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Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


März 2022

Krea­ti­ve Per­spek­ti­ve – Die Si­tua­ti­on der frei­en Sze­ne in Nürn­berg

Die ehe­ma­li­ge Pin­sel­fa­brik Le­on­har­dy in der Jo­han­nis­stra­ße steht leer. Künst­ler aus dem Stadt­teil fra­gen sich, ob die wei­test­ge­hend in­tak­ten Räu­me der al­ten Fa­brik als Ate­liers ge­nutzt wer­den könn­ten. Doch die Stadt Nürn­berg als Ei­gen­tü­me­rin hat an­de­re Plä­ne: Das Ge­bäu­de wird wohl ab­ge­ris­sen wer­den, um die an­gren­zen­den He­spe­ri­den-Gär­ten er­wei­tern zu kön­nen. Für die Künstler*innen bleibt dann ver­mut­lich nur die Zwi­schen­nut­zung als mög­li­che Op­ti­on.

Die ehemalige Pinselfabrik im Nürnberger Stadtteil Johannis hat das Interesse dort ansässiger Künstler geweckt. Sie wird jedoch bald abgerissen.

Die freie Sze­ne hat es schwer: lang­fri­sti­ge Miet­ver­trä­ge sind die Aus­nah­me. Oft müs­sen Räum­lich­kei­ten schon nach we­ni­gen Jah­ren wie­der auf­ge­ge­ben wer­den, wie das »Auf AEG« und bei Quel­le be­reits ge­sche­hen ist. Aber Kunst braucht Raum und Krea­ti­ve ei­ne Per­spek­ti­ve. Tut die Stadt Nürn­berg ge­nug für ih­re Künstler*innen? Die Fra­ge steht seit län­ge­rem im Raum.

Künstler*innen des Nürnberger Atelierhauses »Auf AEG« schlossen sich auf der Suche nach einer neuen Heimat zusammen und fanden an der Tillystraße in Nürnberg eine neue kreative Bleibe.

Die neu ge­schaf­fe­nen Ate­liers in der Til­ly­stra­ße sind ein po­si­ti­ves Bei­spiel: Dort ha­ben vie­le ehe­ma­li­ge Künstler*innen Auf AEG durch tat­kräf­ti­ge Un­ter­stüt­zung des Kul­tur­re­fe­rats ei­ne neue Blei­be ge­fun­den. Na­tür­lich braucht es trotz­dem sehr viel Ei­gen­in­itia­ti­ve. Ein von den Krea­ti­ven ge­grün­de­ter Ver­ein sorgt für Struk­tur und küm­mert sich um die Ver­mie­tung des Ge­bäu­des.

Jeden Montag öffnet das Heizhaus seine Pforten für interessierte Besucher und bietet neben Werkstätten und Ateliers auch einen Markt mit regionalem Obst und Gemüse.

Auch im Heiz­haus auf dem al­ten Quel­le-Ge­län­de fin­det man viel En­ga­ge­ment: Dort fin­den sich schon seit meh­re­ren Jah­ren ne­ben Ate­liers auch Of­fe­ne Werk­stät­ten, klei­ne Un­ter­neh­men und ein wö­chent­li­cher Markt, der die An­woh­ner mit fri­schem Ge­mü­se aus dem Um­land ver­sorgt. Die­sen Sta­tus muss­te man sich aber hart er­kämp­fen. Auch die neu­en Mie­ter im Kes­sel­haus an der Für­ther Stadt­gren­ze ha­ben die­se Er­fah­rung ge­macht. Auch hier wa­ren es ehe­ma­li­ge Mieter*innen der Ate­liers Auf AEG, die sich dort in Ei­gen­re­gie oh­ne Un­ter­stüt­zung der Stadt ein neu­es krea­ti­ves Zu­hau­se ge­schaf­fen ha­ben.

Die Kreativen Kilian Reil und Sebastian Richter tüfteln zusammen im eigens geschaffenen Refugium im ehemaligen Kesselhaus einer alten Großwäscherei an neuen Projekten.

