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Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


Juli 2018

»bodies in urban spaces« – die Stadt neu erfahren

Bei den Proben im öffentlichen Raum fühlt sich mancher Passant zum Mitmachen inspiriert

»bodies in urban spaces« ist ein Kunstprojekt der besonderen Art. Menschliche Kör­per werden zu Skulpturen und gehen für wenige Minuten mit Teilen der Stadt­ar­chi­tek­tur eine Symbiose ein.

Um acht Leute gut in einen Türrahmen zu stecken, braucht es viel Probenarbeit

Kurzzeitig springen dem Betrachter ar­chi­tek­to­ni­sche Details ins Auge, die er im Alltag meist übersieht. Aber genau darauf will der in Wien lebende Künstler und Choreograf Willi Dorner die Aufmerksamkeit des Be­trach­ters richten. 2007 wurde die Per­for­mance in Paris uraufgeführt, inzwischen war das Projekt in über 100 Städten zu sehen – im Juni diesen Jahres auch in Fürth.

Esther Steinkogler macht die gewünschte Position noch einmal vor und erklärt, wie die Haltung bequemer wird – das ist wichtig, weil diese mindestens fünf Minuten gehalten werden muss

Anlässlich des Stadtjubiläums wurden 20 Tänzer, Parkour-Läufer und Artisten aus ganz Deutschland gecastet, um unter der An­lei­tung von Willi Dorners cho­re­o­gra­phi­scher Assistentin, Esther Steinkogler, einen etwas anderen Stadtrundgang ein­zu­stu­die­ren.

Manche der menschlichen Skulpturen werden von Einzelpersonen gebildet, andere bestehen aus bis zu zehn Akteuren

Innerhalb weniger Tage entstanden an 30 verschiedenen Plätzen der Stadt Tableaux vivants, die – so das Ziel von Willi Dorner – den Blick der Betrachter weiten und mög­lichst die Phantasie anregen sollen, wie man öffentlichen Raum über dessen all­täg­li­che Funktionen hinaus nutzen kann.

Hier sind die Performer Parcours-Läufer, die das eigentlich gewünschte Bild noch eine Etage weiter nach oben verlegt haben

Entstanden ist eine Reportage, die die Per­for­mer während der Probenwoche bei der für sie nicht alltäglichen Arbeit begleitet und der Frage nachgeht, was Kunst im öf­fent­li­chen Raum bewirken kann.

Finale der Stadtführung am Fürther Stadttheater

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 30 Min.

Juni 2018

Bodies in urban spaces – mit der Kamera dabei

»Bodies in urban spaces« ist ein Kunstprojekt des österreichischen Choreographen Willi Dorner. Anlässlich des diesjährigen Fürther Jubiläums 200 Jahre Stadt lud das Fürther Kulturamt in Partnerschaft mit der Tanz­zen­tra­le Region Nürnberg e.V. zu einem Spa­zier­gang durch die Fürther Stadt­land­schaft ein. Wir waren mit der Kamera dabei.

Und wer sich, wie unsere Interviewpartner im Video, auch wundert: »Die Frage ist nicht, wie sie sich stapeln, sondern wie die 10 Meter an der Hauswand hochkommen, wow, und so schnell!«, dem können wir jetzt schon an­kün­di­gen – wir klären auf! Denn wir haben nicht nur die Rundgänge, sondern auch die Proben der 20 TänzerInnen und AkrobatInnen be­glei­tet. Demnächst mehr dazu bei point.

April 2018

DISSONANT – Jazz aus Nürnberg / VOLUME 2

Der zweite Teil der Filmdokumentation über den Jazz in und aus Nürnberg be­leuch­tet wieder die regionale Musik-Szene.

