Zum Inhalt springen


Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


Dezember 2018

»Der Arsch sieht im­mer noch schö­ner aus als das Ge­sicht« – was Denk­mal­schüt­zer von Fürths »Neu­er Mit­te« hal­ten

Szenenfoto

En­de der 2000er Jah­re fah­ren im­mer mehr Für­ther zum Ein­kau­fen in die Nach­bar­städ­te Nürn­berg und Er­lan­gen. Das Für­ther Ci­ty­cen­ter ist in die Jah­re ge­kom­men, vie­le Lä­den ste­hen leer. In der Fuß­gän­ger­zo­ne ma­chen sich Han­dy­l­ä­den, Back­shops und Ramsch­lä­den breit. Im­mer mehr – zum Teil alt ein­ge­ses­se­ne – Ein­zel­han­dels­ge­schäf­te schlie­ßen.

Szenenfoto

So ist man froh, als 2008 mit So­nae Si­er­ra ein In­ve­stor auf die Stadt zu­kommt, der ver­spricht, der Für­ther In­nen­stadt neu­es Le­ben ein­zu­hau­chen. Doch wäh­rend die ei­nen da­mit gro­ße Hoff­nun­gen ver­bin­den, lei­sten ei­ni­ge en­ga­gier­te Bür­ger er­bit­ter­ten Wi­der­stand: Sie grün­den im De­zem­ber 2008 die Bür­ger­initia­ti­ve »Ei­ne bes­se­re Mit­te für Fürth« und set­zen sich fort­an für ei­ne maß­vol­le Ent­wick­lung der In­nen­stadt un­ter Be­ach­tung denk­mal­schüt­ze­ri­scher Ge­sichts­punk­te ein.

Szenenfoto

Die Bür­ger­initia­ti­ve kämpft vor al­lem dar­um, die Fas­sa­de des Park­ho­tels und den sich dar­in be­find­li­chen Fest­saal zu er­hal­ten und in den Ein­kaufs­schwer­punkt Neue Mit­te zu in­te­grie­ren.

Szenenfoto

Trotz Un­ter­stüt­zung durch den Ver­ein »Wir sind Fürth«, der ein Bür­ger­be­geh­ren auf den Weg bringt und der Bit­te des Lan­des­denk­mal­ra­tes aus Mün­chen, den un­ter Denk­mal­schutz ste­hen­den Fest­saal zu er­hal­ten, ent­schei­det sich der Für­ther Stadt­rat im Früh­som­mer 2013 da­für, dem Pro­jekt­ent­wick­ler MIB die Er­laub­nis zum Ab­riss des Park­ho­tels zu er­tei­len. Im März 2015 wird der er­ste Teil der »Neu­en Mit­te Fürth« er­öff­net.

Szenenfoto

Die Bür­ger­initia­ti­ve hat sich in­zwi­schen auf­ge­löst, vie­le der ehe­ma­li­gen Mit­glie­der en­ga­gie­ren sich mitt­ler­wei­le bei »Wir sind Fürth« für ei­ne le­bens­wer­te Stadt. Wir ha­ben uns mit ei­ni­gen die­ser en­ga­gier­ten Bür­ger ge­trof­fen, um die letz­ten zehn Jah­re noch ein­mal Re­vue pas­sie­ren zu las­sen und ih­nen un­ter an­de­rem die Fra­ge ge­stellt, wie sie sich die Wei­ter­ent­wick­lung ih­rer Stadt vor­stel­len.

Szenenfoto

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 27 Min.

Oktober 2018

»Al­le Macht den Kin­dern« – Die Gip­fel­kon­fe­renz der Kin­der

Um den Forderungen der Kinder nach mehr Frieden in der Welt Ausdruck zu verleihen, waren im Vorfeld der Gipfelkonferenz Kinder aus Nürnberg und Umgebung aufgerufen, ihre Spielzeugwaffen vorbei zu bringen, um daraus eine Friedensskulptur zu bauen.

Im Sep­tem­ber 2018 ka­men Kin­der und Ju­gend­li­che aus 10 Län­dern zu ei­ner Gip­fel­kon­fe­renz der Kin­der nach Nürn­berg in die Stra­ße der Men­schen­rech­te.

