Januar 2012
»Warum sollen wir auf der Couch liegen? Wir wollen spielen!« Für Leonid Khenkin war die Sache klar, als er 2007 beim Jobcenter vorsprach: Arbeitslose Musiker aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion sollten sinnvoll tätig werden und beispielsweise in Kindergärten und Altenheimen auftreten.
Aus der Idee wurde die Musikwerkstatt der gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft Noris Arbeit (NoA) geboren. Sie hat zeitweise 80 ausgebildeten Sängern und Instrumentalisten eine Anstellung auf Basis von Ein-Euro-Jobs geboten und organisiert jährlich rund 2000 Auftritte. Weil nun die Eingliederungsmittel drastisch gekürzt worden sind, droht ihr Ende März 2012 das Aus – dies wäre das Ende für ein ungewöhnliches Projekt, welches soziale Integration und gesellschaftlichen Auftrag auf vorbildliche Weise verbindet.
Im Mittelpunkt der Reportage stehen der Orchesterleiter und Klarinettist Leonid Khenkin sowie die Opernsängerin Nailia Feyzullayeva, die mit der Hoffnung auf eine große Bühnenkarriere nach Deutschland kam. Der Film begleitet die beiden Künstler zu Proben und Auftritten und gibt Einblick in die harte Realität des Musikgeschäftes, an der ihre Träume zu scheitern drohen.
Dezember 2011
Wilhelm Löhe gründete 1854 die Diakonissenanstalt Neuendettelsau und nahm dort neben Alten und Kranken, erstmals in Bayern, auch Menschen mit geistiger Behinderung auf. Löhe ging davon aus, dass geistig behinderte Menschen bildungsfähig sind. Von daher liess er sie unterrichten und sorgte für Beschäftigung.
Doch die von Charles Darwins Evolutionstheorie ausgelöste Diskussion über die sogenannte Rassenhygiene führte bereits in den 1920er Jahren zu ersten Irritationen. Wissenschaftler und Ärzte diskutierten, ob man »unwertes Leben«, und dazu zählten auch geistig behinderte Menschen, ausmerzen müsse. Wozu dies im Dritten Reich führte, ist bekannt. Doch auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden Menschen mit geistiger Behinderung weiter diskriminiert. Erst durch die von betroffenen Eltern überall in Deutschland gegründeten »Lebenshilfen« verbesserte sich langsam die Situation.
Der Film zeigt, wie sich der Umgang mit Menschen mit geistiger Behinderung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute verändert hat.
November 2010
Im Spätsommer 2009 sind sie zusammen gezogen, 38 Senioren und 10 Alleinerziehende mit ihren Kindern. Eigentlich wollten sie sich gegenseitig unterstützen und so ein Mehr an Lebensqualität gewinnen, doch schon nach wenigen Wochen zeigte sich, dass es nicht so einfach ist mit einem friedlichen Zusammenleben, wenn unterschiedlichste Charaktere aufeinander treffen. Schnell stellte man fest, dass die Kommunikation untereinander zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen führte. So drohte die Frage, ob das Projekt wachsen und ein zweites Haus gebaut werden soll, Bewohner, Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft in zwei Lager zu spalten. Statt Argumente auszutauschen, kam es zu persönlichen Angriffen. Einige fragten sich, ob sie »hier richtig« sind, zogen sich zurück oder dachten sogar darüber nach, das Projekt zu verlassen.
Der Film zeigt, wie steinig der Weg ist, wenn 74 Menschen mit unterschiedlichsten Lebensvorstellungen zu einer Gemeinschaft zusammen wachsen wollen. Er gibt aber auch Einblicke in die schönen Seiten des Wohnexperiments und zeigt Menschen, die miteinander Spaß haben und gemeinsam neue Erfahrungen machen.
Medien PRAXIS e.V. hat das Wohnprojekt von Beginn an begleitet und daraus eine Dokumentation erstellt, die nicht nach Schuldigen sucht, sondern vielmehr Menschen zeigt, die mit viel Engagement für eine schöne gemeinsame Zukunft kämpfen.
Dezember 2009
Vor kurzem sind rund 60 Senioren und Alleinerziehende mit ihren Kindern in Nürnberg zusammengezogen, um sich unter dem Titel »wohnenPLUS« gegenseitig zu unterstützen. Der Gedanke: Alleinerziehende unterstützen Senioren, damit diese möglichst lange unabhängig leben können. Gleichzeitig kümmern sich die Senioren um die Kinder der Alleinerziehenden, so dass diese Beruf und Kindererziehung bewältigen können. Die Entwicklung dieses in Europa bisher einzigartigen Wohnexperimentes wurde von Medien PRAXIS e.V. ein Jahr lang filmisch begleitet.
Entstanden ist eine Dokumentation, die einerseits aufzeigen will, weshalb sich die Menschen für das Projekt entschieden haben, andererseits aber die Schwierigkeiten des ungewohnten Miteinander deutlich werden lässt.
