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Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


November 2016

»Wir sind bunt« – Einblicke in eine »ganz normale« Grund- und Mittelschule

Das Bayerische Schulsystem ist bis heute dreigegliedert. Nach einer gemeinsamen vier­jäh­ri­gen Grundschule für alle Regelschüler sieht es nach der vierten Klasse eine Aufteilung in verschiedene Schularten vor. Neben den sogenannten »weiterführenden Schulen«, dem Gymnasium und der Realschule, gibt es seit 2011 die Mittelschule, für, wie es eine Lehrerin beschreibt, »den Rest, der es nicht geschafft hat«. An ca. 600 Stand­orten in Bayern sind an die Grundschule Mittelschulen angeschlossen, so auch an der Fürther Pestalozzischule.

In den meisten Schulstunden steht auch für Klassen, in denen viele Schüler einen erhöhten Förderbedarf haben, nur eine Lehrkraft zur Verfügung

2011 wurden die ehemaligen Hauptschulen in Mittelschulen umbenannt. Im Baye­ri­schen Kultusministerium versprach man sich davon eine Aufwertung des Schul­spren­gels. Aber hat die Namensänderung etwas gebracht? Die stärkeren Schüler verlassen weiter nach der vierten Klasse die Grundschule Richtung Gymnasium oder Realschule.

Die Zusammenarbeit zwischen Förderschülern der Hallemannschule und den Regelschülern funktioniert in der Grundschule gut, wird aber durch den Weggang der sozial starken Schüler auf weiterführende Schulen immer schwieriger

Dabei sind die Ansprüche an die Mittelschule weiter gestiegen. Eltern haben die Mög­lich­keit, frei zu wählen, ob sie Kinder, die ein Handicap haben, an eine För­der­schu­le oder eine Grund- und später dann Mittelschule schicken. Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund und den damit oftmals verbundenen Sprachschwierigkeiten ist in den letzten Jahren kontinuierlich angewachsen, Lehrer sehen sich immer öfter mit Schülern konfrontiert, die verhaltensauffällig sind oder Motivationsprobleme haben.

Zusätzlicher Förderunterricht ist erst durch das Profil Inklusion möglich, das die Pestalozzischule seit 2014 hat – für 50 Kinder mit erhöhtem Förderbedarf stehen jedoch nur 24 Wochenstunden zur Verfügung

Was geblieben ist, ist der Wunsch von Schulleitung und Lehrern, die Schüler möglichst gut auf die Arbeitswelt vorzubereiten, aber ist dies unter diesen Umständen zu schaffen? Kann ein einzelner Lehrer die Ansprüche, die an ihn gestellt werden, über­haupt erfüllen oder bedarf es dazu eigentlich einer zweiten ausgebildeten Lehrkraft, zumindest in den Kernfächern? Wie soll man Einzelne fördern, wenn sich alleine an der Mittelschule 50 Schüler mit besonderem Förderbedarf befinden und dafür gerade einmal 24 Förderstunden pro Woche zur Verfügung stehen? Welche Rolle spielt dabei das Bayerische dreigliedrige Schulsystem, und was bedeutet es insbesondere im Bezug auf den Inklusionsgedanken?

Ab der siebten Klasse werden die Schüler durch verschiedene Maßnahmen auf den Berufseinstieg vorbereitet – hier bei einem Praktikum in einer Schreinerei

Eine engagierte Lehrerin aus der Mittelschule meint: »Solange Eltern tagtäglich in der Grundschule erleben, wir müssen stark sein, das hat ’nen Wert. Ich will, dass mein Kind aufs Gymnasium geht, die Mittelschule, das sind die Idioten, ich sags mal so deutlich, kann ich nicht davon sprechen, dass alle Menschen irgendwie einen glei­chen Wert haben, und das ärgert mich persönlich.« Sie träumt davon »dass wir den Kindern eine Schule anbieten können mit einer Schultüre und sich diese Schule dann innerhalb des Gebäudes verzweigt, so dass die Kinder die Möglichkeit haben, ent­spre­chend ihrer Ver­an­la­gung und Begabung das eine oder andere zu absolvieren.« Eine Vorstellung, die wohl immer ein Traum bleiben wird?