Zum Auftakt der Gipfelkonferenz der Kinder haben die Teilnehmer ihre Botschaften in der Straße der Menschenrechte auf Autos geschrieben. Die Wagen wurden den Kindern freiwillig zum Bemalen zur Verfügung gestellt.

Bei dem von Jo­han­nes Volk­mann und sei­nem Team vom Nürn­ber­ger Pa­pier­thea­ter in­iti­ier­ten Kunst­pro­jekt geht es dar­um, Kin­dern und Ju­gend­li­chen ei­ne Stim­me zu ge­ben. Da­zu fan­den im Vor­feld in den Hei­mat­län­dern der Gip­fel­kon­fe­renz­teil­neh­mer Kin­der­kon­fe­ren­zen statt, bei de­nen The­men und Fra­gen, die die Kin­der be­we­gen, er­ar­bei­tet und an­schlie­ßend in künst­le­ri­scher Form prä­sen­tiert wur­den.

Um nicht nur 'ein nettes Kinderprojekt' zu sein, haben die Konferenzteilnehmer bei der Eröffnung Geld gesammelt. Gemeinsam überlegen sie, wie sie dieses Budget von über € 1.000 Euro sinnvoll einsetzen.

Rund 60 die­ser Kin­der ka­men jetzt nach Nürn­berg und über­leg­ten ge­mein­sam, wie sie ih­ren Be­lan­gen mehr Ge­wicht ver­schaf­fen kön­nen.

Vier Jahre lang reiste Johannes Volkmann mit seinem Team mit einem eigens entwickelten Fragebuch durch die Welt, in das die Kinder ihre Hoffnungen, Wünsche und Ängste, aber auch Ihre Forderungen an uns Erwachsene und die Politik schreiben, malen, kleben oder stempeln konnten. Rund 1000 Bücher sind im Laufe der Zeit zusammen gekommen.

Sie ver­such­ten, Kon­sum neu zu den­ken, woll­ten Zei­chen ge­gen die Ge­walt in der Welt set­zen, stell­ten sich und den Er­wach­se­nen »die Geld­fra­ge« und mach­ten sich Ge­dan­ken dar­über, wie sie ih­re Bot­schaf­ten in krea­ti­ver Form un­ter die Men­schen brin­gen kön­nen.

Um der 'Plastikvermüllung der Welt' entgegenzuwirken, wurde das Label 'TUN' entwickelt und die Gipfelkonferenzteilnehmer haben selbst Waschmittel hergestellt und es an die Besucher verschenkt.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 50 Min.

Video auf YouTube anschauen Von die­sem Film gibt es ei­nen Aus­schnitt auf You­Tube.
auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
März 2018

Le­on­hard F. Seidl – »Ich schrei­be Ro­ma­ne und kei­ne Flug­blät­ter«

Lesung in Dorfen – hier fand 1988 der Amoklauf statt, der seinem Roman »Fronten« als Basis diente

Le­on­hard F. Seidl ist ein po­li­ti­scher Schrift­stel­ler, der in sei­nen Ro­ma­nen rea­le Er­eig­nis­se re­cher­chiert und meist mit ei­ner Kri­mi­nal­hand­lung ver­knüpft. So auch in sei­nem neu­esten Ro­man »Fron­ten«, in dem es um ei­nen Amok­lauf geht, der sich vor 30 Jah­ren in Dorf­en, ei­nem klei­nen Städt­chen in Ober­bay­ern, nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter von Le­os El­tern­haus ent­fernt, zu­ge­tra­gen hat.

Im Jugendzentrum Dorfen fand Leo als politischer Punker eine Heimat

Die Fil­me­ma­cher ge­hen mit Leo auf ei­ne Rei­se in sei­ne Ju­gend. Sie be­su­chen ge­mein­sam mit ihm Or­te, an de­nen sein teil­wei­se au­to­bio­gra­phi­scher er­ster Ro­man »Mut­ter­korn« spielt.

Leos Fotoalbum: Mit seinen Eltern, zu denen er eine intensive Beziehung hat, taucht Leo noch einmal in seine Jugend ein

Wäh­rend sei­ne Al­ters­ge­nos­sen sich im Fuß­ball­ver­ein tra­fen, ent­deck­te Leo sei­ne Lie­be zum Punk. Durch die frem­den­feind­li­chen Er­eig­nis­se von So­lin­gen, Mölln und Ro­stock-Lich­ten­ha­gen An­fang der 1990er Jah­re wur­de er po­li­ti­siert. Recht früh muss­te er er­ken­nen, dass man mit bun­ten Haa­ren und als je­mand, der ei­ne an­de­re Mei­nung ver­tritt als die kon­ser­va­ti­ve Mehr­heits­ge­sell­schaft, schnell das ei­ne oder an­de­re Mal Prü­gel be­zieht.

