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Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


Mai 2017

Selbstbestimmt und mit Freude lernen – Die Lernwerkstatt

Selbstbestimmt, voneinander und miteinander lernen und dabei Spaß haben – das ist das Ziel der Lernwerkstatt in der Emskirchener Grundschule. Einmal pro Schuljahr kommt jede Klasse für drei Wochen in die Lernwerkstatt. In speziell für diesen Zweck umgewidmeten Räumen dürfen die Schüler selbst entscheiden, was sie erforschen wol­len. Vorgegeben ist nur ein sehr allgemein formuliertes Thema. Wie sie an die not­wen­di­gen Informationen kommen und wie sie zum Abschluss ihre For­schungs­er­geb­nis­se präsentieren, ist Sache der Schüler.

Die drei forschen über Nofretete und Cleopatra. Lotte fragt sich: »Frauen waren ja früher nicht so wichtig, und dann wurden die beiden aber Pharaoninnen, das find ich ganz spannend.«

Die Schüler haben die Möglichkeit, in Kleingruppen und in ihrem eigenen Tempo den Din­gen auf den Grund zu gehen. Sie suchen zu ihrem Thema Informationen aus Bü­chern und dem Internet zusammen und experimentieren mit in der Lernwerkstatt vorhandenen Materialien. Wenn die Kinder die Informationen zu ihrem Thema zu­sam­men­ge­tra­gen und im Forscherheft festgehalten haben, werden die Ergebnisse für die Präsentation vor der Klasse aufgearbeitet.

Die Kinder schrecken beim selbstständigen Forschen auch nicht vor schwierigen und komplexen Themen zurück.

Die Lernwerkstatt erfordert auch von den Lehrern eine neue Interpretation ihrer Rol­le: Sie sind nicht primär, wie im normalen Unterricht, als Wissensvermittler, sondern vielmehr als Lernbegleiter gefordert. Dieses Umdenken ist nicht jedem leicht ge­fal­len. Inzwischen sind aber aus den meisten Skeptikern Fans der Lern­werk­statt­idee geworden.

»Du kannst lernen, ohne dass Du halt Druck hast, und du kannst Dir aussuchen, über was du forschst oder worüber du jetzt was lernst.« Tyler und Niclas beim Experimentieren am Mikroskop

Für Lernwerkstattberaterin Tanja Schedl geht es in der Lernwerkstatt um mehr als den Erwerb von reinem Faktenwissen: »Die Bedeutung, Wissen, Fakten abrufbar parat im Kopf zu haben, zeigt sich in der Gesellschaft kaum noch als notwendig, bei einem normalen Abendessen sitzen Menschen am Tisch und jeder hat sofort die Möglichkeit, digital auf ein Lexikon zuzugreifen und dieses Wissen parat zu haben, insofern hat die Technik diese Notwendigkeit, Wissen und Fakten abrufbar zu haben, einfach über­holt.«

Fast das gesamte Kollegium arbeitet im Lernwerkstatt-Team mit. Gemeinsam bereiten sie das Thema für das kommende Schuljahr vor. Auch wenn hier didaktisches Material ausprobiert wird – zum Einsatz kommt es in Emskirchen kaum. Die Kinder sollen ihre Kreativität möglichst frei entwickeln.

Für sie spielen das Erlernen von eigenverantwortlichem, selbstbestimmten Handeln, die Entwicklung von Sozialkompetenz und das kreative Präsentieren der Ergebnisse eine mindestens genauso große Rolle. Sie sieht in der Methode auch eine Möglichkeit, die Kreatvität von Kindern zu fördern: »In der normalen Freizeitgestaltung ist bei unseren Kindern häufig zu beobachten, dass sie bespielt oder bespaßt oder versportet in irgend einer Form immer angeleitet werden, und kreative eigenen Ideen zu finden von den Kindern einfach wenig gefragt wird.«

Sophie und Jule präsentieren ihren Mitschülern die Mode der 70er und 80er Jahre. »Das lustige ist, da ist eine Hose darunter. Die hat man angezogen, dann ist man so aus dem Haus gegangen,  hat sich irgendwo im Busch oder so versteckt und hat die Hose ausgezogen und ist dann so in die Disco gegangen.«

Schule kann Spass machen! Das kann man an der Emskirchener Grundschule hautnah erleben.