Projekte, die zur Berufsvorbereitung dienen, wie die Anschaffung und der Ausbau eines Bauwagens für die SMV, wären ohne die Unterstützung von Sponsoren nicht möglich

Medien PRAXIS e.V. hat mehrere Jahre die Situation an der Fürther Pestalozzischule verfolgt. Entstanden ist eine dreiteilige Reportage mit folgenden Schwerpunkten:

  1. Möglichkeiten und Grenzen des Miteinander und voneinander Lernens im drei­glie­dri­gen Schulsystem

  2. Die Schwierigkeiten, den Gedanken der Inklusion an einer Mittelschule mit Le­ben zu füllen

  3. Die Herausforderung, Schülern eine adäquate Berufsvorbereitung zukommen zu lassen

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 90 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
November 2016

Mitmachen macht Schule – Das »Freiwillige Soziale Schuljahr«

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Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse von Mittelschulen, Realschulen und Gym­na­si­en können in Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen von Kommunen, Ver­bän­den und Vereinen ein Freiwilliges Soziales Schuljahr (FSSJ) ableisten.

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Die Einsatz-Möglichkeiten reichen von Kindergärten bis Altenheimen, von der Frei­wil­li­gen Feuerwehr zum Bund Naturschutz, vom Tierheim zum Sportverein. Das FSSJ beinhaltet über die Dauer eines Schuljahres außerhalb des Unterrichts eine zwei­stün­di­ge ehrenamtliche Tätigkeit in der Woche.

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Dieses Projekt der Caritas bietet Schülerinnen und Schülern die Chance, sich sozial zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen und wichtige soziale Kompetenzen zu trai­nie­ren. Zudem gibt es Anregungen für die berufliche Zukunft und ein Zeugnis.

Ein Film von Monika Zurhake und Jochen Vetter  •  Länge: 27:30 Min.

April 2016

40 Jahre KUNO – Vom Kulturladen Nord zum Kulturzentrum Nord

Als der KUNO ein Jahr nach seiner Gründung 1976 die Räumlichkeiten in der Wurzelbauerstraße bekam, mussten viele ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden in den Umbau gesteckt werden.

Das in der Nürnberger Nordstadt gelegene Stadtteilzentrum KUNO ist Teil der vor 40 Jahren entstandenen Idee, in möglichst vielen Stadtteilen kleine dezentrale Kul­tur­zen­tren entstehen zu lassen. Die vom damaligen Kulturreferenten Hermann Glaser entwickelte Vorstellung, niederschwellige, alle Bevölkerungsgruppen ansprechende kulturelle Angebote zu machen, hat unter dem Stichwort »Soziokultur« in den 1980er Jahren bundesweite Bedeutung erlangt.

Bei den berühmten Montagssitzungen rauchten nicht nur die Köpfe...

Aus der Aufbruchsstimmung der 1968er Generation heraus fanden sich im »Ku­ltur­la­den Nord« Menschen zusammen, die in der Gesellschaft etwas verändern wollten. In den 1980er Jahren gab es im KUNO viele Initiativen, die sich kulturell, sozial oder po­li­tisch engagierten. Neben den »Müttern gegen Atomkraft« nutzten unter anderem Greenpeace, die Solarenergieinitiative und Robin Wood die Räume. Vereine, wie die die Schwangerenberatungstelle oder Nürnberger Aidshilfe wurden hier gegründet. Pro­te­ste gegen Einschnitte im Kulturetat, gegen den zweiten Golfkrieg oder der Auf­ruf zum Volkszählungsboykott wurden von KUNO-Mitgliedern maßgeblich mit­or­ga­ni­siert.

Margit Mohr, Leiterin des KUNO, hat Gründungsmitglieder des Vereins eingeladen, um sich mit ihnen über die ersten Jahre auszutauschen.

Die politischen Aktivitäten wurden im Laufe der Jahre weniger, die Zahl derer, die sich aktiv engagierten, nahm ab und die Hauptverantwortlichen sahen sich mit sin­ken­den Besucherzahlen konfrontiert. Daher nahm man im Jahre 2009 einen Relaunch vor: aus dem Kulturladen Nord wurde das Kulturzentrum Nord.