Als Aktivist engagiert sich Leo seit seiner Jugend gegen die Verbreitung rechtsradikalen und fremdenfeindlichen Gedankengutes

Ei­ne Zeit, die den in­zwi­schen 41- jäh­ri­gen Schrift­stel­ler ge­prägt hat und ihn zu ei­nem Men­schen wer­den ließ, der sich bis heu­te als Ak­ti­vist ent­schie­den ge­gen die Ver­brei­tung rechts­ra­di­ka­len und frem­den­feind­li­chen Ge­dan­ken­gu­tes ein­setzt, gleich­zei­tig aber in sei­nen Ro­ma­nen dif­fe­ren­ziert und fein­füh­lig nach Grün­den sucht, wes­halb sich Men­schen in die ei­ne oder an­de­re Rich­tung ent­wickeln.

Vater und Sohn: Leos Vater ist als Bühnenautor ebenfalls literarisch tätig

Ein Por­trait ei­nes en­ga­gier­ten Men­schen und Schrift­stel­lers, der mit sei­nen Bü­chern mehr will als un­ter­hal­ten.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 65 Min.

Video auf YouTube anschauen Von die­sem Film gibt es ei­nen Aus­schnitt auf You­Tube.
auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Dezember 2017

Der Moll von Lauf links – Nach­ruf auf ei­nen ganz be­son­de­ren Men­schen

»Er war Po­et, Phi­lo­soph, Mu­si­ker und Künst­ler. Er war so durch und durch Künst­ler, dass er In­ter­pre­ta­tio­nen und Er­läu­te­run­gen über sei­ne Ar­beit und sach­li­che Er­klä­rungs­ver­su­che der mensch­li­chen Exi­stenz, und des Le­bens an sich für dum­mes eit­les Ge­schwätz ge­hal­ten hat. Phil­ipp war Men­schen­freund, Mok­katrin­ker, Fein­schmecker, wun­der­ba­rer Zu­hö­rer und be­gna­de­ter Er­zäh­ler.«, so lau­tet die An­kün­di­gung zu ei­ner Ver­an­stal­tungs­rei­he, die Freun­de und lang­jäh­ri­ge Weg­ge­fähr­ten im Herbst 2017 aus An­lass des er­sten To­des­ta­ges von Phil­ipp Moll or­ga­ni­siert ha­ben.

Philipp Moll starb im Herbst 2016 im Alter von 46 Jahren

Als wir Phil­ipp Moll 2012 im Rah­men ei­nes Fil­mes über die Für­ther Künst­le­rin Ju­lia Frisch­mann ken­nen­lern­ten, ent­stand schnell der Wunsch, Phil­ipp fil­misch zu por­trai­tie­ren. Als er im letz­ten Jahr ver­starb, war schon vie­les ge­dreht. Mit der Un­ter­stüt­zung von Phil­ipps Freun­den ist es ge­lun­gen, den Film fer­tig­zu­stel­len. Ent­stan­den ist ein Por­trait und gleich­zei­tig ein Nach­ruf auf ei­nen be­son­de­ren Künst­ler und Men­schen.

Mit der Band »Fast zu Fürth« stand Philipp bereits seit den 1990er Jahren auf der Bühne