HERMANN GUTMANN STIFTUNG Dieser Film wurde als Ko­ope­ra­tions­projekt im Auf­trag der HERMANN GUT­MANN STIFTUNG in jour­na­li­sti­scher Ver­ant­wor­tung von Medien Praxis e. V. realisiert.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Stei­gerwald  •  Länge: 3 mal 30 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
November 2016

»Wir sind bunt« – Einblicke in eine »ganz normale« Grund- und Mittelschule

Das Bayerische Schulsystem ist bis heute dreigegliedert. Nach einer gemeinsamen vier­jäh­ri­gen Grundschule für alle Regelschüler sieht es nach der vierten Klasse eine Aufteilung in verschiedene Schularten vor. Neben den sogenannten »weiterführenden Schulen«, dem Gymnasium und der Realschule, gibt es seit 2011 die Mittelschule, für, wie es eine Lehrerin beschreibt, »den Rest, der es nicht geschafft hat«. An ca. 600 Stand­orten in Bayern sind an die Grundschule Mittelschulen angeschlossen, so auch an der Fürther Pestalozzischule.

In den meisten Schulstunden steht auch für Klassen, in denen viele Schüler einen erhöhten Förderbedarf haben, nur eine Lehrkraft zur Verfügung

2011 wurden die ehemaligen Hauptschulen in Mittelschulen umbenannt. Im Baye­ri­schen Kultusministerium versprach man sich davon eine Aufwertung des Schul­spren­gels. Aber hat die Namensänderung etwas gebracht? Die stärkeren Schüler verlassen weiter nach der vierten Klasse die Grundschule Richtung Gymnasium oder Realschule.

Die Zusammenarbeit zwischen Förderschülern der Hallemannschule und den Regelschülern funktioniert in der Grundschule gut, wird aber durch den Weggang der sozial starken Schüler auf weiterführende Schulen immer schwieriger

Dabei sind die Ansprüche an die Mittelschule weiter gestiegen. Eltern haben die Mög­lich­keit, frei zu wählen, ob sie Kinder, die ein Handicap haben, an eine För­der­schu­le oder eine Grund- und später dann Mittelschule schicken. Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund und den damit oftmals verbundenen Sprachschwierigkeiten ist in den letzten Jahren kontinuierlich angewachsen, Lehrer sehen sich immer öfter mit Schülern konfrontiert, die verhaltensauffällig sind oder Motivationsprobleme haben.

Zusätzlicher Förderunterricht ist erst durch das Profil Inklusion möglich, das die Pestalozzischule seit 2014 hat – für 50 Kinder mit erhöhtem Förderbedarf stehen jedoch nur 24 Wochenstunden zur Verfügung

Was geblieben ist, ist der Wunsch von Schulleitung und Lehrern, die Schüler möglichst gut auf die Arbeitswelt vorzubereiten, aber ist dies unter diesen Umständen zu schaffen? Kann ein einzelner Lehrer die Ansprüche, die an ihn gestellt werden, über­haupt erfüllen oder bedarf es dazu eigentlich einer zweiten ausgebildeten Lehrkraft, zumindest in den Kernfächern? Wie soll man Einzelne fördern, wenn sich alleine an der Mittelschule 50 Schüler mit besonderem Förderbedarf befinden und dafür gerade einmal 24 Förderstunden pro Woche zur Verfügung stehen? Welche Rolle spielt dabei das Bayerische dreigliedrige Schulsystem, und was bedeutet es insbesondere im Bezug auf den Inklusionsgedanken?