Die Band »Der Rote Bereich« ist aktuell mit Christian Weidner am Saxophon und Oliver Steidle am Schlagzeug besetzt

Wir machen diesmal einen Abstecher nach Berlin, zu einem renommierten Musiker mit fränkischen Wurzeln. Frank Möbus gilt als einer der wichtigsten Jazz-Gitarristen Europas. Der Einfluss, den seine Band »Der Rote Bereich« auf den Jazz in Deutsch­land hat, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Der Komponist Werner Heider suchte seit den 50er Jahren immer wieder den Dialog zwischen zeitgenössischer, neuer Musik und dem Jazz

Ähnlich erfolgreich, aber vielleicht noch ein wenig experimentierfreudiger zeigt sich der in Schwabach geborene Komponist Peter Fulda in seinem Projekt »Orpheus has just left the building«, einem Musik­pro­jekt zwischen Barock und Jazz. Im Schwa­ba­cher Stadtmuseum bringt er zusammen mit dem MetropolMusik Verein außerdem Werke des Komponisten Werner Heider zur Aufführung.

»Floating Food« ist bereits die zweite CD, die Rebecca Trescher mit ihrem Ensemble 11 in den Studios des Bayerischen Rundfunks in Nürnberg produziert

Im BR-Studio Franken begleiten wir die Trägerin des Bayerischen Kunst­för­der­prei­ses 2017, Rebecca Trescher, mit ihrem Ensemble 11 bei der CD-Produktion und por­trai­tie­ren unter anderem den Beruf eines Mu­sik­in­stru­men­ten­bau­ers aus der Nürnberger Südstadt.

40 bis 60 Arbeitsstunden stecken in einem handgefertigten Instrument aus der Werkstatt des Instrumentenbauers Harald Dallhammer

Den Abschluss bildet das junge Mu­sik­ta­lent Felix M. Valentin. Er lässt im Rahmen seiner Masterarbeit künstlerisch an­spruchs­voll und tiefgründig den Jahr­tau­sen­de alten europäischen Natur-Spi­ri­tis­mus und Reinkarnations-Glauben in einer au­ßer­ge­wöhn­li­chen Komposition mu­si­ka­lisch erklingen.

Künstlerisch anspruchsvoll und tiefgründig verbindet das Ensemble Vigor des Musikers Felix M. Valentin Wissenschaft, Philosophie und Kunst in einer außergewöhnlichen Komposition

DISSONANT wurde finanziell unterstützt durch das Kulturreferat der Stadt Nürn­berg.

Ein Film von Norbert Goldhammer  •  Länge: 30 Min.

Januar 2018

Die Welt­anschau­ungs­beauf­tragten – Die Vorletzte Ölung – Jean Paul und das Bier

Die Weltanschauungsbeauftragten haben sich den Keller des Manns Bräu für ihre Arbeit zu Jean Pauls 250. Geburtstag ausgesucht

Philipp Moll war Poet, Philosoph, Musiker und Künstler. Unter dem Pseudonym »Die Weltanschauungsbeauftragten« forschte er seit 2006 gemeinsam mit Martin Für­brin­ger über »Kultursterbebegleitung, Paranoiaevaluation oder Mut­ter­me­cha­nik«. Die beiden sahen sich als »De­tek­to­ren für Unstimmigkeiten«, die die Kom­mer­zia­li­sie­rung der Kunst kritisieren und sich aufgerufen fühlten zu verhindern, dass die »Kirchen so nen Begriff blockieren, der eigentlich weit über das hinaus geht, was die kirchliche Zuständigkeit ist.«

Beim Ausladen der Materialien für ihre Arbeit richtet Philipp Moll nochmal den Entwurf für den »Isolierschemel für versteinerte Zirbeldrüsen« – »ein schönes Bild, das Jean Paul für pädagogische Konzepte des 19. Jahrhunderts gefunden hat.«

Bei ihren Arbeiten benutzten sie bevorzugt Materialien, die sich leicht verarbeiten lassen, sich dabei aber »schön anfassen«. Wenn sie sich auf ein neues Projekt ein­lie­ßen, gab es oft erst einmal nicht viel mehr als eine grobe Idee. Mit einem Auto, voll­ge­packt mit Pappe, Heißklebepistole, Nägeln, Schraubzwingen und Cut­ter­mes­ser fuhren sie dann los und ließen sich vor Ort von den zur Verfügung stehenden Räum­lich­keiten inspirieren.