Phil­ipp Moll stamm­te aus Lauf, ab­sol­vier­te ei­ne Schrei­ner­leh­re und stu­dier­te zu­nächst evan­ge­li­sche Theo­lo­gie, be­vor er an die Aka­de­mie der Bil­den­den Kün­ste in Nürn­berg wech­sel­te und dort sein Kunst­stu­di­um ab­schloss. Schon wäh­rend der Schul­zeit lern­te er sei­nen lang­jäh­ri­gen Freund Mat­thi­as Egers­dör­fer ken­nen. Bei­de stell­ten schnell fest, dass sie den glei­chen Hu­mor ha­ben und so be­gann be­reits am Gym­na­si­um ei­ne krea­ti­ve Zu­sam­men­ar­beit. In den 1990er Jah­ren leb­te Phil­ipp mit Freun­den auf ei­nem al­ten Bau­ern­hof im frän­ki­schen Win­ter­stein. Sie grün­de­ten den Kul­tur­ver­ein Win­ter­stein und nutz­ten den ehe­ma­li­gen Kuh­stall für Aus­stel­lun­gen, Le­sun­gen und Kon­zer­te. In die­ser Zeit ent­stand auch die Band Fast zu Fürth, in der Phil­ipp Moll bis zu­letzt das Wasch­brett und al­ler­lei an­de­re klei­ne In­stru­men­te be­dien­te.

Lesung aus Philipp Molls Buch »Blumen und Wurst«

Mit dem Bau­ern­haus in Win­ter­stein hat­te es 1996 ein En­de. Zur Freu­de von Phil­ipp er­gab sich 2004 in der Nürn­ber­ger Süd­stadt er­neut die Mög­lich­keit, Woh­nen und künst­le­ri­sche Ak­ti­vi­tä­ten zu ver­bin­den. Im Kunst- und Kur­haus Ka­ta­na e.V. brauch­te Phil­ipp nur ei­ne Trep­pe hin­un­ter­zu­ge­hen, um sich auf der Büh­ne in sei­ner mo­nat­li­chen Ver­an­stal­tungs­rei­he »Molls bun­ter Trich­ter« mit sei­nen Gä­sten zu tref­fen oder sei­ne li­te­ra­ri­schen Ar­bei­ten wie Brie­fe an sich selbst, Zeit­unsgs­ko­lum­nen oder sein 2013 er­schie­ne­nes Buch »Blu­men und Wurst« dem Pu­bli­kum zu prä­sen­tie­ren.

Die Weltanschauungsbeauftragten bei der Arbeit zu einem Beitrag anlässlich des 250. Geburtstages von Jean Paul

Im Be­reich der Bil­den­den Kunst ar­bei­te­te Phil­ipp ab 2006 un­ter dem La­bel Die Welt­an­schau­ungs­be­auf­trag­ten mit Mar­tin Für­brin­ger zu­sam­men. Mit ih­ren Ar­bei­ten sa­hen sie sich als Ge­gen­pol zu ei­ner sich im­mer stär­ker kom­mer­zia­li­sie­ren­den Kunst­welt und be­schlos­sen, ge­mein­sam im Be­reich der »Kul­tur­ster­be­be­glei­tung, Pa­ra­noia­eva­lua­ti­on oder Mut­ter­me­cha­nik« zu for­schen.

El Mago Masin zu Gast in »Molls bunter Trichter«

Mit Phil­ipp Moll hat die Re­gi­on ei­nen Men­schen ver­lo­ren, der in sei­ner mensch­li­chen und künst­le­ri­schen Ein­zig­ar­tig­keit bei de­nen, die das Glück hat­ten, ihn ken­nen zu dür­fen, noch lan­ge in Er­in­ne­rung blei­ben wird.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 47 Min.

Video auf YouTube anschauen Von die­sem Film gibt es ei­nen Aus­schnitt auf You­Tube.
auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Oktober 2017

Fest im Sat­tel – Er­wach­se­ne ler­nen Rad­fah­ren

In den ersten Stunden sind die TrainerInnen des ADFC schwer beschäftigt

Fahr­rad fah­ren – das lernt man als Kind, das kann man ein­fach! So geht es den mei­sten Men­schen. Für sie ist das Fahr­rad ein All­tags­ge­gen­stand, den sie nach Lust und Lau­ne ganz selbst­ver­ständ­lich nut­zen.

Blaue Flecken gehören dazu...

Es gibt al­ler­dings auch Men­schen, die das Fahr­rad fah­ren nie ge­lernt ha­ben oder sich aus den un­ter­schied­lich­sten Grün­den nicht mehr auf das Fahr­rad trau­en. Men­schen wie die 75-jäh­ri­ge Lin­de, die sich nach ei­nem Sturz nicht mehr aufs Rad ge­wagt hat, oder Heinz, dem die Ärz­te nach ei­nem Schlag­an­fall ge­sagt ha­ben, dass er wohl nie mehr Fahr­rad fah­ren kann, oder Susua­na, die in ih­rer ehe­ma­li­gen Hei­mat das Fahr­rad fah­ren nie ge­lernt hat, jetzt aber ger­ne mit ih­rem En­kel ge­mein­sam et­was un­ter­neh­men möch­te. Für sie bie­tet der All­ge­mei­ne Deut­sche Fahr­rad-Club e.V. in Nürn­berg, kurz ADFC, seit ei­ni­gen Jah­ren Fahr­rad­kur­se für Er­wach­se­ne an.