Fa­zit: Die freie Sze­ne hat in Nürn­berg gro­ßes Po­ten­zi­al, ist aber viel zu oft nicht sicht­bar.

Ein Film von Nor­bert Gold­ham­mer und Ka­tha­ri­na Was­mei­er  •  Län­ge: 30 Min.

Dezember 2021

»Wir blei­ben, bis Ihr han­delt!« – Die Men­schen vom Nürn­ber­ger Kli­ma­camp

Zweimal in der Woche setzen sich die Klimacamper*innen im Plenum zusammen und diskutieren aktuelle Fragen, treffen gemeinsam Entscheidungen und legen fest, welche Dinge erledigt werden müssen.

Auf dem Se­bal­der Platz, in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zum Nürn­ber­ger Rat­haus, steht seit Sep­tem­ber 2020 das Kli­ma­camp. Mit ei­ner per­ma­nen­ten Mahn­wa­che ma­chen die Aktivist*innen seit mehr als ein­ein­vier­tel Jah­ren auf die dro­hen­den Fol­gen des Kli­ma­wan­dels auf­merk­sam.

Im Laufe der 15 Monate waren mittlerweile über 400 Aktivist*innen im Klimacamp aktiv.

Mit ih­rem Pro­test wol­len sie er­rei­chen, dass die ge­wähl­ten Vertreter*innen der Stadt­ge­sell­schaft, die An­stren­gun­gen, das 2015 in Pa­ris be­schlos­se­ne Ziel, die Erd­er­wär­mung auf 1,5 Grad zu be­gren­zen, ver­stär­ken.

Das Klimacamp steht mitten auf dem Sebalder Platz, in Sichtweite zum Nürnberger Rathaus.

Dar­über hin­aus ha­ben die Aktivist*innen den An­spruch, mög­lichst re­pres­si­ons- und hier­ar­chie­frei mit­ein­an­der um­zu­ge­hen. Für sie ist das Kli­ma­camp auch der Ver­such, »ei­ne Uto­pie im Blick­feld des Rat­hau­ses zu le­ben«.

Man kann jederzeit ins Camp kommen, um sich zu informieren und mit den Aktivist*innen ins Gespräch zu kommen.

An­dre­as Kriegl­stein, der Frak­ti­ons­chef der Nürn­ber­ger CSU, ließ vor ei­ni­ger Zeit ver­lau­ten, das The­ma sei »durch­kom­mu­ni­ziert«, und die Aktivist*innen sol­len den Platz der Be­völ­ke­rung zu­rück ge­ben. Das se­hen die Klimacamper*innen völ­lig an­ders. Ge­mäß Ih­res Wahl­spruchs »Wir blei­ben, bis ihr han­delt« wol­len sie das Kli­ma­camp auf­recht­erhal­ten und die Mahn­wa­che auch im zwei­ten Win­ter fort­füh­ren.

Damit die längste Demonstration, die es in Nürnberg je gab, nicht aufgelöst werden kann, müssen Tag und Nacht mindestens zwei Menschen im Klimacamp sein.

point hat die Aktivist*innen die letz­ten zwei­ein­halb Mo­na­te bei ih­rem Pro­test be­glei­tet. Ent­stan­den ist ei­ne Re­por­ta­ge über Men­schen, die sich mit ih­rem Han­deln der dro­hen­den Kli­ma­ka­ta­stro­phe in ei­ner ih­nen ei­ge­nen Ra­di­ka­li­tät ent­ge­gen stel­len.

Im drit­ten Teil der Re­por­ta­ge sind Auf­nah­men vom Hun­ger­streik der letz­ten Ge­nera­ti­on zu se­hen – die Auf­nah­men stam­men von John Mio Meh­nert, der zu­sam­men mit An­ny Rei­ser die Ak­ti­on vor dem Ber­li­ner Reichs­tag be­glei­tet hat.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 80 Min.

Juni 2021

Vom Acker auf den Tel­ler – In­itia­ti­ven in der öko­lo­gi­schen Land­wirt­schaft

Knoblauchsländer Obst und Gemüse findet am Nürnberger Hauptmarkt viele Abnehmer. Die Sensibilität der Verbraucher für Bioprodukte ist hier groß.