Grundlage der Arbeit der Weltanschauungbeauftragten ist Jean Pauls Roman »Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz in Auenthal«

Sie schafften es immer, Emotionen bei den Besuchern auszulösen: »Bei den meisten Leuten ist es das Gefühl der Hilflosigkeit zuallererst, manche werden dann aggressiv und gehen gleich wieder. Die, die bleiben, die kichern oft gern ein bisschen und schauen es sich dann genauer an, und das ist eigentlich das, wo wir hinwollen.«

Besonders begeistert haben sich Philipp Moll und Martin Fürbringer für die vielen Synonyme, die Jean Paul für seine große Liebe, das Bier, gefunden hat

Bei der Entstehung einer ihrer letzten Arbeiten in einem Bierkeller einer alten Brau­e­rei in Bayreuth anlässlich des 250. Geburtstages des Schriftstellers Jean Paul durf­ten wir dabei sein.

Martin Fürbringer: »Uns war immer wichtig, dass ganz viele kopfschüttelnde Leute in unseren Kunstwerken rumstehen, und sich denken, was soll das eigentlich und überhaupt nicht wissen, wofür das gut ist...«

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 35 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Dezember 2017

Der Moll von Lauf links – Nachruf auf einen ganz besonderen Menschen

»Er war Poet, Philosoph, Musiker und Künstler. Er war so durch und durch Künstler, dass er Interpretationen und Erläuterungen über seine Arbeit und sachliche Er­klä­rungs­ver­su­che der menschlichen Existenz, und des Lebens an sich für dummes eitles Geschwätz gehalten hat. Philipp war Menschenfreund, Mokkatrinker, Feinschmecker, wunderbarer Zuhörer und begnadeter Erzähler.«, so lautet die Ankündigung zu einer Veranstaltungsreihe, die Freunde und langjährige Weggefährten im Herbst 2017 aus Anlass des ersten Todestages von Philipp Moll organisiert haben.

Philipp Moll starb im Herbst 2016 im Alter von 46 Jahren

Als wir Philipp Moll 2012 im Rahmen eines Filmes über die Fürther Künstlerin Julia Frischmann kennenlernten, entstand schnell der Wunsch, Philipp filmisch zu por­trai­tie­ren. Als er im letzten Jahr verstarb, war schon vieles gedreht. Mit der Un­ter­stüt­zung von Philipps Freunden ist es gelungen, den Film fertigzustellen. Entstanden ist ein Portrait und gleichzeitig ein Nachruf auf einen besonderen Künstler und Men­schen.

Mit der Band »Fast zu Fürth« stand Philipp bereits seit den 1990er Jahren auf der Bühne

Philipp Moll stammte aus Lauf, absolvierte eine Schreinerlehre und studierte zunächst evangelische Theologie, bevor er an die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg wechselte und dort sein Kunststudium abschloss. Schon während der Schulzeit lernte er seinen langjährigen Freund Matthias Egersdörfer kennen. Beide stellten schnell fest, dass sie den gleichen Humor haben und so begann bereits am Gymnasium eine kreative Zusammenarbeit. In den 1990er Jahren lebte Philipp mit Freunden auf einem alten Bauernhof im fränkischen Winterstein. Sie gründeten den Kulturverein Winter­stein und nutzten den ehemaligen Kuhstall für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte. In dieser Zeit entstand auch die Band Fast zu Fürth, in der Philipp Moll bis zuletzt das Waschbrett und allerlei andere kleine Instrumente bediente.

Lesung aus Philipp Molls Buch »Blumen und Wurst«

Mit dem Bauernhaus in Winterstein hatte es 1996 ein Ende. Zur Freude von Philipp ergab sich 2004 in der Nürnberger Südstadt erneut die Möglichkeit, Wohnen und künst­le­­ri­sche Aktivitäten zu verbinden. Im Kunst- und Kurhaus Katana e.V. brauchte Philipp nur eine Treppe hinunterzugehen, um sich auf der Bühne in seiner mo­nat­li­chen Veranstaltungsreihe »Molls bunter Trichter« mit seinen Gästen zu treffen oder seine literarischen Arbeiten wie Briefe an sich selbst, Zeitunsgskolumnen oder sein 2013 erschienenes Buch »Blumen und Wurst« dem Publikum zu präsentieren.