Ab der siebten Klasse werden die Schüler durch verschiedene Maßnahmen auf den Berufseinstieg vorbereitet – hier bei einem Praktikum in einer Schreinerei

Eine engagierte Lehrerin aus der Mittelschule meint: »Solange Eltern tagtäglich in der Grundschule erleben, wir müssen stark sein, das hat ’nen Wert. Ich will, dass mein Kind aufs Gymnasium geht, die Mittelschule, das sind die Idioten, ich sags mal so deutlich, kann ich nicht davon sprechen, dass alle Menschen irgendwie einen glei­chen Wert haben, und das ärgert mich persönlich.« Sie träumt davon »dass wir den Kindern eine Schule anbieten können mit einer Schultüre und sich diese Schule dann innerhalb des Gebäudes verzweigt, so dass die Kinder die Möglichkeit haben, ent­spre­chend ihrer Ver­an­la­gung und Begabung das eine oder andere zu absolvieren.« Eine Vorstellung, die wohl immer ein Traum bleiben wird?

Projekte, die zur Berufsvorbereitung dienen, wie die Anschaffung und der Ausbau eines Bauwagens für die SMV, wären ohne die Unterstützung von Sponsoren nicht möglich

Medien PRAXIS e.V. hat mehrere Jahre die Situation an der Fürther Pestalozzischule verfolgt. Entstanden ist eine dreiteilige Reportage mit folgenden Schwerpunkten:

  1. Möglichkeiten und Grenzen des Miteinander und voneinander Lernens im drei­glie­dri­gen Schulsystem

  2. Die Schwierigkeiten, den Gedanken der Inklusion an einer Mittelschule mit Le­ben zu füllen

  3. Die Herausforderung, Schülern eine adäquate Berufsvorbereitung zukommen zu lassen

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 90 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
November 2016

Mitmachen macht Schule – Das »Freiwillige Soziale Schuljahr«

Szenenfoto

Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse von Mittelschulen, Realschulen und Gym­na­si­en können in Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen von Kommunen, Ver­bän­den und Vereinen ein Freiwilliges Soziales Schuljahr (FSSJ) ableisten.

Szenenfoto

Die Einsatz-Möglichkeiten reichen von Kindergärten bis Altenheimen, von der Frei­wil­li­gen Feuerwehr zum Bund Naturschutz, vom Tierheim zum Sportverein. Das FSSJ beinhaltet über die Dauer eines Schuljahres außerhalb des Unterrichts eine zwei­stün­di­ge ehrenamtliche Tätigkeit in der Woche.

Szenenfoto

Dieses Projekt der Caritas bietet Schülerinnen und Schülern die Chance, sich sozial zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen und wichtige soziale Kompetenzen zu trai­nie­ren. Zudem gibt es Anregungen für die berufliche Zukunft und ein Zeugnis.

Ein Film von Monika Zurhake und Jochen Vetter  •  Länge: 27:30 Min.

Januar 2015

Miteinander lernen, aneinander wachsen – Inklusion in einer Partnerklasse

Eine wichtige Rolle beim gemeinsamen Lernen spielen die Paten

Seit 2002 gibt es an der Fürther Pestalozzischule eine sogenannte Partnerklasse. Hier werden Regelschüler und Kinder mit besonderem Förderbedarf aus der Halle­mann­schule der Lebenshilfe von einer Grundschullehrerin und einer Sonder­schul­lehrerin von der ersten bis zur vierten Klasse gemeinsam unterrichtet.

An der Pestalozzischule gibt es eine offene Ganztagesbetreuung, bei der die Kinder unter vielen Freizeitangeboten wählen können: Dienstags trifft sich die Ruder-AG am Rhein-Main-Donau Kanal

Hintergrund ist eine UN-Resolution, die 2009 von der Bundesregierung ratifiziert wurde. Dort heißt es, dass Menschen mit Handicap die Teilnahme an allen gesell­schaft­lichen Belangen zu ermöglichen ist. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass auch Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen an Regelschulen ein­ge­schult werden.

