutlich, welche Wirkung hochemotionale Äußerungen haben können. Dies heißt nicht, dass ich Herrn Ell unterstelle, dass er dies erreichen wollte.

    Warum wir dieses Thema aufgreifen bzw. was wir mit dem Film erreichen wollen? Sie sprechen selbst davon, wie hochemotional und verfahren die Situation ist: Auch in diesem Punkt kann ich Ihnen nur zustimmen. Die Frage, die sich uns aus journa­listi­scher Sicht stellt ist, wie kam es dazu und welche Schlüsse zieht man daraus?

    Ich bin davon überzeugt, dass es in einer liberalen und weltoffenen Gesellschaft selbstverständlich sein sollte, sich über die Vorstellungen von beiden Seiten zu infor­mieren, bevor man sich eine eigene Meinung bildet. Genau dies scheint mir aber im Zusammenhang mit der Gustavstraße bei einem großen Teil der Menschen, die sich zu Wort gemeldet haben, nicht der Fall zu sein. Es wird zwar sehr viel über­einander, aber sehr wenig miteinander gesprochen, und damit meine ich nicht nur die Hauptkontrahenten. Wir wurden immer wieder mit der Aussage konfrontiert, dass die jeweils andere Seite nicht ruhen werde, bis entweder die Gustavstraße zu Tode beruhigt sei, oder aber die sich beschwerenden Anwohner aus der Gustavstraße weggezogen seien. Dies wird in teilweise sehr unschöner Form nicht nur verbal verbreitet, sondern auch über Facebook, verschiedene Internetforen und in Kommen­taren unter Artikeln der Fürther Nachrichten an die Öffentlichkeit gebracht. Viele dieser Dinge sind bis heute nachlesbar.

    Im Zusammenhang mit der Gustavstraße hat sich eine Kommunikationskultur entwickelt, die meiner Meinung nach nicht nur erschreckend, sondern auch für die Gustavstraße schädlich ist. Wie ich finde, Grund genug, um das Thema journalistisch aufzugreifen.

    Ich will Ihnen nichts unterstellen, aber ich nehme mal an, dass Sie gerne die Gast­stätten in der Gustavstraße besuchen und dort Ihren Feierabend mit Freunden und Bekannten genießen. So geht es sicher einigen Bewohnern der Gustavstraße, viel­leicht sogar der Mehrheit. Von daher wäre es sehr schade, wenn es zu einer weiteren Verlängerung der Sperrzeiten käme und man an einem schönen Sommerabend um 22.00 Uhr den Platz im Freien räumen müsste – das würde im Übrigen auch ich be­dau­ern. Uns zu unterstellen, dass wir mit diesem Film zu einer Eskalation des Konfliktes beitragen, halte ich für sehr gewagt.

    Fakt ist, dass Klage beim Verwaltungsgericht erhoben wurde, bevor der erste Teil dieses Filmes ausgestrahlt wurde. Es wird sich zeigen, ob es sinnvoll ist, auf eine richterliche Entscheidung zu setzen. Ich persönlich kann mir nur schwer vorstellen, dass man auf diese Weise zu einem friedlichen Miteinander kommen kann. Aber vielleicht hat ja auch jener Wirt aus der Gustavstraße recht, der uns gegenüber äußerte, »selbst, wenn das Gericht eine Verlängerung der Sperrzeit auf 22.00 Uhr und Einschränkungen bei den Veranstaltungen beschließen sollte, die Stadt wird dies nicht umsetzen«.

    Thomas Steigerwald, Redaktion point

    #21 

  22. Esther Paulmann  •  10. Feb. 2013

    Herr Steigerwald, dass Sie sich eine klare Meinung über die Vorgänge in der Gustav­str. gebildet haben und zu einer persönlichen Bewertung gekommen sind, wird nicht nur im Film sondern auch in Ihrem Kommentar sehr deutlich. Das steht jedem frei. Doch was ist weiterhin für vorwerfbar halte, sind dabei zwei Dinge:

    1. Dass Sie sich nicht zu Ihrer klaren Wertung bekennen, sondern eine vermeintliche Objektivität transportieren.

    2. Dass Sie einige Kernfragen und Aussagen nicht ausreichend überprüfen und damit als vermeintliche Tatsachen zur Grundlage Ihrer Darstellung machen.