Die Weltanschauungsbeauftragten bei der Arbeit zu einem Beitrag anlässlich des 250. Geburtstages von Jean Paul

Im Bereich der Bildenden Kunst arbeitete Philipp ab 2006 unter dem Label Die Welt­an­schau­ungs­be­auf­trag­ten mit Martin Fürbringer zusammen. Mit ihren Arbeiten sahen sie sich als Gegenpol zu einer sich immer stärker kommerzialisierenden Kunstwelt und beschlossen, gemeinsam im Bereich der »Kultursterbebegleitung, Paranoiaevaluation oder Muttermechanik« zu forschen.

El Mago Masin zu Gast in »Molls bunter Trichter«

Mit Philipp Moll hat die Region einen Menschen verloren, der in seiner menschlichen und künstlerischen Einzigartigkeit bei denen, die das Glück hatten, ihn kennen zu dürfen, noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 47 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
April 2017

DISSONANT – Jazz aus Nürnberg

Jazz hat in Nürnberg eine große Tradition. Obwohl das einst überregional bekannte Festival »Jazz Ost-West« schon 2002 eingestellt wurde, hat sich in Nürnberg eine lebendige Jazz-Szene gehalten und ist bis heute ein wichtiger Bestandteil des kul­tu­rel­len Lebens in dieser Stadt. »Jazzstudio«, »Balazzo Brozzi«, »Tante Betty« und neuerdings auch die »Kulturwerkstatt Auf AEG« sind Orte, an denen man Jazz un­ter­schied­lich­ster Stilrichtungen hören kann.

Szenenfoto

Das Jazzstudio direkt unter der Kaiserburg beispielsweise ist eine der ältesten Ein­rich­tun­gen seiner Art und hat sich weit über Nürnberg hinaus einen Namen gemacht. Seit den 1950er Jahren sind hier internationale Größen wie Albert Man­gels­dorff, Count Basie oder Tim Berne zu hören. Aber auch die Studierenden der Hoch­schu­le für Musik finden hier Auftrittsmöglichkeiten.

Szenenfoto

Die Ausbildung an der Hochschule findet auf höchstem Niveau statt. Die Schüler be­fruch­ten natürlich auch die regionale Jazz-Szene. So sorgt ein großer Pool von Mu­si­kern für abwechslungsreiche Programme in den kleinen und großen Clubs in und um Nürnberg. Es ist jedoch nicht leicht für die Musiker, in diesem Genre zu bestehen.

Szenenfoto

Nicht zuletzt spielt auch das zum vierten Mal veranstaltete Festival »NUEJAZZ« in Nürnberg eine immer wichtigere Rolle in der Szene. Es bietet eine innovative, junge und vor allem internationale Plattform für alle Spielarten des Jazz und ist mit­tler­wei­le weit über die Grenzen Nürnbergs hinaus bekannt und beliebt.

Szenenfoto

Die 30-minütige Filmdokumentation gibt interessante Einblicke in die Szene, be­leuch­tet Musik und Musiker, besucht Clubs und Ausbildungsstätten und lässt den Jazz im Film hochleben. Sie zeigt aber auch, wie schwierig es ist, in diesem Genre als Musiker zu reüssieren. Trotz alledem: Die Nürnberger Jazz-Szene lebt!

Ein Film von Norbert Goldhammer  •  Länge: 30 Min.