Künstler haben im Galeriehaus Präsentationsmöglichkeiten, die in kommerziellen Galerien eher selten geboten werden.

Margit Mohr, seit 25 Jahren Leiterin des noch immer selbstverwalteten KUNO hielt einen Neustart für notwendig: »Der Relaunch diente dazu, dass wir uns auf unsere Kernkompetenzen besinnen, und wir haben dann herausgefunden, dass wir mit dem Galeriehaus die bildende Kunst als den ersten Kern­be­reich, als weiteren Kernbereich die Literatur mit dem jetzigen Literaturzentrum Nord haben und der dritte Kern­bereich ist der Kul­tur­treff Nord, der subsumiert das Café Zeitlos, das Kurs- und Fort­bil­dungs­pro­gramm, die Reihe Jazzfrühstück, und alle Gruppentreffs, die hier statt­fin­den.« Wenngleich sich die Schwerpunkte der Arbeit im Laufe der Jahre verschoben haben, fühlt man sich im KUNO dem Glaserschen Gedanken der Soziokultur bis heute verpflichtet.

Das alle sechs Wochen stattfindende Jazzfrühstück ist meist ausverkauft.

Seit Jahrzehnten unverändert fester Bestandteil des KUNO-Programms ist das 1. Mai-Fest. Hier kommt seit Jahren die Nürnberger Alternativ- und Politszene zusammen, schwelgt in Erinnerungen oder schaut wie der Künstler Peter Hammer vorbei, um sich zu informieren: »Man muss doch wissen, wer noch am Leben ist und wie alt er geworden ist.«, um dann festzustellen, »die sind alle älter geworden, wahrscheinlich sogar ich.«

Trotz Regen und schlechten Wetters kommen die Besucher am 1. Mai in den KUNO.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 65 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Februar 2016

Eingeschrieben in die Haut

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Es ist noch gar nicht so lange her, da assoziierte man Tattoos mit Seefahrerei, Knast und Rotlichtmilieu. In den späten 1980er Jahren war ein tätowierter Unterarm »noch ’ne echte Ansage«, erinnert sich Kalle, der seit über 35 Jahren in Bamberg als Tä­to­wie­rer arbeitet. Heutzutage fällt man allerdings fast mehr auf, wenn man kein Tattoo trägt. Angeblich ist inzwischen jeder vierte Deutsche unter 35 Jahren täto­wiert. Dabei handelt es sich nicht nur um Künstler oder Kreative: Inzwischen lassen auch Bankangestellte und Beamte ihren Körper mit Tattoos verschönern. Gehört es demnach heute für junge Menschen genauso dazu, tätowiert zu sein, so wie das neue­ste iPhone zu besitzen? Ist man schlichtweg out, wenn man sich dem verweigert?

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Wenn man früher zeigen wollte, dass man ein harter Hund ist und einiges auf dem Kerb­holz hat, dann ließ man sich eine »Knastträne« tätowieren. Aber was verbinden Menschen heute mit ihrem Körperschmuck? Wollen Menschen mit ihren Tattoos etwas aussagen, sie als Kommunikationsinstrument einsetzen, oder geht es nur darum, mit­re­den zu können bzw. Teil eines Trends zu sein?

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Auch Tattoos unterliegen Moden. Klamotten, die man heute trägt, kann man morgen in den Altkleidercontainer werfen, aber was macht man mit einem Arschgeweih, das man sich vor 20 Jahren auf den unteren Rücken hat tätowieren lassen?

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Nach welchen Kriterien wählt man seinen Körperschmuck aus? Lässt man es bei ein paar Sternchen oder einer kleinen Rose, beschränkt sich auf Stellen, die man leicht bedecken kann, oder macht man es wie Johannes Stahl und lässt sich den Spruch »Shit never goes wrong« in krakeliger Schrift auf den Hals tätowieren? Lässt man sich von Mathes Krivy ein Ganzkörperkonzept tätowieren, das an polynesische rituelle Tattoos erinnert, damit aber eigentlich nichts zu tun hat, oder ist ein asiatischer Body­suit von dem Forchheimer Snüden die richtige Entscheidung, wenn man seinen Körper verschönern lassen will? Wenn der Tätowierer keine passende Vorlage hat – im Internet findet sich für jeden Geschmack das passende.