2019 lag der Um­satz von bio­lo­gi­schen Le­bens­mit­teln in Deutsch­land bei 12 Mil­li­ar­den Eu­ro – das ist ei­ne Stei­ge­rung um knapp 10 Pro­zent ge­gen­über dem Vor­jahr. Den­noch ma­chen Bio-Pro­duk­te le­dig­lich 6 Pro­zent des ge­sam­ten Le­bens­mit­tel­um­sat­zes in Deutsch­land aus. Nur 12 Pro­zent al­ler Land­wirt­schafts­be­trie­be ha­ben bis­her auf Bio um­ge­stellt.

Auch das ist Bio: Produktion von Gemüse unter Glas ist im Knoblauchsland auf dem Vormarsch.

Die­se Zahl lässt sich auch auf das Knob­lauchs­land im Nürn­ber­ger Nor­den über­tra­gen. Von den rund 130 Voll­erwerbs­be­trie­ben ha­ben sich nur et­wa 10 Pro­zent auf bio­lo­gi­schen An­bau spe­zia­li­siert. Die Öko­lo­gi­sche Land­wirt­schaft bleibt in ei­ner Ni­sche. Da­bei hat sie mehr zu bie­ten als ge­sun­de Le­bens­mit­tel: Sie er­hält un­se­re Na­tur und läßt uns im Ide­al­fall wis­sen, wo un­se­re Nah­rung her kommt.

Abokisten haben während des Corona-Lockdowns viele neue Abonnenten gewonnen. Per Mausklick erhält man seine individuelle Bio-Gemüsekiste nach Hause geliefert.

Dies ist bei­spiels­wei­se beim Prin­zip der Aboki­ste Hem­ho­fen der Fall. Der Lie­fer­ser­vice hat aus­schließ­lich Bio­pro­duk­te im An­ge­bot. Vie­le wer­den so­gar am Hof selbst pro­du­ziert.

Bei der Solidarischen Landwirtschaft wird ein enges Verhältnis zwischen Erzeuger und Verbraucher aufgebaut. Hier weiß der Stadtbewohner, wo sein Gemüse wächst.

Die So­li­da­ri­sche Land­wirt­schaft geht noch ei­nen Schritt wei­ter: Durch die Mit­glied­schaft ent­steht ein en­ges Ver­hält­nis zwi­schen Land­wirt und Ver­brau­cher. Der kann so­gar be­stim­men, was auf dem Feld an­ge­baut wer­den soll.

Viehzucht ist am Münzinghof ein wesentlicher Bestandteil der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Die Kühe sind hier nicht Nutztiere, sondern Kulturtiere.

Im Münz­ing­hof hat man sich schon lan­ge der bio-dy­na­mi­schen Land­wirt­schaft ver­schrie­ben. Ein wich­ti­ger Be­stand­teil des land­wirt­schaft­li­chen Kreis­laufs ist dort die na­tür­li­che und we­sens­ge­mä­ße Rin­der­hal­tung.

Ein Film von Nor­bert Gold­ham­mer  •  Län­ge: 30 Min.

November 2020

Gi­se­la Nao­mi Blu­me – Dem Er­in­nern ver­pflich­tet

Seit Anfang der 1990er Jahre hat Gisela Naomi Blume in verschiedenen Publikationen insgesamt 350 Jahre jüdisches Leben und Sterben in Fürth dokumentiert.

Gi­se­la Nao­mi Blu­me be­schäf­tigt sich ab frü­he­ster Kind­heit mit dem The­ma Tod. Den Va­ter ver­liert sie, als sie ge­ra­de ein­mal 6 Jah­re alt ist. Ihr Ehe­mann stirbt mit 45 Jah­ren. Gi­se­la be­schliesst, mit ih­rem Le­ben et­was Sinn­vol­les an­zu­fan­gen. Sie be­ginnt, sich für die jü­di­sche Ge­schich­te ih­rer Hei­mat­stadt Fürth zu in­ter­es­sie­ren. Als sie er­fährt, dass die Grä­ber auf dem al­ten jü­di­schen Fried­hof wäh­rend des Drit­ten Rei­ches ge­schän­det wur­den, und die Nach­fah­ren die Grä­ber der Ver­stor­be­nen nicht mehr auf­fin­den kön­nen, be­ginnt sie zu re­cher­chie­ren und es ge­lingt ihr, die 6500 noch er­hal­te­nen Grab­stei­ne wie­der Men­schen zu­zu­ord­nen.