März 2017

Zauberhafte Trostlosigkeit – mit Fredder Wanoth und Elmar Tannert nach Sokolov

Vorfreude auf unbekanntes Terrain

Der Künstler Fredder Wanoth beschäftigt sich seit über 20 Jahren auf ebenso ei­gen­wil­li­ge wie phantasievolle Weise mit dem urbanen Raum, seinem Erscheinungsbild und seinen soziostrukturellen Bezügen. Systematisch bereist Wanoth seit vielen Jahren Ost- und Mitteleuropa – auf seinen Reisen nach Tschechien, Polen, Mazedonien und Russland erforscht der Künstler mit ethnologischem Gespür die mannigfaltigen Formen urbanen Lebens und urbaner Architektur.

Fredder Wanoth intressiert sich eher für nicht offenkundige Fotomotive

Das Unterwegssein ist für den Städte-Sammler und Städte-Ergründer Wanoth eine Passion, die ihn abseits des touristischen Mainstreams in Städte und Ortschaften führt, die der globalen Nivellierung noch etwas entgegenzusetzen haben. Fredder Wanoth zieht es vor, ohne Navigation zu reisen, delegiert die schöne Aufgabe der Reise- und Routenplanung an kein satelliten-gestütztes Global Positioning System (GPS), sondern lässt sich treiben und von den Dingen, die ihm begegnen, berühren.

In seinem Buch »Ein Satz an Herrn Müller« verarbeitet Reisebegleiter Elmar Tannert die gemeinsamen Erlebnisse mit Fredder, alias Alfred Wahnschaffe

Die Reiseeindrücke werden mit einer einfachen Kompaktkamera festgehalten und später in Skizzen umgesetzt, die man dann in den zahlreichen Reisetagebüchern und Arbeitsjournalen des Künstlers bestaunen kann. Gleichzeitig dienen die Fotos als Ma­te­ri­al- und Ideenspeicher für seine visionären architektonischen Gegenentwürfe.

Manchmal ist Tannerts Geduld gefordert, wenn Fredder Wanoth auf der Suche nach dem richtigen Motiv ist

Häufiger Begleiter – speziell auf Zugreisen – ist der Schriftsteller Elmar Tannert. Ge­mein­sam fahren sie in die böhmische Kleinstadt Sokolov und werden dabei von der Fil­me­ma­che­rin Cherima Nasa begleitet.

Zurück zu Hause werden die Reiseeindrücke künstlerisch verarbeitet

Ein Film von Cherima Nasa  •  Länge: 30 Min.

Dezember 2016

Ursula Kreutz – »Der Alltag ist mein Atelier«

»Kunst hat die Fähigkeit, mich im Augenblick zu verankern, also mir eine gewisse Gegenwärtigkeit vor Augen zu führen, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn ich mich auf Kunst einlasse, auch als Rezipient, bin ich gegenwärtig.«

Ursula Kreutz ist eine vielseitige Künstlerin. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist einerseits die intensive, interdisziplinäre und experimentelle Erforschung der Möglichkeiten des Mediums Fotografie, andererseits das übergreifende Thema der Erinnerung und damit verbunden das Hinterfragen von Wahrnehmung. Dabei macht sie sich oftmals selbst zum Gegenstand der Hinterfragung, indem sie in ihren Arbeiten in Form einer »Selbstuntersuchung« visuell und teilweise auch physisch präsent ist.

Teilansicht von »metabriss« (c) Ursula Kreutz

Ihre fotografischen Arbeiten sind oftmals auf fotobedruckten trans­pa­ren­ten Stoffen aufgetragen, die einen leichten Moiré-Effekt sowie kalkulierte Unschärfe her­vor­ru­fen, und werden in Bildkästen oder in von ihr gestalteten Räumen prä­sen­tiert. Durch die Transparenz des Materials und eine Verdoppelung der Motive entstehen Über­blen­dun­gen, die zu vielschichtigen Projektionsflächen transformiert werden und beim Wechseln des Betrachtungswinkels immer neue Eindrücke beim Publikum hervorrufen.

Ursula Kreutz zeigt einen ihrer Bilderkästen - hier aus der Serie flussfahrt

In den letzten Jahren hat sich Ursula Kreutz immer öfter mit Installation und Per­for­mance auseinandergesetzt. Arbeiten wie exil oder CMX und deren Abwandlungen bzw. Weiterentwicklungen haben eines gemeinsam: Die Künstlerin ist nicht nur Teil des Werkes, sie sieht in den Arbeiten auch eine Auseinandersetzung mit sich und ihrer persönlichen Entwicklung.