Wichtig ist die richtige Technik beim Anfahren

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Video auf YouTube anschauen Von die­sem Film gibt es ei­nen Aus­schnitt auf You­Tube.
auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Mai 2017

Selbst­be­stimmt und mit Freu­de ler­nen – Die Lern­werk­statt

Selbst­be­stimmt, von­ein­an­der und mit­ein­an­der ler­nen und da­bei Spaß ha­ben – das ist das Ziel der Lern­werk­statt in der Ems­kir­che­ner Grund­schu­le. Ein­mal pro Schul­jahr kommt je­de Klas­se für drei Wo­chen in die Lern­werk­statt. In spe­zi­ell für die­sen Zweck um­ge­wid­me­ten Räu­men dür­fen die Schü­ler selbst ent­schei­den, was sie er­for­schen wol­len. Vor­ge­ge­ben ist nur ein sehr all­ge­mein for­mu­lier­tes The­ma. Wie sie an die not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen kom­men und wie sie zum Ab­schluss ih­re For­schungs­er­geb­nis­se prä­sen­tie­ren, ist Sa­che der Schü­ler.

Die drei forschen über Nofretete und Cleopatra. Lotte fragt sich: »Frauen waren ja früher nicht so wichtig, und dann wurden die beiden aber Pharaoninnen, das find ich ganz spannend.«

Die Schü­ler ha­ben die Mög­lich­keit, in Klein­grup­pen und in ih­rem ei­ge­nen Tem­po den Din­gen auf den Grund zu ge­hen. Sie su­chen zu ih­rem The­ma In­for­ma­tio­nen aus Bü­chern und dem In­ter­net zu­sam­men und ex­pe­ri­men­tie­ren mit in der Lern­werk­statt vor­han­de­nen Ma­te­ria­li­en. Wenn die Kin­der die In­for­ma­tio­nen zu ih­rem The­ma zu­sam­men­ge­tra­gen und im For­scher­heft fest­ge­hal­ten ha­ben, wer­den die Er­geb­nis­se für die Prä­sen­ta­ti­on vor der Klas­se auf­ge­ar­bei­tet.

Die Kinder schrecken beim selbstständigen Forschen auch nicht vor schwierigen und komplexen Themen zurück.

Die Lern­werk­statt er­for­dert auch von den Leh­rern ei­ne neue In­ter­pre­ta­ti­on ih­rer Rol­le: Sie sind nicht pri­mär, wie im nor­ma­len Un­ter­richt, als Wis­sens­ver­mitt­ler, son­dern viel­mehr als Lern­be­glei­ter ge­for­dert. Die­ses Um­den­ken ist nicht je­dem leicht ge­fal­len. In­zwi­schen sind aber aus den mei­sten Skep­ti­kern Fans der Lern­werk­statt­idee ge­wor­den.

»Du kannst lernen, ohne dass Du halt Druck hast, und du kannst Dir aussuchen, über was du forschst oder worüber du jetzt was lernst.« Tyler und Niclas beim Experimentieren am Mikroskop

Für Lern­werk­statt­be­ra­te­rin Tan­ja Schedl geht es in der Lern­werk­statt um mehr als den Er­werb von rei­nem Fak­ten­wis­sen: »Die Be­deu­tung, Wis­sen, Fak­ten ab­ruf­bar pa­rat im Kopf zu ha­ben, zeigt sich in der Ge­sell­schaft kaum noch als not­wen­dig, bei ei­nem nor­ma­len Abend­essen sit­zen Men­schen am Tisch und je­der hat so­fort die Mög­lich­keit, di­gi­tal auf ein Le­xi­kon zu­zu­grei­fen und die­ses Wis­sen pa­rat zu ha­ben, in­so­fern hat die Tech­nik die­se Not­wen­dig­keit, Wis­sen und Fak­ten ab­ruf­bar zu ha­ben, ein­fach über­holt.«

Fast das gesamte Kollegium arbeitet im Lernwerkstatt-Team mit. Gemeinsam bereiten sie das Thema für das kommende Schuljahr vor. Auch wenn hier didaktisches Material ausprobiert wird – zum Einsatz kommt es in Emskirchen kaum. Die Kinder sollen ihre Kreativität möglichst frei entwickeln.

