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Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


Juni 2018

»So lange ich zwei gesunde Hände habe« – Pramoens Kampf um Eigenständigkeit

Warten auf Kundschaft – Pramoen gibt die Hoffnung nicht auf

Pramoen Lauterbach betreibt einen Imbiss in der Nürnberger Straße in Fürth. Vor fünf Jahren wagte die gebürtige Thailänderin nach mehreren Jobs im An­ge­stell­ten­ver­hält­nis den Sprung in die Selbstständigkeit.

Als Pramoen ihren Imbiss eröffnete, hatte sie einen Koch, eine Küchenhilfe und eine Bedienung eingestellt. Nach und nach musste sie allen kündigen und macht heute alles alleine

Aufgewachsen ist Pramoen im Norden Thailands in der Provinz Nakhon Sawan. Die El­tern sind arme Reisbauern, das Einkommen reicht meist nur für das Nötigste. Mit 12 Jah­ren verlässt sie die Schule, um die Eltern zu unterstützen. Mit 13 Jahren geht sie ins 280 km entfernte Bangkok und arbeitet in Garküchen als Küchenhilfe und Mädchen für alles.

Pramoen will auf keinen Fall ihre Selbstständigkeit aufgeben. Sie sucht nach Lösungen, wie sie mehr Gäste fürs LaiThai gewinnen kann. Ihr neuester Einfall: Montag und Dienstag Mittag gibt es Buffet. All you can eat für fünf Euro

Durch die Vermittlung einer Freundin lernt sie mit 22 Jahren einen deutschen Mann kennen, dem sie nach Deutschland folgt. Kaum verheiratet, ohne Deutschkenntnisse und gegen den Willen ihres Mannes, sucht sich Pramoen Arbeit. Ihr ist es wichtig, nicht abhängig zu sein: »Du musst nicht bitten oder betteln, sagen, bitte, gib mir Geld, ich will einkaufen gehen oder sonst irgendwas. Oder in meine Heimat oder meinen Eltern schicken. Deswegen ich geh arbeiten, immer Arbeit, Arbeit, Arbeit…«

Trotz ihrer Situation versucht Pramoen, zuversichtlich zu bleiben und setzt dabei auch auf  buddhistische Traditionen, die sie aus ihrer alten Heimat nach Deutschland mitgebracht hat

Sie arbeitet als Putzkraft, in einer Reinigung und als Küchenhilfe in einem fränkischen Lokal, bis sie 2013 einen leer stehenden Laden in Fürth entdeckt und beschließt, dort einen Imbiss zu eröffnen. Inzwischen ist Pramoen geschieden. Ihre Tochter Jessica ist vor einigen Jahren in die USA ausgewandert. Seitdem lebt Pramoen ganz alleine hier in Deutschland.

Pramoens Tochter Jessica lebt mittlerweile in den USA – mehrmals die Woche telefonieren sie miteinander

Das LaiThai, in dem Pramoen thailändisch kocht, ist jeden Tag von 11 bis 22 Uhr geöffnet. Da der Imbiss so wenig Umsatz macht, dass sie sich keine Angestellten lei­sten kann, steht Pramoen sieben Tage die Woche in ihrem Geschäft. Trotz aller Pro­ble­me hat Pramoen sich ihr sonniges Gemüt erhalten. Wenn Kundschaft da ist, kann man ihr Singen aus der Küche bis in den Gastraum hören. Für sie steht fest, solange es irgendwie geht, will sie für ihr Einkommen sorgen: »Ich habe gesunde Hände und Füße, ich kann arbeiten. Ich habe immer mit eigenen Händen mein Geld verdient. Darauf bin ich stolz, wirklich stolz.«

Mit 13 Jahren hat Pramoen ihre Familie auf dem Dorf im Norden Thailands verlassen, um in Garküchen in Bangkok Geld zu verdienen

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 65 Min.