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Selbst in Kleinstädten gibt es heute meist mehrere Tattoostudios. Die Anzahl der Täto­wie­rer hat in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen, darunter sind immer mehr Absolventen von Kunstakademien und Designer wie Calina Hain. Sind Tattoos, wenn sie von Künstlern erstellt sind, Kunst bzw. wann sind Tattoos Kunst? Was bringt Menschen dazu, ihrem Tätowierer freie Hand bei der Modifizierung ihres Körpers zu geben? Tätowierer und Tätowierte erzählen von ihrem Verhältnis zu der Gestaltung des mensch­li­chen Körpers.

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Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 55 Min.

Ausschnitte aus diesem Film waren im Oktober letzten Jahres in der Ausstellung »Skin Stories. Tattoo & Kunst« in der kunst galerie fürth im Rahmen des Festivals »net:works« zu sehen – hier ein Teaser dazu.

Dezember 2015

Samocca – Franchise einmal anders

Rechenunterricht: Im Ernstfall muss die Kasse stimmen

In den letzten Jahren hat sich die Kaffeehauslandschaft in Deutschland stark verändert: Viele von Bäckereien betriebene Cafés haben geschlossen. An ihre Stelle sind deutsch­land­weit agierende Ketten getreten, die meist im Franchise betrieben werden. Samocca ist eines dieser Unternehmen, das sich allerdings in einem wichtigen Punkt von den Mitbewerbern unterscheidet: 80% der Beschäftigten sind Menschen mit Han­di­cap.

Übung macht die Meisterin: Wenn das Balancieren mit dem Tennisball klappt, dann auch mit vollen Kaffeetassen

Im Frühjahr 2015 wurde in Fürth das erste Samocca in Mittelfranken eröffnet. Seitdem arbeiten hier 15 Beschäftigte der Lebenshilfe. Nach oftmals vielen Jahren im geschützten Rahmen der Werkstätten haben sie sich entschieden, den Schritt an einen neuen anspruchsvollen Arbeitsplatz zu wagen. Arbeiten in einem Café, das bedeutet Schicht- und Wochenenddienst, acht Stunden stehen und gehen und dabei die Gäste immer gleich freundlich behandeln. So etwas geht nicht immer ohne Stress ab.

Einweisung vor der Eröffnung: Auch wenn anfangs nicht jeder Handgriff sitzen wird, so werden die Prozesse so gut es geht verinnerlicht

Damit der hohe Anspruch an Qualität und Service erfüllt werden kann, wurde von den Franchise-Gebern ein spezielles Bestellsystem entwickelt. Das ermöglicht selbst Men­schen, die weder lesen noch schreiben können, im Samocca zu arbeiten.

Fertig zum Start: Das Samocca-Team in schicker Dienstkleidung

Fast alle, die seit nunmehr neun Monaten im Café arbeiten, sind trotz der hohen Anforderungen mit viel Engagement bei der Sache und stolz auf das, was sie zu leisten vermögen. Anita Hofmann fasst es so zusammen: »Mir gefällt es sehr gut, dass die Leute uns anschauen und sehen, was wir machen. Die denken, wir schaffen das nicht, weil wir sind behinderte Menschen, die das gleich wieder aufgeben, aber dass wir es schaffen, heißt, wir sind ein Team. Und wenn die Leute das nicht glauben, sollen sie uns besuchen und sehen, wie wir uns daran halten.«

Los geht's: Sowohl vor als auch hinter der Theke ist die Arbeit gleichermaßen anspruchsvoll

Der Film begleitet das Projekt von den ersten Vorbereitungen, über die mit viel Stress verbundene Eröffnungsphase bis hin zum Kaffeehausbetrieb. Die Beschäftigten er­zäh­len von ihren Erwartungen und Ängsten, von Stresssituationen und Erfolgserlebnissen und geben so einen beeindruckenden Einblick in das, was sie trotz ihres Handicaps zu leisten vermögen.

