April 2012
Für Menschen, die aufgrund ihrer Biografie oder ihrer sozialen Stellung kaum mit einem universitären Bildungsangebot in Berührung kommen, rief der Verein Straßenkreuzer e.V. vor zwei Jahren die Straßenkreuzer Uni ins Leben. Das Vorlesungsangebot ist kostenlos und wendet sich in erster Linie an Frauen und Männer aus Einrichtungen der Obdachlosenhilfe. Der Anspruch der Organisatoren ist es, wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln und Interessierte ohne Zugangsschwelle an spannende Wissensgebiete heranzuführen. Dabei soll niemand ausgeschlossen werden, doch vielen Besuchern der Veranstaltungen fehlt es nicht nur am Geld, andere Bildungsangebote wahrzunehmen, sondern auch am dazu nötigen Selbstbewusstsein: »Es ist einfacher, zu so einer Veranstaltung zu gehen, wenn man weiß, die Leute haben alle eine ähnliche Geschichte wie ich, ich muss mich da nicht irgendwie vorstellen, rechtfertigen, ich werd’ nicht irgendwie komisch angeguckt.«
März 2011
1995 von jungen deutschen und türkischen Muslimen gegründet, befindet sich die Begegnungsstube Medina in der Nürnberger Südstadt in einem gewöhnlichen Mietshaus, von außen kaum erkennbar. Ihre Vereinsmitglieder versuchen mit großem ehrenamtlichem Engagement, Vorurteile gegenüber dem Islam abzubauen und den Menschen den Unterschied zwischen ihrer Religion einerseits und einem von Traditionen und kulturellen Überlieferungen geprägten Handeln mancher Muslime andererseits näher zu bringen.
Sie beteiligen sich an Veranstaltungen zum interreligiösen Austausch, betreiben ein Begegnungszentrum mit Museum und Moschee, welches auch Andersgläubigen offensteht, und laden unterschiedlichste Gruppen in die Vereinsräume ein, um sie über ihre Religion zu informieren. Dabei versuchen sie, den Menschen zu vermitteln, dass Ehrenmorde, Zwangsehen oder Frauenunterdrückung auf alte Traditionen zurückgehen, aber nichts mit ihrer Religion zu tun haben, eigentlich sogar im Widerspruch zu dem stehen, was im Koran geschrieben steht.
Der keinem islamischem Verband angehörende Verein hat es durch seine Arbeit geschafft, das Vertrauen von vielen Organisationen zu gewinnen. Über 10.000 Menschen haben allein im letzten Jahr die kostenlosen und von den Vereinsmitgliedern auf ehrenamtlicher Basis durchgeführten Angebote von Medina wahrgenommen. Inzwischen besuchen sogar Bundeswehrsoldaten und Polizeianwärter die Begegnungsstube, um sich über den Islam zu informieren.
November 2008
2001 konvertierte Gisela Blume zum Judentum. Nach jahrelanger intensiver Beschäftigung mit dem alten jüdischen Friedhof in Fürth, in denen sie fast 6000 der verwitterten und teilweise zerstörten Grabinschriften wieder lesbar machte und so den Nachfahren ermöglichte, die Gräber ihrer Ahnen zu besuchen, fand sie im jüdischen Glauben eine neue Heimat. Von 2004 bis 2008 engagierte sie sich als Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde in Fürth. Während dieser Zeit entstand ein Buch über die Geschichte des alten jüdischen Friedhofs in Fürth, mit dem Gisela Naomi Blume der Gemeinde »ein Stück ihrer zerbrochenen Geschichte« zurückgeben will.
Juni 2008
Tunay Duman kam vor 30 Jahren mit einem abgeschlossenen Pharmaziestudium aus der Türkei nach Fürth, um seine Doktorarbeit in Deutschland zu machen. Doch es kam alles ganz anders, denn sein Studium wurde nicht anerkannt. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet er als Hilfsarbeiter in der Großbäckerei Wölfel. Neben 10 Stunden Arbeit in der Firma beginnt er, Deutsch zu lernen und sich für die Probleme seiner türkischen Landsleute zu interessieren.
Er engagiert sich im türkischen Kulturverein, hilft türkischen Kindern bei den Hausaufgaben, wird in den Ausländerbeirat gewählt und sorgt als Vorsitzender von ditib dafür, dass seine Landsleute ein eigenes Kulturzentrum mit Moschee bekommen, so dass sie auch in Fürth so etwas wie Heimatgefühle entwickeln können. Das Portrait eines Mannes, der mit seinem Engagement einiges in Fürth auf den Weg brachte.
September 2006
Aristides Laskaridis, heute Pari genannt, wächst als eines der ersten Gastarbeiterkinder im fränkischen Windsbach auf. Hier geht er auf das Gymnasium, wird Mitglied im bekannten Windsbacher Knabenchor und beginnt, sich intensiv mit Spiritualität zu beschäftigen.