Für sie spie­len das Er­ler­nen von ei­gen­ver­ant­wort­li­chem, selbst­be­stimm­ten Han­deln, die Ent­wick­lung von So­zi­al­kom­pe­tenz und das krea­ti­ve Prä­sen­tie­ren der Er­geb­nis­se ei­ne min­de­stens ge­nau­so gro­ße Rol­le. Sie sieht in der Me­tho­de auch ei­ne Mög­lich­keit, die Kreat­vi­tät von Kin­dern zu för­dern: »In der nor­ma­len Frei­zeit­ge­stal­tung ist bei un­se­ren Kin­dern häu­fig zu be­ob­ach­ten, dass sie be­spielt oder be­spaßt oder ver­spor­tet in ir­gend ei­ner Form im­mer an­ge­lei­tet wer­den, und krea­ti­ve ei­ge­nen Ide­en zu fin­den von den Kin­dern ein­fach we­nig ge­fragt wird.«

Sophie und Jule präsentieren ihren Mitschülern die Mode der 70er und 80er Jahre. »Das lustige ist, da ist eine Hose darunter. Die hat man angezogen, dann ist man so aus dem Haus gegangen, hat sich irgendwo im Busch oder so versteckt und hat die Hose ausgezogen und ist dann so in die Disco gegangen.«

Schu­le kann Spass ma­chen! Das kann man an der Ems­kir­che­ner Grund­schu­le haut­nah er­le­ben.

HERMANN GUTMANN STIFTUNG Die­ser Film wur­de als Ko­ope­ra­ti­ons­pro­jekt im Auf­trag der HERMANN GUTMANN STIFTUNG in jour­na­li­sti­scher Ver­ant­wor­tung von Me­di­en Pra­xis e. V. rea­li­siert.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 3 mal 30 Min.

Video auf YouTube anschauen Von die­sem Film gibt es ei­nen Aus­schnitt auf You­Tube.
auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
November 2016

»Wir sind bunt« – Ein­blicke in ei­ne »ganz nor­ma­le« Grund- und Mit­tel­schu­le

Das Baye­ri­sche Schul­sy­stem ist bis heu­te drei­ge­glie­dert. Nach ei­ner ge­mein­sa­men vier­jäh­ri­gen Grund­schu­le für al­le Re­gel­schü­ler sieht es nach der vier­ten Klas­se ei­ne Auf­tei­lung in ver­schie­de­ne Schul­ar­ten vor. Ne­ben den so­ge­nann­ten »wei­ter­füh­ren­den Schu­len«, dem Gym­na­si­um und der Re­al­schu­le, gibt es seit 2011 die Mit­tel­schu­le, für, wie es ei­ne Leh­re­rin be­schreibt, »den Rest, der es nicht ge­schafft hat«. An ca. 600 Stand­or­ten in Bay­ern sind an die Grund­schu­le Mit­tel­schu­len an­ge­schlos­sen, so auch an der Für­ther Pe­sta­loz­zi­schu­le.

In den meisten Schulstunden steht auch für Klassen, in denen viele Schüler einen erhöhten Förderbedarf haben, nur eine Lehrkraft zur Verfügung

2011 wur­den die ehe­ma­li­gen Haupt­schu­len in Mit­tel­schu­len um­be­nannt. Im Baye­ri­schen Kul­tus­mi­ni­ste­ri­um ver­sprach man sich da­von ei­ne Auf­wer­tung des Schul­spren­gels. Aber hat die Na­mens­än­de­rung et­was ge­bracht? Die stär­ke­ren Schü­ler ver­las­sen wei­ter nach der vier­ten Klas­se die Grund­schu­le Rich­tung Gym­na­si­um oder Re­al­schu­le.