Mit vollem Tablett zum Gast geschlängelt: Längst nicht jeder »normale« Mensch würde ohne weiteres schaffen, was die behinderten Mitarbeiter(innen) hier täglich leisten

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 62 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Juni 2015

Herz aus Asphalt – eine Straße zwischen Nürnberg und Fürth

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Die Fürther Straße in Nürnberg und die Nürnberger Straße in Fürth: Diese knapp sechs Kilometer der Bundesstraße 8 sind mehr als die wichtigste Verbindungsstraße zwi­schen zwei Nachbarstädten. Hier fanden die Nürnberger Prozesse statt und hier waren mit AEG, Triumph Adler, Grundig und der Quelle große, weit über die Region hinaus bedeutende Firmen angesiedelt.

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Davon ist nicht viel geblieben und doch pocht das »Herz aus Asphalt« noch immer: Heute ist die Straße auf Nürnberger Seite vom Strukturwandel betroffen und zu ei­nem multikulturellen geprägten Boulevard geworden. Hier kann man flanieren oder es sich in schönen Cafés und Kneipen gut gehen lassen kann. Und auf Fürther Seite: da führt die Straße direkt zur Michaelis-Kirchweih, der größten Straßenkirchweih Bay­erns, und spätestens dann, wenn in Fürth die fünfte Jahreszeit ausgebrochen ist, kom­men auch die Nürnberger nach Fürth…

Ein Film von Norbert Goldhammer, Tobias Klink, Philipp Niemöller und Eike Scham­burek  •  Länge: 30 Min.

Januar 2015

Miteinander lernen, aneinander wachsen – Inklusion in einer Partnerklasse

Eine wichtige Rolle beim gemeinsamen Lernen spielen die Paten

Seit 2002 gibt es an der Fürther Pestalozzischule eine sogenannte Partnerklasse. Hier werden Regelschüler und Kinder mit besonderem Förderbedarf aus der Halle­mann­schule der Lebenshilfe von einer Grundschullehrerin und einer Sonder­schul­lehrerin von der ersten bis zur vierten Klasse gemeinsam unterrichtet.

An der Pestalozzischule gibt es eine offene Ganztagesbetreuung, bei der die Kinder unter vielen Freizeitangeboten wählen können: Dienstags trifft sich die Ruder-AG am Rhein-Main-Donau Kanal

Hintergrund ist eine UN-Resolution, die 2009 von der Bundesregierung ratifiziert wurde. Dort heißt es, dass Menschen mit Handicap die Teilnahme an allen gesell­schaft­lichen Belangen zu ermöglichen ist. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass auch Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen an Regelschulen ein­ge­schult werden.

Gegenseitiges Vertrauen ist nicht nur beim Geburtstagsritual wichtig in der Partnerklasse

Die Idee, die Inklusion in Form einer Partnerklasse zu realisieren, wurde zunächst von allen Seiten mit einer gewissen Skepsis beobachtet: Eltern von Förderschülern hatten Bedenken, dass ihre Kinder zu wenig Aufmerksamkeit bekämen, Eltern von Regelschülern befürchteten, dass ihre Kinder nicht genug lernen. Doch von den an­fäng­lichen Bedenken ist in der Partnerklasse wenig geblieben. Man ist sich in­zwi­schen einig, dass beide Seiten voneinander profitieren. »Es ist nach den vier Jahren jetzt für alle ein Gewinn, wir haben von den Behinderten gelernt, und die Be­hin­der­ten eben von den normalen Kindern und das ist eigentlich für alle eine Situation, die schön ist, weil keiner irgendwo Verlier ist, sondern alle dadurch gewonnen haben«, so die Mutter einer Regelschülerin.

Bei der letzten gemeinsamen Klassenfahrt auf Burg Trausnitz

Der Film begleitet Schüler einer Partnerklasse während ihrer Grundschulzeit und zeigt, dass Inklusion mehr sein kann als eine gesellschaftliche Randnotiz, wenn der politische Wille dazu vorhanden ist.