Blumes Familie entstammt den Hugenotten – die Aufzeichnungen ihres Vaters arbeitet die heute 82-jährige derzeit auf.

Als 1995 auf­fällt, dass es in Fürth zwar ein Denk­mal für die zer­stör­ten Syn­ago­gen gibt, aber kei­nes für die Op­fer der Sho­ah, ist sie es, die aus un­zäh­li­gen Ar­chi­ven die Na­men der Für­ther De­por­tier­ten zu­sam­men­trägt und so maß­geb­lich da­zu bei­trägt, dass für die­se Men­schen Ge­denk­ta­feln ent­ste­hen kön­nen.

1144 Fürther Opfer der Shoah hat Gisela Naomi Blume im Laufe der Jahre in verschiedensten Archiven recherchiert.

2002 kon­ver­tiert sie zum Ju­den­tum und wird zwei Jah­re spä­ter zur Vor­sit­zen­den der is­rae­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de in Fürth ge­wählt. 2008 gibt sie den Vor­sitz ab und wid­met sich wie­der ver­stärkt der For­schung. Meh­re­re Buch­ver­öf­fent­li­chun­gen fol­gen.

Mit dem Kulturpreis finanziert Frau Blume die Restaurierung von Schriftstücken im Stadtarchiv, die Informationen zur jüdischen Geschichte Fürths beinhalten.

Gi­se­la Nao­mi Blu­me hat im Ju­den­tum ih­re spi­ri­tu­el­le Hei­mat ge­fun­den. Dar­über hin­aus hat sie für die Stadt Fürth und die hier le­ben­den und ver­stor­be­nen Ju­den ein Stück Er­in­ne­rungs­kul­tur ge­schaf­fen, das über ihr Le­ben hin­aus Be­stand ha­ben wird. »Mein Be­stre­ben war es eben, nach jü­di­scher Tra­di­ti­on die Men­schen in gu­ter Er­in­ne­rung zu hal­ten, und den Nach­fah­ren in Be­zug auf Fürth ne­ben die schlim­men Er­in­ne­run­gen auch ir­gend­wie auf ih­re al­ten Ta­ge wie­der et­was Po­si­ti­ves da­ge­gen zu set­zen. Und ich hof­fe doch, dass das bei man­chen an­ge­kom­men ist.«

Im Herbst 2020 er­hält sie den Kul­tur­preis der Stadt Fürth.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
November 2020

Kul­tur­prei­se der Stadt Fürth 2020 – wir durf­ten die Preisträger*innen vor­stel­len

Al­le zwei Jah­re fin­det die Ver­lei­hung der Kul­tur­prei­se der Stadt Fürth statt. In den letz­ten Jah­ren ha­ben wir im­mer mal wie­der Preisträger*innen und ihr Schaf­fen in kur­zen Fil­men bei der Preis­ver­lei­hung vor­stel­len dür­fen. So sind auch im­mer wie­der län­ge­re Por­traits der Künstler*innen ent­stan­den, die wir dann bei point im Fern­se­hen ge­zeigt ha­ben, bspw. zu Ju­lia Frisch­mann, An­dre­as Oeh­lert, Kath­rin Hausel, Ur­su­la Kreutz und zu­letzt Mat­thi­as Egers­dör­fer.