Gegenseitiges Vertrauen ist nicht nur beim Geburtstagsritual wichtig in der Partnerklasse

Die Idee, die Inklusion in Form einer Partnerklasse zu realisieren, wurde zunächst von allen Seiten mit einer gewissen Skepsis beobachtet: Eltern von Förderschülern hatten Bedenken, dass ihre Kinder zu wenig Aufmerksamkeit bekämen, Eltern von Regelschülern befürchteten, dass ihre Kinder nicht genug lernen. Doch von den an­fäng­lichen Bedenken ist in der Partnerklasse wenig geblieben. Man ist sich in­zwi­schen einig, dass beide Seiten voneinander profitieren. »Es ist nach den vier Jahren jetzt für alle ein Gewinn, wir haben von den Behinderten gelernt, und die Be­hin­der­ten eben von den normalen Kindern und das ist eigentlich für alle eine Situation, die schön ist, weil keiner irgendwo Verlier ist, sondern alle dadurch gewonnen haben«, so die Mutter einer Regelschülerin.

Bei der letzten gemeinsamen Klassenfahrt auf Burg Trausnitz

Der Film begleitet Schüler einer Partnerklasse während ihrer Grundschulzeit und zeigt, dass Inklusion mehr sein kann als eine gesellschaftliche Randnotiz, wenn der politische Wille dazu vorhanden ist.

Wir bedanken uns für die Unterstützung bei:
HERMANN GUTMANN STIFTUNG
Lebenshilfe Fürth e. V.
Förderverein PESTA e. V.
Regierung von Mittelfranken

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 64 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
November 2013

»Mit sich selbst im Grünen sein« – Netzwerk Soziale Landwirtschaft

Szenenfoto

Die Idee der Verbindung von Landwirtschaft und Sozialarbeit/Sozialpädagogik hat vielfältige, voneinander unabhängige historische Wurzeln, u. a. das Wirken des ukrai­nischen Pädagogen Anton Semjonowitsch Makarenko, aber auch die Impulse Rudolf Steiners in der Heilpädagogik und Landwirtschaft. In den letzten Jahren erlebt dieser Ansatz eine neue Blüte als Grüne Sozialarbeit und Soziale Landwirtschaft in einer Vielzahl von Einrichtungen mit ganz unterschiedlichen Zielgruppen.

Szenenfoto

Ihr gemeinsames Ziel: Durch die Verbindung von Landwirtschaft, Gartenbau und sozialer Arbeit Menschen, die auf Grund eines Handicaps auf dem ersten Arbeits­markt keine Chance haben, Beschäftigung zu geben. Dabei steht nicht die Gewinn­maximierung im Vordergrund, sondern die Suche nach einer Tätigkeit, die Sinn stiftet und Spaß macht, ohne zu überfordern.

Szenenfoto

Obwohl diese Konzepte schon seit Jahren erfolgreich in der Arbeit mit körperlich und geistig behinderten Menschen, mit psychisch Kranken und ehemals Drogenabhängigen angewandt werden, wird ihnen in Deutschland eine Anerkennung als eigenständige Therapieform verweigert. Nicht zuletzt um dies zu ändern, haben sich viele dieser Einrichtungen im Netzwerk »Soziale Landwirtschaft« zusammengeschlossen.

Szenenfoto

Der Film gibt Einblick in die Arbeit von vier Einrichtungen und zeigt auf, was sich die Beteiligten von dem Netzwerk erhoffen.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 28 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Oktober 2013

»Abenteuer für alle« – Mühlenkraft e. V.

Bis hier wieder Leben einkehrt, muss noch viel Geld in die Hand genommen werden

2009 kaufte Mühlenkraft e. V. in der Hersbrucker Schweiz die Harnbacher Mühle. Der Verein will das 21 Hektar große Gelände in den nächsten Jahren so entwickeln, dass Menschen mit Handicap hier nicht nur eine sinnvolle Arbeit finden, sondern ihnen auch ein möglichst freier Zugang zur Natur ermöglicht wird.