Wir bedanken uns für die Unterstützung bei:
HERMANN GUTMANN STIFTUNG
Lebenshilfe Fürth e. V.
Förderverein PESTA e. V.
Regierung von Mittelfranken

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 64 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Juni 2014

Kunst und Kultur »Auf AEG«

Der Bildhauer Sebastian Kuhn war der erste Künstler, der »Auf AEG« sein Atelier einrichtete – in der ehemaligen Staplerwerkstatt.

Als MIB das AEG-Gelände nach der Werksschließung 2007 kaufte, setzte Pro­jekt­ent­wick­ler Bertram Schultze bei dem Versuch, dem Gelände neues Leben einzuhauchen, ganz stark auf die Karte Kunst und Kultur. Schon bald hatten rund 80 Künstler auf dem Gelände eine neue Heimat gefunden und auch die Stadt Nürnberg entschied recht schnell, eine der Hallen zu kaufen, um darin eine 4800 qm große Kultur­werk­statt einzurichten.

Jedes Jahr im September findet »Offen Auf AEG« statt. An einem Wochenende können die Besucher das Gelände und die dort untergebrachten Einrichtungen und Firmen besichtigen. Gleichzeitig wird eine der noch nicht vermieteten Hallen für 14 Tage zur Galerie.

Mit einer im Jahresrhythmus stattfindenden großen Kunstaustellung, die maßgeblich durch Werke der sich »Auf AEG« befindlichen Künstler geprägt ist, gelingt es, Jahr für Jahr bis zu 20.000 Menschen auf das Gelände zu locken.

Während in fast allen Bereichen die Entwicklung positiv verläuft, ist es schwierig, das Gelände dauerhaft zu einem Galeriestandort zu entwickeln. Der Verein Zentrifuge wird im Spätsommer das Gelände verlassen.

Künstlerateliers, dazu kulturelle Veranstaltungen und die Präsentation von Kunst statt der Schaltung teurer Werbeanzeigen – das Konzept geht auf. Heute, sieben Jahre spä­ter, sind große Teile des Geländes vermietet und bald wird der Platz auf dem Gelände knapp.

Julia Frischmann, Fürther Kulturförderpreisträgerin, fasst die Situation der Künstler »Auf AEG« so zusammen: »AEG heißt ja auch: Auf eigene Gefahr.«

Aber was wird aus den Künstlern, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass sich kaum noch jemand an das ehemals schlechte Image des Geländes erinnert? Wird der Erfolg des Entwicklungskonzeptes für die Künstler zu einem Bumerang oder bleibt MIB seiner Idee treu? Wird das AEG-Gelände auch in Zukunft ein Ort sein, an dem sich Kunst, Kultur und mittelständische Unternehmen gegenseitig befruchten und so das Areal auf Dauer zu etwas Besonderem machen?

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 52 Min.

Mai 2014

Neues Leben »Auf AEG«

Die 1892 gegründete AEG entwickelt sich Anfang des 20. Jahrhunderts zum weltweit größten Industriekonzern. Unter dem AEG-Logo werden der Farbfernseher und das Bildtelefon erfunden, die elektronische Fernsehkamera und das Tonband. Das Nürn­berger Werk produziert vor alle »weiße Ware« – Waschmaschinen, Trockner und Kühl­schränke.

Rund 90 Jahre wurden auf dem Gelände der AEG in Nürnberg-Muggenhof Haushaltgeräte produziert. Foto: Deutsches Technikmuseum Berlin

Doch in den 1980er Jahren beginnt eine steile Abwärtsspirale. Im Laufe von zwei Jahrzehnten muss der einstige Weltkonzern einen Vergleich anmelden und wird von Elektrolux aufgekauft. Nach einer kurzen Erholungsphase, in der die Mit­ar­bei­ter neue Hoffnung schöpfen, kommt dann 2007 für die Produktionsstätte in Nürnberg das endgültige Aus. Das Stammwerk wird geschlossen und die Produktion nach Polen und Italien verlagert.

In 2016 eröffnet hier im ehemaligen »Bau 3« die Kulturwerkstatt »Auf AEG« mit einem Kulturladen für den Stadtteil, der Zentrale der Musikschule, dem KinderKunstRaum, der Akademie für Schultheater und Theaterpädagogik sowie Räumen für das Centro Español.