Für die dies­jäh­ri­ge Ver­lei­hung des Kul­tur­prei­ses war zu­nächst nur ein Kurz­por­trait Gi­se­la Nao­mi Blu­mes, die den Kul­tur­preis der Stadt er­hält, für den Fest­abend ge­plant. Be­dingt durch Co­ro­na muss­te die Kul­tur­preis­ver­lei­hung in ih­rer be­kann­ten Form in die­sem Jahr ab­ge­sagt wer­den und auch ein ge­plan­ter Live­stream konn­te nicht statt­fin­den.

Um die Preis­trä­ge­rin­nen und ‑trä­ger zu wür­di­gen und ihr Wir­ken vor­zu­stel­len, hat uns das Kul­tur­amt Fürth be­auf­tragt, fünf Vi­de­os zu den ein­zel­nen Preis­ka­te­go­rien zu er­stel­len. Die­se ste­hen seit letz­ter Wo­che im Netz. Wir freu­en uns sehr, mit die­sem Auf­trag span­nen­de Men­schen und ihr Schaf­fen ken­nen­ge­lernt zu ha­ben, dan­ken dem Kul­tur­amt Fürth, den Laudator*innen und den Künstler*innen für die gu­te Zu­sam­men­ar­beit und gra­tu­lie­ren den Preisträger*innen ganz herz­lich zu den Aus­zeich­nun­gen!

Der Mu­si­ker Mo­ritz Kö­nig und die Künst­le­rin Bar­ba­ra En­gel­hard dür­fen sich bei­de über den Kul­tur­för­der­preis freu­en.

Die Le­on­hard und Ida Wolf Ge­dächt­nis­prei­se 2020 gin­gen an den Ma­ler Jan Ge­mein­hardt, die Tän­ze­rin Ele­na Träg­ler und die Mu­si­ke­rin Ele­na Ste­ri.

Über ih­re eh­ren­amt­li­che Ar­beit be­rich­ten Mit­glie­der des kunst­kel­ler o27 e.V., die sich über den Son­der­preis Kul­tur der Stadt Fürth freu­en dür­fen, in ei­nem Vi­deo, das Ma­xi­mi­li­an Bau­mer rea­li­siert hat.

Vol­ker Heiß­mann, Mar­tin Ras­sau, Mar­cel Gas­de und Mi­cha­el Ur­ban ha­ben mit der Co­mö­die Fürth ei­nes der er­folg­reich­sten Pri­vat­thea­ter Deutsch­lands eta­bliert und er­hal­ten da­für den erst­mals ver­lie­he­nen Stadt­rats­preis.

Für ihr be­acht­li­ches En­ga­ge­ment, das jü­di­sche Er­be der Stadt Fürth sicht­bar zu ma­chen, er­hält Gi­se­la Nao­mi Blu­me den Kul­tur­preis der Stadt Fürth. Ein 30-mi­nü­ti­ges Por­trait der Kul­tur­preis­trä­ge­rin kön­nen Sie am kom­men­den Sonn­tag auf dem point-Sen­de­platz bei Fran­ken Fern­se­hen se­hen.

Februar 2020

Taha muss ge­hen – Ju­gend­li­che Zu­ge­wan­der­te: Aus­bil­den oder Ab­schie­ben?

Rund 60 Menschen haben sich im Oktober 2019 am Paradiesbrunnen in Fürth getroffen, um ihre Solidarität mit Taha Mousa auszudrücken.

In der Hoff­nung auf ei­ne bes­se­re Zu­kunft in Deutsch­land, ver­lässt Taha Mou­sa 2013 sein Hei­mat­land Gha­na. Ge­ra­de ein­mal 13 Jah­re alt, macht er sich al­lei­ne auf den Weg nach Eu­ro­pa.

Ein 6-köpfiges Team aus ehrenamtlichen Helfern versucht, Taha für den Mittelschulabschluss fit zu machen.

Zwei Jah­re ist er un­ter­wegs, zu­nächst 4.500 km, meist zu Fuß, bis nach Li­by­en, dann in ei­nem klei­nen Holz­boot über das Mit­tel­meer. Auf sei­nem Weg nach Eu­ro­pa muss er mit an­se­hen, wie Men­schen in der Wü­ste ver­dur­sten und im Mit­tel­meer er­trin­ken.