April 2009
In Langenfeld, einer Gemeinde mit ca. 1000 Einwohnern, nehmen die Bürger die Bewältigung der Probleme des demografischen Wandels selbst in die Hand. Seit ihrem Aufbruch 2006 bauten sie sich eine Begegnungsstätte für alle Generationen, ein modernes Tagescafe mit Kulturscheune im aussterbenden Ortskern, begründeten einen Service für haushaltsnahe Dienstleistungen, bieten umfassende Jugend- und Kinderbetreuung. Wer sind diese Bürger, und was motiviert sie – z.B. die Arbeitskreisleiterin Petra Huprich, den Getränkemarktleiter Günter Schmidt oder den aktiven »Jungsenior« und Gemeinderat Peter Hüttl.
Mai 2008
Bis heute bedauert Paul Summ, dass ihm der Zugang zur »höheren Schule« verwehrt blieb. – Mehr Wissen, mehr Bildung… hätte ihm das geholfen, sein Leben noch bewusster auszurichten, seine philosophischen Neigungen weiterzuentwickeln? Der Landwirt widmet jede freie Minute seinen privaten Studien und philosophischen Betrachtungen. Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft in den 80er und 90er Jahren gewinnt er dafür immer mehr Zeit und beginnt schließlich seine theoretischen Erkenntnisse über lebenswerte Lebensformen in ein ganz konkretes Senioren-Wohn- und Lebenskonzept auf seinem Hof umsetzen.
Er beschließt, mit Unterstützung seiner Frau den Hof umzubauen. Sein Ziel: mit ähnlich denkenden Menschen in einer einheitlichen Wohn- und Lebenswelt zusammen zu leben. Dabei sollen auch kranke und behinderte Senioren hier einen Platz finden, an dem sie sich wohlfühlen.
April 2008
Seit Günter Düthorn vor acht Jahren pensioniert wurde, setzt er sich für Menschen in Not ein. Er engagiert sich in der Heimbelieferung der Fürther Tafel, im Besuchsdienst der Klinikseelsorge und kämpft auf persönlicher und politischer Ebene für soziale Gerechtigkeit. 12-16 Stunden Arbeit pro Tag sind nicht selten, aber ändern will er daran nichts, denn ein »beschauliches Rentnerdasein« kommt für Günter Düthorn nicht in Frage.
November 2007
Peter Lindl ist knapp 50, als er nach zwei schweren Unfällen einen großen Strich unter sein bisheriges Leben zieht. Er verkauft seine Töpferei, interessiert sich für ökologischen Landbau und lernt, Klarinette zu spielen. Inzwischen ist er 74 und so aktiv wie nie zuvor.
Er hat eine eigene Volksmusikgruppe, hat sich das Bauen von Musikinstrumenten beigebracht, bewirtschaftet seinen großen Garten nach ökologischen Gesichtspunkten und lebt zusammen mit seiner Frau Cilly ein einfaches, aber sehr ausgefülltes Leben. Das Portrait eines Menschen, der seine Lebenskrise meistert und mit viel Kreativität und Engagement zu neuen Zielen aufbricht.
August 2006
Dietrich Mrugalla ist 67 Jahre alt und leidenschaftlicher Opernfan. Seit seiner Pensionierung verbringt der ehemalige Bühnenmeister der Nürnberger Oper aber mehr Zeit mit seiner zweiten großen Leidenschaft: dem Fahren von Motorradrennen. Seit über 10 Jahren nimmt er an Wettkämpfen für historische Rennmaschinen teil, von denen er selbst mittlerweile elf Stück besitzt.
Juli 2006
Eigentlich waren Elisabeth und Karl Heinz Guhr nach Scheinfeld gezogen, um in Ruhe ihr Rentnerdasein zu verleben. Doch dann konnten sie es doch nicht lassen: Als passionierte Theater-Menschen verwickelten sie die ganze Stadt aktiv in ein Passionsspieltheater, das alle vier Jahre stattfindet.
Oktober 2005
Ins Seniorenheim wollen sie nicht. Deshalb haben Sie OLGA gegründet, was so viel heißt, wie »Oldies leben gemeinsam aktiv«. Elf Frauen zwischen 58 und 76 Jahren leben am Nürnberger Nordostbahnhof in einer Hausgemeinschaft.
Ihr Wunsch: möglichst lange gemeinsam und selbstbestimmt zu leben. Das Projekt OLGA wird von der WBG Nürnberg und dem Bundesministerium für Familie, Frauen und Gesundheit als Musterprojekt gefördert.
März 2005
Tag für Tag, Sonntag wie Werktag steht die 86-jährige Marianne Praml hinter dem Tresen ihres Tante Emma Ladens in Oberasbach bei Nürnberg. Seit über 50 Jahren ist dies so und so soll es auch bleiben, solange die Gesundheit es zulässt. Auch wenn heute die Geschäfte nicht mehr so gut gehen wie früher, sie liebt ihre Kunden und die Kunden lieben sie, denn – »… man geht halt zur Praml».
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