»Abenteuer für alle« auf der Pegnitz

Unter dem Titel »Abenteuer für alle« organisiert der Verein bereits seit einigen Jah­ren Freizeiten in der Natur. Mit selbstgebauten Rollfietsen werden für gehbehinderte oder gelähmte Menschen Waldwege zugänglich, mit entsprechenden Schlauch­booten können sie sogar an einer Bootsfahrt teilnehmen.

Man muss sich nur zu helfen wissen - mit einfachen Hilfsmitteln ist der Zugang zur Natur für alle möglich

Mit dem Ausbau des Geländes sollen in den nächsten Jahren diese Aktivitäten weiter entwickelt werden. Gleichzeitig soll die Harnbacher Mühle zu einem Ort der Begeg­nung werden, der Menschen mit Handicap interessante Arbeitsplätze bietet. Hierzu will der Verein eine Schule errichten, gastronomische Angebote machen und die Wald- und Wiesenflächen gärtnerisch bewirtschaften.

Mit den selbstgebauten Rollfietsen auf Erkundungstour

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg: Zunächst muss das nötige Geld be­sorgt werden. Keine einfache Aufgabe, zumal das Gelände auch noch in einem Natur­schutz­gebiet liegt.

Studenten der Permakultur-Akademie diskutieren über eine möglichst naturfreundliche Umsetzung der geplanten Aktivitäten

Die Reportage zeigt zum einen die ersten Freizeitangebote, die hier für Jugendliche mit und ohne Handicap gemacht werden, zeigt das ehrenamtliche Engagement des Netzwerkes »Unternehmen Ehrensache«, die bei einem Corporate Volunteering Day den Verein bei Arbeiten auf dem Gelände unterstützt haben und begleitete eine Gruppe von angehenden Permakulturdesignern, die sich eine Woche damit beschäf­tigt haben, wie man die geplanten Aktivitäten des Vereines an der Harnbacher Mühle so verwirklichen kann, dass dabei möglichst wenig Eingriffe in die Natur erforderlich sind.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 27 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Juli 2013

»Schüler fragen – Politiker antworten« – ein Projekt mit der 10c des Johannes-Scharrer-Gymnasiums

Mitte September sind Bundestagswahlen. Ein Thema, das auch in der Schule bear­beitet wird, aber bei Jugendlichen meist wenig Begeisterung auslöst. Grund genug für Medien PRAXIS e. V., das Thema gemeinsam mit Schülern des Nürnberger Johan­nes-Scharrer-Gymnasiums etwas genauer zu betrachten.

Fast 40 Schulstunden lang haben die Schüler recherchiert, diskutiert und Fragen entworfen

In dem Projekt »Schüler fragen – Politiker antworten« mit der Klasse 10c des Johan­nes-Scharrer-Gymnasiums haben Mitarbeiter von Medien PRAXIS e. V. in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Sozialkundelehrer von März bis Mitte Juli die Schüler darauf vor­be­rei­tet, jeweils halbstündige Interviews mit Bundestagsabgeordneten bzw. –kan­di­da­ten der fünf im Bundestag vertretenen Parteien zu führen, die dann auf unserem Sende­platz in fünf point Spezial-Sendungen ausgestrahlt werden.

In der Nürnberger Fußgängerzone wurden Passanten nach ihrem Wahlverhalten befragt

Auch in der 10c war das Interesse an Politik zunächst eher gering, die Aussagen der Schüler reichten von: »Oftmals verwirrend und kompliziert« bis zu »Für die meisten jungen Menschen echt uninteressant und eigentlich weiß keiner wirklich viel drüber«. Politiker waren »Leute, die versuchen, durch Verdrehung der Ereignisse Sachen für sich besser dastehen zu lassen«, »Leute, die viel reden und irgendwie nicht so viel machen« oder »sie sollten ’nen echten Doktortitel haben, den sie sich wirklich verdient haben und wenn nicht, dann sollten sie besser lügen können«.