    Gerne können wir uns darüber auch unterhalten, das habe ich die letzten zwei Jahre in zahlreichen Gesprächen mit vielen Beteiligten – und zwar mit beiden Seiten (!) – getan. Aber ich halte dafür ein Forum/Kommentar-Bereich nicht für die geeignete Plattform. Sie haben ja meine Kontaktdaten.

    #22 

  23. Medien PRAXIS e. V.  •  10. Feb. 2013

    Frau Paulmann, Ihre Unterstellung, dass wir uns im Film nicht zu einer »klaren Wertung bekennen, sondern eine vermeintliche Objektivität transportieren«, muss ich aufs Schärfste zurückweisen. Ebenso Ihre Behauptung, dass wir »Kernfragen und Aussagen« nicht ausreichend geprüft hätten.

    Die von unserer Seite in den Kommentaren gemachten Aussagen beziehen sich auf Fakten bzw. Aussagen von Behörden, die zum Teil mehrmals überprüft wurden. Von daher würde es mich wundern, wenn sich hier Fehler eingeschlichen hätten. Da Ihre Behauptung nicht spezifiziert ist, können wir dazu nichts weiter sagen.

    Die Aussagen in den Interviews der Beteiligten werden meist von der Gegenseite bzw. vom Rechtsreferenten der Stadt Fürth kommentiert. Von unserer Seite werden sie im Film nicht gewertet.

    Im Übrigen halte ich es für keinen guten Stil, Vorwürfe zu erheben und diese nicht zu belegen. Für ein klärendes Gespräch stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

    Thomas Steigerwald, Redaktion point

    #23 

  24. Tom Schreiner  •  10. Feb. 2013

    Eigentlich wollte ich bereits nach dem ersten Teil des TV-Beitrags zu dem Stil dieser vorgeblichen Dokumentation Stellung beziehen. Ich habe stattdessen gewartet und den zweiten Teil eine Chance gegeben. Unnötigerweise, wie ich jetzt weiß. Denn der zweite Teil bestätigt, ja verstärkt sogar noch die parteiische Form der Bericht­erstattung.

    Herr Schwalme darf unwidersprochen seine Meinung zu allen Themen kund tun. Er – und nur er – bekommt Sendezeit ohne Ende, um sich und seine Sicht der Dinge darzustellen. Und die anderen Anwohner der Gustavstraße? Haben die nichts zu sagen – oder wurden sie vielleicht absichtlich nicht gefragt? Oder sollten die Herren Schwalme und Bauer vielleicht die einzigen Anwohner sein?

    Wie dem auch sei – von einem sauberen journalistischen Beitrag erwarte ich eine ausgewogene (und keine offenkundig parteiische) Berichterstattung. Das bietet dieser Bericht mitnichten. Ein Beispiel: von der Ansprache, die Herr Ell im Rahmen eines Auftritts in der Gustavstraße gehalten hatte, wird bewußt oder fahrlässig ein kurzer Ausschnitt zitiert, der den Tenor dieser fast zehnminütigen Rede nicht im entferntesten wiedergibt, ihm sogar diametral widerspricht. Ein anderes Beispiel hier aus dem zweiten Teil: Bei der Berichterstattung über die Protestaktion von »Wir sind Fürth« wird am Rande erwähnt, dass es unterschiedliche Meinungen von Seiten der Fürther Bürger zu der Initiative gibt. Zufall oder nicht – es kommt nur eine Kritikerin zu Wort. Ich könnte noch viele weitere Beispiele nennen, aber das soll hier genug sein.

    Apropos »genug«: Ich habe genug von solchen Beiträgen, die vorgeben, journalistisch zu sein, letztlich aber nur Meinung machen. Nein Danke!