Fußball ist Tahas größtes Hobby. Er spielt bei der SGV Nürnberg-Fürth 1883.

In Deutsch­land an­ge­kom­men, lernt er die Spra­che, be­sucht die Schu­le, schließt sich ei­nem Sport­ver­ein an und en­ga­giert sich so­zi­al. Nach ei­nem Prak­ti­kum in ei­nem Se­nio­ren­heim be­schließt er, ei­ne Aus­bil­dung zum Al­ten­pfle­ge­hel­fer zu ma­chen.

Bei einem Praktikum im Seniorenheim hat Taha seinen Traumberuf Altenpflegehelfer gefunden. Hier wollte er im September 2019 eine Ausbildung beginnen.

Doch das Aus­län­der­amt macht Taha ei­nen Strich durch die Rech­nung. Er be­kommt kei­ne Ar­beits­er­laub­nis, weil er aus ei­nem so­ge­nann­ten si­che­ren Her­kunfts­land stammt.

Nach vier Jahren in Deutschland muss Taha nun seine Sachen packen.

Der Film be­glei­tet Taha wäh­rend sei­ner letz­ten Wo­chen in Deutsch­land und zeich­net das Bild ei­nes en­ga­gier­ten und be­reits gut in­te­grier­ten jun­gen Man­nes, der nach vier Jah­ren in Deutsch­land wie­der in sein Her­kunfts­land zu­rück­keh­ren muss, ob­wohl ihn mit Gha­na nichts au­ßer schlech­ten Er­in­ne­run­gen ver­bin­det.

Taha am letzten Abend mit seinen Mitbewohnern.

Für den Zu­schau­er stellt sich die Fra­ge: ist es aus hu­ma­ni­tä­ren und öko­no­mi­schen Grün­den sinn­voll, Men­schen, die in­te­gra­ti­ons­wil­lig sind und ei­nen Man­gel­be­ruf er­ler­nen wol­len, aus­zu­wei­sen, wäh­rend gleich­zei­tig Ge­sund­heits­mi­ni­ster Jens Spahn ver­sucht, auf der gan­zen Welt Ar­beits­kräf­te an­zu­wer­ben?

Am Morgen des 3. Dezember muss Taha Deutschland erst einmal wieder verlassen.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 60 Min.

Video auf YouTube anschauen Die­sen Film gibt es in gan­zer Län­ge auf You­Tube.
auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
August 2019

Mis­si­on Le­ben ret­ten – See­not­ret­tung auf dem Mit­tel­meer – Klaus Stad­ler er­zählt die Ge­schich­te der NGO Sea-Eye

Auf überfüllten Gummibooten wie diesem werden die Migranten von den Schleppern auf die Reise über das Mittelmeer geschickt

Bei dem Ver­such, Krieg, Ar­mut und Ver­fol­gung in ih­ren Hei­mat­län­dern zu ent­kom­men und über das Mit­tel­meer Eu­ro­pa zu er­rei­chen, er­trin­ken im Jahr 2015 mehr als 3700 Men­schen.

Ein NGO-Schiff bei einer Rettungsaktion

Um das Ster­ben vor Eu­ro­pas Kü­sten zu be­en­den, wer­den dar­auf­hin in Deutsch­land und dem eu­ro­päi­schen Aus­land meh­re­re NGOs ge­grün­det. Sie kau­fen oder char­tern Schif­fe und ent­sen­den sie ins zen­tra­le Mit­tel­meer. Ei­ne die­ser Or­ga­ni­sa­tio­nen ist der Re­gens­bur­ger Ver­ein »Sea-Eye«, für den auch der Nürn­ber­ger Klaus Stad­ler ak­tiv ist.

Vereinsgründer Michael Buschheuer bei einem Vorbereitungstreffen für eine Mission in Regensburg

Für die ei­nen ste­hen die­se NGOs für den Er­halt abend­län­di­scher Wer­te und Kul­tur, – »schließ­lich kann man Men­schen doch nicht er­trin­ken las­sen« – an­de­re se­hen in ih­nen Hel­fer von Schlep­pern und Kri­mi­nel­len.