Höhepunkt des Projektes waren die Einzel-Interviews mit Mandatsträgern und Kandidaten für die Bundestagswahl

In Kleingruppen wurde vier Monate und fast 40 Schulstunden lang recherchiert und diskutiert. Eine Schülergruppe befragte Passanten zu deren Politikverständnis und Anfang Juli führten die Schüler die Interviews mit Bundestagskandidaten der fünf im Bundestag vertretenen Parteien.

Nach der einleitenden Reportage am kommenden Sonntag sehen Sie an den folgenden fünf Sonntagen die Interviews mit den Politikern:

Sonntag, den 11. Aug. 2013:   Harald Weinberg, MdB, DIE LINKE
Sonntag, den 18. Aug. 2013:   Tilman Schürer, FDP
Sonntag, den 25. Aug. 2013:   Uwe Kekeritz, MdB, Bündnis 90/Die Grünen
Sonntag, den 01. Sep. 2013:   Gabriela Heinrich, SPD
Sonntag, den 08. Sep. 2013:   Michael Frieser, MdB, CSU

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 18 Min.

September 2012

Im Gleichklang mit der Natur – die Dorfgemein­schaft Hausenhof

Präparatetag auf dem Hausenhof - ein Baustein im biologisch-dynamischen Anbau

In der Nähe der mittelfränkischen Gemeinde Dietersheim liegt der Hausenhof: Die von einer Elterninitiative vor 25 Jahren gegründete anthroposophische Lebens­gemein­schaft hat den Anspruch, umweltbewusst zu leben und Menschen mit Unter­stützungs­bedarf zu fördern.

Klaus Hermannstädter arbeitet schon seit vielen Jahren in der Landwirtschaft des Hausenhofs und fühlt sich dabei sichtlich wohl

Derzeit leben und arbeiten auf dem Hausenhof 122 Menschen – die Hälfte davon mit geistiger Behinderung. Das Gemüse wird in der Gärtnerei und auf den Feldern angebaut, Fleisch und Milch liefern die zum Hof gehörenden Schweine und Kühe. Der benötigte Strom kommt von den eigenen Photovoltaikanlagen, eine Hackschnitzel­heizung sorgt im Winter für die nötige Wärme.

Im Dorfladen bekommt man die hofeigenen Produkte und trifft sich auf einen Plausch

Die Menschen mit und ohne Förderbedarf leben in großfamilienähnlichen Strukturen zusammen. Arbeit finden die Bewohner in der Landwirtschaft oder der Dorfmeisterei, in der Käserei oder Bäckerei, in der Weberei oder dem Dorfladen. Die Reportage ge­währt Einblicke in eine Lebensform, die mitunter an längst vergangene Zeiten er­innert und doch zukunftsfähig zu sein scheint.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 38 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Juni 2012

Hochbegabung – Vom Schwimmen gegen den Strom

Schon in frühester Kindheit entdeckte Dominik seine Leidenschaft für Musik

Familie Malowaniec bewohnt mit zwei Kindern, einer Katze und einem verspielten Hund ein Reihenhaus in einem Nürnberger Vorort. Der Vater geht zur Arbeit, die Mutter kümmert sich um den Haushalt und die Erziehung der Kinder. Eine Familie, wie es unzählige gibt, und doch werden sie in der Nachbarschaft zum Gesprächsstoff, als bekannt wird, dass ihre beiden Kinder hochbegabt sind und eine Klasse über­springen. Frau Malowaniec erinnert sich: »Als wir darüber gesprochen haben, weil wir einfach selber die Freude mitteilen wollten, haben wir gemerkt, dass es in Neid ausgeartet ist, und in Mobbing.« – eine Erfahrung, die Eltern hochbegabter Kinder immer wieder machen müssen.