    #24 

  25. Georg  •  10. Feb. 2013

    Guten Abend,

    ich möchte mich an der Diskussion auch beteiligen. Lezte Woch habe ich per Zufall einen Ausschnitt gesehen und dann mir eine Widerholung angeschaut. Auf den zweiten Teil habe ich mich schon die ganze Woche gefreut um zu erfahren wie hier das ganze Enden soll. Ich fasse mal meine Eindrücke der beiden Filme zusammen :

    Auf der einen Seite gibt es Anwohner die schon seit geraumer Zeit in der Straße wohnen. Dann gibt es Gewerbetreibende wie zb.Gaststätten. Alles so weit gu, gibt es ja auch in anderen Gegenden sowas. So, nun wollen die Gaststättenbetreiber ja Geld verdienen, ist auch OK aber das ganz geht so weit das die Sperrzeitenregelung voll ausgeschöpft wird. Die Wirte halten sich nur an die Gesetze und meinen Recht zu haben. Auf der anderen Seite wollen die Anwohner nachts ihre Ruhe haben weil sie ungestört Schlafen wollen. Man stelle sich vor es wohnt dort eine Krankenschwester die am anderen Morgen fit zur Arbeit muss um anderen Menschen zu helfen. So wie die Wirte das Recht haben eine Gaststätte zu betreiben, so haben die Anwohner auch das Recht auf »NACHTRUHE« Bitte einmal selber GOOGELN was man unter Nachtruhe zu verstehen hat, dann versteht man vieleicht auch die Anwohner besser.

    Das ganze hat sich soweit aufgeschauckelt das die Stadt die Sperrzeiten auf 23:00 im Außenbereich angeordnet hat. So, nun müssen dieses auch eingehalten werden weil das so beschlossen wurde. Ich kann verstehen das jetzt mit dieser Entscheidung die Wirte nicht zufrieden sind, aber letzendlich geht die Gesundheit vor dem wirtschaflichen Aspekt vor. Die Wirte haben genügend Zeit bis 23:00 gute Umsetze zu machen und dafür sollen sie auch froh sein. Sollte das Verwaltungsgericht insoweit eine Entscheidung treffen, das die Nachtruhe einzuhalten ist, kann ich nur eines sagen das es dann mit den Gaststätten in der Gustavstraße war. Und dann sind die Gemüter erst recht aufgeschauckelt.

    Hätte man miteinander von vornerein geredet und sich an die bereits aus­gear­bei­te­ten Vereinbarungen der Stadt gehalten, dann wäre es bestimmt nicht so weit gekommen. Ich möchte mit dieser Stellungnahme mich nicht auf eine Seite stellen sondern eines Klar machen das es immer Gewinner und Verlierer geben wird.

    #25 

  26. Werner Zahn  •  10. Feb. 2013

    Als alter Fürther kann ich den Anwohnern der Gustavstraße zu den Freischankflächen nur Recht geben. Diese wurden in den letzten Jahren immer mehr ausgeweitet ohne Rücksicht auf die Anwohner zu nehmen. Schuld ist meiner Ansicht nach, in erster Linie die Stadtverwaltung, welche die Kontrolle der Gastwirte schleifen lässt. Der Oberbürgermeister hat ebenfalls nichts zur Beilegung dieses Streites getan. Er sagte ja selbst, daß die Gustavstaße so bleiben muß wie sie ist. Dabei wäre eine Begren­zung der Veranstaltungen schon ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn die Gast­wirte schon sagen, daß eine richterliche Entscheidung von der Stadt sowieso nicht durchgeführt wird, kann es keinen Frieden geben. Die Bürger, die sich »Wir sind Fürth« nennen, sollten ebenfalls kompromissbereiter sein.

    #26 

  27. Klaus Gärber  •  11. Feb. 2013

    Also, als junger Fürther möchte ich auch etwas fragen:

    Warum zieht so jemand nicht wieder weg? Ist ganz einfach, gibt kein Problem und alles ist wieder wie gewohnt! Und wenn er in Fürth bleiben will, kann er nach Dambach in den Max Grundig Park ziehen und die vorbeifahrenden Schiffe am Kanal zählen oder auch die paar Autos von der Tangente. Oder ins Gewerbegebiet zu den Kibitzen.

    Nicht falsch verstehen, ich möchte auch keine Partei ergreifen und wegen mir können die anderen Anwohner gerne dableiben, genauso wie die Wirte und zwar alle!

    Oder wir haben dann bald so eine »schöne Vorzeige-Straße« wie die Weiß­ger­ber­gasse. Da sah es früher auch etwas anders aus.

    Herzlichen Glückwunsch lieber Sender: Auf einen Bericht über den Berch in Erlangen bin ich jetzt schon gespannt…. (sollte auch dort jemand das Gericht anrufen)

    P.S. Ich wollte heute auch um 22 Uhr meine Nachtruhe genießen, bin aber zu stark aufgewühlt worden. Kann ich deswegen auch nach Ansbach schreiben?