Für viele Nürnberger ist dies ein Schock. Zum einen verlieren die letzen 1.700 Mit­arbeiter ihren Arbeitsplatz, zum anderen droht das 168.000 m² große Grundstück zu einer industriellen Brache zu werden. Dazu ist es nicht gekommen. Noch bevor die letzten Arbeiter das Gelände verlassen haben, findet sich zur Überraschung vieler mit MIB ein Investor, der sich für das Gelände interessiert und es Elektrolux abkauft.

Seit 2007 ist Bertram Schultze als Projektentwickler »Auf AEG« tätig.

Zunächst wird fast ein Drittel der Gebäude abgerissen, um Raum und Licht zu schaf­fen, anschließend wird mit der Sanierung der Gebäude begonnen. Unter dem Titel »Creating communities« versucht Projektentwickler Bertram Schultze, die Flächen zu vermarkten – mit Erfolg. »Auf AEG« hat sich ein Mix aus mittelständischen Firmen, Künstlern sowie universitären und kulturellen Einrichtungen niedergelassen. Auch wenn noch immer einige Gebäude leer stehen, noch einiges aus- und umgebaut wer­den muss – auf dem AEG-Gelände ist neues Leben eingekehrt.

Anna Bittersohl bereitet ihre Arbeit für »OFFEN auf AEG« vor. Ca. 80 Künstler haben derzeit ihre Ateliers »Auf AEG« und tragen wesentlich zum positiven Image des Geländes bei.

Die Reportage gibt einen Einblick in die Entwicklungen der letzten sieben Jahre.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 28 Min.

April 2014

Biohandel 2.0 – die Kahles steigen aus

Inzwischen haben die Kahles auch ihren letzten Biomarkt geschlossen

Wolfram und Christina Kahle sind überzeugte Verfechter einer ökologischen Lebens­weise. 1980 macht Wolfram Kahle seine Überzeugung zum Beruf und beginnt, auf Wochen­märkten in Norddeutschland Naturkostwaren zu verkaufen. Neun Jahre später zieht er mit seiner Frau Christina nach Mittelfranken und eröffnet in der heimischen Garage einen ersten Bio-Laden. Die alteingesessene heimische Bevöl­ke­rung in der ca. 25 km von Nürnberg entfernt gelegenen Gemeinde Baiersdorf kann zunächst wenig mit dem Angebot anfangen.

Qualität, möglichst aus der Region - darauf haben die Kahles immer Wert gelegt

Mit viel Geduld und großem Werbe- und Überzeugungsaufwand gelingt es, den Laden zu etablieren. Im Laufe der Jahre ent­wickelt sich das Geschäft immer besser – die beiden expandieren. Gemeinsam mit Ge­schäfts­partnern betreiben sie zeitweise fünf »BioMarkt«-Läden in Erlangen und Umgebung.

Regale befüllen, Kunden beraten, Wiegen und Kassieren: Die Arbeit eigenen Laden ist ebenso abwechslungsreich wie anstrengend

Noch immer meldet die Naturkostbranche jedes Jahr Umsatzrekorde. Überall schießen Bio-Supermärkte aus dem Boden, aber die Kahles sehen in diesem Umfeld für sich und ihr Geschäftskonzept keine Zukunft: »Der Markt verlangt, dass die Flächen immer größer werden, die Taktungszeiten an der Kasse immer schneller werden, und damit haben wir dann letztendlich den konventionellen Supermarkt komplett kopiert und das, was wir an Lebensqualität in diesen Geschäften und mit diesen Produkten transportieren wollten, verraten.« Für Wolfram Kahle und seine Frau hat die Naturkostbewegung im Laufe der Jahre ihre Ideale aus dem Blick ver­lo­ren – Grund genug für die beiden, auszusteigen.