Familie Malowaniec im Mathematikum: Das Interesse ihrer Kinder zu fördern, war den Eltern immer wichtig

Dabei ist es meist weder für die Eltern noch für die Kinder einfach, mit dieser besonderen Gabe umzugehen. Bei den einen führt die Unterforderung an der Schule zur Leistungsverweigerung, andere fühlen sich als etwas Besonderes, reagieren mit Arroganz und werden so zu Außenseitern.

Malen und Zeichnen gehört zu Verenas Lieblingsbeschäftigungen

Um derartige Probleme zu vermeiden, setzen sich die Eltern intensiv mit dem Thema auseinander und investieren viel Zeit in die Erziehung: »Das waren nicht Kinder, die man in die Ecke setzen konnte, die haben einen immer wieder herausgefordert.« Sie versuchen, ihren Kindern eine unbeschwerte Kindheit, frei von Leistungsdruck zu ermöglichen und ihnen gleichzeitig ein gesundes Selbstwertgefühl mitzugeben: »Ich hab immer mit den Kindern ein Lied gesungen – sei ein lebendiger Fisch und schwim­me gegen den Strom, es ist manchmal schwer, gegen den Strom zu schwimmen, aber es lohnt sich.«

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 30 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
April 2012

Bildung für alle – Die Straßenkreuzer Uni

Dr. Thomas Heyden vom Neuen Museum Nürnberg beim Vortrag: Schönheit in der Kunst

Für Menschen, die aufgrund ihrer Biografie oder ihrer sozialen Stellung kaum mit einem universitären Bildungsangebot in Berührung kommen, rief der Verein Straßen­kreuzer e. V. vor zwei Jahren die Straßenkreuzer Uni ins Leben. Das Vorlesungs­angebot ist kostenlos und wendet sich in erster Linie an Frauen und Männer aus Einrichtungen der Obdachlosenhilfe. Der Anspruch der Organisatoren ist es, wissen­schaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln und Interessierte ohne Zugangs­schwelle an spannende Wissensgebiete heranzuführen. Dabei soll niemand ausgeschlossen werden, doch vielen Besuchern der Veranstaltungen fehlt es nicht nur am Geld, andere Bildungsangebote wahrzunehmen, sondern auch am dazu nötigen Selbstbewusstsein: »Es ist einfacher, zu so einer Veranstaltung zu gehen, wenn man weiß, die Leute haben alle eine ähnliche Geschichte wie ich, ich muss mich da nicht irgendwie vorstellen, rechtfertigen, ich werd‘ nicht irgendwie komisch angeguckt.«

Zum Semesterabschluss gibt es Urkunden für erfolgreiche Teilnahme

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 25 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Februar 2012

Unterstützung inbegriffen? – Chancen und Grenzen der Inklusion

Noch ist es die große Ausnahme, dass Menschen mit geistiger Behinderung die Grund­schule besuchen, in der freien Wirtschaft arbeiten oder mitten im Stadtteil in einer Wohngemeinschaft leben. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar war, soll, wenn es nach den Vorgaben einer von der Bundesregierung ratifizierten UN-Resolution geht, zum Normalfall werden. Ziel der Inklusion ist es, Menschen mit Handicap an allen gesellschaftlichen Belangen gleichberechtigt teilhaben zu lassen.

Seit 2002 gibt es an der Fürther Pestalozzischule eine inklusive Partnerklasse. Vom ersten bis zum vierten Schuljahr werden hier Kinder mit besonderem Förderbedarf im Bereich »geistige Entwicklung« gemeinsam mit Grundschulkindern unterrichtet.