Die Zusammenarbeit zwischen Förderschülern der Hallemannschule und den Regelschülern funktioniert in der Grundschule gut, wird aber durch den Weggang der sozial starken Schüler auf weiterführende Schulen immer schwieriger

Da­bei sind die An­sprü­che an die Mit­tel­schu­le wei­ter ge­stie­gen. El­tern ha­ben die Mög­lich­keit, frei zu wäh­len, ob sie Kin­der, die ein Han­di­cap ha­ben, an ei­ne För­der­schu­le oder ei­ne Grund- und spä­ter dann Mit­tel­schu­le schicken. Der An­teil der Schü­ler mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund und den da­mit oft­mals ver­bun­de­nen Sprach­schwie­rig­kei­ten ist in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich an­ge­wach­sen, Leh­rer se­hen sich im­mer öf­ter mit Schü­lern kon­fron­tiert, die ver­hal­tens­auf­fäl­lig sind oder Mo­ti­va­ti­ons­pro­ble­me ha­ben.

Zusätzlicher Förderunterricht ist erst durch das Profil Inklusion möglich, das die Pestalozzischule seit 2014 hat – für 50 Kinder mit erhöhtem Förderbedarf stehen jedoch nur 24 Wochenstunden zur Verfügung

Was ge­blie­ben ist, ist der Wunsch von Schul­lei­tung und Leh­rern, die Schü­ler mög­lichst gut auf die Ar­beits­welt vor­zu­be­rei­ten, aber ist dies un­ter die­sen Um­stän­den zu schaf­fen? Kann ein ein­zel­ner Leh­rer die An­sprü­che, die an ihn ge­stellt wer­den, über­haupt er­fül­len oder be­darf es da­zu ei­gent­lich ei­ner zwei­ten aus­ge­bil­de­ten Lehr­kraft, zu­min­dest in den Kern­fä­chern? Wie soll man Ein­zel­ne för­dern, wenn sich al­lei­ne an der Mit­tel­schu­le 50 Schü­ler mit be­son­de­rem För­der­be­darf be­fin­den und da­für ge­ra­de ein­mal 24 För­der­stun­den pro Wo­che zur Ver­fü­gung ste­hen? Wel­che Rol­le spielt da­bei das Baye­ri­sche drei­glied­ri­ge Schul­sy­stem, und was be­deu­tet es ins­be­son­de­re im Be­zug auf den In­klu­si­ons­ge­dan­ken?

Ab der siebten Klasse werden die Schüler durch verschiedene Maßnahmen auf den Berufseinstieg vorbereitet – hier bei einem Praktikum in einer Schreinerei

Ei­ne en­ga­gier­te Leh­re­rin aus der Mit­tel­schu­le meint: »So­lan­ge El­tern tag­täg­lich in der Grund­schu­le er­le­ben, wir müs­sen stark sein, das hat ’nen Wert. Ich will, dass mein Kind aufs Gym­na­si­um geht, die Mit­tel­schu­le, das sind die Idio­ten, ich sags mal so deut­lich, kann ich nicht da­von spre­chen, dass al­le Men­schen ir­gend­wie ei­nen glei­chen Wert ha­ben, und das är­gert mich per­sön­lich.« Sie träumt da­von »dass wir den Kin­dern ei­ne Schu­le an­bie­ten kön­nen mit ei­ner Schul­tü­re und sich die­se Schu­le dann in­ner­halb des Ge­bäu­des ver­zweigt, so dass die Kin­der die Mög­lich­keit ha­ben, ent­spre­chend ih­rer Ver­an­la­gung und Be­ga­bung das ei­ne oder an­de­re zu ab­sol­vie­ren.« Ei­ne Vor­stel­lung, die wohl im­mer ein Traum blei­ben wird?

Projekte, die zur Berufsvorbereitung dienen, wie die Anschaffung und der Ausbau eines Bauwagens für die SMV, wären ohne die Unterstützung von Sponsoren nicht möglich

Me­di­en PRAXIS e.V. hat meh­re­re Jah­re die Si­tua­ti­on an der Für­ther Pe­sta­loz­zi­schu­le ver­folgt. Ent­stan­den ist ei­ne drei­tei­li­ge Re­por­ta­ge mit fol­gen­den Schwer­punk­ten:

