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Medien PRAXIS - Das POINT Reportage Sendungs-Blog


« Eingeschrieben in die Haut Zeichen setzen – Nürnbergs erste Vesperkirche »

40 Jahre KUNO – Vom Kulturladen Nord zum Kulturzentrum Nord

Als der KUNO ein Jahr nach seiner Gründung 1976 die Räumlichkeiten in der Wurzelbauerstraße bekam, mussten viele ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden in den Umbau gesteckt werden.

Das in der Nürnberger Nordstadt gelegene Stadtteilzentrum KUNO ist Teil der vor 40 Jahren entstandenen Idee, in möglichst vielen Stadtteilen kleine dezentrale Kul­tur­zen­tren entstehen zu lassen. Die vom damaligen Kulturreferenten Hermann Glaser entwickelte Vorstellung, niederschwellige, alle Bevölkerungsgruppen ansprechende kulturelle Angebote zu machen, hat unter dem Stichwort »Soziokultur« in den 1980er Jahren bundesweite Bedeutung erlangt.

Bei den berühmten Montagssitzungen rauchten nicht nur die Köpfe...

Aus der Aufbruchsstimmung der 1968er Generation heraus fanden sich im »Ku­ltur­la­den Nord« Menschen zusammen, die in der Gesellschaft etwas verändern wollten. In den 1980er Jahren gab es im KUNO viele Initiativen, die sich kulturell, sozial oder po­li­tisch engagierten. Neben den »Müttern gegen Atomkraft« nutzten unter anderem Greenpeace, die Solarenergieinitiative und Robin Wood die Räume. Vereine, wie die die Schwangerenberatungstelle oder Nürnberger Aidshilfe wurden hier gegründet. Pro­te­ste gegen Einschnitte im Kulturetat, gegen den zweiten Golfkrieg oder der Auf­ruf zum Volkszählungsboykott wurden von KUNO-Mitgliedern maßgeblich mit­or­ga­ni­siert.

Margit Mohr, Leiterin des KUNO, hat Gründungsmitglieder des Vereins eingeladen, um sich mit ihnen über die ersten Jahre auszutauschen.

Die politischen Aktivitäten wurden im Laufe der Jahre weniger, die Zahl derer, die sich aktiv engagierten, nahm ab und die Hauptverantwortlichen sahen sich mit sin­ken­den Besucherzahlen konfrontiert. Daher nahm man im Jahre 2009 einen Relaunch vor: aus dem Kulturladen Nord wurde das Kulturzentrum Nord.

Künstler haben im Galeriehaus Präsentationsmöglichkeiten, die in kommerziellen Galerien eher selten geboten werden.

Margit Mohr, seit 25 Jahren Leiterin des noch immer selbstverwalteten KUNO hielt einen Neustart für notwendig: »Der Relaunch diente dazu, dass wir uns auf unsere Kernkompetenzen besinnen, und wir haben dann herausgefunden, dass wir mit dem Galeriehaus die bildende Kunst als den ersten Kern­be­reich, als weiteren Kernbereich die Literatur mit dem jetzigen Literaturzentrum Nord haben und der dritte Kern­bereich ist der Kul­tur­treff Nord, der subsumiert das Café Zeitlos, das Kurs- und Fort­bil­dungs­pro­gramm, die Reihe Jazzfrühstück, und alle Gruppentreffs, die hier statt­fin­den.« Wenngleich sich die Schwerpunkte der Arbeit im Laufe der Jahre verschoben haben, fühlt man sich im KUNO dem Glaserschen Gedanken der Soziokultur bis heute verpflichtet.

Das alle sechs Wochen stattfindende Jazzfrühstück ist meist ausverkauft.

Seit Jahrzehnten unverändert fester Bestandteil des KUNO-Programms ist das 1. Mai-Fest. Hier kommt seit Jahren die Nürnberger Alternativ- und Politszene zusammen, schwelgt in Erinnerungen oder schaut wie der Künstler Peter Hammer vorbei, um sich zu informieren: »Man muss doch wissen, wer noch am Leben ist und wie alt er geworden ist.«, um dann festzustellen, »die sind alle älter geworden, wahrscheinlich sogar ich.«

Trotz Regen und schlechten Wetters kommen die Besucher am 1. Mai in den KUNO.

Ein Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald  •  Länge: 65 Min.

Video auf YouTube anschauen Von diesem Film gibt es einen Ausschnitt auf YouTube.
auf DVD erhältlicher Film Dieser Film ist auf DVD erhältlich.
  1. Heinz-Peter Lehmann  •  5. Mai. 2016

    Die Dokumentation finde ich ausserordentlich gelungen. Sehr gut Recherche, gute Ausgewogenheit von »Vergangenem« und »Gegenwart. Ich gehöre selbst zu den Grün­dungs­mitgliedern des KUNO. Persönlich bedauere ich das deutlich erkennbare »weg von der Soziokultur« hin zum »normalen« Kulturbetrieb. Auch mit dem »Re­launch« vom Kulturladen zum Kulturzentrum werden Probleme wie zurückgehende Zahlen von Besuchern und Aktivisten nicht gelöst. Trotzdem bin ich froh und auch ein wenig stolz, dass unsere Initiative von damals – ganz im Gegensatz zu vielen anderen – immer noch lebt! Ich bleibe auf jeden Fall ein weiterhin kritischer Beobachter und überzeugter Anhänger.

    An die Macher der DOKU: vielen Dank und chapeau!!

    #1 

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