Mai 2016

Zeichen setzen – Nürnbergs erste Vesperkirche

Die ehrenamtlichen Helfer beim Abschlussfest

»Kuchen, Karteln, Kerzenschein« – so lautete der Slogan, mit dem die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche in der Nürnberger Südstadt im Winter 2016 die Bevölkerung erst­mals zur Vesperkirche einlud. Sechs Wochen lang sorgten fast 400 ehrenamtliche Mitarbeiter dafür, dass man sich im umgestalteten Kirchenraum zwanglos treffen konnte und für den symbolischen Preis von einem Euro ein warmes Essen erhielt. Dahinter steht für Pfarrer Bernd Reuther zum einen »ein stark dia­ko­ni­scher Ge­dan­ke«, zum anderen »bieten wir aber auch einen Raum, wo Menschen verschiedener Herkunft, verschiedener Einkommensstruktur sich treffen und zusammensitzen und die andere Wirklichkeit auch wahrnehmen.«

Bis zu 500 Essen gingen täglich über den Tresen

Das Projekt war innerhalb der Gemeinde nicht unumstritten. Karten oder Mensch ärgere dich nicht spielen, sich über profane Dinge unterhalten oder auch einfach nur Spaß haben in der Kirche, darin sahen einige auch eine Entweihung des kirchlichen Raumes. Aber was soll mit den vielen Kirchen geschehen, in einer Zeit, in der die Anzahl der Kirchenmitglieder ständig sinkt? Sollen wir sie leer stehen lassen, und wer übernimmt die Kosten für die Instandhaltung? Fragen, die nicht nur Pfarrer Bernd Reuther beschäftigen.

 »Du kommst mit vielen Leuten schnell ins Gespräch, und es ist immer so, dass man Spaß hat beim Reden, auch wenn Schicksale dabei sind, die eigentlich nicht zum Lachen sind.«

Das Projekt wird ein großer Erfolg: Schon nach wenigen Tagen sind viele Besucher zu Stammgästen geworden, die kulturellen Angebote werden gut angenommen und selbst die Gottesdienste sind gut besucht, manche fühlen sich an die »Urkirche« er­in­nert.

Viele Besucher kommen nicht nur zum Essen in die Vesperkirche

Aber wie ist das Verhältnis der Besucher zur Kirche im Allgemeinen? Was macht die Menschen so unzufrieden mit der Kirche, dass immer mehr Christen austreten? Wes­halb kommen die wenigsten Vesperkirchenbesucher in den normalen Gottes­dienst? Wie kommt es, dass sich Menschen, die der Kirche distanziert gegenüber stehen, für die Vesperkirche ehrenamtlich engagieren? Wohin muss sich Kirche entwickeln, wenn sie nicht weiter an gesellschaftlicher Bedeutung verlieren will?

Eintritt frei - Spenden erbeten! Die Benefizkonzerte sind ein wichtiger Baustein zur Finanzierung der Vesperkirche.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 55 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Februar 2014

Querungen, oder: »Wie es im Leben laufen kann«

Über das Theater spielen sich wieder selbst spüren

Sie sind Verkäufer des Sozialmagazins Straßenkreuzer, haben durch unglückliche Lebens­umstände ihre Wohnung verloren oder sind durch lange Arbeitslosigkeit in Hartz IV gerutscht – so oder ähnlich lauten die Geschichten der Menschen, die sich im Rahmen der Straßenkreuzer Uni 2011 zu einem Theaterprojekt zusammen gefunden haben.

»Ich lern' da einfach wieder ganz neue Seiten an mir kennen, die so im Alltag einfach unterdrückt sind, weil man das da nicht ausleben kann«

Unter Anleitung der Schauspielerin und Regisseurin Michaela Domes haben sie zwei­ein­halb Jahre ge­probt und gemeinsam ein Theaterstück entwickelt, das den Zu­schauern einen sehr persönlichen Einblick in die Lebenswelt der Akteure ermöglicht. Der Film begleitet die Teilnehmer bis zur öffentlichen Aufführung des Stückes und lässt sie darüber er­zäh­len, warum sie an dieser Veranstaltung der Straßenkreuzer Uni teilgenommen haben, was das Projekt bei ihnen ausgelöst hat und was sie bewogen hat, ihre Situation ein Stück weit öffentlich zu machen. Eine Dokumentation, die zeigt, dass, wie es eine Teil­nehmerin ausdrückt »wir nicht als Obdachlose geboren wurden, sondern dass uns halt etwas passiert ist und dass wir aber intelligente Menschen sind, wo es vielleicht wert ist, sich auch einmal drum zu kümmern, denen was anzubieten.«