  1. Mög­lich­kei­ten und Gren­zen des Mit­ein­an­der und von­ein­an­der Ler­nens im drei­glied­ri­gen Schul­sy­stem

  2. Die Schwie­rig­kei­ten, den Ge­dan­ken der In­klu­si­on an ei­ner Mit­tel­schu­le mit Le­ben zu fül­len

  3. Die Her­aus­for­de­rung, Schü­lern ei­ne ad­äqua­te Be­rufs­vor­be­rei­tung zu­kom­men zu las­sen

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 90 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Mai 2016

Zei­chen set­zen – Nürn­bergs er­ste Ves­per­kir­che

Die ehrenamtlichen Helfer beim Abschlussfest

»Ku­chen, Kar­teln, Ker­zen­schein« – so lau­te­te der Slo­gan, mit dem die Gu­stav-Adolf-Ge­dächt­nis­kir­che in der Nürn­ber­ger Süd­stadt im Win­ter 2016 die Be­völ­ke­rung erst­mals zur Ves­per­kir­che ein­lud. Sechs Wo­chen lang sorg­ten fast 400 eh­ren­amt­li­che Mit­ar­bei­ter da­für, dass man sich im um­ge­stal­te­ten Kir­chen­raum zwang­los tref­fen konn­te und für den sym­bo­li­schen Preis von ei­nem Eu­ro ein war­mes Es­sen er­hielt. Da­hin­ter steht für Pfar­rer Bernd Reu­ther zum ei­nen »ein stark dia­ko­ni­scher Ge­dan­ke«, zum an­de­ren »bie­ten wir aber auch ei­nen Raum, wo Men­schen ver­schie­de­ner Her­kunft, ver­schie­de­ner Ein­kom­mens­struk­tur sich tref­fen und zu­sam­men­sit­zen und die an­de­re Wirk­lich­keit auch wahr­neh­men.«

Bis zu 500 Essen gingen täglich über den Tresen

Das Pro­jekt war in­ner­halb der Ge­mein­de nicht un­um­strit­ten. Kar­ten oder Mensch är­ge­re dich nicht spie­len, sich über pro­fa­ne Din­ge un­ter­hal­ten oder auch ein­fach nur Spaß ha­ben in der Kir­che, dar­in sa­hen ei­ni­ge auch ei­ne Ent­wei­hung des kirch­li­chen Rau­mes. Aber was soll mit den vie­len Kir­chen ge­sche­hen, in ei­ner Zeit, in der die An­zahl der Kir­chen­mit­glie­der stän­dig sinkt? Sol­len wir sie leer ste­hen las­sen, und wer über­nimmt die Ko­sten für die In­stand­hal­tung? Fra­gen, die nicht nur Pfar­rer Bernd Reu­ther be­schäf­ti­gen.

 »Du kommst mit vielen Leuten schnell ins Gespräch, und es ist immer so, dass man Spaß hat beim Reden, auch wenn Schicksale dabei sind, die eigentlich nicht zum Lachen sind.«

Das Pro­jekt wird ein gro­ßer Er­folg: Schon nach we­ni­gen Ta­gen sind vie­le Be­su­cher zu Stamm­gä­sten ge­wor­den, die kul­tu­rel­len An­ge­bo­te wer­den gut an­ge­nom­men und selbst die Got­tes­dien­ste sind gut be­sucht, man­che füh­len sich an die »Ur­kir­che« er­in­nert.

Viele Besucher kommen nicht nur zum Essen in die Vesperkirche

Aber wie ist das Ver­hält­nis der Be­su­cher zur Kir­che im All­ge­mei­nen? Was macht die Men­schen so un­zu­frie­den mit der Kir­che, dass im­mer mehr Chri­sten aus­tre­ten? Wes­halb kom­men die we­nig­sten Ves­per­kir­chen­be­su­cher in den nor­ma­len Got­tes­dienst? Wie kommt es, dass sich Men­schen, die der Kir­che di­stan­ziert ge­gen­über ste­hen, für die Ves­per­kir­che eh­ren­amt­lich en­ga­gie­ren? Wo­hin muss sich Kir­che ent­wickeln, wenn sie nicht wei­ter an ge­sell­schaft­li­cher Be­deu­tung ver­lie­ren will?

Eintritt frei - Spenden erbeten! Die Benefizkonzerte sind ein wichtiger Baustein zur Finanzierung der Vesperkirche.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 55 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
Nächste Seite »