Gegenseitige Unterstützung ist in der inklusiven Partnerklasse mittlerweile selbstverständlich

Die Vielfalt der Begabungen stellt hohe Ansprüche an die Lehrer und erfordert zusätz­liches Personal, um auch den schwächeren Schülern ein ihren Fähigkeiten adäquates Lernen zu ermöglichen. Ein Aufwand, der sich aus Sicht der Lehrerin Gabi Wille lohnt: »Ich finde es eine ganz wunderbare Art des Miteinanders, diese Freude, ein Buch in die Hand zu nehmen, beim einen Kind zu beobachten, während ein anderes jetzt schon mit Zahlen umgehen kann, aber nicht sprechen kann, und dieses Erlebnis ist jeden Tag ein Geschenk, aber jeder Tag ist unplanbar.«

Martin Truckenbrodt gefällt sein Außenarbeitsplatz

Seit Herbst 2010 bietet die Lebenshilfe Fürth Mitarbeitern der Werkstätten die Möglichkeit, auf einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft zu wechseln. Mit Unter­stützung eines Integrationsbeauftragten haben bisher acht Mitarbeiter diesen Schritt gewagt. Martin Truckenbrodt ist einer von ihnen: Er arbeitet im Warenlager einer Werbemittelfirma und sieht die Mehrbelastung, die die neue Arbeitsstelle mit sich bringt, positiv: »In den Werkstätten war ich dicker, da nehm ich wenigstens ab, weil ich soviel Bewegung hab». Firmenchef Roland Brombacher ist mit Martin mehr als zufrieden: »Der hat einen wahnsinnigen Antrieb, der Kerl hat eine total gute Seele. Das kann man sich gar nicht vorstellen.«

Die ambulant begleitete Wohngemeinschaft bespricht den Speiseplan für die nächste Woche

Seit dem Frühjahr 2010 gibt es in Fürth für Menschen mit geistiger Behinderung eine Alternative zum Wohnheim. Die Lebenshilfe hat in der Fürther Südstadt eine Woh­nung angemietet, in der junge Erwachsene die Möglichkeit haben, zusammen zu leben. Lisa, Tobias, Florian und Stefan haben sich bewusst für das ambulant begleite­te Wohnen in einer Wohngemeinschaft entschieden, »weil wir halt selber alles lernen, essen, putzen, einkaufen…« Seit dem Einzug haben die WG-Bewohner große Fortschritte gemacht und vielleicht wird ihr großer Traum, ganz ohne Betreu­ung leben zu können, eines Tages Wirklichkeit.

Drei ermutigende Beispiele, aber die betroffenen Lehrer und Pädagogen warnen davor, aus solchen Beispielen zu schließen, dass dies die Lösung für alle Menschen mit Handicap sein kann.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 28 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Dezember 2011

50 Jahre Lebenshilfe Fürth – vom Versorgen zum Begleiten

Betreuung in der Lebenshilfe heisst Begleiten und Unterstützen

Lebenshilfen gibt es heute in fast jeder deutschen Stadt. Von betroffenen Eltern vor 50 Jahren gegründet, gibt es heute über 500 eigenständige Vereine, die 170.000 Men­schen mit Handicap betreuen.

Die Förderstätte versucht, auch Menschen mit Mehrfachbehinderungen eine sinnvolle Beschäftigung anzubieten

Die Angebote sind inzwischen sehr vielseitig und an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Sie sollen ein weitgehend selbstorganisiertes und selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Die Betreuer verstehen sich dabei als Assistenten und Begleiter, die unter­stützen, aber nicht bevormunden. In den Anfängen, während der 1960er und 1970er Jahre, war die Situation noch eine ganz andere.

Die integrative Disco - eines der beliebtesten Angebote der Offenen Hilfen

Am Beispiel der Lebenshilfe Fürth zeigt die Reportage auf, was sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat: Thema­tisiert wird unter anderem das gegen viele Wider­stände erkämpfte Recht auf eine selbstbestimmte Sexualität, die Stärkung der Persönlichkeitsrechte – die durch die 1992 erfolgte Abschaffung des Vormundschafts­rechts erfolgte und zu einem voll­ständig veränderten Selbstverständnis im Umgang mit Menschen mit geistiger Behin­derung führte – und die bis heute andauernden Ver­suche einer Integration in unsere Gesellschaft.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 15 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
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