Respekt! - ist das, was sich die Teilnehmer des Theaterprojektes der Straßenkreuzer Uni wünschen

Die zweiteilige Dokumentation über das Projekt zeigen wir am Sonntag, dem 23. Fe­bru­ar und Sonntag, dem 2. März jeweils um 19:30, 21:30 und 23:30 Uhr auf unserem Sendeplatz bei FrankenFernsehen. Am Sonntag, dem 9. März können Sie zu den glei­chen Zeiten einen Zusammenschnitt der Aufführung des Stückes sehen.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 52 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
April 2012

Bildung für alle – Die Straßenkreuzer Uni

Dr. Thomas Heyden vom Neuen Museum Nürnberg beim Vortrag: Schönheit in der Kunst

Für Menschen, die aufgrund ihrer Biografie oder ihrer sozialen Stellung kaum mit einem universitären Bildungsangebot in Berührung kommen, rief der Verein Straßen­kreuzer e. V. vor zwei Jahren die Straßenkreuzer Uni ins Leben. Das Vorlesungs­angebot ist kostenlos und wendet sich in erster Linie an Frauen und Männer aus Einrichtungen der Obdachlosenhilfe. Der Anspruch der Organisatoren ist es, wissen­schaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln und Interessierte ohne Zugangs­schwelle an spannende Wissensgebiete heranzuführen. Dabei soll niemand ausgeschlossen werden, doch vielen Besuchern der Veranstaltungen fehlt es nicht nur am Geld, andere Bildungsangebote wahrzunehmen, sondern auch am dazu nötigen Selbstbewusstsein: »Es ist einfacher, zu so einer Veranstaltung zu gehen, wenn man weiß, die Leute haben alle eine ähnliche Geschichte wie ich, ich muss mich da nicht irgendwie vorstellen, rechtfertigen, ich werd‘ nicht irgendwie komisch angeguckt.«

Zum Semesterabschluss gibt es Urkunden für erfolgreiche Teilnahme

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 25 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
April 2004

Mit € 4,52 durch den Tag

Thomas Volk stellt mit dem Computer genaue Berechnungen an, wieviel Geld er zum Leben hat

Fast drei Millionen Menschen leben in Deutschland von Sozialhilfe. Was von Teilen unserer Gesellschaft als Schmarotzertum und Arbeitsunwilligkeit angeprangert wird, ist für den größten Teil der Betroffenen ein hartes Schicksal, aus dem sie lieber heute als morgen ausbrechen würden. point stellt Menschen vor, die sich mit allen Kräften um eine Beschäftigung bemühen, aber kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Praxisgebühr und Medikamentenzuzahlung machen der chronisch kranken Rentnerin zu schaffen

Ein Film von Thomas Steigerwald  •  Länge: 12:30 Min.

Oktober 1998

Arbeitslos – abgeschrieben?

Jani Reittelbach hat sich selbständig gemacht, um der Arbeitslosigkeit zu entfliehen

Menschen und Initiativen werden vorgestellt, die für sich und andere den Weg aus dem Elend suchen. Am Beispiel eines Tauschrings, einer Umweltwerkstatt und einer von Arbeitslosen initiierten Gaststätte wird die soziale und psychische Situation von Betroffenen dargestellt. Wie fühlen und leben Menschen unter dem Existenzminimum in unserer Konsumgesellschaft? Eine mögliche Verbesserung ihrer Lage, gerade auch des Selbstbewusstseins, wird durch das gezeigte Engagement mit und für andere Betroffene verdeutlicht.

Wilfried Vogel schaffte es mit der 'Brücke zur Arbeit', Menschen aus der Arbeitslosigkeit zu helfen

Ein Film von Andrea Bothe und Thomas Steigerwald  •  Länge: 12:30 Min.