    #27 

  28. Joachim Schmidt  •  11. Feb. 2013

    leider konnte ich ihren ersten teil, wegen urlaub nicht sehen. so kann ich nur zum zweiten teil einen kommentar abgeben. in diesem teil kam es mir so vor, als ob die wirte die hauptschuldigen am konflikt sind und herr schwalme der heilige patron.

    es war kein wort in ihren subjektiven bericht zu hören, über die tätlichen angriffe des herrn schwalme gegenüber einem besucher der gurstavstrasse. auch die illegalen bildaufnahmen des herrn schwalme wurden nicht erwähnt (hier verweise ich auf das recht am eigenen bild, welchem hier herr schwalme nicht nach kam – mich würde intressieren ob dieses bildmat. zwischenzeitl gelöscht oder noch bei herrn schwalme rumliegt). wenn man schon den einen satz des herrn ell zitiert, sollten auch diese tatsachen nicht unerwähnt bleiben, denn sonst entsteht durch ihren bericht der eindruck, dass die wirte und gäste der gaststätten an der situation schuld sind……. und das ist definitiv nicht der fall.

    würde mich also über einen objektiven dritten teil zur selben sendezeit freuen, damit sich der neutralen zuschauer ihrer doku, einen objektiven eindruck machen kann.

    freue mich schon darauf

    #28 

  29. Medien PRAXIS e. V.  •  11. Feb. 2013

    Um hier in unserem Blog eine offene und transparente Debatte zu ermög­li­chen, legt der Vereinsvorstand Wert darauf, dass sich alle Diskussions­teil­nehmer mit vollem Namen zu erkennen geben. Wir bitten Sie sehr herzlich, uns Ihren vollen Namen zu nennen – sonst wird Ihr Kommentar nicht freigeschaltet.

    Wir verifizieren bei allen hier eingehenden Kommentaren die vom Absender ange­ge­bene Mail­adresse; wird unsere Nachfrage nicht beantwortet bzw. die hinter­lassene Adresse als nicht existent gemeldet, so erfolgt keine Freischaltung.

    Wir danken für Ihr Verständnis!

    Redaktion point

    #29 

  30. Christian Kulhei  •  11. Feb. 2013

    Es ist so lächerlich hier… Ich habe den Eindruck es gibt Menschen die können sich nicht mal vorstellen, dass in anderen Bundesländern wie z.B. Hessen oder BW Super­märkte bis 24 Uhr geöffnet haben!

    Diese Spießer hier, die sich anmaßen als Minderheit mit Klagen und durch denunzieren die Mehrheit zu beeinflussen haben innerhalb der Gesellschaft ihre Rechte verwirkt. Was soll dieses kleinkarierte Verhalten? Wurde überhaupt schonmal nachgewiesen das die Veranstaltungen und die Lautstärke in der Gustav zugenommen haben – und wenn ja im Vergleich zu wann? Und wer hat ein Recht sich dann überhaupt zu beschweren, ein gerade zugezogener oder ein langjähriger Anwohner?

    Eine solche Beschwerde darf nur von einem langjährigen Anwohner unter der Voraussetzung kommen, dass hier tatsächlich über Jahre hinweg eine Zunahme stattgefunden hat!

    In anderen Ländern findet das Leben ganzjährig rund um die Uhr im Freien statt und wir beschweren uns, dass in es in der kurzen Zeit von vllt. Mai bis September und dann auch nur an den wenigen schönen Tagen, ab und an mal lauter ist? Wie krank ist das eigentlich?

    Ich hoffe diese Land und seine Menschen kommen mal von dem hohen Ross runter – wir können froh sein überhaupt den Luxus der Ruhe zu kennen, wenn auch keine 365 Tage im Jahr!

    #30 

  31. Bernd Erich  •  11. Feb. 2013

    Auch ich saß gestern vorm Fernseher, um wenigstens Teil zwei der Reportage zu sehen. Sehr professionell gemacht, überzeugte das handwerkliche Können. Über­rascht war ich allerdings, dass Sie hier in den Antworten auf die bisherigen Kom­men­tare so vehement auf die Objektivität pochen. Ein deutliche Stellungnahme pro kla­gender Anwohner war leicht zu erkennen.