Standbild aus CMX_pro (c) Ursula Kreutz

Vor wenigen Wochen wurde Ursula Kreutz mit dem Kulturförderpreis der Stadt Fürth ausgezeichnet. point hat sie in ihrem Atelier besucht und lässt sie über ihre Kunst und ihre Wahrnehmung der Welt reflektieren.

Ursula Kreutz im Atelier

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 30 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
April 2016

40 Jahre KUNO – Vom Kulturladen Nord zum Kulturzentrum Nord

Als der KUNO ein Jahr nach seiner Gründung 1976 die Räumlichkeiten in der Wurzelbauerstraße bekam, mussten viele ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden in den Umbau gesteckt werden.

Das in der Nürnberger Nordstadt gelegene Stadtteilzentrum KUNO ist Teil der vor 40 Jahren entstandenen Idee, in möglichst vielen Stadtteilen kleine dezentrale Kul­tur­zen­tren entstehen zu lassen. Die vom damaligen Kulturreferenten Hermann Glaser entwickelte Vorstellung, niederschwellige, alle Bevölkerungsgruppen ansprechende kulturelle Angebote zu machen, hat unter dem Stichwort »Soziokultur« in den 1980er Jahren bundesweite Bedeutung erlangt.

Bei den berühmten Montagssitzungen rauchten nicht nur die Köpfe...

Aus der Aufbruchsstimmung der 1968er Generation heraus fanden sich im »Ku­ltur­la­den Nord« Menschen zusammen, die in der Gesellschaft etwas verändern wollten. In den 1980er Jahren gab es im KUNO viele Initiativen, die sich kulturell, sozial oder po­li­tisch engagierten. Neben den »Müttern gegen Atomkraft« nutzten unter anderem Greenpeace, die Solarenergieinitiative und Robin Wood die Räume. Vereine, wie die die Schwangerenberatungstelle oder Nürnberger Aidshilfe wurden hier gegründet. Pro­te­ste gegen Einschnitte im Kulturetat, gegen den zweiten Golfkrieg oder der Auf­ruf zum Volkszählungsboykott wurden von KUNO-Mitgliedern maßgeblich mit­or­ga­ni­siert.

Margit Mohr, Leiterin des KUNO, hat Gründungsmitglieder des Vereins eingeladen, um sich mit ihnen über die ersten Jahre auszutauschen.

Die politischen Aktivitäten wurden im Laufe der Jahre weniger, die Zahl derer, die sich aktiv engagierten, nahm ab und die Hauptverantwortlichen sahen sich mit sin­ken­den Besucherzahlen konfrontiert. Daher nahm man im Jahre 2009 einen Relaunch vor: aus dem Kulturladen Nord wurde das Kulturzentrum Nord.

Künstler haben im Galeriehaus Präsentationsmöglichkeiten, die in kommerziellen Galerien eher selten geboten werden.

Margit Mohr, seit 25 Jahren Leiterin des noch immer selbstverwalteten KUNO hielt einen Neustart für notwendig: »Der Relaunch diente dazu, dass wir uns auf unsere Kernkompetenzen besinnen, und wir haben dann herausgefunden, dass wir mit dem Galeriehaus die bildende Kunst als den ersten Kern­be­reich, als weiteren Kernbereich die Literatur mit dem jetzigen Literaturzentrum Nord haben und der dritte Kern­bereich ist der Kul­tur­treff Nord, der subsumiert das Café Zeitlos, das Kurs- und Fort­bil­dungs­pro­gramm, die Reihe Jazzfrühstück, und alle Gruppentreffs, die hier statt­fin­den.« Wenngleich sich die Schwerpunkte der Arbeit im Laufe der Jahre verschoben haben, fühlt man sich im KUNO dem Glaserschen Gedanken der Soziokultur bis heute verpflichtet.