Die 'Seefuchs' mit Flüchtlingen an Bord auf der Suche nach einem 'port of safety'

Klaus Stad­ler, der zwei Mis­sio­nen von Sea-Eye als Ka­pi­tän ge­lei­tet hat, er­zählt die Ge­schich­te des Ver­eins, nimmt Stel­lung zur Kri­tik am Han­deln der NGOs und schil­dert sei­ne Be­weg­grün­de, war­um er sich trotz­dem eh­ren­amt­lich in der See­not­ret­tung en­ga­giert.

Klaus Stadler bei der Ankunft im Hafen nach einer Mission

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 62 Min.

auf DVD erhältlicher Film Die­ser Film ist auf DVD er­hält­lich.
August 2019

10 Jah­re UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on – ei­ne Be­stands­auf­nah­me in den Werk­stät­ten

Zehn Jah­re nach In­kraft­tre­ten der UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on stellt sich die Fra­ge, ob In­klu­si­on am Ar­beits­markt ei­nen ent­schei­den­den Schritt vor­an ge­kom­men ist.

Roland Buchner hat über 24 Jahre gebraucht, um gemeinsam mit der Boxdorfer Werkstatt einen für ihn geeigneten Arbeitsplatz zu finden.

300.000 Men­schen ar­bei­ten in Deutsch­land in Werk­stät­ten für be­hin­der­te Men­schen. Sie er­hal­ten für ih­re Ar­beit nur ein Ta­schen­geld. Auf dem all­ge­mei­nen Ar­beits­markt ha­ben sie kaum Chan­cen. So­lan­ge das so ist, kann von ei­ner Ver­wirk­li­chung des Rechts auf Ar­beit und Be­schäf­ti­gung im Sin­ne der UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on nicht die Re­de sein. Aber muss man die Ar­beit der Werk­stät­ten da­her in Fra­ge stel­len? Wie müs­sen sich Werk­stät­ten in Zu­kunft auf­stel­len, um mehr Men­schen mit Be­hin­de­rung ei­nen Zu­gang zum er­sten Ar­beits­markt zu er­mög­li­chen? Und was muss auf Sei­ten der Wirt­schaft und der öf­fent­li­chen Hand pas­sie­ren, um dort mehr Ar­beits­ver­hält­nis­se für Men­schen mit Be­hin­de­rung zu schaf­fen?

Inklusions-Cafés schaffen Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung.

Aus­ge­hend von die­sen Fra­ge­stel­lun­gen, die auf der Werk­stät­ten-Mes­se in Nürn­berg dis­ku­tiert wur­den, be­su­chen wir zwei Ein­rich­tun­gen in Nürn­berg, die ver­su­chen, be­hin­der­te Men­schen am Ar­beits­le­ben teil­ha­ben zu las­sen. Wir spre­chen mit Un­ter­neh­mern, die sich für die Be­schäf­ti­gung be­hin­der­ter Men­schen ent­schie­den ha­ben und zei­gen auf, wel­che fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten be­stehen, um ei­ne Ein­glie­de­rung von Men­schen mit Be­hin­de­rung in den er­sten Ar­beits­markt zu rea­li­sie­ren.

Die Arbeitsagentur versucht Lohnkostenzuschüsse an Arbeitgeber zu vermitteln, die mit behinderten Menschen arbeiten möchten.

Letzt­lich zeigt die Re­por­ta­ge aber auch, dass es noch viel zu tun gibt, will man der UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on in al­len Punk­ten ge­recht wer­den. Wirk­li­che In­klu­si­on wür­de un­se­re Ge­sell­schaft ge­rech­ter und hu­ma­ner ma­chen. Sie wür­de den Men­schen er­mög­li­chen, ihr Po­ten­ti­al voll zu ent­fal­ten.

Die Hühner des Projekts 'Rent a Huhn' leben artgerecht im Freilandgehege auf dem Gelände der noris inklusion am Marienberg.

Ein Film von Nor­bert Gold­ham­mer  •  Län­ge: 30 Min.

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