Nach vielen Jahren als Vegetarier ernähren sich Wolfram und Christina Kahle inzwischen fast ausschließlich vegan

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 54 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
November 2013

»Mit sich selbst im Grünen sein« – Netzwerk Soziale Landwirtschaft

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Die Idee der Verbindung von Landwirtschaft und Sozialarbeit/Sozialpädagogik hat vielfältige, voneinander unabhängige historische Wurzeln, u. a. das Wirken des ukrai­nischen Pädagogen Anton Semjonowitsch Makarenko, aber auch die Impulse Rudolf Steiners in der Heilpädagogik und Landwirtschaft. In den letzten Jahren erlebt dieser Ansatz eine neue Blüte als Grüne Sozialarbeit und Soziale Landwirtschaft in einer Vielzahl von Einrichtungen mit ganz unterschiedlichen Zielgruppen.

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Ihr gemeinsames Ziel: Durch die Verbindung von Landwirtschaft, Gartenbau und sozialer Arbeit Menschen, die auf Grund eines Handicaps auf dem ersten Arbeits­markt keine Chance haben, Beschäftigung zu geben. Dabei steht nicht die Gewinn­maximierung im Vordergrund, sondern die Suche nach einer Tätigkeit, die Sinn stiftet und Spaß macht, ohne zu überfordern.

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Obwohl diese Konzepte schon seit Jahren erfolgreich in der Arbeit mit körperlich und geistig behinderten Menschen, mit psychisch Kranken und ehemals Drogenabhängigen angewandt werden, wird ihnen in Deutschland eine Anerkennung als eigenständige Therapieform verweigert. Nicht zuletzt um dies zu ändern, haben sich viele dieser Einrichtungen im Netzwerk »Soziale Landwirtschaft« zusammengeschlossen.

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Der Film gibt Einblick in die Arbeit von vier Einrichtungen und zeigt auf, was sich die Beteiligten von dem Netzwerk erhoffen.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 28 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
Oktober 2013

»Abenteuer für alle« – Mühlenkraft e. V.

Bis hier wieder Leben einkehrt, muss noch viel Geld in die Hand genommen werden

2009 kaufte Mühlenkraft e. V. in der Hersbrucker Schweiz die Harnbacher Mühle. Der Verein will das 21 Hektar große Gelände in den nächsten Jahren so entwickeln, dass Menschen mit Handicap hier nicht nur eine sinnvolle Arbeit finden, sondern ihnen auch ein möglichst freier Zugang zur Natur ermöglicht wird.

»Abenteuer für alle« auf der Pegnitz

Unter dem Titel »Abenteuer für alle« organisiert der Verein bereits seit einigen Jah­ren Freizeiten in der Natur. Mit selbstgebauten Rollfietsen werden für gehbehinderte oder gelähmte Menschen Waldwege zugänglich, mit entsprechenden Schlauch­booten können sie sogar an einer Bootsfahrt teilnehmen.

Man muss sich nur zu helfen wissen - mit einfachen Hilfsmitteln ist der Zugang zur Natur für alle möglich

Mit dem Ausbau des Geländes sollen in den nächsten Jahren diese Aktivitäten weiter entwickelt werden. Gleichzeitig soll die Harnbacher Mühle zu einem Ort der Begeg­nung werden, der Menschen mit Handicap interessante Arbeitsplätze bietet. Hierzu will der Verein eine Schule errichten, gastronomische Angebote machen und die Wald- und Wiesenflächen gärtnerisch bewirtschaften.

Mit den selbstgebauten Rollfietsen auf Erkundungstour

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg: Zunächst muss das nötige Geld be­sorgt werden. Keine einfache Aufgabe, zumal das Gelände auch noch in einem Natur­schutz­gebiet liegt.

Studenten der Permakultur-Akademie diskutieren über eine möglichst naturfreundliche Umsetzung der geplanten Aktivitäten

Die Reportage zeigt zum einen die ersten Freizeitangebote, die hier für Jugendliche mit und ohne Handicap gemacht werden, zeigt das ehrenamtliche Engagement des Netzwerkes »Unternehmen Ehrensache«, die bei einem Corporate Volunteering Day den Verein bei Arbeiten auf dem Gelände unterstützt haben und begleitete eine Gruppe von angehenden Permakulturdesignern, die sich eine Woche damit beschäf­tigt haben, wie man die geplanten Aktivitäten des Vereines an der Harnbacher Mühle so verwirklichen kann, dass dabei möglichst wenig Eingriffe in die Natur erforderlich sind.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 27 Min.

auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
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