Das alle sechs Wochen stattfindende Jazzfrühstück ist meist ausverkauft.

Seit Jahrzehnten unverändert fester Bestandteil des KUNO-Programms ist das 1. Mai-Fest. Hier kommt seit Jahren die Nürnberger Alternativ- und Politszene zusammen, schwelgt in Erinnerungen oder schaut wie der Künstler Peter Hammer vorbei, um sich zu informieren: »Man muss doch wissen, wer noch am Leben ist und wie alt er geworden ist.«, um dann festzustellen, »die sind alle älter geworden, wahrscheinlich sogar ich.«

Trotz Regen und schlechten Wetters kommen die Besucher am 1. Mai in den KUNO.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 65 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Februar 2016

Eingeschrieben in die Haut

Szenenfoto

Es ist noch gar nicht so lange her, da assoziierte man Tattoos mit Seefahrerei, Knast und Rotlichtmilieu. In den späten 1980er Jahren war ein tätowierter Unterarm »noch ’ne echte Ansage«, erinnert sich Kalle, der seit über 35 Jahren in Bamberg als Tä­to­wie­rer arbeitet. Heutzutage fällt man allerdings fast mehr auf, wenn man kein Tattoo trägt. Angeblich ist inzwischen jeder vierte Deutsche unter 35 Jahren täto­wiert. Dabei handelt es sich nicht nur um Künstler oder Kreative: Inzwischen lassen auch Bankangestellte und Beamte ihren Körper mit Tattoos verschönern. Gehört es demnach heute für junge Menschen genauso dazu, tätowiert zu sein, so wie das neue­ste iPhone zu besitzen? Ist man schlichtweg out, wenn man sich dem verweigert?

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Wenn man früher zeigen wollte, dass man ein harter Hund ist und einiges auf dem Kerb­holz hat, dann ließ man sich eine »Knastträne« tätowieren. Aber was verbinden Menschen heute mit ihrem Körperschmuck? Wollen Menschen mit ihren Tattoos etwas aussagen, sie als Kommunikationsinstrument einsetzen, oder geht es nur darum, mit­re­den zu können bzw. Teil eines Trends zu sein?

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Auch Tattoos unterliegen Moden. Klamotten, die man heute trägt, kann man morgen in den Altkleidercontainer werfen, aber was macht man mit einem Arschgeweih, das man sich vor 20 Jahren auf den unteren Rücken hat tätowieren lassen?

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Nach welchen Kriterien wählt man seinen Körperschmuck aus? Lässt man es bei ein paar Sternchen oder einer kleinen Rose, beschränkt sich auf Stellen, die man leicht bedecken kann, oder macht man es wie Johannes Stahl und lässt sich den Spruch »Shit never goes wrong« in krakeliger Schrift auf den Hals tätowieren? Lässt man sich von Mathes Krivy ein Ganzkörperkonzept tätowieren, das an polynesische rituelle Tattoos erinnert, damit aber eigentlich nichts zu tun hat, oder ist ein asiatischer Body­suit von dem Forchheimer Snüden die richtige Entscheidung, wenn man seinen Körper verschönern lassen will? Wenn der Tätowierer keine passende Vorlage hat – im Internet findet sich für jeden Geschmack das passende.

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Selbst in Kleinstädten gibt es heute meist mehrere Tattoostudios. Die Anzahl der Täto­wie­rer hat in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen, darunter sind immer mehr Absolventen von Kunstakademien und Designer wie Calina Hain. Sind Tattoos, wenn sie von Künstlern erstellt sind, Kunst bzw. wann sind Tattoos Kunst? Was bringt Menschen dazu, ihrem Tätowierer freie Hand bei der Modifizierung ihres Körpers zu geben? Tätowierer und Tätowierte erzählen von ihrem Verhältnis zu der Gestaltung des mensch­li­chen Körpers.

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Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 55 Min.

Ausschnitte aus diesem Film waren im Oktober letzten Jahres in der Ausstellung »Skin Stories. Tattoo & Kunst« in der kunst galerie fürth im Rahmen des Festivals »net:works« zu sehen – hier ein Teaser dazu.