Nach dem Abitur macht sich Pari auf eine spirituelle Suche, fährt regelmäßig nach Indien und besucht verschiedene spirituelle Lehrer und Yogis, um seinen eigenen Weg zu finden. Heute besitzt Pari einen Ferienclub auf Korfu und wird von vielen seiner Gäste selbst als spiritueller Lehrer gesehen.
November 2005
Im Rahmen des von Jesuiten organisierten Projektes [’magis] kamen Anfang August 3000 Jugendliche aus aller Welt in elf Städten zusammen, um sich auf den Weltjugendtag vorzubereiten. 150 von ihnen trafen sich in Nürnberg, mit dem Ziel, sich mit dem eigenen Glauben auseinander zu setzen und anschließend gemeinsam auf den Weltjugendtag zu fahren.
August 2005
Über Pfingsten sind im Kloster Münster Schwarzach 20 Jugendliche zusammen gekommen, um einen Kurzurlaub der besonderen Art zu verbringen. Begleitet von Mönchen, suchen sie nach ihren spirituellen Wurzeln und ihrem ganz persönlichen Lebensweg.
Februar 2003
Roberto Heindl alias »Two Hawks« ist ein in Deutschland geborener Halbblutindianer vom Stamm der Plains. Roberto wuchs bei der Mutter in Franken auf und erlitt aufgrund seines Aussehens und seiner sozialen Stellung vielerlei Repressionen. Nachdem er die Schule verlassen hatte, versuchte er sich als Versicherungsvertreter. Aber schon bald stellte er fest, dass dies nicht seine Welt ist und kehrte mehr und mehr zu seinen indianischen Wurzeln zurück. Inzwischen veranstaltet er als »Two Hawks« Workshops und versucht, bei Zeremonien in freier Natur und bei Auftritten (z.B. in Schulen und Kindergärten) das spirituelle Vermächtnis seiner Vorfahren weiter leben zu lassen. Gemeinsam mit indianischen Freunden veranstaltet er überregionale Zusammenkünfte, so genannte »Pow Hows« und sucht nach Möglichkeiten für ein Leben in der Industriegesellschaft, in dem auch die Natur ihren Platz hat.
März 2001
Nalan und Aykut Gelengec sind bekennende Muslime. In Deutschland aufgewachsen und auf der Suche nach einer eigenen Identität, entscheiden sie sich mit knapp 20 Jahren, ihr weiteres Leben nach dem Islam auszurichten. In den Regeln des Islams finden sie eine Basis für ihr religiöses und gesellschaftliches Leben, die ihnen nicht nur Orientierung, sondern auch persönliche Freiheiten bietet. Nalan und Aykut geben einen Einblick in ihr Leben als Muslime und den Islam und was es für sie bedeutet, die Religion in ihren Lebensmittelpunkt zu stellen. Sie erzählen, wie Familie und Freunde mit ihrer Entscheidung umgegangen sind, wie deutsche Mitbürger auf sie reagieren und wie sie zu fundamentalistischem Religionsverständnis stehen.
Oktober 2000
Die Weltkonferenz der Religionen für den Frieden, kurz WCRP, ist eine internationale Bewegung. Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften, unter ihnen Christen, Moslems, Juden, Buddhisten und Hindus setzen sich gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben der Religionen ein, auch in Nürnberg. Mit Veranstaltungen wie dem »Pilgerweg der Religionen« bemühen sie sich vor Ort um den Dialog und wachsendes Vertrauen – denn nach wie vor gibt es genügend Vorbehalte in jeder der Religionsgemeinschaften.
November 1997
Von niemandem angestellt, von niemandem bezahlt, ohne Auftrag, außer dem eigenen Antrieb, kümmert sich Gisela Blume seit sechs Jahren um die Geschichte des alten Jüdischen Friedhofs in Fürth. Über pflegerische Tätigkeiten hinausgehend hat sie sich eine große Aufgabe gestellt. Sie möchte die Grabsteine des Friedhofs, deren Inschriften von Jahr zu Jahr mehr verwittern, identifizieren und die einzelnen Lebenswege und Zusammenhänge rekonstruieren, um so einen wichtigen Teil der Fürther Geschichte vor dem Vergessen zu bewahren.
Juni 1997
Bella Rosenkranz ist die letzte Fürther Bürgerin, die den Holocaust überlebt hat. Obwohl Bella bereits als Kind von der Gestapo nach Polen deportiert wurde, schon bald für viele Jahre in russische Gefangenschaft kam und nach Kriegsende noch viele Jahre illegal in Russland bleiben musste, hat sie sich nicht unterkriegen lassen. – Ganz im Gegenteil, der Zuschauer nimmt Anteil an einer Persönlichkeit, der man ihr Schicksal zwar ansieht, die aber ihren Lebensmut nie verloren hat.
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