    Den meisten Raum bekamen die Herren Schwalme, Bauer und Werner, die ihrerseits die treibenden Kräfte hinter der Anwohner-Klage sind. Diese Herren hatten zu Hause in ruhiger Atmosphäre Zeit, ihr Anliegen auszubreiten. Die Gastronomen hingegen wurden ausnahmslos in der Arbeitssituation auf der Straße »überfallen« und in der Regel mit Suggestivfragen bedrängt (»Sind Sie nicht auch der Meinung, dass es bes­ser gewesen wäre…«).

    Dazu dann noch die Geschichte von der armen Blumenfrau, die anscheinend Pleite ging, weil sie einmal Blumen an die falsche Seite geliefert hat. Wo waren die Stimmen der Anwohner, denen es dort nicht zu laut ist und in deren Namen die Kläger nicht sprechen? Es gibt sie, wie man den Leserbriefen der örtlichen Presse entneh­men konnte.

    Wiederholt wurde auf das geschmacklose T-Shirt hingewiesen, die Videoüberwachung des öffentlichen Raums in der Gustavstraße des Herrn Schwalme und seine physi­schen Drohungen blieben aber unerwähnt? Auch der Tonfall der sympathischen Off-Stimme bekam immer eine bedrohliche Note, wenn es um die Zunahme des Lärms in der Straße ging.

    Wo war der Vergleich mit dem Lärm, dem andere Innenstadt-Bewohner tagtäglich ausgesetzt sind? Zum Beispiel in der Königstraße zwei bis drei Wochen Kirchweih pro Jahr, ansonsten die B8 als vierspurige Durchgangsstraße mit Feuerwehr-Haupt­quar­tier? Wo war der Hinweis auf die Gentrifizierungs-Prozesse, denen Fürth ausgesetzt ist und die gerade in der Gustavstraßen-Problematik nicht unerheblich beteiligt sind?

    Falls meine Kritikpunkte alle in der ersten Folge behandelt wurden, nehme ich meine Kritik natürlich sofort zurück. Ansonsten bleibt ein ungutes Gefühl.

    #31 

  32. Susanne Colonna  •  11. Feb. 2013

    Liebes point-Team,

    sehr schade finde ich, das bei Berichterstattung über das Leben in der Gustavstraße nur sehr wenige Personen zu Wort kamen.

    Es wäre doch sicherlich der Objektivität zuträglich gewesen, vor allem über den langen Zeitraum eines Jah­res, einige der vielen anderen Händler, Geschäftsleute und Bewohner zu Wort kommen zu lassen.

    Wir sind es ja, die sich hier hauptsächlich mit dem Unfrieden und den damit verbun­denen, oft unschönen Auswirkungen, tagtäglich auseinandersetzen müssen!

    Das bis dahin so wunderbar funktionierende soziale Netz, wie ich es noch nie in einer Stadtgesellschaft vorgefunden habe, ist leider scheinbar nachhaltig zerstört!

    #32 

  33. Heinz Becker  •  11. Feb. 2013

    Herr Schreiner und Frau Paulmann, Sie werfen den Filmemachern vor, dass sie parteiisch seien. Warum verschweigen Sie, dass Sie Stammgäste im Gelben Löwen sind? Wenn man das weiß, erscheinen Ihre Aussagen in einem ganz anderen Licht.

    Ich habe beim Anschauen des Filmes der Eindruck gewonnen, dass es auf Seiten der Wirte und auch auf Anwohnerseite Menschen gibt, deren Persönlichkeit von einer starken Dickköpfigkeit (Stichwort Jens Graeser »Privatkrieg«) geprägt ist. Dabei so scheint es mir, haben diese Personen einen Tunnelblick entwickelt, der sie vergessen lässt, in welch schöner Fürther Straße sie wohnen bzw. arbeiten. Fragt sich nur wie lange noch, wenn man den Streit auf diesem Niveau fortsetzt.

    Ich persönlich habe das Gefühl, dass ich mir nach dem Betrachten der beiden Repor­ta­ge­teile ein Bild machen kann. Ich hoffe, dass die Beteiligten auf beiden Seiten die Offenheit aufbringen sich zu hinterfragen, ob Ihr Agieren friedensstiftend ist, bzw. was sie mit einem derartig persönlich geführten Konfrontationskurs erreichen wollen.