Juni 2015

Herz aus Asphalt – eine Straße zwischen Nürnberg und Fürth

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Die Fürther Straße in Nürnberg und die Nürnberger Straße in Fürth: Diese knapp sechs Kilometer der Bundesstraße 8 sind mehr als die wichtigste Verbindungsstraße zwi­schen zwei Nachbarstädten. Hier fanden die Nürnberger Prozesse statt und hier waren mit AEG, Triumph Adler, Grundig und der Quelle große, weit über die Region hinaus bedeutende Firmen angesiedelt.

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Davon ist nicht viel geblieben und doch pocht das »Herz aus Asphalt« noch immer: Heute ist die Straße auf Nürnberger Seite vom Strukturwandel betroffen und zu ei­nem multikulturellen geprägten Boulevard geworden. Hier kann man flanieren oder es sich in schönen Cafés und Kneipen gut gehen lassen kann. Und auf Fürther Seite: da führt die Straße direkt zur Michaelis-Kirchweih, der größten Straßenkirchweih Bay­erns, und spätestens dann, wenn in Fürth die fünfte Jahreszeit ausgebrochen ist, kom­men auch die Nürnberger nach Fürth…

Ein Film von Norbert Goldhammer, Tobias Klink, Philipp Niemöller und Eike Scham­burek  •  Länge: 30 Min.

April 2015

StadtLandWand – »Es geht wirklich nur ums Malen«

Jenny Thich, Design-Studentin mit Schwerpunkt Illustration, genießt es, dass sie bei StadtLandWand nicht nur eine »Riesenwand« zum Malen zur Verfügung hat, sondern auch einfach auf den Boden zeichnen kann

Im Sommer 2016 soll »Auf AEG« die Kulturwerkstatt eröffnet werden. Eine ehe­ma­li­ge Produktionshalle wird hierfür vollständig aus- und umgebaut. Vor Beginn der Sa­nie­rungs­ar­bei­ten bespielten 14 Tage lang Street Art-Künstler, Akademie- und Design­stu­den­ten und andere Kreative die Halle. Auf dem Betonfußboden, an Wänden, auf Pa­let­ten, Hartfaserplatten oder Fenstern – überall entstanden Bilder und Graffitis.

Johannes Stahl nutzt jede Gelegenheit zum Üben: Er hat sein Live-Painting »geöffnet« und es gemeinsam mit anderen fertig gestellt

Ein Urban Art Event, das manche der Beteiligten an vergangene Zeiten erinnerte, in denen sich Skater und Sprayer in alten Fabrikhallen trafen, bevor man sich zum »Verschönern« von Hauswänden aufmachte. Andere kamen vorbei, weil sie einfach nur gemeinsam malen, sich einmal an einem 18qm großen Fenster austoben, neue Techniken ausprobieren oder mit Gleichgesinnten Spaß haben wollten.

Guy Palumbo, der nur in seiner Freizeit malt, ist bei StadtLandWand auf den Geschmack gekommen und sucht nun mehr Fenster, die er bemalen kann

Kunst mit Verfallsdatum, aber das störte niemanden. Was braucht es mehr als Farben, Sprühdosen, Pinsel, eine Couch mit ein paar Sesseln und guter Musik? Unsere Doku fängt Impressionen und Stimmungen von einem absolut unkommerziellen Pro­jekt ein.

Für Chris Herrmann, der das Event mit organisiert hat, »hat es total viel gebracht: Es gibt Perspektiven auf neues und wir haben viel gelernt und uns gut verstanden, also so muss es sein«

StadtLandWand waren: Julia Freisleben, Marie Gerstner, Chris Herrmann, Highner, Jeanette Niqué, Guy Palumbo (Guy the Guy), Johannes Stahl (JoeMadeThis) und Jenny Thich, ferner Antares, Blok, Dizko, Kid Crow, KL52, majilina, The Piff Paff Boys (Odour Odessa, Lucas Krieg, Bounty) und Julian Vogel.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 28 Min.

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