    Dekan Sichelstiel hat im Film davon gesprochen, dass beide Parteien an einen Ende der Auseinandersetzung interessiert seien. Dann bitteschön beweisen Sie dies, indem sie nicht weiter Öl ins Feuer gießen, sondern sich stattdessen Gedanken darüber machen, wie man – Stichwort gegenseitige Toleranz – wieder zu einem friedlichen Miteinander kommen kann.

    #33 

  34. Esther Paulmann  •  11. Feb. 2013

    Herr Becker,

    leider muss ich Sie enttäuschen: Sie liegen mit Ihren Mutmaßungen über die Frequenz und die Ziele meiner Kneipenbesuche gänzlich falsch. Mit dem Versuch, damit meine Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, machen Sie es sich zu leicht.

    Ich gehe wenn es hoch kommt vielleicht einmal im Monat aus bin dann in verschiedensten Lokalitäten in der Altstadt.

    Wenn ich hier meinen Eindruck und meine Meinung schildere, dann als direkt betroffene Anwohnerin (ich wohne unmittelbarer Nähe zu Kaffeebohne, Gelber Löwe und Co), die den 24-Stunden Alltag kennt.

    #34 

  35. Medien PRAXIS e. V.  •  11. Feb. 2013

    Dass es eine unterschiedliche Sicht der Dinge gibt, ist bei einem Thema wie der Gustavstraße wenig verwunderlich. Die Unterstellung, dass die Berichterstattung ein­seitig ist, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Im ersten Teil kamen sowohl die Beschwerdeführer auf Anwohnerseite, als auch die in den Streit involvierten Wirte ausführlich zu Wort.

    Im zweiten Teil ging es uns vor allem darum aufzuzeigen, dass der Konflikt immer mehr in der Öffentlichkeit ausgetragen wird und welche Folgen dies hat. Dazu haben wir Personen interviewt, die die Auseinandersetzung verfolgen bzw. in den Konflikt hineingezogen wurden. So bezieht der Anwohner Felix Geismann, gleichzeitig Vor­stand von »Wir sind Fürth e. V.« im Rahmen einer Demonstration durch die Gustav­straße Stellung. Ähnliches erfolgt in dem Ausschnitt der Rede des Ober­bürger­meisters Dr. Thomas Jung zum selben Anlass. Eine frühere Anwohnerin erzählt sehr differenziert, wie sie die Situation in der Gustavstraße sieht. Es gibt mehrere Stellungnahmen durch den Rechtsreferenten der Stadt Fürth, Herrn Maier und auch der Vorsitzende des Altstadtvereins kommt zu Wort. Dass es viele Menschen gibt, die sich gerne in der Gustavstraße aufhalten, zeigen die Bilder und wird im ersten Teil der Reportage durch Besucher, im zweiten Teil durch Fans des 1. FC Bayern München auch verbal kommuniziert.

    Auch wir gehen davon aus, dass sich viele Geschäftsinhaber bzw. Gewerbetreibende in der Gustavstraße wohlfühlen. Leider ist aber Frau Zamfirov nicht die einzige Person, die ihren Lebensunterhalt in der Gustavstraße verdient (bzw. verdient hat) und sich im Rahmen des Konfliktes gemobbt fühlt. Von daher ist dies ein Thema, das wir in der Berichterstattung nicht einfach negieren konnten.

    Bei Herrn Thomas Werner handelt es sich um den Vorsitzenden des Altstadtvereins, einem Verein, dessen Mitglieder sich seit Jahrzehnten um eine lebendige Altstadt bemühen. Unter anderem hat der Verein den Grafflmarkt und die Altstadtweihnacht initiiert. Meines Wissens hat sich Herr Thomas Werner nie über zuviel Lärm in der Altstadt beschwert.

    Die Wirte wurden bei den Interviews keineswegs »überfallen«. Die Schlussinterviews wurden mit allen Beteiligten im Freien durchgeführt, um damit ein optisches Zeichen für ein unserer Meinung nach notwendiges Aufeinander-Zugehen zu setzen. Dem­ent­sprechend ging es in den von uns gestellten Fragen auch darum, wie man zu einer Lösung des Konfliktes kommen kann. Den Wirten wurden die Fragen vorab via Mail zugestellt. Abgesehen davon, haben wir sie nach jedem Interview gefragt, ob sie mit ihren Statements zufrieden sind. Zusätzlich haben wir die Möglichkeit eingeräumt, das komplette erste Interview noch einmal in unserer Redaktion anzuschauen, bevor wir mit dem Schnitt beginnen.

    Punkte, auf die ich in meinem ersten Kommentar eingegangen bin, erspare ich mir an dieser Stelle.

    Thomas Steigerwald, Redaktion point

    #35 

  36. Tom Schreiner  •  11. Feb. 2013

    Hallo Herr Becker,

    ich wusste nicht, dass es für Sie so relevant ist, wo ich mich aufhalte. Der vollständigkeit halber möchte ich noch anfügen, dass ich nicht nur regelmäßig im Gelben Löwen bin. Weitere Aufenthaltsorte sind: das Babylon, die Kofferfabrik, das La Palma, Da Michele…

    #36 

  37. Susanne Altenberger  •  11. Feb. 2013

    Inhaltlich kann man die Diskussion um die Gustavstraße sehen, wie man will, beide Seiten haben – aus ihrer jeweiligen Sicht – zweifelsohne gute Gründe für ihr Ver­hal­ten. Ich habe mich von dieser Doku jedenfalls sehr objektiv und ausgewogen an das Thema herangeführt gefühlt. Dass dabei auch bei mir am Ende dann doch eine Partei mehr Eindruck hinterließ als die andere, lag eher daran, dass manche Personen sich und ihre Situation recht souverän und andere wiederum nun mal wenig vorteilhaft präsentierten. Dieser Umstand ist für mich aber noch lange keine manipulative Bericht­erstattung, wie weiter oben kritisiert (…und er wird darüberhinaus auch noch lange nicht meine persönliche Meinungsbildung beeinflussen!).

    Ich finde es ausgesprochen stark und mutig, ein solch brisantes Thema überhaupt aufzugreifen. Und fände es ausgesprochen stark und mutig, wenn alle Beteiligten nun die Gelegenheit nutzen würden, genauso umsichtig und respektvoll mit dem Thema umzugehen, wie es der Film vorgemacht hat. Danke für diese Reportage! Ich sehe sie als Chance.

    #37 

  38. Medien PRAXIS e. V.  •  12. Feb. 2013

    Im Laufe des gestrigen Tages wurden wir mit Ereignissen konfrontiert, auf­grund derer wir uns leider gezwungen sehen, die Kommentarfunktion an dieser Stelle zu deaktivieren.

    Wir würden uns wünschen, dass diejenigen, die sich um eine differenzierte Sicht­weise und um eine Konfliktlösung bemühen, von beiden Seiten gehört wer­den. Dies scheint derzeit bedauerlicherweise nicht möglich zu sein: Es haben sich Menschen an uns gewandt, die von einer Kommentierung Abstand nehmen, weil sie befürchten, bei einer offenen Meinungsäußerung unter ihrem Namen ge­mobbt zu werden.

    Für das Einschüchtern anders Denkender, für Drohungen oder gar Gewalt­ankündi­gungen können und wollen wir keine Plattform bieten. So ist eine offene und konstruktive Auseinandersetzung nicht möglich. Allen, die ein Interesse an lösungsorientierten Gesprächen haben, stehen wir weiterhin zum Meinungs­austausch zur Verfügung.

    Thomas Steigerwald, Redaktion point

    #38 

  39. Medien PRAXIS e. V.  •  30. Mai. 2014

    Für diese Reportage wurden wir im Mai 2014 mit dem Medienpreis der Metro­pol­region ausgezeichnet.

    #39 

  40. Medien PRAXIS e. V.  •  9. Jul. 2014

    Für diese Reportage wurden wir im Juli 2014 mit dem BLM-Telly für die beste Spar­ten- oder Sondersendung ausgezeichnet.

    #40 

  41. Viel Feind’, viel Ehr’: Zwei Medienpreise für TV-Reportage über die Gustavstraße » Fürther Freiheit  •  9. Jul. 2014

    […] Ihre TV-Dokumentation »Lebenslust, Lebensfrust – vom spannungs­reichen Leben in der Gustavstraße« wurden Julia Thomas und Thomas Steigerwald von Medien PRAXIS e. V. mit gleich zwei renommierten […]

    #41 

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